mini|hochkant=1.6|LZ 127 Graf Zeppelin zurück von der „Weltfahrt“ in Deutschland (1929)
LZ 127 „Graf Zeppelin“ (Kennzeichen D-LZ127) war ein Starrluftschiff aus der Reihe der Zeppeline und gilt als das erfolgreichste Verkehrsluftschiff seiner Zeit. Es wurde am 18. September 1928 nach 21-monatiger Bauzeit in Dienst gestellt.
Ursprünglich als Versuchsschiff gebaut, erwies sich LZ 127 als so zuverlässig, dass es bald durch zahlreiche spektakuläre Fahrten, wie die 20-tägige „Weltfahrt“ und die „Polarfahrt“, berühmt wurde und über mehrere Jahre einen regelmäßigen Transatlantikverkehr aufrechterhielt.
Unmittelbar nach der Hindenburg-Katastrophe wurde der Zeppelin im Mai 1937 außer Dienst gestellt und 1940 verschrottet.
Das Luftschiff mini|LZ 127 kurz nach der Landung mini|thumbtime=14|LZ 127 über den Niederlanden (1929) Video 2:13 min
Bau LZ 127 „Graf Zeppelin“ wurde in Friedrichshafen von der Luftschiffwerft Luftschiffbau Zeppelin GmbH gebaut.
Zur Finanzierung des Baus hatte Hugo Eckener die so genannte Zeppelin-Eckener-Spende ins Leben gerufen. Diese Sammlung war das Ergebnis einer großen Vortrags-Tournee und erbrachte die Summe von 2,4 Millionen Reichsmark, die aber die Baukosten nur teilweise deckte. Nach längeren Verhandlungen steuerte das Deutsche Reich 1,1 Millionen Reichsmark bei. 0,8 Millionen Reichsmark brachte die Luftschiffbau Zeppelin GmbH aus eigenen Mitteln auf.Hugo Eckener: Die Amerikafahrt des „Graf Zeppelin“. Berlin 1928, S. 10.
LZ 127 wurde am 8. Juli 1928 anlässlich des 90. Geburtstages des 1917 verstorbenen Firmengründers Ferdinand Graf von Zeppelin von seiner Tochter Hella Gräfin von Brandenstein-Zeppelin getauft. Kommandant Hugo Eckener stellte das Luftschiff am 18. September 1928 für die DELAG in Dienst.
Technische Daten Das Luftschiff war 236,6 m lang, hatte einen Durchmesser von 30,5 m und ein Traggasvolumen von 105.000 m³.
Bedingt durch die Abmessungen der Werfthalle hatte LZ 127 ein für Luftschiffe ungünstiges Verhältnis von Länge zu Durchmesser. Das ist an dem relativ langen zylindrischen Mittelteil zu erkennen. Beim Aushallen waren links und rechts nur noch je ein Meter und oben nur noch etwa 65 cm Platz.
Die Gerippekonstruktion bestand aus mehreren hintereinander angeordneten Ringen und entsprach weitgehend der von LZ 126. Es wurde jedoch eine neuere Duraluminiumlegierung verwendet. In Längsrichtung gab es zwei Laufgänge.
Die Besatzung bestand aus 40 bis 50 Mann, im Durchschnitt waren 45 Besatzungsmitglieder an Bord. LZ 127 konnte maximal 25 zahlende Passagiere befördern.Gudrun Ritscher: Arbeiten auf einem Luftschiff: Die Besatzungen der Passagierluftschiffe LZ 127 „Graf Zeppelin“ und LZ 129 „Hindenburg“. In: Wissenschaftliches Jahrbuch des Zeppelin Museum Friedrichshafen, Gessler, Friedrichshafen 2005, ohne ISBN, S. 79.
Als Antrieb dienten fünf Ottomotoren vom Typ Maybach VL 2 mit einer Gesamtleistung von 2096 kW (Zwölfzylinder-V-Motoren mit je bei 1600 min−1). Diese erlaubten eine Reisegeschwindigkeit von etwa 115 km/h, eine Höchstgeschwindigkeit von 128 km/h und eine Reichweite von rund 12.000 km. Die Motoren konnten sowohl mit Benzin als auch mit Kraftgas, dem sogenannten Blaugas (siehe Auftriebsausgleich), betrieben werden.
Das Luftschiff verfügte über zwei kleine Windgeneratoren außen an der Gondel, von denen einer die Funkanlage speiste. Die elektrische Energie wurde dafür in Akkumulatoren gepuffert, so dass der Funkbetrieb weitgehend unabhängig von der aktuellen Generatorleistung blieb. Der andere Generator erzeugte den Strom für die Beleuchtung an Bord und diente als Reservegerät. Weiterhin gab es in der Führergondel einen Benzin-Notstromgenerator. Die Funkstation des LZ 127 galt damals als größte funktechnische Einrichtung, die je auf einem Luftfahrzeug installiert worden war. Sie war mit drei Funkoffizieren besetzt und wickelte den Funkverkehr zum Betrieb des Schiffes (Kommunikation, Wetterberichte) und den privaten Telegrammdienst für die Passagiere ab.
Das Schiff war für die Füllung mit Wasserstoff ausgelegt. Eine Neuerung beim Luftschiffbau stellte ein geradliniger Laufgang von der Bugspitze zum Heck, der sogenannte Axialgang, dar, der eine bessere Überwachung der Gaszellen und eine Stabilisierung der radialen Verspannungen ermöglichte.
Zur Geschwindigkeitsmessung des Luftschiffs wurden zwei verschiedene Verfahren eingesetzt. Einerseits wurde eine Messung über einen Lichtstrahl vorgenommen. Andererseits wurde auf eine laute Pfeife zurückgegriffen, sodass die Geschwindigkeit des Luftschiffs über die Schallausbreitungsgeschwindigkeit gemessen wurde.Gudrun Ritscher: Arbeiten auf einem Luftschiff: Die Besatzungen der Passagierluftschiffe LZ 127 „Graf Zeppelin“ und LZ 129 „Hindenburg“. In: Wissenschaftliches Jahrbuch des Zeppelin Museum Friedrichshafen, Gessler, Friedrichshafen 2005, ohne ISBN, S. 81.
Kennzeichen Das Luftschiff trug das Kennzeichen D-LZ127. Mit dem Wechsel des Kennzeichnungssystems für Luftfahrzeuge und der „Luftfahrt-Flaggenordnung“ vom 8. Juli 1933 musste backbordseitig (=links) auf dem Seitenleitwerk die Hakenkreuzfahne aufgebracht werden. Hugo Eckener stand dem Regime bekanntermaßen kritisch gegenüber und hatte Plänen des Propagandaministers Joseph Goebbels widersprochen, das Nazi-Symbol großflächig auf der gesamten Höhe des Luftschiffs aufzubringen. Es ist ebenfalls überliefert, dass Eckener beim Kreisen über Chicago am 26. Oktober 1933 die Fahrtrichtung so wählte, dass der Innenstadt die Steuerbordseite zugewandt war, die die schwarz-weiß-rote Flagge des deutschen Reiches zeigte, und dass das Luftschiff wegen des Hakenkreuzsymbols speziell in den USA deutlich an Sympathien einbüßte.Douglas Botting: Der große Zeppelin, Ullstein-Verlag München, 2002, ISBN 3-550-07528-6, S. 281–283.
Ausstattung der Gondel mini|Der Aufenthalts- und Speiseraum, hier eingedeckt mini|Eine Passagierkabine, für den Tag hergerichtet In der unter dem Rumpf angebrachten Gondel befanden sich der Passagierbereich und die Schiffssteuerung. Am vorderen Ende lag der Steuerraum mit der Kommandobrücke, an den sich in Richtung des Hecks der Navigationsraum unmittelbar anschloss. Von hier aus führte ein kurzer Gang in Richtung Heck, wobei backbords der Funkraum und steuerbords die elektrisch betriebene Küche mit dem Passagiereinstieg lagen. Der Gang endete im 5 × 6 Meter großen Aufenthaltsraum für die Passagiere, der auch als Speisesalon diente und über Plätze für 20 Personen sowie große Schiebefenster verfügte. Dahinter gab es entlang eines schmalen Korridors beiderseits je fünf Doppelkabinen für Passagiere. Die Kabinen verfügten tagsüber über einen Stuhl und ein Sofa, das nachts ähnlich dem Zugabteil eines Schlafwagens zu einem Bett umgebaut wurde; ein weiteres Bett wurde darüber heruntergeklappt. Sämtliche Kabinen waren mit aufklappbaren Fenstern ausgestattet, die allerdings in Richtung des Hecks durch die runde Form des Schiffskörpers kleiner wurden. Darunter war ein Tischchen befestigt, Stauraum gab es in einem Wandschrank. Hinter dem Kabinentrakt lagen für Damen und Herren getrennte Wasch- und Toilettenräume (Duschen gab es nicht) sowie zwei weitere Doppelkabinen. Daran angeschlossen war der Zugang zum Rumpf mit den Mannschaftsquartieren und -Sanitäranlagen, die entlang des Kielgangs lagen. Die Mannschaft schlief in Hängematten. Das Rauchen war aufgrund des entzündlichen Traggases verboten (ein Rauchsalon wurde erstmals in das Luftschiff R101 und in einen Zeppelin erstmals in LZ 129 eingebaut), eine Heizung gab es nicht.Barbara Waibel und Renate Kissel: Zu Gast im Zeppelin. Reisen und Speisen im Luftschiff Graf Zeppelin. Herausgeber Zeppelin Museum Friedrichshafen GmbH. „… Ein Ungeheuer von erhabener Schönheit. Das Luftschiff LZ 127 Graf Zeppelin“, S. 19–27. Kunstverlag Weingarten, 1998. ISBN 3 8170-0038-3.
Die Tatsache, dass der Passagierbereich recht kompakt gehalten war, erklärt sich dadurch, dass LZ 127 nicht in erster Linie für den Passagier- und Linienverkehr über längere Distanzen ausgelegt war. Aus diesen Gründen wurden dort auch keine Versuche der Gewichtsersparnis unternommen, welche die Passagierkapazität hätten erhöhen können.
Besondere Fahrten mini|LZ 127 „Graf Zeppelin“ überfliegt auf einer Südamerikafahrt den brasilianischen Dampfer Almirante Jaceguay vor Pernambuco (Brasilien) Die folgenden Fahrten ragten besonders heraus: Nordamerikafahrt (11. Oktober bis 1. November 1928) Orientfahrt (25. bis 28. März 1929) Weltfahrt (1. August bis 4. September 1929) Erste Südamerikafahrt (18. Mai bis 6. Juni 1930) Sonderfahrt anlässlich des Abzugs der französischen Besatzung aus der Pfalz am 20. Juli 1930, organisiert durch den Neustadter Verleger Daniel Meininger Moskau/Sowjetunion (9. bis 11. September 1930)Clausberg, K. (1990): Zeppelin: Die Geschichte eines unwahrscheinlichen Erfolges, Augsburg, S. 163. Palästinafahrt (9. bis 13. April 1931) Fahrt ins Nordpolargebiet (24. bis 31. Juli 1931) Großbritannien, Landung neben dem britischen Luftschiff R100 im August 1931fotografisch belegt in Zeppelin-Weltfahrten, Heel Verlag, Buch-Nr. 19484-5 (Nachdruck eines Zeppelin-Sammelalbums von 1932) Propagandafahrt über dem Reichsparteitag der NSDAP (2. September 1933) und Verwendung des Luftschiffs in dem Propagandafilm Der Sieg des Glaubens von Leni Riefenstahl Propagandafahrt zusammen mit dem Luftschiff LZ 129 Hindenburg, bei der über Deutschland Flugblätter für die NSDAP abgeworfen wurden (26. bis 29. März 1936)
Erste Nordamerikafahrt (1928) mini|Brief mit Stempel von der ersten Rückfahrt aus Amerika Zu seiner ersten interkontinentalen Fahrt legte das Luftschiff am 11. Oktober 1928 um 7:50 Uhr mit 20 Passagieren und 40 Besatzungsmitgliedern in Friedrichshafen mit Ziel Lakehurst bei New York ab. Eckener hatte den Termin absichtlich so gewählt, dass er mit den Festlichkeiten anlässlich des 12. Oktobers, dem Jahrestag der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, zusammenfiel, um die öffentliche Aufmerksamkeit zu steigern. Wegen schlechten Wetters wurde eine längere, südlicher verlaufende Strecke gewählt. Dennoch fuhr LZ 127 am Morgen des dritten Tages südlich der Azoren mit voller Kraft in eine schwarze Wolkenwand. Dabei senkte sich der Bug des Schiffes. Die Passagierin Lady Grace Marguerite Hay Drummond-Hay, eine englische Journalistin, schilderte das Geschehen als unbeschreibliches Durcheinander. Tische, Stühle und das weiß-blaue Zeppelin-Porzellan der Firma Heinrich fielen durcheinander. Durch den heftigen Sturm wurde die Stoffbespannung des unteren Seitenleitwerks auf der Backbordseite zerrissen. Sechs Besatzungsmitglieder, darunter Eckeners Sohn Knut, meldeten sich freiwillig zur Reparatur; mit Werkzeug ausgerüstet, kletterten sie angeseilt ins Innere der unten teilweise aufgerissenen Flosse. Die Stofffetzen wurden in mehrstündiger Arbeit abgeschnitten oder festgebunden. Zusammengenähte Zoeppritz-Wolldecken wurden über die aufgerissene Stelle gezogen und mit Seilen festgebunden. Nach 111 Stunden und 44 Minuten landete das Luftschiff am 15. Oktober in Lakehurst und wurde frenetisch gefeiert. Nach zweiwöchigem Reparaturaufenthalt in Amerika startete das Luftschiff am 29. Oktober zur Rückfahrt nach Deutschland und erreichte Friedrichshafen am 1. November.„Zeppelin Safe at Lakehurst after 111-Hour Flight; Soars Over the White House and then Over New York; Moored to Mast till Wind Drops at 2 am; Now in Hangar.“ The New York Times, October 16, 1928.
Orientfahrt (1929)