Der Muskatnussbaum (bundesdeutsches Hochdeutsch: []-, österreichisches Hochdeutsch: []-; Myristica fragrans) ist eine Pflanzenart aus der der Gattung der Muskatnussbäume (Myristica) innerhalb der Familie der Muskatnussgewächse (Myristicaceae). Sein Samen, die Muskatnuss, und dessen Samenmantel Macis werden als Gewürze (Muskat bzw. Macis) verwendet.
Das Wort Muskat (von mittelhochdeutsch muscāt) bzw. Muskatnuss ist eine Entlehnung aus altfranzösisch noix muscat, das seinerseits von mittellateinisch nux muscata stammt und so viel wie „nach Moschus duftende Nuss“ bedeutet.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold. 25., durchgesehene und erweiterte Auflage. De Gruyter, Berlin/Boston 2011, S. 642.
Beschreibung mini|links|Blüten mini|links|Blüten mini|Aufgesprungene Frucht mini|Aufgeschnittene frische Muskatfrucht Vegetative Merkmale Bei Myristica fragrans handelt es sich um einen immergrünen Baum, der Wuchshöhen von 5 bis 18 Meter erreicht. Die Borke und die grünlich-graue bis olivfarbene Rinde älterer Zweige sind glatt, anfangs flaumig behaart.
Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Der Blattstiel ist 6 bis 12 Millimeter lang. Die einfache, leicht ledrige Blattspreite ist bei einer Länge von 4 bis 8 Zentimetern elliptisch. Die Blattoberseite ist dunkel grün und die -unterseite heller.
Generative Merkmale Myristica fragrans ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), d. h., es gibt männliche und weibliche Pflanzenexemplare. Vier bis acht oder mehr männliche Blüten befinden sich im 2,5 bis 5 Zentimeter großen, kurz gestielten Blütenstand. Die 10 bis 15 Millimeter lang gestielten männlichen Blüten besitzen drei bis vier blass-gelbe, 5 bis 7 Millimeter lange Blütenhüllblätter und neun bis zwölf Staubblätter. Eine bis wenige weibliche Blüten befinden sich in einem Blütenstand. Die 8 bis 12 Millimeter lang gestielten weiblichen Blüten besitzen 6 mal 4 Millimeter große, blassgelbe Blütenhüllblätter und einen Stempel mit zwei fast sitzenden, kleinen Narben. Die Blütezeit reicht von März bis Juli.
Auf Plantagen werden hauptsächlich weibliche Bäume kultiviert. An einem 10 bis 15 Millimeter langen Stiel befindet sich die bei Reife ockergelbe oder orangefarbene, birnenförmige bis fast kugelige, einsamige Balgfrucht, sie ist beerenartig, springt aber auf. Die Frucht weist eine Länge von 8 bis 10 Zentimetern und einen Durchmesser von 3,5 bis 5 Zentimetern auf. Die etwa 3 Zentimeter großen, rundlichen Samen sind von einem rötlichen, fleischigen, ölhaltigen und zerschlitzten Samenmantel (Arillus) umgeben. Der Kern des Samens, wie auch der Samenmantel, wird sowohl als Gewürz wie auch als Droge verwendet. In der Umgangssprache bezeichnet man den Samen als Muskatnuss oder Muskat und den Samenmantel als Muskatblüte oder Macis.
Die kurzen, gekrausten Keimblätter (Kotyledonen) sind an ihrer Basis verwachsen.
Vermehrung und Aufzucht
Die übliche Vermehrung erfolgt aus den Samen. Die Nüsse sind nur 8 bis 10 Tage keimfähig und dürfen beim Schütteln nicht klappern. Sie werden nur so tief in die Erde gesetzt, dass ein Teil der Nuss noch sichtbar ist. Bis der Keim sichtbar ist, wird eine Plastikfolie über den Topf gestülpt und dieser dunkel gestellt. Die Keimdauer beträgt etwa vier bis acht Wochen. Die Nuss bleibt sechs bis acht Monate am Keimling.
Die Pflanze wächst am besten bei Temperaturen zwischen 20 °C und 30 °C und sollte die ersten zwei bis drei Jahre schattig stehen. Der Baum beginnt zu tragen, wenn er acht Jahre alt ist, und erreicht den höchsten Ertrag mit etwa 15 Jahren.
Geschichte Im Alten Ägypten war die Muskatnuss sehr wahrscheinlich nicht bekannt, die bei Mumien aufgefundenen „Nüsse“ erwiesen sich als Palmfrüchte, auch wurde keine Muskatbutter zur Einbalsamierung verwendet.Otto Warburg: Die Muskatnuss. Engelmann, Leipzig 1897, S. 2, . Umstritten ist, ob den Ärzten der Antike die Muskatnuss schon bekannt war. Theophrastus beschrieb ein Gewürz (Comacum), welches ähnliche Eigenschaften hat.Kurt Sprengel. Theophrast’s Naturgeschichte der Gewächse. Friedrich Hammerich, Altona 1822, Teil I Übersetzung Buch IX, Kapitel 7 (Digitalisat). Plinius beschrieb dieses im 1. Jahrhundert bereits als Nuss.Plinius 1. Jh. Naturalis historia Buch XII, § 135 (Kapitel LXIII) (Digitalisat Latein) (Digitalisat der Ausgabe Külb 1840–1864 Deutsch). Im 6. Jahrhundert war sie in Byzanz schon bekannt,Ghillean Prance, Mark Nesbitt: The Cultural History of Plants. Routledge, 2005, ISBN 0-415-92746-3, S. 166.E. A. Weiss: Spice Crops. CABI, 2002, ISBN 0-85199-605-1, S. 86. auch in China wurden die Nüsse schon eingeführt.Charles D. Benn: China's Golden Age. Oxford University Press, 2004, ISBN 978-0-19-517665-0, S. 108. Um das Jahr 1000 beschrieb der persische Gelehrte Ibn Sina die „Nuss aus Banda“.Maguelonne Toussaint-Samat: A History of Food. Wiley-Blackwell, 2009, ISBN 978-1-4051-8119-8, S. 462. Die „Früchte“ des Muskatnussbaumes gelangten vermutlich mit den Kreuzfahrern nach Europa. Die ersten gesicherten Überlieferungen in Europa stammen von Konstantin dem Afrikaner und dem byzantinischen Arzt Simon Seth,Ibn al-Jazzār, Gerrit Bos: Ibn Al-Jazzār on Forgetfulness and Its Treatment. Royal Asiatic Society, 1995, ISBN 0-947593-12-8, S. 40. der im 10. Jahrhundert über die Muskatnuss schrieb, „dass sie dem Magen, der Leber und dem Herzen nütze“, aber auch bereits vor deren übermäßigem Verzehr warnte, „weil sie dann den Eingeweiden schade“. Hildegard von Bingen (Physica, Kapitel 1–21, De Nuce Muscata) empfiehlt die Muskatnuss gegen Depressionen (Dämpfung der Bitterkeit von Herz und Sinn) und mit Zimt und Nelken zur Minderung aller schädlichen Stoffe.Christine Mayer-Nicolai, Vergleich der durch die historischen Autoren Hildegard von Bingen und Leonhart Fuchs pflanzlichen Arzneimitteln zugeschriebenen mit aktuell anerkannten Indikationen, Dissertation, Universität Würzburg 2008, Anlagenband Die Muskatnuss (regional auch muschgat genanntVgl. auch das Guggisberglied) wurde im Mittelalter bezüglich ihrer Oberfläche mit Bimsstein verglichen.Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 426 (dort muschgat und muschat) und 439 („pimßstein, der ist gestalt als muschgat“).
mini|Muskatnussbaum bei Cristóbal Acosta 1578 Nachdem der portugiesische Seefahrer Afonso de Albuquerque den Weg zu den sogenannten Gewürzinseln gefunden hatte, begannen die Portugiesen ab 1512 damit, die Muskatnuss als Handelsware von den Banda-Inseln erstmals nach Europa einzuführen.Nutmeg Timeline auf erowid.org. Die Gewürzinseln waren zu der damaligen Zeit der einzige Ort auf der Welt, wo Muskatnüsse und Gewürznelken wuchsen. Der portugiesische Arzt Garcia da Orta veröffentlichte 1563 eine Schrift, in der neben circa 50 anderen Pflanzen auch Cannabis, Opium und die Muskatnuss beschrieben werden.
Die Muskatnuss entwickelte sich dann im 16. Jahrhundert zum Gold Ostindiens. Briten, Spanier, Portugiesen und Niederländer bekriegten sich wegen der Frucht des Muskatnussbaumes. Als der Muskatnuss in England während der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zugeschrieben wurde, die einzig wirksame Medizin gegen die Pest zu sein, waren die Preiserhöhungen nicht mehr aufzuhalten. Der Verkaufspreis in Europa war zeitweise mehr als 300-mal höher als der Einkaufspreis auf den Banda-Inseln.Moritz Herrmann: Die goldene Frucht Ostindiens – Eine Warengeschichte der Muskatgewürze. In: Skriptum 1/2012.
Im Jahre 1621 kam der niederländische Generalgouverneur Jan Pieterszoon Coen mit 2000 Mann auf den Banda-Inseln an und begann sofort mit der Ausrottung der einheimischen Bevölkerung, d. h. der größte Teil der Inselbevölkerung wurde umgebracht, schätzungsweise 15.000 Menschen, und durch Sklavenarbeiter aus anderen Gebieten ersetzt. Das Ziel der Niederländer war ein Monopol im Muskatnusshandel. Zur Zeit der niederländischen Vormachtstellung wurden auf vielen anderen Inseln die Muskatnussbäume abgeholzt. Die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) wollte damit ihre Monopolstellung im Handel sichern.
Die Engländer hatten sich bis 1620 auf der kleinen Insel Run im Westen der Banda-Inseln halten können. Nach jahrelanger Belagerung durch die Niederländer mussten sie die Insel verlassen, beanspruchten sie aber weiterhin. Im Frieden von Breda (1667) gaben sie ihre Ansprüche auf Run endgültig auf. Im Gegenzug bekamen sie die Kolonie Nieuw Nederland an der amerikanischen Ostküste zugesprochen, die sie faktisch schon beherrschten, seit sie 1664 Nieuw Amsterdam (das spätere New York) von den Niederländern erobert hatten.
Im Jahr 1735 verbrannten die Holländer 570 Tonnen Muskatnüsse, um den Preis in die Höhe zu treiben. Im Jahr 1753 gelang es Pierre Poivre, dem französischen Statthalter von Mauritius (damals Île de France), einige Muskatnussgewächse aus Niederländisch-Indien herauszuschmuggeln und damit einen Plantagenanbau auf Mauritius zu beginnen.E. A. Weiss: Spice Crops. CABI, 2002, ISBN 0-85199-605-1, S. 87. Das holländische Monopol wurde Ende des 18. Jh. von den Engländern durch die Eroberung der Molukken gebrochen. Diese führten dann den Muskatnuss-Anbau in Singapur, Penang, Sumatra, Sri Lanka und den westindischen Inseln ein.
Verbreitung mini|Illustration Ursprünglich auf den Banda-Inseln und den nördlichen Molukken beheimatet, werden Muskatnussbäume auch in anderen Gebieten im tropischen Asien, in Südamerika und in Afrika kultiviert. Muskatnüsse sind das Hauptexportprodukt Grenadas. Eine Muskatnuss ist Bestandteil der Flagge Grenadas.
Der Muskatnussbaum wird in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN. als eine Art ausgewiesen, die unzureichend Datenmaterial für eine Gefährdungskategorisierung aufweist („Data Deficient“).
Taxonomie Die Erstveröffentlichung von Myristica fragrans erfolgte 1774 durch Maarten Houttuyn in Handleiding tot de Plant- en Kruidkunde, Band 3, Seite 333. Ein Synonym für Myristica fragrans ist Myristica officinalis
Inhaltsstoffe Der Gehalt an ätherischem Öl der Muskatnüsse liegt zwischen 5 und 13 Prozent. Wichtige Inhaltsstoffe der Samenhülle (Macis) sind 22 bis 35 Prozent fettes Öl, Harze, Lignane und der Farbstoff Lycopin. In Muskatnüssen sind neben etwa 40 Prozent Fett (mit dem Triglycerid der Myristinsäure als Hauptbestandteil) auch etwa 25 Prozent Stärke sowie Harze enthalten. Das Pflanzenfett wird wegen seiner butterartigen Konsistenz auch als Muskatbutter bezeichnet.Carsten Blum: Analytik und Sensorik von Gewürzextrakten und Gewürzölen. Dissertation, Universität Hamburg, Chemie, 1999. , (PDF, 3,57 MB), auf chemie.uni-hamburg.de, abgerufen am 2. April 2017.
Ätherisches Öl Das ätherische Öl wird durch Dampfdestillation aus zerkleinerten Muskatnüssen isoliert. Es ist farblos bis leicht gelb und riecht und schmeckt nach Muskatnuss. Die Zusammensetzung schwankt je nach Herkunft, Verarbeitung und Lagerung der Nüsse; charakteristisch für das Aroma sind die Terpene α-Pinen, β-Pinen, Sabinen, Limonen, Borneol, Terpineol, Eugenol und Isoeugenol.
Eine weitere Gruppe von Inhaltsstoffen sind Phenylpropanoide wie Myristicin, Safrol und Elemicin. Diese Stoffe wirken als delirante Halluzinogene. Safrol wirkt zudem in Ratten krebserzeugend und mutagen. Myristicin kann zum psychoaktiven Stoff MMDA metabolisiert werden.Oliver Kayser, Nils Averesch: Technische Biochemie. Springer, 2015, ISBN 978-3-658-05547-9, S. 90.
Aflatoxin-Problematik