mini|Zwei Rettungsschwimmer der DLRG München-Mitte patrouillieren im Sommer 2022 per Stand-Up-Paddling am Fasaneriesee in München Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. (DLRG) ist eine gemeinnützige und selbstständige Wasserrettungs- und Hilfsorganisation. Sie ist organisatorisch gegliedert als gemeinnütziger Verein. Sie arbeitet grundsätzlich ehrenamtlich mit freiwilligen Helfern. Mit über 640.000 Mitgliedern in rund 2.000 örtlichen Gliederungen ist sie die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt. Der DLRG Bundesverband ist im Vereinsregister Berlin-Charlottenburg eingetragen; Sitz der Bundesgeschäftsstelle ist jedoch das niedersächsische Bad Nenndorf. Unterhalb des Bundesverbands ist die DLRG föderal organisiert.

Gegründet wurde sie am 19. Oktober 1913 in Leipzig als Konsequenz aus einem schweren Unglück in Binz auf Rügen, bei dem ein Steg einstürzte und 16 Menschen ertranken, darunter zwei Kinder. Seit damals ist es das Hauptziel der DLRG, Menschen vor dem Ertrinkungstod zu bewahren, indem sie möglichst vielen Menschen frühzeitig das Schwimmen beibringt und über das sichere Verhalten im und am Wasser aufklärt. Sie ist auch als Beraterin für deutsche Bundesbehörden bezüglich der Rettungsfähigkeit und Verbesserung der Schwimmfähigkeit tätig.

Rettungsschwimmer der DLRG bewachen jedes Jahr die Küsten von Nord- und Ostsee, Badeeinrichtungen in den Binnengewässern und Flüssen, Schwimmbäder und Veranstaltungen am, auf und im Wasser. Die DLRG ist darüber hinaus im Katastrophenschutz der deutschen Bundesländer und je nach Ländergesetzgebung im Rettungsdienst tätig.

Der auf das Wasser spähende Adler ist das Logo der DLRG und als Markenzeichen ist er ebenso wie die Wortmarke „DLRG“ nach dem Markenrecht im geschäftlichen Gebrauch geschützt.

Schirmherr der DLRG ist der deutsche Bundespräsident.

mini|Flagge der DLRG mini|DLRG-Haus und Fahrzeug in Remscheid, Kräwinklerbrücke (an der Wuppertalsperre)

Ziel und Aufgaben Hauptaufgaben Die DLRG unterteilt ihre Ziele und Aufgaben in Hauptaufgaben und zusätzliche Aufgaben. Als ihre Hauptaufgabe sieht sie die Bekämpfung des Ertrinkungstodes. Dies will sie durch frühzeitige und fortgesetzte Information über Gefahren und sicherheitsbewusstes Verhalten im und am Wasser erreichen. Des Weiteren bildet sie Personen in der Selbstrettung, im Schwimmen und im Rettungsschwimmen aus, um einen sicheren Aufenthalt im Wasser zu gewährleisten. Eine weitere Kernaufgabe im Rahmen der Bekämpfung des Ertrinkungstodes ist die Organisation und Durchführung eines flächendeckenden Wasserrettungsdienstes im Rahmen der allgemeinen Gefahrenabwehr von Bund, Ländern und Gemeinden. Für diesen Zweck bildet die DLRG Rettungsschwimmer aus, die dann für die DLRG im Einsatz sind. Teil der Lehrtätigkeit ist darüber hinaus die Schulung und Weiterbildung von Ausbildern. Auch die Jugendarbeit und Nachwuchsförderung wird als bedeutende Aufgabe angesehen.

Zusätzliche Aufgaben Eine zusätzliche Aufgabe der DLRG ist die Ausbildung von Personen im Bereich der Ersten Hilfe und im Sanitätswesen. Hierzu zählt auch die Durchführung rettungssportlicher Übungen und Wettkämpfe sowie die Aus- und Fortbildung ehrenamtlicher Mitarbeiter, insbesondere in den Bereichen Führung, Organisation und Verwaltung. Die DLRG sieht sich auch dazu verpflichtet, die Entwicklung und Prüfung von Rettungsgeräten und Rettungseinrichtungen sowie wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der Wasserrettung zu betreiben, und mit in- und ausländischen Organisationen sowie Institutionen und Bundesbehörden und -organisationen zusammenzuarbeiten.

Geschichte

Von der Gründung bis zum Zweiten Weltkrieg mini|links|Gedenkplakette zur Erinnerung an das Unglück in Binz mini|links|Denkmal Die Woge – 100 Jahre DLRG von Rainer Henze am Leipziger Stadthafen

Gegründet wurde der Verein am 19. Oktober 1913 im Saal des Hôtel de Prusse in Leipzig. Anlass war ein Unglück am 28. Juli 1912 in Binz auf Rügen: Als sich auf der 560 Meter langen Seebrücke über 1000 Badegäste und Ausflügler drängten und die Ankunft des Bäderdampfers Kronprinz Wilhelm erwarteten, brach die Anlegestelle am Brückenkopf unter den Menschenmassen trichterförmig in sich zusammen. Über 100 Menschen stürzten in die Ostsee.

Für 16 Menschen, darunter zwei Kinder, kam jede Hilfe zu spät. Der Soldat Richard Römer, der bei dem Unglück unter Einsatz seines Lebens zwölf Menschen gerettet haben soll, wird als „Vater der DLRG“ bezeichnet. „Allgemein wurde es als beschämend empfunden, dass von den unzähligen Menschen auf der Brücke und auf dem Bäderschiff kaum jemand bereit oder fähig war, zu retten oder Erste Hilfe zu leisten und Wiederbelebungsversuche zu machen“ so Edith Mayer-Springer, Hamburg 1913.Klaus Bartnitzke: Im Zeichen des spähenden Adlers. 50 Jahre Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Eine Chronik in Wort und Bild zusammengestellt und bearbeitet von Klaus Bartnitzke und Ilse Stoffregen. Hrsg. vom Präsidenten der DLRG, Essen-Rüttenscheid 1963, 144 S. Zur damaligen Zeit verloren pro Jahr etwa 5000 Menschen ihr Leben im Wasser, und nur zwei bis drei Prozent der Bevölkerung konnten schwimmen.

Erster Vorsitzender der DLRG wurde Alfred Fiedler. Aus den Anfangsjahren der DLRG sind keine Aufzeichnungen erhalten geblieben. Belegt ist nur, dass im Jahr 1913 bereits die ersten Rettungsschwimmer ausgebildet wurden und dass die erste Geschäftsstelle der DLRG ihren Sitz in Dresden hatte. Die ersten Ausbildungen, welche die DLRG anbot, wurden nacheinander mit dem Grundschein, Leistungsschein und Lehrschein abgeschlossen. Durch den Ersten Weltkrieg und die schwere Nachkriegszeit wurde die weitere Entwicklung der Organisation stark behindert.

Nachdem in den Jahren 1923 bis 1925 die Arbeit der DLRG fast vollständig zum Erliegen gekommen war, organisierte sie sich im Jahr 1925 neu. Dazu wurde unter anderem die Hauptgeschäftsstelle von Dresden nach Berlin verlegt. Zwei Jahre zuvor erschien auch zum ersten Mal das offizielle Verbandsorgan „Der Lebensretter“, weitere Ausgaben scheiterten zunächst jedoch aus finanziellen Gründen (Heute existiert diese Zeitschrift unter dem Namen „Lebensretter – Wir in der DLRG“ weiter). Im Jahr 1933 erfolgte die Eingliederung der DLRG in das Fachamt V (Schwimmen) des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen und die damit verbundene Unterordnung unter den Reichssportführer. Zwischen 1925 und 1935 hatten insgesamt 258.761 Personen eine DLRG-Prüfung abgelegt. Im Jahr 1938 wurde die DLRG im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie in Deutsche Lebens-Rettungs-Gemeinschaft (D. L. R. G.) umbenannt. Während dieser Zeit stieg die Zahl der angenommenen Prüfungen stark an. 1942 war die Zahl der Ertrinkungstoten auf ein Drittel gegenüber 1913 zurückgegangen, und die DLRG hatte fast eine Million Rettungsschwimmer ausgebildet.

Aufarbeitung der NS-Zeit 2025 erschien eine Studie Die DLRG 1925–1945. Zwischen Idealismus und NS-Ideologie zur Rolle der DLRG in der NS-Zeit.

Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Mauerfall Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Organisation, wie alle anderen, durch die alliierte Militärverwaltung verboten, bekam jedoch von den Besatzungsmächten in den drei westlichen Zonen bald die Erlaubnis, die Arbeit fortzuführen. In der Sowjetischen Besatzungszone und der daraus entstandenen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) durfte die DLRG ihre Arbeit hingegen nicht weiterführen. Dort übernahm ein neu gebildeter Wasserrettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes, die heutige Wasserwacht, die Aufgaben der DLRG. Auf ihrer ersten Hauptversammlung (1947) nach dem Zweiten Weltkrieg benannte die D. L. R. G. sich wieder in Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) um. Drei Jahre später hatte die DLRG bereits wieder 28.000 Mitglieder und bestand aus 13 Landesverbänden. Im selben Jahr wurde von der DLRG der Deutsche Jugendschwimmpass für Kinder und Jugendliche eingeführt. Im Jahr 1951 trat die DLRG der Fédération Internationale de Sauvetage aquatique (FIS) bei, der heutigen International Lifesaving Federation (ILS). Acht Jahre später richtete sie erstmals die internationalen Rettungswettkämpfe der FIS aus. Seit dem Jahr 1955 betreibt die DLRG auch Wasserrettungsdienst an den Küsten von Nord- und Ostsee, nachdem sie den Wasserrettungsdienst bis dahin auf die Binnengewässer beschränkt hatte. Im Mai 1957 wurde die bis dahin selbstständige Saarländische Lebens-Rettungs-Gesellschaft (SLRG) als 14. Landesverband in die DLRG aufgenommen. Die 1960er und 1970er Jahre waren sehr erfolgreiche Zeiten für die DLRG. Die Zahl der Mitglieder stieg auf über 474.000, da in diesen Jahren von öffentlicher Hand viele Frei- und Hallenbäder gebaut wurden.

Dadurch stieg auch die Zahl der abgenommenen Schwimmabzeichen-Prüfungen auf fast 1,5 Millionen. Im Jahr 1962 musste die DLRG sich bei der Sturmflutkatastrophe an der Nordseeküste bewähren. Kurz darauf gründete die DLRG eine eigene selbstständige Jugendorganisation, die DLRG-Jugend. Mitte der 1970er Jahre stellte die Bundesregierung die generelle Eignung der DLRG für eine Mitwirkung im allgemeinen Katastrophenschutz fest. Seitdem hat sie, vor allem in der jüngeren Geschichte, viele dementsprechende Einsätze geleistet. Im Jahr 1978 wurde die Prüfungsordnung der DLRG „Schwimmen-Retten-Tauchen“ von der ständigen Konferenz der Kultusminister anerkannt. Dadurch wurden die Schwimmabzeichen und Prüfungen für die ganze Bundesrepublik vereinheitlicht. 1983 wurde mit Karl Carstens zum ersten Mal der deutsche Bundespräsident Schirmherr der DLRG, diese Tradition besteht mit Frank-Walter Steinmeier bis heute.

Vom Mauerfall bis heute Nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung mit der DDR wurden auch in Ostdeutschland wieder neue Ortsgruppen gegründet. Gegen Ende des Jahres 1990 wurden die Landesverbände Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gegründet, Ostberlin wurde dem bestehenden Landesverband Berlin angegliedert. Ein bedeutendes Ereignis war die Ausrichtung der Weltmeisterschaft im Rettungsschwimmen Rescue 1990 in Lübeck und Travemünde, bei der die Starter der DLRG sechs Weltmeisterschaftstitel gewannen. 1991 wurden als letzte die Landesverbände Thüringen und Sachsen-Anhalt gegründet. Die DLRG umfasste nun mit 19 Landesverbänden das ganze Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. 1995 bezog die DLRG ihren heutigen Bundessitz im niedersächsischen Bad Nenndorf. Den ersten größeren Einsatz in der jüngeren Geschichte hatte die DLRG 1997 mit dem Oderhochwasser in Brandenburg zu bewältigen.

mini|DLRG-Flagge vor dem neuen Corporate Design (bis 2001)

2001 erreichte die Zahl der Mitglieder mit fast 568.000 Mitgliedern einen neuen Höchststand. Die Bundestagung 2001 beschloss im Zusammenhang mit einem Neustrukturierungsprozess des Verbandes ein neues Corporate Design. Seitdem haben alle DLRG-Gliederungen und Ebenen in allen Bereichen ein einheitliches Aussehen (siehe Einsatzkleidung). Außerdem beschloss die Bundestagung das Ziel, die Ertrinkungszahlen bis 2020 zu halbieren. Mit dem Hochwasser im Jahr 2002 in Bayern sowie dem Elbhochwasser 2002 und vier Jahre darauf mit dem Elbhochwasser 2006 in Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt hatte die DLRG weitere große Einsätze zu bestehen. Auch bei der Tsunami-Katastrophe 2004 war die DLRG im Einsatz. Am 1. Januar 2007 fusionierten die Landesverbände Niedersachsen und Braunschweig, die DLRG besteht seitdem nur noch aus 18 Landesverbänden. Vom 20. bis 29. Juli 2008 fand die Rescue erneut in Deutschland statt. Veranstaltet wurden sie in Berlin (Hallenbad-Disziplinen) und Warnemünde (Freigewässerdisziplinen). Seit ihrer Gründung sind die jährlichen Ertrinkungszahlen um 90 Prozent gesunken, die Zahl der Schwimmer in der Bevölkerung ist auf 80 Prozent gestiegen. Im Jahr 2013, dem 100-jährigen Jubiläum der DLRG, übernahm Hans-Hubert Hatje den Posten des Präsidenten. Nach Hatjes Tod im Februar 2017 wurde Achim Haag im Oktober 2017 zum Präsidenten gewählt. Seit Oktober 2021 ist Ute Vogt Präsidentin der DLRG.