mini|512px|Entwicklung der weltweiten Jährlichen Automobilproduktion von 9500 Stück im Jahr 1900 auf 2015 nahezu 100 Millionen, das Zehntausendfache; die Weltkriegsjahre sind schwarz, Jahre weltweiter Wirtschaftskrisen Grün gefärbt, 2014 und 2015 sind geschätzt. (→Tabelle). Zu beachten: logarithmische Darstellung!

Die Automobilindustrie ist ein Wirtschaftszweig, der sich der Massenproduktion von Automobilen (Automobilfertigung) und anderen Kraftfahrzeugen widmet. Sie entstand nach der Erfindung des Automobils 1885 durch Carl Benz.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte die Industrie durch die von Ransom Eli Olds und vor allem von Henry Ford entwickelte Fließbandfertigung von Kraftfahrzeugen einen anhaltenden Aufschwung, der insgesamt, wenn auch schwächer werdend, bisher anhält – unterbrochen vor allem durch die beiden Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre sowie in geringerem Maße die Ölkrisen der 1970er Jahre und die Finanzkrise ab 2007. Seit einigen Jahren ist die Industrie mit den Herausforderungen einer nötigen Elektrifizierung konfrontiert, im Rahmen der erzwungenen Transition von herkömmlichen Verbrennungsmotoren hin zur aufkommenden Elektromobilität.

Geschichte und Bedeutung Kaum ein anderes industrielles Massenprodukt hat den Alltag der Menschheit so stark verändert wie das Automobil. Seit seiner Erfindung wurden mehr als 2.500 Unternehmen weltweit gegründet, die sich der Automobilproduktion widmeten. Viele von ihnen begannen ihre Tätigkeit im 19. Jahrhundert als Produzenten von Eisenwaren, Stahl, Waffen oder Fahrrädern und entwickelten dabei die technologischen und handwerklichen Fähigkeiten, die später im Automobilbau benötigt wurden.

Nicht alle Unternehmen entwickelten sich zu globalen Massenherstellern, und viele verschwanden im Laufe der Zeit vom Markt. Dennoch kommt es auch heute zu Neugründungen, vor allem im Bereich der Elektromobilität. Beispiele hierfür sind Hersteller wie Tesla, Rivian oder BYD, die in den letzten Jahrzehnten eine führende Rolle bei der Transformation zur nachhaltigen Mobilität eingenommen haben. Diese Unternehmen zielen oft auf Marktnischen, sei es mit exklusiven Sportwagen, innovativen Elektrofahrzeugen oder Spezialfahrzeugen. Kleinere Hersteller setzen häufig auf eine Fertigung in Manufakturen und gehören daher nicht zur klassischen Automobilindustrie im Sinne der Massenproduktion.

Konsolidierung und Marktkonzentration Die Automobilindustrie war bereits im 20. Jahrhundert durch Fusionen und Übernahmen geprägt. Ein bekanntes Beispiel ist der Verkauf der Adam Opel AG an General Motors im Jahr 1929. Solche Konsolidierungen setzten sich fort und führten dazu, dass heute eine vergleichsweise kleine Zahl von globalen Konzernen den Automobilmarkt dominiert. So vereint der Volkswagen-Konzern mehr als zehn ehemals eigenständige Marken unter seinem Dach, darunter Audi, Porsche, Škoda und SEAT. Ähnlich agieren andere Giganten wie Stellantis, das durch die Fusion von Fiat Chrysler und PSA entstanden ist, sowie die Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz.

Trotz der Konzentration auf wenige Großkonzerne bleibt der Markt dynamisch. Im Bereich Elektromobilität und Digitalisierung haben sich neue Akteure wie Tesla etabliert und traditionelle Hersteller gezwungen, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken.

Die Rolle der Zulieferindustrie Mit der wachsenden Automobilproduktion und einem abnehmenden Eigenfertigungsanteil der Hersteller hat sich eine starke und spezialisierte Zulieferindustrie entwickelt. Zulieferer wie Bosch, Continental und ZF Friedrichshafen spielen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung neuer Technologien, insbesondere im Bereich Elektromobilität, autonomes Fahren und Batteriefertigung.

Produktionsvolumen und Bedeutung 1950 wurden weltweit erstmals mehr als 10 Millionen Fahrzeuge produziert – eine Zahl, die bis 2023 auf etwa 85 Millionen jährlich gestiegen ist. Die Marke von 100 Millionen Fahrzeugen jährlich wurde durch die Pandemie und Lieferkettenprobleme bislang nicht erreicht, bleibt jedoch ein realistisches Ziel für die nächsten Jahre. Die führenden Produktionsländer sind heute China, die USA, Japan, Deutschland und Südkorea.

China ist nicht nur der größte Produzent, sondern auch der größte Absatzmarkt, insbesondere für Elektrofahrzeuge. Im Jahr 2023 entfielen mehr als 50 % des weltweiten Absatzes von Elektroautos auf China, was seine wachsende Dominanz in der Automobilindustrie verdeutlicht.

Wirtschaftliche Bedeutung Die Automobilindustrie bleibt ein zentraler Wirtschaftszweig. In der Europäischen Union erwirtschaftete die Branche im Jahr 2023 einen geschätzten Umsatz von mehr als 800 Milliarden Euro, wobei Deutschland mit einem Anteil von etwa 40 % weiterhin führend ist. Deutschland bleibt zudem der größte Arbeitgeber in der europäischen Automobilbranche mit rund 780.000 direkt Beschäftigten.

Die Automobilindustrie steht heute vor enormen Herausforderungen und Chancen, insbesondere durch die Elektrifizierung, Digitalisierung und die Integration nachhaltiger Technologien. Trotz dieser Veränderungen bleibt sie eine der tragenden Säulen der globalen Wirtschaft und Gesellschaft.

Pläne für eine autogerechte Stadt

Ein wesentlicher Faktor des frühen Siegeszuges des Automobils als Verkehrsmittel in den USA und Europa war das Leitbild der autogerechten Stadt. Es verursachte die Schaffung massiver Straßeninfrastruktur seit der Weltwirtschaftskrise 1929 und besonders nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach 1945. Bei Stadterweiterungen und dem Neu- und Wiederaufbau der kriegszerstörten Städte orientierten sich Stadtplaner an der Charta von Athen (CIAM) von 1933. Wohnen und Gewerbe wurden damit häufig voneinander durch Fahrtwege getrennt. Fortan wurden auch zahlreiche suburbane Satellitenstädte („Schlafstädte“) geplant. Diese ineffiziente Art der Stadtentwicklung wurde bereits früh als schwerer Missstand erkannt und wird dennoch teils bis heute verfolgt.

Elektromobilität

Der Einstieg in die Automobilbranche ist bei der Produktion von Elektrofahrzeugen (EVs) weniger komplex als bei traditionellen Verbrennungsmotoren. Dies führte insbesondere in China zu einem Boom von Elektroauto-Start-ups. Bereits 2016 wurden in China rund 200 solcher Start-ups gegründet.

China hat sich seitdem als führender Markt für Elektrofahrzeuge (siehe auch Elektroauto, Batteriebus, Elektrolastkraftwagen) etabliert. Im Jahr 2023 wurden in China etwa 5,14 Millionen batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) neu zugelassen, was einem Anstieg von 21 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Im Gegensatz dazu befanden sich in Europa sowohl die Batteriezellfertigung als auch die Ladeinfrastruktur bis 2020 noch in den Anfängen. Bis Ende 2023 lag die Zellfertigungskapazität in Europa bei 175 GWh pro Jahr. Dennoch ist ein erheblicher Ausbau erforderlich, um die steigende Nachfrage zu decken.

Europäische Automobilhersteller haben seitdem bedeutende Schritte unternommen, um die Produktion von Batteriezellen zu steigern. Prognosen zufolge könnten die Produktionskapazitäten in Europa bis 2030 auf bis zu 1,5 Terawattstunden ansteigen, wobei Deutschland mit knapp 400 Gigawattstunden den größten Anteil beisteuern könnte.

Trotz dieser Fortschritte bleibt Europa hinter China zurück (siehe auch Elektromobilität nach Ländern), sowohl in Bezug auf die Produktionskapazitäten als auch auf die Preis-Leistungs-Verhältnisse von Elektrofahrzeugen. Chinesische Hersteller bieten oft wettbewerbsfähigere Modelle an, was teilweise auf die fortschrittlichere Batteriezellfertigung und die umfangreiche Ladeinfrastruktur in China zurückzuführen ist. Europäische Hersteller sind daher Kooperationen mit chinesischen Batterieproduzenten eingegangen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

Insgesamt hat Europa seit 2020 bedeutende Fortschritte im Bereich der Elektromobilität gemacht, steht jedoch weiterhin vor Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf die Konkurrenz aus China und den Ausbau der notwendigen Infrastruktur.

Bedeutende Marken

Marken reiner Nutzfahrzeughersteller Es existiert eine große Vielzahl von Nutzfahrzeugherstellern, die keine Personenkraftwagen produzieren. Einige bedeutende sind: Die VW-Tochter Traton mit Marken wie MAN, Scania und Navistar Daimler Trucks mit Marken wie Mercedes-Benz, FUSO, Freightliner, BharatBenz, Setra und Thomas Built Buses Paccar (USA) mit Marken wie Peterbilt, Kenworth, DAF (Niederlande), Leyland Iveco (Italien)

Statistiken weltweit Weltgrößte Autohersteller nach Stückzahl und Umsatz

Aufgeführt sind alle Unternehmen mit einer Produktion von mehr als einer Million Fahrzeugen. Zugleich wurden die Umsätze der produktionsstärksten Automobilkonzerne in den Jahren 2008, 2012 und 2013 aufgeführt, die zu teils deutlich anderen Reihenfolgen führen.

Rang Unternehmen Land Stückzahl2014 davonPkw Umsatz2008(Mrd. $) Umsatz2012(Mrd. €) Umsatz2013(Mrd. €) Umsatz2018(Mrd. €) 1. 30px Toyota Motor Corporation 10.475.338 8.788.018 204,800 151,443 172,367 210 2. 30px Volkswagen AG 9.894.891 9.766.293 167,900 192,676 197,007 230,7 3. 30px General Motors Company 9.609.326 6.643.030 149,000 110,561 112,863 118 4. 30px Hyundai Motor Group 8.008.987 7.628.779 40,100 52,641 54,410 74 5. 30px Ford Motor Company 5.969.541 3.230.842 146,300 96,984 106,684 127,5 6. 30px Nissan Motor Company 5.097.772 4.279.030 88,700 65,369 70,115 90 7. 30px Fiat Chrysler Automobiles 4.865.758 1.904.618 53,100 35,566 35,593 110,9 8. 30px Honda Motor Company 4.513.769 4.478.123 94,240 65,868 79,543 106 9. 30px Suzuki Motor Corporation 3.016.710 2.543.077 k. A. 17,520 19,553 k. A 10. 30px Groupe PSA 2.917.046 2.521.833 56,300 55,446 54,090 k. A 11. 30px Groupe Renault 2.761.969 2.398.555 44,500 41,270 40,932 k. A 12. 30px BMW Group 2.165.566 2.165.566 46,700 76,848 76,058 98,7 13. 30px Shanghai Automotive Industry Corporation 2.087.949 1.769.837 k. A. k. A. k. A. k. A 14. 30px Mercedes-Benz Group 1.973.270 1.808.125 141,200 114,297 117,982 164 15. 30px Chongqing Changan Automobile Company 1.447.017 1.089.179 k. A. k. A. k. A. k. A 16. 30px Mazda Motor Corporation 1.328.426 1.261.521 28,800 14,847 18,027 k. A 17. Dongfeng Motor Corporation 1.301.695 745.765 k. A. k. A. k. A. k. A 18. 30px Mitsubishi Motors Corporation 1.262.342 1.199.823 k. A. 12,408 14,165 k. A 19. 30px Beijing Automotive Group 1.115.847 538.027 k. A. k. A. k. A. k. A 20. 30px Tata Motors 945.113 614.247 k. A. k. A. k. A. k. A

Weltweite Kraftfahrzeugproduktion nach Region bzw. Land von 2019 bis 2022

Fahrzeuge (Einheiten) 2019 2020 2021 2022 21.531.339 16.904.429 16.338.165 16.216.888 20.160.401 15.692.927 16.190.835 17.756.263 Asien-Pazifik 49.333.841 44.276.549 46.768.800 50.020.793 (ohne Ägypten) 1.095.151 776.247 907.302 1.022.783 TOTAL 92.120.732 77.650.152 80.205.102 85.016.728

Wert der Automobilmarken 2023 Tesla besaß auch bis Oktober 2024 den höchsten Börsenwert aller Automobilhersteller mit rund 823,8 Milliarden US-Dollar. Toyota folgte auf Platz zwei, mit 240 Milliarden US-Dollar.„Marktkapitalisierung ausgewählter Automobilhersteller weltweit im Oktober 2024“, Statista, 1. Oktober 2024.

In Bezug auf den Fahrzeugabsatz behauptete Toyota auch 2024 seine Position als weltweit größter Automobilhersteller mit rund 10,8 Millionen verkauften Fahrzeugen. Die Volkswagen-Gruppe folgte mit etwa 9 Millionen verkauften Einheiten.

Fahrzeugneuzulassungen seit 2023

mini|400px|Kraftfahrzeuge pro 1000 Einwohner Im Jahr 2023 wurden in Westeuropa etwa 11,4 Millionen Personenkraftwagen neu zugelassen, was einen Anstieg gegenüber den Vorjahren darstellt.

Weltweit belief sich die Zahl der Neuzulassungen auf rund 75,3 Millionen Fahrzeuge, was einem deutlichen Wachstum im Vergleich zu den Vorjahren entspricht.

In den USA wurden im Jahr 2023 etwa 13,7 Millionen Light Vehicles (Pkw und leichte Nutzfahrzeuge) verkauft, was einen Rückgang von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet.