Nobitz ist eine Gemeinde im Landkreis Altenburger Land in Thüringen. Sie ist mit mehr als 7100 Einwohnern die viertgrößte Kommune des Landkreises nach den Städten Altenburg, Schmölln und Meuselwitz und außerdem die flächengrößte.
Bekannt ist Nobitz vor allem als Standort des 1913 errichteten Leipzig-Altenburg Airport, der auch als Flughafen Altenburg-Nobitz bekannt ist.
Geografie Nobitz liegt etwa 1 km östlich der Stadt Altenburg am Rande der Leipziger Tieflandsbucht.
Nachbargemeinden
Gemeindegliederung mini|300px|Gemeindegliederung (Gemarkungen)
Datum Orte EinwohnerGemeindekurier der Gemeinde Nobitz vom 12. Januar 2013 Abgerufen am 22. Januar 2016 Nobitz 870 1926 Niederleupten 182 1. Juli 1950 Münsa (mit Polnischer Hütte) 86 1. Januar 1960 Kotteritz 158 1. Januar 1973 KlausaGarbus 35441 1. Januar 1973 OberleuptenPriefelHauersdorf 68639 6. Mai 1993 WilchwitzKraschwitz 47591 8. März 1994 Ehrenhain (mit Heiersdorf)NirkendorfOberarnsdorfDippelsdorf 79810410948 31. Dezember 2012 SaaraBornshainBurkersdorfGardschützGiebaGleinaGoldschauGösdorfGroßmecka (mit Kleinmecka)HeiligenleichnamKaimnitzLehndorfLöhmigenLöpitzMaltisMockernPodelwitzRunsdorfSellerisTaupadelTautenhainZehma (mit Friedrichslust)ZumrodaZürchau 20114796606884869428 41142277584950719982942023423583126 6. Juli 2018 Frohnsdorf (mit Wiesebach) 246 6. Juli 2018 JückelbergFlemmingenWolperndorf 3018080 6. Juli 2018 Ziegelheim (mit Thiergarten)Engertsdorf (mit Heiersdorf)GähsnitzNiederarnsdorfUhlmannsdorf 500180506060
Geschichte Nobitz ist eine slawische Gründung, die Kirche im Dorf Nibodiz wird in einer Zinsurkunde des Zeitzer Bischofs Udo II. aus dem Jahr 1166 erstmals erwähnt. Von 1143 bis 1388 ist ein Adelsgeschlecht von Nab(e)dicz mehrfach urkundlich nachgewiesen. Im 12. und 13. Jahrhundert lag die Lehnsgerechtigkeit bei den Burggrafen von Altenburg und nach deren Aussterben im Jahr 1329 bei den Burggrafen von Leisnig. Von 1400 bis 1623 befand sich das Rittergut Nobitz im Besitz der Familie von der Gabelentz. Danach die Familie von Zechau, Kanzler Dr. Bernhard Bertram, von Thumbshirn und die von Zehmens. 1742 erbte Sophie Elisabeth von Lindenau, geb. v. Zehmen, das Rittergut Nobitz und befand sich seit dem im Besitz der Familie v. Lindenau. Im Schmalkaldischen Krieg wurde Nobitz 1574 von kaiserlichen Husaren geplündert und gebrandschatzt, ebenso im Dreißigjährigen Krieg 1631 und 1634. Im Jahr der Völkerschlacht 1813 waren 2.800 russische Soldaten in Nobitz einquartiert. Nachdem die alte Kirche am 22. Juli 1819 durch Blitzschlag beschädigt worden war und ohnedies für die Gemeinde zu klein geworden war, wurde sie im Jahr 1822 abgetragen und der Grundstein zu einem neuen Kirchbau gelegt. Nach einer ungewöhnlich langen Bauzeit – so stürzte auf Grund von Projektierungsmängeln der fast fertige Neubau am 18. Oktober 1823 ein – konnte die Kirche erst am 29. September 1829 geweiht werden.J. und E. Löbe: Geschichte der Kirchen und Schulen des Herzogthums Sachsen-Altenburg. Altenburg 1886, S. 408–420. Die Orgel wurde 1826 von Christian Friedrich Poppe aus Roda (heute Stadtroda) gebaut. Sie umfasst 26 klingende Stimmen auf zwei Manualen und Pedal, ist aber heute wegen fehlender Wartung unspielbar. Sechs (nach anderen Quellen neun) Register sind aus dem Vorgängerinstrument, das 1746 von Heinrich Gottfried Trost erbaut wurde, in diese Orgel übernommen worden.Felix Friedrich, Albrecht Dietl: Orgeln im Altenburger Land. Altenburg 1995, S. 69–73.
Nobitz gehörte zum wettinischen Amt AltenburgDas Amt Altenburg im Buch „Geographie für alle Stände“, ab S. 201Die Orte des Amts Altenburg ab S. 83. welches ab dem 16. Jahrhundert aufgrund mehrerer Teilungen im Lauf seines Bestehens unter der Hoheit folgender Ernestinischer Herzogtümer stand: Herzogtum Sachsen (1554 bis 1572), Herzogtum Sachsen-Weimar (1572 bis 1603), Herzogtum Sachsen-Altenburg (1603 bis 1672), Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg (1672 bis 1826). Bei der Neuordnung der ernestinischen Herzogtümer im Jahr 1826 kam Nobitz wiederum zum Herzogtum Sachsen-Altenburg. Nach der Verwaltungsreform im Herzogtum gehörte der Ort bezüglich der Verwaltung zum Ostkreis (bis 1900) bzw. zum Landratsamt Altenburg (ab 1900). Nobitz kam im Jahr 1918 zum Freistaat Sachsen-Altenburg, der 1920 im Land Thüringen aufging. Ab 1922 gehörte Nobitz zum Landkreis Altenburg.
Zeit des Nationalsozialismus Während des Zweiten Weltkrieges wurden in den Lagern der Firma I.G.Schmidt in Kotteritz, Lager Altenburg XIV, Stammlager IV E und F 490 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion und Großbritannien untergebracht, die auf dem Fliegerhorst für die Führung des Luftkriegs arbeiten mussten. Gebeine von Verstorbenen wurden nach Kriegsende auf dem Ehrenfriedhof von Altenburg beigesetzt. Drei ungarische Jüdinnen, die an den unmenschlichen Haftbedingungen starben, sind auf dem Nobitzer Friedhof beigesetzt.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945 (= Heimatgeschichtliche Wegweiser, Band 8 Thüringen). Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 24.
Bernsteinzimmer im Leinawald Das seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen geltende Bernsteinzimmer wird immer wieder im Leinawald östlich von Nobitz vermutet. Bereits 1964 versuchte der Stasi-Oberstleutnant Paul Enke das Zimmer zu bergen. Im Jahre 1996 unternahm der Amerikaner Norman Scott erneut den Versuch, es zu finden. Thomas Kuschel sucht seit dem Jahr 2006. Im Jahr 2011 wurde die Suche intensiviert; dabei wurde ein Hohlraum in 17 Metern Tiefe gemessen, und nun glaubt er, dort Teile des Zimmers zu finden. Die Spur des Bernsteinzimmers verliert sich im Februar 1945 in Pölzig bei Gera.OTZ vom 15. März 2012
Zeit von 1945 bis zur Gegenwart Bei der zweiten Kreisreform in der DDR wurden 1952 die bestehenden Länder aufgelöst und die Landkreise neu zugeschnitten. Somit kam die Gemeinde Nobitz mit dem Kreis Altenburg an den Bezirk Leipzig, der seit 1990 als Landkreis Altenburg zu Thüringen gehörte und 1994 im Landkreis Altenburger Land aufging.
Am 29. September 2011 wurde der Vertrag über die Eingliederung der damaligen Nachbargemeinde Saara unterzeichnet. Die Eingliederung erfolgte mit Wirkung vom 31. Dezember 2012. Am 6. Juli 2018 wurden die Gemeinden Frohnsdorf, Jückelberg und Ziegelheim aus der aufgelösten Verwaltungsgemeinschaft Wieratal eingemeindet. Nobitz wurde erfüllende Gemeinde für Göpfersdorf und Langenleuba-Niederhain.Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt Nr.7 2018 vom 5. Juli 2018. (PDF; 1,5 MB), aufgerufen am 6. Juli 2018.
Einwohnerentwicklung
Entwicklung der Einwohnerzahl nach jeweiligem Gebietsstand (Stand ab 1994 jeweils 31. Dezember): 1583: ca. 200 1633: 186 1672: 259 1844: 506 1880: 626 1910: 917 1919: 947 1925: 1.051 1933: 1.349 1939: 1.389 1990: 2.239 1994: 3.920 1995: 3.944 1996: 3.911 1997: 3.948 1998: 4.039 1999: 4.037 2000: 4.006 2001: 3.921 2002: 3.901 2003: 3.880 2004: 3.858 2005: 3.789 2006: 3.748 2007: 3.682 2008: 3.640 2009: 3.582 2010: 3.561 2011: 3.445 2012: 6.257 2013: 6.165 2014: 6.073 2015: 6.066 2016: 6.048 2017: 5.964 2018: 7.276 2019: 7.256 2020: 7.183 2021: 7.141 2022: 7.007 2023: 7.012 2024: 6.962 Datenquelle: bis 1880 Löbe, ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik
Entwicklung der Einwohnerzahl auf dem heutigen Gebietsstand (Stand ab 1990 jeweils 31. Dezember): 1910: 10.218 1919: 10.352 1933: 10.850 1939: 10.736 1990: 9.321 1995: 8.980 2000: 9.027 2005: 8.624 2010: 8.055 2011: 7.747 2015: 7.442 2017: 7.309 Datenquelle: ab 1995 Thüringer Landesamt für Statistik
Politik
Gemeinderat
Der Gemeinderat setzt sich seit der Kommunalwahl vom 26. Mai 2024 wie folgt zusammen:
Partei / Liste Sitze +/− CDU 5 ± 0 SPD 5 − 2 Bürgerliste Ehrenhain und Umgebung 4 + 1 Freie Wählergemeinschaft Wiera 4 + 1 Die Linke 1 − 1 Podelwitzer Carnevalsclub e. V. 1 ± 0 Gesamt 20 − 1
Bürgermeister Kurz nach der Wende war Frank Rösler Bürgermeister von Nobitz. Im Jahr 1998 wurde Martina Zehmisch (parteilos) Bürgermeisterin und 2003 im Amt bestätigt. Sie trat 2009 nicht mehr an und so wurde der SPD-Politiker Hendrik Läbe gewählt. Er wurde am 21. Juni 2015 im ersten Wahlgang mit einer Mehrheit von 83,0 % gegenüber seinem CDU-Mitbewerber und einer Wahlbeteiligung von 60,4 % (− 5,8 %p) im Amt bestätigt.Ergebnisse der Bürgermeisterwahlen auf der Seite des Landeswahlleiter Thüringen, abgerufen am 31. Juli 2016. Am 26. Juni 2021 konnte er mit 96,2 % der gültigen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 26,6 % die Wahl ebenfalls für sich entscheiden.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Kirche in Nobitz Aufgrund des großen Gemeindegebietes existieren in der Gemeinde zahlreiche Sehenswürdigkeiten, vor allem die ländliche Baukunst mit Sakral- und Profanbauten betreffend, aber auch technische Denkmale. Hier zu erwähnen sind vor allem die ortstypischen Altenburger Vierseithöfe, die in nahezu jedem Ortsteil zu finden sind. Besonders erwähnenswert ist der 1649 errichtete Hof Bauch in Ehrenhain mit eingerichtetem Heimatmuseum sowie als weiteres Zeugnis bäuerlicher Baukunst das älteste Fachwerkhaus des Altenburger Landes von 1564/65 in Gieba. Bedeutende technische Denkmale sind die Viadukte der stillgelegten Bahnstrecke Altenburg–Narsdorf, mit dem Nirkendorfer und dem Wiesebacher Viadukt liegen zwei von fünf im Gemeindegebiet. Weiterhin erwähnenswert ist das Werk der ehemaligen Altenburger Wollspinnerei (ALWO) sowie die angrenzende Werksiedlung in Form einer Gartenstadt von 1914 in Kotteritz. Der Ortsteil Wolperndorf ist der östlichste Ort Thüringens und steht durch seine Dorfform mit den Vierseithöfen und der Kirche unter Denkmalschutz. Ein bedeutender Sakralbau befindet sich unter anderem in Nobitz selbst. Die 1829 errichtete Kirche ist eine der wenigen im Stil des Klassizismus errichteten Dorfkirchen Thüringens. Daneben befindet sich in Nobitz noch das Herrenhaus des ehemaligen Rittergutes, in welchem heute die Gemeindeverwaltung untergebracht ist.
Für eine vollständige Darstellung denkmalgeschützter Bauwerke siehe Liste der Kulturdenkmale in Nobitz.
Neben dem Heimatmuseum in Ehrenhain besteht am Flughafen das Museum Flugwelt mit großem Freigelände, auf dem unter anderem zwei MiG-21 zu besichtigen sind.
Bedeutende Veranstaltungsorte sind der „ALWO-Club“ sowie das Flughafengelände. Im Ortsteil Engertsdorf befindet sich der Sitz der Hinteruhlmannsdorfer Komödiantenhof mit einer Bühne aus dem Jahr 1917.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Leipzig-Altenburg Airport Verkehr In Nobitz befindet sich der Leipzig-Altenburg Airport. Durch die Gemeinde führen außerdem die Bundesstraßen 7, 93 und 180, letztgenannte führt direkt durch den Ortsteil Nobitz. Zudem verläuft die Bahnstrecke Leipzig–Hof durch das Gemeindegebiet, an der der Haltepunkt Lehndorf (Kr Altenburg) liegt. Der nächste Eisenbahnhaltepunkt von Nobitz aus war Paditz, welcher 2010 stillgelegt wurde. Bis 1999 besaß Nobitz einen Haltepunkt an der heute stillgelegten Nebenstrecke von Altenburg nach Narsdorf.
Wasserver- und Abwasserentsorgung Die Wasserver- und Abwasserentsorgung auf dem gesamten Gebiet der Gemeinde Nobitz übernimmt der Zweckverband Wasserver- und Abwasserentsorgung Altenburger Land.
Ansässige Unternehmen Im Ortsteil Kotteritz war die Wollspinnerei Schmidt&Söhne ansässig, die später als Großbetrieb unter dem Namen „VEB Altenburger Wollspinnerei“ (ALWO) für die Textilindustrie und den Heimbedarf in der DDR produzierte. Nachdem nach der Wiedervereinigung die Produktion durch immer neue Besitzerwechsel und mehrere Konkurse nahezu zum Erliegen gekommen war, brachte das Jahr 2004 das endgültige Aus für diesen Betrieb.