mini|Band 11 der 4. Ausgabe von Meyers Konversations-Lexikon, 1885–1890, Artikel Meer, Karte Meeres-Strömungen und neuere Tieflothungen mini|Ocean currents (USA, 1911)Aus: Albert L. Arey, Frank L. Bryant, William W. Clendenin, William T. Morrey: Physiography for High Schools. mini| (United States Army Service Forces, 1943)Army Specialized Training Division. Army Service Forces Manual M-101. mini|Globale Karte aller Oberflächen-Meeresströmungen (US Navy, 2004) miniatur|Weitere Karte der globalen Meeresströmungen:Warme Strömungen in rot, kalte Meeresströmungen in blau. miniatur|Strömungen im Nordatlantik miniatur|Strömungen im Nordpazifik

Meeresströmungen (engl. Ocean Currents) sind großräumige, gerichtete Bewegungen des Meerwassers, die durch eine Vielzahl von Kräften und Prozessen angetrieben werden. Sie umfassen sowohl horizontale als auch vertikale Transporte von Wassermassen und spielen eine zentrale Rolle im globalen Klimasystem.Antrieb des Klimas – die großen Meeresströmungen Geomar-Website, abgerufen am 18. Juni 2025. Die wichtigsten Antriebskräfte sind Wind, Unterschiede in Temperatur und Salzgehalt (Dichteunterschiede), die Erdrotation (Corioliskraft) sowie die Gestalt der Ozeanbecken.Ocean Currents Website Copernicus Marine Service, abgerufen am 16. Juni 2025.

Meeresströmungen transportieren enorme Mengen an Wärme, Salz, Nährstoffen und Gasen wie Kohlendioxid und sind daher entscheidend für das Klima der Erde. Sie tragen dazu bei, Temperaturunterschiede zwischen Äquator und Polen auszugleichen, und machen viele Regionen überhaupt erst bewohnbar.

Ein Beispiel ist der Golfstrom samt seiner Fortsetzung, des Nordatlantikstroms, der warmes Wasser aus der Karibik nach Nordeuropa transportiert und so für ein vergleichsweise mildes Klima sorgt. Ohne diesen Wärmetransport wären die Winter in Westeuropa deutlich kälter.

Grundlagen und Antriebskräfte Meeresströmungen entstehen aus einer Kombination mehrerer physikalischer Prozesse. Zu den wichtigsten zählen: Windantrieb, insbesondere in den oberen 100–200 Metern der Ozeane. Hier dominiert der sogenannte Ekman-Transport, bei dem die Windwirkung infolge der Corioliskraft in eine spiralförmige Wasserbewegung übergeht.James F. Price, Robert A. Weller, Rebecca R. Schudlich (1987): Wind-Driven Ocean Currents and Ekman Transport. In: Science, Band 238, Ausgabe 4833, S. 1534–1538.DOI:10.1126/science.238.4833.153. Thermohaline Zirkulation, die durch Unterschiede in Temperatur und/oder Salzgehalt, also der Dichte, angetrieben wird. Diese großskalige „globale Umwälzpumpe“ ist tiefreichend und extrem langsam.Stefan Rahmstorf (2006): Thermohaline Ocean Circulation. In: Encyclopedia of Quaternary Sciences (EQS). PDF. Gezeitenkräfte, die durch die Gravitation von Mond und Sonne wirken und insbesondere in Küstenregionen Strömungen verursachen.Ocean Currents Website von National Geographic - Education, abgerufen am 18. Juni 2025. Topografie und Bathymetrie: Meeresböden, Inseln und Küstenlinien können Strömungen kanalisieren oder blockieren. Barokline Instabilitäten, Wirbelbildungen (Eddys) sowie Reibungseffekte an Grenzen (z. B. westliche Intensivierung) prägen zusätzlich die räumliche und zeitliche Struktur der Strömungen.Isidoro Orlanski, Michael D. Cox (1973): Baroclinic instability in ocean currents. In: Geophysical Fluid Dynamics, Band 4, Ausgabe 4, S. 297–332. DOI:10.1080/03091927208236102.

Typen und Beispiele Man unterscheidet verschiedene Typen von Meeresströmungen:

Oberflächenströmungen bewegen sich bis zu einer Tiefe von etwa 100-200 Metern und werden hauptsächlich durch Wind sowie durch die Gezeitenkräfte von Sonne und Mond angetrieben. Bekannte Beispiele sind der Golfstrom im Atlantik, der Kuroshio im Pazifik und der Äquatorialstrom. Tiefenströmungen entstehen durch Unterschiede in Temperatur und Salzgehalt, was zu Dichteunterschieden führt. Kaltes, salzreiches Wasser sinkt in polaren Regionen ab und fließt als sogenannte thermohaline Zirkulation in großen Tiefen um den Globus.Antrieb des Klimas – die großen Meeresströmungen Website World ocean review, abgerufen am 18. Juni 2025. PDF. Dieses System wird oft als „globales Förderband“ bezeichnet und verbindet alle großen Ozeane miteinander.Carl Wunsch (2002): What Is the Thermohaline Circulation? In: Science, Band 298 (2002), S. 1179-1181. DOI:10.1126/science.1079329. Gezeitenströmungen: Periodische Strömungen durch den Tidenhub, vor allem in Meeresengen und Buchten. Rand- und Küstenströmungen: Sie verlaufen entlang von Kontinentalschelfen und Küsten, so z. B. der Benguelastrom.

Die Strömungen im Nordatlantik – einschließlich des subpolaren und des subtropischen Gyres – sind besonders gut untersucht. Sie zeigen, wie Windstress, Dichtegradienten und mesoskalige Wirbel gemeinsam zur Ausbildung stabiler Strömungsbahnen beitragen.Gill Reverdin, P. P. Niiler, H. Valdimarsson (2003): North Atlantic Ocean Surface Currents. In: JGR Oceans, Band 108, Ausgabe C1. DOI:10.1029/2001JC001020.

Großräumige Meeresströmungen Hier ist eine Übersicht der wichtigsten Strömungen aller Ozeane.

+ Großräumige Meeresströmungen (Tabelle skalierbar) Name Ozean (Meer) Charakteristik Golfstrom Atlantischer Ozean (Amerikanische Ostküste, Nordatlantik) Wärmste Strömung des Nordatlantiks; transportiert warmes Wasser von der Karibik nach Europa, prägt das westeuropäische Klima. Nordatlantikstrom Atlantischer Ozean Fortsetzung des Golfstroms; sorgt für mildes Klima in Nordeuropa durch Wärmetransport. Labradorstrom Atlantischer Ozean (Atlantik, Neufundlandbecken) Kalte Strömung; transportiert arktisches Wasser südwärts entlang Kanadas; Ursprung von Eisbergen. Kanarenstrom Atlantischer Ozean (Westeuropäische und Westafrikanische Küste) Kalte Strömung; Teil des subtropischen Wirbels; fließt südwestlich entlang Nordwestafrikas. Benguelastrom Atlantischer Ozean (Südwestafrikanische Küste) Kalte, nährstoffreiche Strömung; verursacht Auftrieb und Wüstenbildung an der südwestafrikanischen Küste. Antillenstrom Atlantischer Ozean Warme Strömung; Teil des Golfstromsystems; speist den Golfstrom mit Karibikwasser. Azorenstrom Atlantischer Ozean (Azorenschwelle) Warme Strömung; Zweig des Nordatlantikstroms; beeinflusst Azorenklima. Falklandstrom Atlantischer Ozean (Falklandinseln) Kalte Strömung; transportiert subantarktisches Wasser nordwärts entlang Südamerikas Ostküste. Brasilstrom Atlantischer Ozean (Ostbrasilianische Küste) Warme Strömung; fließt südlich entlang Brasiliens Küste; Teil des Südatlantik-Wirbels. Ostgrönlandstrom Atlantischer Ozean, Arktischer Ozean Kalte Strömung; transportiert Eis und Wasser südwärts entlang Grönlands Ostküste, wichtig für die Tiefenwasserbildung. Westgrönlandstrom Atlantischer Ozean, Arktischer Ozean Relativ warmer Strom; hält Grönlands Westküste weitgehend eisfrei. Irmingerstrom Atlantischer Ozean (Europäisches Nordmeer) Warmer Seitenarm des Nordatlantikstroms; fließt nordwestlich Richtung Island. Guineastrom Atlantischer Ozean (Golf von Guinea) Ostwärts gerichtete äquatoriale Gegenströmung; verursacht hohe Niederschläge vor Westafrika. Floridastrom Atlantischer Ozean (Golf von Mexiko, Floridastraße) Warme Strömung; durchfließt die Floridastraße; bildet mit Antillenstrom den Golfstrom. Karibische Strömung Atlantischer Ozean (Karibisches Meer, Golf von Mexiko) Warme Strömung; transportiert Wasser durch die Karibik; Hauptquelle des Golfstroms. Norwegischer Strom Atlantischer Ozean (Nordsee, Europäisches Nordmeer) Warme, salzreiche Strömung; fließt nordwärts entlang Norwegens Küste. Portugalstrom Atlantischer Ozean (portugiesische Küste) Schwache, mäßig warme Strömung; Teil des Nordatlantikwirbels. Äquatorialstrom Atlantischer, Pazifischer, Indischer Ozean Westwärts gerichtete Oberflächenströmung; angetrieben durch Passatwinde. Äquatorialer Gegenstrom Atlantischer, Pazifischer, Indischer Ozean Ostwärts gerichtete Strömung zwischen Nord- und Südäquatorialstrom. gleicht Wassermassen zwischen Äquatorialströmen aus. Ostislandstrom Atlantischer Ozean (Islandsee) Kalte Strömung; leitet Wasser vom Ostgrönlandstrom in die Islandsee. Kuroshio Pazifischer Ozean (Japanisches Meer) Warme Strömung; „japanischer Golfstrom“; transportiert warmes Wasser nordwärts. Oyashio Pazifischer Ozean (Beringmeer) Kalte Strömung; transportiert subarktisches Wasser südwärts. Humboldtstrom (Peru-Strom) Pazifischer Ozean (Südamerikanische Westküste) Kalte, nährstoffreiche Strömung; verursacht Auftrieb vor Südamerikas Westküste. Kalifornienstrom Pazifischer Ozean (Westküste der USA) Kalte Strömung; fließt südwärts entlang der US-Westküste. Nordäquatorialstrom Pazifischer Ozean Westwärts gerichtete Warmwasserströmung; Teil des subtropischen Wirbels. Südäquatorialstrom Atlantischer, Pazifischer, Indischer Ozean Westwärts gerichtete Warmwasserströmung; beeinflusst tropisches Klima. Ostaustralstrom Pazifischer Ozean (Tasmansee) Warme Strömung; fließt südwärts entlang Australiens Ostküste. Kap-Hoorn-Strom Pazifischer, Atlantischer Ozean (Südspitze Südamerikas) Kalte Strömung; transportiert antarktisches Wasser entlang Südamerikas Südküste. Agulhasstrom Indischer Ozean (Südostafrikanische Küste) Warme, schnelle Strömung; bildet Wirbelringe beim Übertritt in den Atlantik. Mosambikstrom Indischer Ozean (Straße von Mosambik) Warme Strömung; Quelle des Agulhasstroms; bildet große Wirbel. Westaustralstrom Indischer Ozean (Westaustralische Küste) Kalte Strömung; fließt nordwärts entlang Australiens Westküste. Somaliströmung Indischer Ozean (Nordostafrikanische Küste) Saisonal umkehrende Strömung; angetrieben durch Monsunwinde. Antarktischer Zirkumpolarstrom Südlicher Ozean Stärkste Meeresströmung der Erde; verbindet Atlantik, Pazifik und Indischen Ozean, transportiert kaltes Wasser um die Antarktis. Transpolardrift Arktischer Ozean Transportiert Eis und Wasser von Sibirien Richtung Grönland; wichtig für den Export von Meereis in den Atlantik.

Meeresströmungen und Ozeanwirbel

Die vorherrschenden Winde wehen über die Wasseroberfläche und erzeugen die wichtigsten Oberflächenströmungen. So erzeugen die Passatwinde die Äquatorialströmungen, die entlang des Äquators von Ost nach West fließen: den Nordäquatorial- und den Südäquatorialstrom. Erreichen diese Äquatorialströmungen die Kontinente, werden sie durch den Coriolis-Effekt vom Äquator weggelenkt – auf der Nordhalbkugel nach rechts, auf der Südhalbkugel nach links. Diese Strömungen werden dann zu westlichen Randströmungen eines Ozeanwirbels wie z. B. der Golfstrom (beim Nordatlantikwirbel) oder der Kuroshio (beim Nordpazifikwirbel). Sie transportieren warmes, salzreiches Wasser polwärts und speisen damit die antizyklonalen (im Uhrzeigersinn drehenden) subtropischen Ozeanwirbel (Gyre). Östliche Randströme wie der Kanaren- oder der Kalifornienstrom führen kühles Wasser äquatorwärts zurück und schließen so den Gyre-Kreislauf.Henry Stommel (1948): The westward intensification of wind-driven ocean currents. In: Transactions of the American Geophysical Union, Band 29, Ausgabe 2, S. 202–206. DOI:10.1029/TR029i002p00202.

Kleinere Wirbel (sogenannte Eddys) mit einem Durchmesser zwischen 20 und 200 km entstehen oft im Randbereich der Meeresströmungen, wo es zu Turbulenzen kommt. Eddys können einige Wochen bis zu mehreren Monaten bestehen und dabei Distanzen von vielen hundert Kilometern zurücklegen. In den Wirbeln wird Meerwasser aus dem Entstehungsgebiet eingeschlossen; so kann beispielsweise warmes Golfstrom-Wasser und salziges, schweres Mittelmeer-Wasser, welches über die Gibraltarschwelle in den Atlantik strömt, in der Fläche verteilt werden. Ein solcher salzreicher Wasserwirbel aus dem Mittelmeer (ein Meddy – Mediterranean eddy) befindet sich typischerweise ungefähr 600 m unterhalb der Meeresoberfläche und hat einen Durchmesser von ca. 100 km.Scientists Use Satellites To Detect Deep-ocean Whirlpools.