Most (deutsch Brüx) ist eine Stadt an der Bílina (Biela) im Ústecký kraj in Tschechien. Die kulturhistorisch wertvolle Altstadt wurde infolge des Braunkohlenbergbaus in den Jahren 1967 bis 1982 abgerissen. Die heutige Stadt wurde einige Kilometer südlich neu aufgebaut.

Geographie Im Zuge der Sanierung von Flächen nach dem Kohleabbau entstanden mehrere künstliche Seen. Der größte von ihnen ist der Mostsee' der in den Jahren 2008 bis 2011 auf einer Fläche von 311 ha angelegt wurde. Der zweite nennenswerte, etwas kleinere See näher an Most ist der Matylda-See. Sie werden vorwiegend für Sport- und Erholungszwecke genutzt. Er wurde im Jahr 1992 angelegt und hat eine Fläche von 38,7 ha.

Stadtgliederung Die Stadt Most besteht aus acht Ortsteilen mit 61 Grundsiedlungseinheiten.uir.cz Das Stadtgebiet gliedert sich in 18 Katastralbezirke.uir.cz

Ortsteile und Katastralbezirke Čepirohy; Kataster: Slatinice u Mostu (Deutsch Zlatnik), Čepirohy (Tschöppern) und teilweise Hořany (Hareth) Komořany; Kataster: Dřínov u Komořan (Bartelsdorf), Ervěnice (Seestadtl), Komořany u Mostu (Kommern) und Třebušice (Triebschitz) Most; Kataster: Most II und teilweise Hořany (Hareth) Rudolice; Kataster: Rudolice nad Bílinou (Rudelsdorf a.d. Biela) Souš; Kataster: Souš (Tschausch) und teilweise Hořany (Hareth) Starý Most (früher Kopisty); Kataster: Most I, Konobrže (Kummerpursch), Kopisty (Kopist), Pařidla (Paredl) und Střimice (Strimitz) Velebudice; Kataster: Skyřice (Skyritz) und Velebudice (Welbuditz) Vtelno; Kataster: Vtelno (Wteln)

Grundsiedlungseinheiten sind Autodrom, Benedikt, Čepirohy, Čepirohy-západ, Čepirožská výšina-jih, Dopravní podnik, Dostihové závodiště-východ, Dostihové závodiště-západ, Dřínov, Ervěnice, Fibichova, Hořany, Keřový vrch, Komořany, Konobrže, Kopistská výsypka-východ, Kopistská výsypka-západ, Kopisty, Koridor, Lajsník, Lesopark Hrabák, Liščí vrch, Most-pod nemocnicí, Na Novém světě, Na Ovčíně, Na sadech, Nad nádražím, Nákladové nádraží, Nemocnice, Obránců míru, Opletalova, Pařidla, Pod Šibeníkem, Pod Širokým vrchem, Podžatecká-jih, Podžatecká-sever, Průmyslový obvod Bylany, Ressl-východ, Ressl-západ, Rudolice, Sídliště Chanov, Skřivánčí vrch, Skyřice, Slatinice, Souš, Starý Most, Střed, Střimice, Šibeník, Široký vrch, Třebušice, U hřbitova, U kostela, U koupaliště, U muzea, U stadiónu, Velebudice, Vrch Hněvín, Vtelno, Výsluní und Zahražany.

Geschichte Das tschechische Wort Most bedeutet „Brücke“, besagt also dasselbe wie der deutsche Name. Die Stadt Brüx entstand im Zusammenhang mit dem Landesausbau im südlichen Erzgebirgsvorland und im Erzgebirge am Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Der Landesausbau war ein Teil der mittelalterlichen Deutschen Ostsiedlung. Die Stadt wurde vermutlich in den 1220er-Jahren durch das Geschlecht der Hrabischitz, mit Unterstützung durch das Kloster der Kreuzherren vom Prager Zderaz, angelegt. Eine von der älteren Forschung und auch heute noch vermutete hölzerne Brücke, über die angeblich bereits Ibrahim ibn Jakub Ende des 10. Jahrhunderts nach Prag gezogen sei und von der die Stadt ihren Namen haben soll, gilt nach archäologischen Forschungen inzwischen als Legende. mini|Blick vom Schlossberg auf die Dekanatskirche Mariä Himmelfahrt Kojata von Brüx, der letzte Nachkomme der Familie der Hrabischitz, hinterließ im Jahr 1227 sein ganzes Vermögen dem Kloster der Zderazer Kreuzherren. Wahrscheinlich im Jahr 1229 und spätestens 1238 ging die Stadt in den Besitz der Přemysliden über. Aus den 1230er bis 1250er Jahren stammen auch die ältesten archäologischen Funde aus den Grabungen im alten Stadtkern. Das älteste Stadtsiegel stammt aus dem Jahr 1257. Brüx war eine reiche mittelalterliche Königsstadt mit allen Rechten, welche der Stadt von Ottokar II. Přemysl, Johann von Luxemburg und Karl IV. erteilt worden waren.Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 424–426. Am Ende des 14. Jahrhunderts wurden entlang der Stadt Weinberge angelegt. Infolge der Neubesiedlung waren die meisten Einwohner Deutsche.

In den Hussitenkriegen (1419–1434) war Brüx ein Zentrum der Katholiken. In den Jahren von 1455 bis 1515 gab es mehrere Großbrände in der Stadt. Während der raschen Stadterneuerung begann im Jahr 1517 der Schweinfurter Meister Jacob Haylmann mit dem Bau der Dekanatskirche. Ein neues Rathaus im Renaissancestil wurde ebenfalls gebaut. Im Jahr 1571 saß Heinrich von Maltitz auf Brüx und erwarb damals Herrschaft und Schloss Hoyerswerda in der Oberlausitz.Steffen Winkler; u. a.: Die Schönburger – Wirtschaft, Politik, Kultur, Broschüre zur gleichnamigen Sonderausstellung 1990-91 in Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1990, Kap. „Schönburgische Besitzungen im Überblick“, Heinrich von Maltitz auf Brüx und Hoyerswerda S. 15 Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt mehrmals von schwedischen Truppen erobert. Im Jahr 1646 wurde die Burg auf dem Schlossberg Burg Hněvín (Landeswarte) erobert. Dies gelang den Eroberern durch eine Kriegslist.

mini|Freskengemälde: Die wundersame Bewahrung der Stadt Brüx, Wallfahrtskirche Mariaschein Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlor die Stadt ihre wirtschaftliche und politische Bedeutung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, während der Industrialisierung Deutschlands, veränderten Kohlebergbau und Industrie den Charakter der Stadt (Zuckerfabrik, Porzellanfabrik, Stahlwerk, Brauerei). Das Stadtmuseum wurde gegründet. Im Jahr 1870 erhielt Brüx durch die k.k. priv. Aussig-Teplitzer Eisenbahn (ATE) den ersten Eisenbahnanschluss. Besonders für den expandierenden Kohlebergbau wurden viele Arbeiter überwiegend tschechischer Nationalität nach Brüx verpflichtet. Um 1930 hatte die siebzig Jahre zuvor noch rein deutsche Stadt eine knappe tschechische Mehrheit.

Bei der Schwimmsandkatastrophe von Brüx in der Nacht vom 19. zum 20. Juli 1895 (21:15 bis 06:00 Uhr) senkte sich im nördlichen Stadtteil der Boden teils erheblich. Davon waren Wohnhäuser, Straßen und der damalige Bahnhof mit dramatischen Auswirkungen betroffen. Der abgeglittene Treibsand floss in Abbaukammern der Grube Annahilfsbau und weiter in die Streckenvorstöße dieses Bergwerks. Fast 2500 Menschen wurden obdachlos, drei Bewohner starben. 25 Häuser versanken, 13 weitere Gebäude erlitten erhebliche Beschädigungen. Ähnliche Einbrüche ereigneten sich hier in den Jahren 1896 und 1897. Als Ursache gilt eine besondere geologische Lagerstättensituation der Region, die durch den Kohlebergbau wirksam werden konnte.Hibsch: Brüx, S. 38–40Bilder von den Bodensenkungen und Zerstörungen; ab dem 4. Bild ff. 1898 fand in Brüx die „Nordwestböhmische Ausstellung für Industrie und Gewerbe“ statt.

Im Jahr 1900 wurde die Verbandmaterialfabrik RICO erbaut. Ab 1901 waren die Städte Brüx und Kopitz (Kopisty) bis nach Johnsdorf (Janov u Litvínova) durch eine Überlandstraßenbahn verbunden. 1911 wurde das damals modernste Theatergebäude in Österreich-Ungarn eröffnet. Die Trinkwasserversorgung der Stadt wurde von 1911 bis 1914 durch den Bau der Talsperre Brüx in Kreuzweg gelöst.

Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Brüx für einige Wochen zur Provinz Deutschböhmen. In keiner anderen Stadt Böhmens war der Widerstand gegen die tschechische Besetzung so groß wie hier. Ein erster Besetzungsversuch am 26. November 1918 durch schwache tschechische Truppen wurde von der Brüxer Volkswehr ohne Kampf abgewiesen. Am 27. November 1918 griff tschechisches Militär in Bataillonsstärke die Stadt von Nordosten her an. Nach stundenlangen Straßenkämpfen musste die weit unterlegene Volkswehr am späten Nachmittag kapitulieren. Die letzten Deutschen ergaben sich erst am 28. November, nachdem angedroht worden war, die Stadt mit Artillerie zu beschießen. Auf deutscher Seite gab es sechs Tote und mehrere Verletzte. Die Zahl der tschechischen Opfer ist unbekannt. Auch in Brüx wurde am 4. März 1919 für das Selbstbestimmungsrecht der Völker und gegen die tschechische Besetzung demonstriert. Anders als im nahegelegenen Kaaden wurde die Demonstration in Brüx nicht zerschlagen.

Brüx wurde bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 rasch ausgebaut. Wegen der schlechten Wirtschaftslage wanderten zu Beginn der 1930er Jahre viele Einwohner nach Nordamerika oder Australien aus.

Nach dem Münchner Abkommen lag Brüx ab Oktober 1938 auf deutschem Staatsgebiet. Brüx wurde Sitz des Landkreises Brüx im Reichsgau Sudetenland. Zum 1. April 1941 wurden die benachbarte Stadt Kopitz und die Gemeinden Rudelsdorf an der Biela, Strimitz und Tschausch in die Stadt Brüx eingemeindet.

Die Synagoge wurde bei den Novemberpogromen 1938 niedergebrannt.

In Brüx hatte die Sudetenländische Bergbau AG (SUBAG) ihren Sitz, die Teil des Staatskonzernes Reichswerke Hermann Göring war. Bei Maltheuern entstand ab 1939 ein Hydrierwerk, um durch Kohleverflüssigung Benzin sowie Diesel- und Heizöl herzustellen.Teilschuldverschreibung der STW AG vom September 1942 Die bis 1943 voll ausgebauten Anlagen hatten eine Jahreskapazität von 600.000 Tonnen synthetischer Kraftstoffe (vorwiegend Flugbenzin) und waren daher im Luftkrieg des Zweiten Weltkriegs ein häufiges Ziel schwerer Angriffe, die ab 1944 in dem Gebiet erhebliche Zerstörungen verursachten. Dabei kamen viele Einwohner sowie mehrere hundert Zwangsarbeiter ums Leben.

Vom 1. September 1944 bis 7. Oktober 1944 existierte ein Außenlager des KZ Flossenbürg, dessen 1000 Häftlinge Zwangsarbeit für die SUBAG verrichten mussten., abgerufen am 6. Juli 2016

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Mehrheit der deutschsprachigen Bevölkerung vertrieben. Ihr Vermögen wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholischen Kirchen von Brüx nach dem Februarumsturz 1948 enteignet. Die neu angesiedelten Bewohner kamen teilweise aus Mittelböhmen und der Slowakei, die als „Repatrianten“ und Roma bezeichnet wurden. In den 1950er-Jahren wurden neue Siedlungen errichtet.

mini|Most vom Süden gesehen, im Hintergrund das ErzgebirgeIm Jahr 1964 fasste die tschechoslowakische Regierung den Beschluss zum Abriss der Altstadt, um die unter der Stadt lagernde Braunkohle gewinnen zu können. Von 1967 bis 1982 wurde die Stadt nach und nach vollständig abgerissen. Website der Stadt Most, abgerufen am 1. März 2014 Website der Stadt Most, abgerufen am 1. März 2014 Einen Teil der Abbrucharbeiten übernahm ein Filmteam von Metro-Goldwyn-Mayer für die Produktion des Spielfilms Die Brücke von Remagen. Den Kampf um die Innenstadt von Remagen drehte das Filmteam in Most. Filmtechniker sprengten während der Dreharbeiten ganze Straßenzüge, während dazu die „Filmsoldaten“ Krieg spielten.Remagen: Hollywoods verfluchte Brücke bei derstandard.at, 8. März 2015 mini|400px|Blick vom Schlossberg nach Südost: links die Kirchen St. Valentin und Mariä Himmelfahrt, links neben der 4-spurigen Straße die Bahnlinie mit dem Hauptbahnhof, rechts neben Tesco das Fußballstadion mit dem anschließenden Flachbau der Sporthalle, im Vordergrund das Museum, rechts daneben (verdeckt) das Restaurant Schwejk

Auf bergbaufreiem Gebiet entstand als Ersatz eine neue, „moderne“ Stadt. Der Bahnhof wurde auf der Flur von Rudolice nad Bílinou neu gebaut. Die Verkehrswege nach Westen wurden in einem „Korridor“ am südlichen Rand der abgerissenen Altstadt am Fuß des Hněvín (Burgberg) trassiert.

mini|Blick zum SchlossbergVor allem unter Motorsportbegeisterten ist das Autodrom Most ein Begriff. Die Veranstaltungen auf dieser Rennstrecke waren zu Zeiten des Eisernen Vorhangs auch ein sehr beliebter Treffpunkt der Motorsportfreunde aus der DDR. Das in der neuen Stadt entstandene Stadttheater ist ein moderner Bau, der zum Wahrzeichen Mosts wurde.

Gegenüber dem Hněvín wurde in den Jahren 2010 bis 2011 die orthodoxe Kirche des hl. Valentin errichtet; die Holzkirche wurde am 29. Oktober 2017 durch den Herbststurm Herwart zerstört, der den 23 m hohen Kirchturm abriss.

Bevölkerung