Meuselwitz ist nach Altenburg und Schmölln die drittgrößte Stadt im thüringischen Landkreis Altenburger Land sowie die flächenmäßig drittgrößte Kommune des Landkreises. Die Kleinstadt liegt am Dreiländereck mit Sachsen und Sachsen-Anhalt am Südrand der Leipziger Tieflandsbucht zwischen Altenburg im Südosten und Zeitz im Nordwesten sowie Gera im Südwesten und Leipzig im Nordosten.
War der Ort seit dem 17. Jahrhundert zunächst durch das Wirken des Adelsgeschlechts von Seckendorff geprägt, wandelte sich Meuselwitz ab 1860 zur Industriestadt der Braunkohle. Aus beiden Zeiten sind verschiedene sehenswerte Gebäude erhalten, zur ersten gehören die Orangerie und der Park sowie die Stadtkirche im barocken Stil und zur letzteren das neugotische Rathaus von 1874. Seit jenem Jahr verfügt Meuselwitz auch über die Stadtrechte.
Durch Bombenangriffe 1944 und 1945 wurde ein Großteil der Stadt zerstört. 250 Menschen verloren dabei ihr Leben.Günter Sagan: Ostthüringen im Bombenkrieg 1939–1945. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2013, ISBN 978-3-86568-636-7, S. 77–90 und 101–105.
Geografie Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind im Uhrzeigersinn die Stadt Lucka, Haselbach, Treben, Gerstenberg, die Kreisstadt Altenburg, Rositz und Kriebitzsch im Landkreis Altenburger Land, außerdem im Norden Regis-Breitingen im sächsischen Landkreis Leipzig sowie im Westen Elsteraue und die Stadt Zeitz im sachsen-anhaltischen Burgenlandkreis.
Stadtgliederung Zu Meuselwitz gehören neben der Kernstadt mit dem historischen Stadtteil Zipsendorf folgende Ortsteile im Uhrzeigersinn von Norden beginnend: mini|Meuselwitz und seine Hauptgebäude um 1800 Falkenhain Bünauroda Schnauderhainichen Wintersdorf Waltersdorf Neubraunshain Neupoderschau Brossen Mumsdorf
Die Ortsteile Mumsdorf, Schnauderhainichen und Wintersdorf haben eigene Ortsbürgermeister. Zum Ortsteil Wintersdorf gehören die drei mit dem Hauptort verschmolzenen Orte Heukendorf, Pflichtendorf und Gröba, sowie Waltersdorf mit Neubraunshain und das zwischen 1954 und 1957 fast völlig abgebaggerte Ruppersdorf. Bosengröba wurde 1957 zu Wintersdorf eingemeindet. Lehma mit dem Ortsteil Trebanz gehörten seit dem 1. Januar 1996 zu Wintersdorf, wurden aber zum 30. Dezember 2008 nach Treben umgegliedert.
Geschichte Bis zum Zweiten Weltkrieg mini|Staatenaufteilung des Altenburger Landes bis 1920 mini|hochkant|Rathaus mini|hochkant|Bahnhofstraße mit der für das Stadtzentrum typischen Architektur Das heutige Meuselwitz wurde als Rittergut „Mizleboze“ 1139 erstmals urkundlich erwähnt. Anfang des 15. Jahrhunderts befand sich das Gut im Besitz der Herren von Bünau, ab 1578 der Emigrantenfamilie Cramer von Clauspruch.
1676 wurde das Gut Meuselwitz von Veit Ludwig von Seckendorff erworben, der 1677 das Schloss Meuselwitz neu erbauen ließ. Der adlige Marktflecken Meuselwitz gehörte zum wettinischen Amt Altenburg,Das Amt Altenburg im Buch Geographie für alle Stände, ab S. 201Die Orte des Amts Altenburg ab S. 83 welches ab dem 16. Jahrhundert aufgrund mehrerer Teilungen im Lauf seines Bestehens unter der Hoheit folgender Ernestinischer Herzogtümer stand: Herzogtum Sachsen (1554 bis 1572), Herzogtum Sachsen-Weimar (1572 bis 1603), Herzogtum Sachsen-Altenburg (1603 bis 1672), Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg (1672 bis 1826). Bei der Neuordnung der Ernestinischen Herzogtümer im Jahr 1826 kam Meuselwitz wiederum zum Herzogtum Sachsen-Altenburg. Zu dieser Zeit lag Meuselwitz im Nordwesten des Herzogtums. Die heutigen Ortsteile Zipsendorf, Brossen, Falkenhain und Rusendorf gehörten bis 1815 zum Gebiet des Hochstifts Naumburg-Zeitz, das unter kursächsischer Hoheit stand. Mit dem Wiener Kongress wurden sie an Preußen abgetreten, wodurch das sachsen-altenburgische Mumsdorf eine Exklave in preußischem Gebiet wurde. Die heutigen Ortsteile Ruppersdorf und Bosengröba gehörten zu dieser Zeit zum Königreich Sachsen (bis 1806 zum Kurfürstentum Sachsen).
Das Rathaus wurde 1861/1862 erbaut, eine öffentliche Wasserversorgung folgte 1874. In diesem Jahr wurde Meuselwitz von Herzog Ernst I. von Sachsen-Altenburg das Stadtrecht verliehen. Nach der Verwaltungsreform im Herzogtum Sachsen-Altenburg gehörte Meuselwitz bezüglich der Verwaltung zum Ostkreis (bis 1900) bzw. zum Landratsamt Altenburg (ab 1900). Gerichtlich unterstand die Stadt seit 1879 dem Amtsgericht Altenburg, bis 1906 mit dem Amtsgericht Meuselwitz ein eigener Gerichtsbezirk entstand.
Meuselwitz gehörte ab 1918 zum Freistaat Sachsen-Altenburg, der 1920 im Land Thüringen aufging. 1922 kam die Stadt zum Landkreis Altenburg. Schnauderhainichen war in diesem Jahr der erste Ort, der nach Meuselwitz eingemeindet wurde.
Das Kaufhaus der Familie Fruchtmann wurde beim Novemberpogrom 1938 zerstört. Zahlreiche Juden wurden in die Vernichtungslager deportiert, andere emigrierten nach Palästina und in andere Länder. Während des Zweiten Weltkrieges bestanden die Zwangsarbeiterlager Meuselwitz I–III und V sowie der Gasthof „Lindenhof“, Firma Heymer & Pilz und Firma Karl Julius Görler, in denen eine Vielzahl von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern untergebracht waren. Diese mussten in der Grube „Phönix“ von Mumsdorf und im HASAG-Werk Meuselwitz, das dem KZ Buchenwald als Außenkommando unterstand, Zwangsarbeit leisten. Viele verloren durch die katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen ihr Leben, einige wurden bei einem Bombenangriff getötet. Die überlebenden jüdischen Frauen wurden von der SS auf einen Todesmarsch geschickt, die Männer wurden nach Theresienstadt getrieben. Auf dem Ehrenfriedhof von Mumsdorf, der unter Aufsicht der US Army angelegt wurde, wird an 290 Tote erinnert, die in Massengräbern gefunden wurden.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945 (= Heimatgeschichtliche Wegweiser. Band 8 Thüringen). Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 21 ff.
Meuselwitz war im Zweiten Weltkrieg zweimal von schweren Luftangriffen betroffen, am 30. November 1944 (US Air Force) und am 20. Februar 1945 (Britisches Bomber Command). Beim ersten Angriff wurden 54 Tonnen Bomben abgeworfen, beim zweiten 140 Tonnen, darunter sieben Luftminen und 550 Fünf-Zentner-Bomben. Bei diesen Angriffen starben über 250 Menschen, davon 42 Zwangsarbeiterinnen. 3000 Meuselwitzer waren nach dem zweiten Angriff obdachlos. Meuselwitz machte den Eindruck einer „Geisterstadt“. Bei beiden Luftangriffen waren im ganzen Stadtgebiet 85 Prozent der Gebäude betroffen und wurden leicht beschädigt bis zu total zerstörtGünter Sagan: Ostthüringen im Bombenkrieg 1939–1945. Michael-Imhof-Verlag, Petersberg 2013, ISBN 978-3-86568-636-7, S. 83–88, 101–105, 182..
Nach 1945 bis zur Gegenwart Am 17. April 1945 rückten amerikanische Truppen in Meuselwitz ein. Anfang Juli wurden sie durch die Rote Armee abgelöst. Damit wurde Meuselwitz – wie ganz Thüringen – Teil der SBZ und 1949 der DDR.
Mit der ersten Verwaltungsreform in der DDR wurde Meuselwitz im Jahr 1950 dem thüringischen Landkreis Altenburg zugeordnet. Zeitgleich wurde Bünauroda eingemeindet. Das bis dahin eine thüringische Exklave bildende Mumsdorf kam zum Landkreis Zeitz im Land Sachsen-Anhalt.
Unter dem Vorwurf der Bildung einer „Widerstandsgruppe“ wurden 1950 zwei Lehrer und zwei Schüler der Oberschule Meuselwitz von einem sowjetischen Militärtribunal in Weimar zum Tode verurteilt und in Moskau hingerichtet. 1952 folgten erneute Verhaftungen einer „antisowjetischen Gruppe“ von ehemaligen Schülern. Zwei von ihnen (und ein weiterer Mann) wurden durch ein Militärtribunal in Potsdam zum Tode verurteilt und in Moskau hingerichtet. Mehrere weitere frühere Schüler erhielten langjährige Arbeitslager-Strafen in einem sowjetischen Gulag. 1995/96 erfolgte die offizielle Rehabilitierung der Verurteilten durch die Russische Föderation. An das Geschehen erinnert ein Gedenkstein vor dem Veit-Ludwig-von-Seckendorff-Gymnasium mit der Inschrift: „Zum Gedenken an die Opfer der kommunistischen Diktatur und an den Widerstand an unserer Schule“ (es folgen die Namen von drei der Getöteten). Im Gymnasium gibt es zudem eine von den Schülern gestaltete Ausstellung.Anne Kaminsky (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR. Ch. Links-Verlag, Berlin 2007. S. 480–481. ISBN 978-3-86153-443-3
Mit der Verwaltungsreform von 1952 kam Meuselwitz zum Kreis Altenburg im Bezirk Leipzig. Ruppersdorf mit Bosengröba wechselten dabei vom Kreis Borna in den Kreis Altenburg. Am 4. Dezember 1952 wechselten die Gemeinden Zipsendorf mit Brossen, Mumsdorf und Falkenhain mit der Flur von Rusendorf vom Kreis Zeitz im Bezirk Halle in den Kreis Altenburg, wodurch sich das Umland von Meuselwitz im Westen und Norden vergrößerte. 1973 erfolgte die Eingemeindung von Zipsendorf mit Brossen und von Neupoderschau.
Mit der Neugründung des Freistaats Thüringen im Jahr 1990 wurde Meuselwitz dem thüringischen Landkreis Altenburg angegliedert. 1993 erfolgte die Eingemeindung von Mumsdorf und 1994 von Falkenhain mit der Flur von Rusendorf. Im gleichen Jahr kam Meuselwitz zum Landkreis Altenburger Land. Die Gemeinde Wintersdorf mit den Ortsteilen Heukendorf, Pflichtendorf, Gröba, der Flur von Ruppersdorf, Bosengröba, Waltersdorf, Neubraunshain, Trebanz und Lehma wurde 2007 eingemeindet. Trebanz und Lehma wurden jedoch im Jahr 2008 nach Treben umgegliedert.
Eingemeindungen und Einwohnerentwicklung Eingemeindungen Nach Meuselwitz wurden im Jahr 1922 Schnauderhainichen, 1950 Bünauroda, 1973 Zipsendorf (mit Brossen) und Neupoderschau, 1993 MumsdorfStBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.1993, 1994 FalkenhainStBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1994 und 2007 Wintersdorf seinen Ortsteilen eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007 Ende 2008 wechselten Trebanz und Lehma nach Treben (Verwaltungsgemeinschaft Pleißenaue).StBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.2008
Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Bosengröba Eingemeindung nach Ruppersdorf Brossen 01.07.1950 Eingemeindung nach Zipsendorf Bünauroda 01.07.1950 Falkenhain 08.03.1994 Gröba 1923 Eingemeindung nach Wintersdorf Heukendorf 1923 Eingemeindung nach Wintersdorf Lehma 01.01.199630.12.2008 Eingemeindung nach WintersdorfUmgliederung nach Treben Mumsdorf 16.10.1993 Neubraunshain 01.07.1950 Eingemeindung nach Waltersdorf Neupoderschau 01.01.195701.01.1973 Zusammenschluss mit Altpoderschau zu PoderschauUmgliederung nach Meuselwitz Pflichtendorf 1923 Eingemeindung nach Wintersdorf Ruppersdorf 01.01.1957 Eingemeindung nach Wintersdorf Schnauderhainichen 01.10.1922 Trebanz 01.07.195030.12.2008 Eingemeindung nach LehmaUmgliederung nach Treben Waltersdorf 01.01.1973 Eingemeindung nach Wintersdorf Wintersdorf 01.12.2007 Zipsendorf 01.01.1973 Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember): 1583 bis 1880 1583: 440 1615: 650 1644: 340 1690: 712 1817: 1.273 1831: 1.448 1842: 1.646 1880: 3.4021946 bis 1996 1946: 10.6881 1950: 10.5292 1960: 10.501 1981: 11.997 1984: 11.545 1994: 10.991 1995: 11.035 1996: 10.9111997 bis 2004 1997: 10.795 1998: 10.643 1999: 10.538 2000: 10.365 2001: 10.134 2002: 9.949 2003: 9.787 2004: 9.7172005 bis 2012 2005: 9.547 2006: 9.410 2007: 12.1023 2008: 11.594 2009: 11.385 2010: 11.261 2011: 10.858 2012: 10.6902013 bis 2020 2013: 10.521 2014: 10.392 2015: 10.233 2016: 10.230 2017: 10.118 2018: 10.065 2019: 9.954 2020: 9.8812021 bis 2024 2021: 9.897 2022: 10.263 2023: 10.231 2024: 10.148 Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik 129. Oktober 231. August 331. Dezember (nach Eingemeindungen)
Politik
Stadtrat Seit der Kommunalwahl vom 26. Mai 2024 setzt sich der Stadtrat wie folgt zusammen:
AfD: 9 Sitze (+3) Unabhängige Wählergemeinschaft Wintersdorf (UWW)*: 4 Sitze (±0) DIE LINKE: 2 Sitze (−1)