mini|Bad Wiessee mit Ringspitz und Kotlahnerkopf im Hintergrund Bad Wiessee ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Miesbach mit Einwohnern (). Der Urlaubsort, seit 1922 ein anerkannter Kurort, liegt am Westufer des Tegernsees im bayerischen Oberland und grenzt an den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Sein Prädikat als Heilbad verdankt Bad Wiessee den beiden deutschlandweit stärksten Jod-Schwefel-Heilquellen, die im Jahr 1909 bei Erdölbohrungen entdeckt wurden. Seit 1957 betreiben die Spielbanken Bayern die Spielbank Bad Wiessee, die seit 2005 im Gemeindeteil Winner liegt.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Bad Wiessee im Jahre 1017 im Urbar des Klosters Tegernsee, als die Curia Wesses (Hof von Wiessee) verschiedene Güter an das Kloster zu entrichten hatte.

Geographie mini|Bad Wiessee

Lage Die Gemeinde liegt auf einer Höhe von 735 bis am Westufer des Tegernsees am Nordrand der Bayerischen Alpen. Die Städte Bad Tölz, Holzkirchen und Miesbach liegen 15 bis 20 Kilometer entfernt, die Landeshauptstadt München rund 50 Kilometer. Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich in Gmund am Tegernsee.

Gemeindegliederung mini|Historische Postkarte des Gemeindeteils Abwinkl (um 1914) Es gibt acht Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt nur die Gemarkung Bad Wiessee.

Nachbargemeinden Der Ort grenzt im Westen an die im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gelegenen Nachbargemeinden Gaißach und Lenggries. Ein zusammenhängendes Waldgebiet und eine Bergkette vom Luckenkopf über den Sattelkopf zum Fockenstein und Ochsenkamp grenzen die Gemeinden voneinander ab. Es gibt Wander- und Fahrradwege aber keine direkte Straßenverbindung zwischen den Gemeinden. Die Nachbargemeinde Waakirchen grenzt im Norden an Bad Wiessee. Auf dem kurzen Abschnitt der Gemeindegrenze zu Waakirchen liegen die Berge Luckenkopf, Kogelkopf und der Streitmöser. Die nördliche Gemeindegrenze zu Gmund verläuft über die Holzeralm, den Dürnbach entlang bis zur Hainzenhöhe und endet an der Bayersäg im Gemeindeteil Holz an der B 318. Zur Stadt Tegernsee im Osten und der Gemeinde Rottach-Egern im Südosten gelegen besteht eine Schifffahrtsverbindung über den Tegernsee. Im Süden grenzt Bad Wiessee an den Gemeindeteil Ringsee der Gemeinde Kreuth.

Gewässer Drei der sechs größeren Zuflüsse des Tegernsees münden in Bad Wiessee. Der nördlichste ist der Breitenbach, der seine Quelle am Breitenberg hat, kurz unterhalb des Huders auf .

mini|Der Söllbach bei Hochwasser am 23. August 2005, Abflussmenge etwa 29 Kubikmeter pro Sekunde Der Söllbach entspringt als Gurnbach unterhalb des Seekarkreuz auf dem Gemeindegebiet von Lenggries. Er fließt im Söllbachtal entlang der Scheibenaualm, der Söllbachaualm und der Alm Bauer in der Au. Anschließend durchquert er den Gemeindeteil Buch und mündet bei Abwinkl in den Tegernsee. Er entwässert das Gebiet nördlich des Hirschberges und östlich des Fockensteins. Die normale Abflussmenge des Söllbachs liegt bei rund einem Kubikmeter pro Sekunde. Sie stieg während des Alpenhochwassers 2005 im Mündungsgebiet auf etwa 29 Kubikmeter pro Sekunde. An der Mündung im Gemeindeteil Abwinkl steht eine Fischbrutanstalt des Landesfischereiverbands Oberbayern und ein öffentlich zugängliches Großaquarium mit einheimischen Fischen des Tegernsees.

Der Zeiselbach hat seine Quelle unterhalb der Aueralm. Er entwässert das Gebiet nördlich des Söllbergs und hat eine durchschnittliche Abflussmenge von 0,2 Kubikmetern pro Sekunde. Er fließt vorbei an der Wachselmoosalm, dem Semmelberg und dem Sonnenbichl. Nach der Durchquerung des Gemeindeteils Prinzenruhe kreuzt er in der Ortsmitte die Bundesstraße 318 und mündet östlich vom Dourdanplatz in den Tegernsee. Trotz der Hochwasserschutzmaßnahmen kam es am 13. Juni 2014 nach starken nächtlichen Regenfällen durch eine Verklausung an der Brücke beim Rathaus zu einer Überflutung des gesamten Ortskerns und der Bundesstraße. Die Abflussmenge des Zeiselbachs stieg kurzzeitig auf 9,58 Kubikmeter pro Sekunde.Tegernseer Stimme: Aufräumarbeiten nach Zeiselbachflut, 13. Juni 2014.

Auf dem Gemeindegebiet verlaufen weitere kleine Bäche wie der Weidenbach, der Filzgraben, der Deierlgraben, der Mühlbach, der Heissenbach und der Hölzlgraben.Tegernseer Stimme: Wiessees „unbekannter“ Wildbach, 22. März 2016.

Berge Auf dem Gemeindegebiet befinden sich folgende Berge: Ochsenkamp, Fockenstein, Neuhütteneck, Sattelkopf, Huder, Bettsteineck, Luckenkopf, Kotlahnerkopf, Spitzeck, Kogelkopf, Kleiner Sattelkopf, Brauneck, Luchseck, Buchetskogel, Hirschtalsattel, Herrenbergeck, Breitenberg, Windberg, Streitmöser, Wachselmooseck, Auereck, Zwergelberg, Auerhütteneck, Söllberg, Semmelberg, Stinkereck, Sillberg, Hainzenhöhe,

Almen mini|Die Neuhüttenalm im Sattel zwischen den Bergen Fockenstein und Neuhütteneck Auf dem Gemeindegebiet befinden sich folgende Almen: Neuhüttenalm, Auer Alm, Baumgartenalm, Wachselmoosalm, Winneralm, Scheibenaualm, Söllbachaualm, Bauer in der Au, Finneralm,

Geologie Der Untergrund ist aufgrund seiner Lage stark heterogen. Im Gegensatz zum Ostufer des Tegernsees mit seinen direkt ansteigenden Bergen, liegt das Dorf auf einem breiten Landstreifen am Westufer. Dieser Landstreifen wurde durch ausgedehnte Schuttkegel der Gebirgsbäche gebildet, die als schildförmige Erhebungen erkennbar sind.

Das Gebiet vom Gemeindeteil Rohbogen bis Holz setzt sich überwiegend aus eiszeitlichen Moränenablagerungen des Tegernsee-Gletschers zusammen. Diese typischen Merkmale einer Gletscherbedeckung mit Gletscherboden und mit Resten einer Grundmoräne formen auch am Sonnenbichl und am ehemaligen Skihang Prinzenruh den Boden. Dagegen wurde der lockere Kiesboden in den Gemeindeteilen Alt-Wiessee und Abwinkl überwiegend durch mitgeführte Ablagerungen des Söllbachs gebildet, der hier in den Tegernsee mündet. Das Söllbachtal wurde früher durch die Ufermoräne des Tegernsee-Gletschers, dem heutigen Sillberg, verriegelt. Der so aufgestaute Söllbach, früher Sillbach genannt, lagerte eine etwa hundert Meter mächtige Schotterschicht ab, die eine inmitten der Berge liegende Verebnung bildet. Diese hochgelegene Schotterebene reicht bis zur Einmündung des Scheibengrabens. Die Alm Bauer in der Au, ein früheres Ausflugsziel, liegt inmitten dieser Hochebene. Durch sein starkes Gefälle und die rasche Fließgeschwindigkeit führte der Söllbach früher eine beträchtliche Menge Kies mit sich. Die Kiesablagerungen wurden im Laufe der Zeit bereits so weit in den Tegernsee vorgeschoben, dass der See an der Mündung des Söllbachs eine starke Einengung auf etwa eineinhalb Kilometer erfuhr. mini|Sichtbares Flyschgestein am Franzosenhügel Gut sichtbar am Franzosenhügel, dem nördlichen Ortseingang Bad Wiessees, und ebenso am Wasserpointhügel findet sich das für Faltengebirge typische Flyschgestein. Diese Gesteinsart ist eine der ältesten Bodenformationen in Bad Wiessee. Sie stammt aus der Kreidezeit. Vor dem Bau der Kirche Maria Himmelfahrt im Jahre 1926 existierte am Wasserpointhügel ein Steinbruch, da aus dem geschichteten und geklüfteten Flysch einfach Bausteine gebrochen werden konnten.

Zwischen dem Zeiselbach, dem Breitenbach und dem Semmelberg entstand im Laufe der Zeit Moorgrund über einer Schicht aus Seeton. Als 1948 mit dem Bau einer neuen Siedlung „In den Filzn“ begonnen wurde, zeigte sich, dass das Moor etwa fünf Meter mächtig war. Es befand sich über einer mehrere Meter dicken Seetonschicht, die in einem abgetrennten Nebenbecken des Tegernsees entstand. Dieses Becken befindet sich hinter einem Hügelkamm, der sich vom Kirschbaumhügel bis zum Freihauswinkl erstreckt. Teile dieses Hochmoores sind erhalten geblieben und finden sich im Zentrum der Gemeinde unmittelbar hinter der Wandelhalle des im Jahr 2018 abgerissenen Jod-Schwefelbades.Tegernseer Stimme: Das letzte Moor von Bad Wiessee und der umstrittene Kathan-Neubau, 2. Juni 2011.

Natur Naturschutz

Bad Wiessee liegt innerhalb des etwa 9273 Hektar umfassenden Landschaftsschutzgebietes Schutz des Tegernsees und Umgebung, welches im Jahr 1956 ausgewiesen wurde.

mini|Luftbild Flyschberge bei Bad Wiessee Die Flyschberge bei Bad Wiessee mit einer Fläche von etwa 955 Hektar und einer Höhenlage von etwa 1128 m ü. NHN wurden als Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung in das Natura-2000-Netz der Europäischen Union aufgenommen. Innerhalb dieses Naturraums der schwäbisch-oberbayerischen Voralpen liegen bodensaure Buchenwälder, tannenreiche Bergmischwälder sowie Kar-Niedermoor-Bildungen am Rand des Mangfallgebirges. Die naturschutzfachliche Bedeutung des Naturraums ist die des größten und repräsentativsten Vorkommens des Hainsimsen-Buchenwaldes in den gesamten Bayerischen Alpen. Die Wald-Hainsimse ist ein Binsengewächs, welches feuchte Wiesen, mäßig schattige Wälder, vor allem saure Buchenwälder bevorzugt.

Umweltprobleme

Bad Wiessee ist Mitglied im Zweckverband zur Abwasserbeseitigung am Tegernsee. Der Zweckverband wurde 1956 gegründet, um die Ringkanalisation um den Tegernsee zu bauen und die Badequalität und Ökologie des Tegernsees zu erhalten. Der See war in den 1950er Jahren durch Abwässer stark belastet und es drohte eine ökologische Katastrophe.

Geschichte Ortsname Der Name Wiessee geht zurück auf die erstmalige Nennung des Ortes Wesses um 1017 im Urbar des Klosters Tegernsee und bedeutet, dass es sich um eine Siedlung westlich des Sees handelt. „Wesses“ ist die letzte Stufe der Entwicklung des Namens, der vom 14. bis 17. Jahrhundert „Wesse“ lautete. Der Buchstabe „t“ aus Westsee war bereits abgeschliffen und verschwunden. Auch das „s“ am Ende des Namens, der Genitiv-Form „Westen des Sees“ verschwand mit der Zeit. In den traditionellen Urkunden des Klosters Tegernsee von 1155 bis 1242 ist die Form des Ortsnamens noch unstet. Der hier erwähnte erste „Hof von Westsee“ kann als Ursiedlung von Bad Wiessee und als sein Namensgeber angesehen werden.

Chronik Erste Hinweise auf eine Siedlung am Westufer des Tegernsees stammen aus dem 10. Jahrhundert. Als das Kloster Tegernsee 978 nach den Ungarneinfällen als Reichsabtei neu eröffnet wurde, entstanden auch Werkstätten, in denen Kunsthandwerk betrieben wurde. Aus der Glashütte des Klosters sind fünf Glasfenster des Augsburger Doms erhalten. Die Glashütte lag laut einer Chronik „in der Au, jenseits des Sees“.Hermine Kaiser: Ortsgeschichte von Bad Wiessee. In: Hans Halmbacher: Das Tegernseer Tal in historischen Bildern. Fuchs-Druck, Hausham 1980, S. 373–444, 376. 1017 ist im Urbar des Klosters erstmals eine Landwirtschaft auf dem Westufer erwähnt. 1155 wird ein Dietpold von Westensee als Zeuge in einer Klosterurkunde genannt.

Spätmittelalter mini|Inschrift Quirinskapelleweitere Bilder Der Legende nach entdeckte ein Mönch im Jahr 1441 in St. Quirin am Ostufer des Tegernsees einen goldgelben Streifen im See, der von einer Stelle am Westufer kam, über der es eine natürliche Ölquelle (Petroleum) gab. Tatsächlich dürfte die inzwischen längst versiegte Quelle, deren Lage heute noch an einer denkmalgeschützten Kapelle auf dem Golfplatz von Bad Wiessee erkenntlich ist, seit ewigen Zeiten bestanden haben. Nach einer Gedenktafel im Inneren der Kapelle wurde die Quelle 1430 erstmals gefasst. Nachdem dem Steinöl vom Tegernsee therapeutische Eigenschaften (z. B. zum Einreiben) zugeschrieben worden waren, erlangte es als St.-Quirin-Öl bald große Beliebtheit und zog Pilger an den See.

1471 ließ das Kloster drei Fischweiher im Gebiet des heutigen Wiessees anlegen. Im Salbuch von 1480 wird Wiessee erstmals als Dorf fassbar. Der Dorfkern lag auf einer Anhöhe des Schwemmkegels südlich des Zeiselbachs, dem heutigen Gemeindeteil Alt-Wiessee. Drei Höfe sind nachgewiesen, dazu kamen mehrere unselbständige Häuser. Der älteste erhaltene Bau ist der Sperrhof, der dendrochronologisch auf 1587–89 datiert ist, über der Tür ist die Jahreszahl 1594 eingeschnitzt.

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