mini|Marktplatz Ortenburg (2023) mini|Die evangelische Marktkirche
Ortenburg ist ein Markt im niederbayerischen Landkreis Passau und staatlich anerkannter Erholungsort.
Geographie Geographische Lage Ortenburg liegt im sogenannten Klosterwinkel sowie im Holzland südlich der Donau und nördlich der Rott in der typischen Unterbayerischen Hügellandschaft. Großteile der Gemeinde befinden sich im Wolfachtal. Ortenburg selbst liegt direkt an der Wolfach, welche bei Vilshofen in die Donau mündet.
Der Markt Ortenburg liegt 20 Kilometer westlich von Passau, zehn Kilometer südlich von Vilshofen an der Donau, zwölf Kilometer nördlich von Bad Griesbach und 20 Kilometer nordwestlich von Pocking.
Nachbargemeinden Benachbarte Gemeinden sind Haarbach, Beutelsbach, Vilshofen an der Donau, Fürstenzell, Ruhstorf an der Rott und Bad Griesbach im Rottal. Etwas weiter entfernt liegen die Städte Pocking und Passau.
Gemeindegliederung mini|Vorderhainberg
Die Gemeinde Ortenburg hat 112 Gemeindeteile:
Geschichte mini|Der Markt Ortenburg um das Jahr 1620 nach einem Aquarell des Malergrafen Friedrich Casimir mini|Gezeichnete „Luftaufnahme“ Ortenburgs von Graf Friedrich Casimir um 1625
Mittelalter Der im Wolfachtal liegende Markt Ortenburg kann auf eine etwa 900-jährige Geschichte zurückblicken. Etwa 1120 ließen sich die Grafen von Ortenburg nieder. Zur selben Zeit traten die Edelfreien von Kamm auf. Diese zogen im Laufe des 13. Jahrhunderts nach Hals. Die Grafen von Ortenburg, welche dem Hause der Spanheimer entstammen, errichteten hingegen über dem Ort ihre Stammburg, welche später der Mittelpunkt ihrer reichsunmittelbaren Grafschaft Ortenburg wurde.
Die Grafen zählten von jeher zu den angesehensten und mächtigsten Geschlechtern des bayerischen Hochadels, so dass sie an Macht und Besitz mit den Wittelsbachern wetteiferten. Ihre größte Besitzausdehnung erreichten sie im 12. und 13. Jahrhundert, als sich ihre Besitzungen südwärts bis ins Nordtiroler Brixental und nordwärts bis weit in die Oberpfalz erstreckten.
Im 13. und 14. Jahrhundert erschien die Familie der Tuschl aus Söldenau. Sie waren Ministeriale der Grafen von Hals und Ortenburg und stiegen bis in den Rang des Ritters auf. Im 14. Jahrhundert prägten sie den niederbayerischen Raum nachhaltig mit der Errichtung zahlreicher Burgen, wie mit dem Bau ihrer Stammburg Schloss Söldenau durch Schweiker I. Dessen Sohn, Heinrich Tuschl, galt als einer der reichsten Edelmänner seiner Zeit. Literarisch wurde er der Ritter Allein in der gleichnamigen Sage. 1397 erlosch das Geschlecht der Tuschl.
Frühe Neuzeit Während der Regentschaft Graf Wolfgangs wurden der Markt und die Burg Ortenburg im Landshuter Erbfolgekrieg im Jahre 1504 geplündert und gebrandschatzt. Zu der Zeit hießen das ansässige Grafengeschlecht und der Ort noch Ortenberg. Im Jahre 1531 benannte der damals regierende Reichsgraf Christoph aufgrund eines Erbstreites seine Grafschaft und den Ort in Ortenburg um. Mit der Namensänderung wollte die gräfliche Familie ihre Erbansprüche auf die Kärntner Grafschaft Ortenburg verdeutlichen. Die Ortenburger Reichsgrafen gewannen diesen Streit jedoch nicht, da keinerlei Verwandtschaftsgrade mit dem ausgestorbenen Adelsgeschlecht vorhanden waren. Die Ortsumbenennung blieb aber bis heute bestehen.
1563 führte Graf Joachim, gestützt auf den Augsburger Religionsfrieden von 1555, in Ortenburg die lutherische Lehre ein. Ortenburg wurde dadurch zu einer evangelischen Enklave im katholischen Umland. 1626, während des Dreißigjährigen Krieges, siedelte Graf Friedrich Casimir Glaubensflüchtlinge aus Österreich rund um Ortenburg an, woraus die Ortsteile Vorder- und Hinterhainberg entstanden.
Durch Gräfin Amalia Regina wurde 1703 die allgemeine Schulpflicht in Ortenburg eingeführt – 99 Jahre vor der Einführung in Bayern.
Ab dem 19. Jahrhundert Im Jahr 1805 tauschte Graf Joseph Carl die Reichsgrafschaft Ortenburg und seine bayerischen Besitzungen gegen das ehemalige Klosteramt Tambach. Ortenburg wurde somit bayerisch. Die Grafen leben seit dieser Zeit in Tambach bei Coburg.Markus Lorenz: Der Übergang der Grafschaft Ortenburg an Bayern im Jahr 1805 (= Ortenburger Geschichtsblätter – Beiträge zur Heimatgeschichte Ortenburgs und seines Umlandes. Heft 2). Bad Griesbach 1997.
Der gräflich-ortenburgische Besitz umfasste zur Zeit des Tausches die dreiviertel Quadratmeilen umfassende Reichsgrafschaft Ortenburg samt sechs Dörfern und ca. 3000 Einwohnern sowie den beiden Schlössern Alt-Ortenburg und Neu-Ortenburg, des Weiteren die bayerischen Besitzungen um die Herrschaft und Schloss Söldenau, Ober- und Unterdorfbach, Hirschbach, Buch und die Herrschaft Neudeck samt Schloss Neudeck. Im Tausch für diese Güter erhielt Joseph Carl die neu geschaffene Reichsgrafschaft mit Sitz auf Schloss Tambach sowie 18 Dörfer mit knapp 3000 Einwohnern und umfangreichem Waldbesitz.
Mit dem bayerischen Gemeindeedikt von 1818 erhielt der Ort die gemeindliche Selbstverwaltung zurück, die ihm beim Übergang an Bayern genommen worden war. Zum Markt Ortenburg gehörten die Teilorte Ortenburg, Hinterschloß und Vorderschloß.
1892 wurde in Ortenburg die katholische Kirche von Johann Baptist Schott in neuromanischem Stil erbaut, 1899 wurde die katholische Expositur Ortenburg zur selbständigen Pfarrei erhoben.
1913–14 wird die Evangelische Haushaltsschule gebaut – heute Evangelische Realschule Ortenburg.
2019 kaufte der Markt das Schloss Ortenburg, dass seit 1971 im Besitz der Familie von Heinrich Orttenburger war.
Religionen mini|140px|Die katholische Pfarrkirche Maria Himmelfahrt, erbaut 1892 bis 1894 Ortenburg war ursprünglich eine evangelische Enklave im katholischen Umland. Heute existieren folgende Pfarreien im Gemeindegebiet: evangelische Pfarrei Ortenburg katholische Pfarrei Dorfbach katholische Pfarrei Holzkirchen katholische Pfarrei Neustift katholische Pfarrei Ortenburg katholische Pfarrei Sammarei katholische Pfarrei Unter-/Oberiglbach
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1972 die Gemeinde Königbach eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kam ein Teil der aufgelösten Gemeinde Dorfbach hinzu. Am 1. Mai 1978 wurden die Gemeinde Wolfachau und Teile der aufgelösten Gemeinde Voglarn eingegliedert. Seitdem ist Ortenburg flächenmäßig die drittgrößte Gemeinde im Landkreis Passau.
Am 1. Januar 1982 kamen schließlich noch Gebietsteile der Stadt Griesbach im Rottal mit damals etwa 40 Einwohnern hinzu. Demographie Im Zeitraum 1988 bis 2018 wuchs der Markt von 6558 auf 7405 um 847 Einwohner bzw. um 12,9 %. + Entwicklung der jährlichen Einwohnerzahl Jahr Einwohner 1. Dezember 1840 4422 1. Dezember 1871 4682 1. Dezember 1900 4859 16. Juni 1925 5252 17. Mai 1939 5372 13. September 1950 7444 6. Juni 1961 6173 27. Mai 1970 6305 25. Mai 1987 6546 31. Dezember 1991 6874 31. Dezember 1995 7132 1999 7172 31. Dezember 2001 7265 31. Dezember 2002 7283 31. Dezember 2003 7300 31. Dezember 2004 7263 31. Dezember 2005 7323 31. Dezember 2006 7188 31. Dezember 2007 7130 31. Dezember 2008 7139 31. Dezember 2009 7126 31. Dezember 2010 7064 31. Dezember 2011 6994 31. Dezember 2012 6985 31. Dezember 2013 6977 31. Dezember 2014 7059 31. Dezember 2015 7090 31. Dezember 2016 7160
Politik Marktgemeinderat Der Marktgemeinderat setzt sich aufgrund der Wahl vom 15. März 2020 wie folgt zusammen:Wahl des Marktgemeinderates 2020, abgerufen am 17. Juli 2020Mitglieder des Marktgemeinderates, abgerufen am 17. Juli 2020 SitzeStimmenanteil CSU 10 51,16 % Überparteiliche Wählergemeinschaft Ortenburg (ÜW) 5 25,44 % SPD 3 14,91 % ÖDP/Aktive Bürger 2 8,48 % Gesamt 20 100,00 % Die Wahlbeteiligung betrug 67,5 %.
Gegenüber der Wahlperiode 2014 bis 2020 verlor die SPD einen Sitz an die ÖDP/Aktive Bürger.
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit der Kommunalwahl 2014 Stefan Lang (CSU), der dem von der ÜW gestellten ersten Bürgermeister Hans Halser sowie Reinhold Hoenicka (CSU) und Fritz Gebessler (CSU) nachfolgt. Stefan Lang wurde mit 66,49 % ins Amt gewählt und bei zwei Mitbewerbern am 15. März 2020 mit 85,9 % der Stimmen für weitere sechs Jahre bestätigt.Bürgermeisterwahl 2020, abgerufen am 17. Juli 2020
Die Stellvertreter sind seit Mai 2020 der 2. Bürgermeister Harald Roitner (CSU) und der 3. Bürgermeister Michael Straubinger (CSU). Ihre Vorgänger in der Amtszeit 2014 bis 2020 waren Ludwig Nothaft (CSU) und Heinrich Stocker (ÜW).
Verwaltung Die Gemeindeverwaltung ist aufgeteilt in das Verwaltungsgebäude Unteriglbach und das Rathaus in Ortenburg.
Wappen
Partnergemeinden Seit 2010 besteht eine Partnerschaft zur ungarischen Gemeinde Földeák, dies geht auf eine Initiative der örtlichen Volkstanzgruppen von 2002 zurück.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Theater Das Theater Maskara führt die alte Tradition der Commedia dell’arte fort und erzählt Märchen für Jung und Alt.
Bauwerke
Schloss Ortenburg mini|Schloss Ortenburg Rapoto I., regierender Graf von etwa 1120–1186, ließ um das Jahr 1120 die Ortenburg erbauen, diese wurde aber im Jahr 1192 von Herzog Leopold von Österreich abgebrannt. Im Landshuter Erbfolgekrieg wurde die Burg Ortenburg 1504 erneut zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte aber erst in den Jahren 1562 bis 1567 durch Graf Joachim. Von 1972 bis einschließlich 2018 war Schloss Ortenburg in Privatbesitz. Das Schloss wurde von 1972 bis 1991, das im Besitz der Familie von Heinrich Orttenburger war, aufwendig restauriert und beherbergt nun ein Schlossmuseum mit prunkvollem Renaissance-Innenhof mit Arkaden und der berühmten Renaissance-Holzkassettendecke in der Schlosskapelle. Seit 2019 ist der Markt Ortenburg Eigentümer des Schlosses.
Ursprünglich gab es in Ortenburg noch eine zweite Burg. Diese beiden Burgen gaben den Gemeindeteilen Hinterschloß und Vorderschloß den Namen. Die heutige zu besichtigende Burg ist das ältere Schloss der beiden und wurde damals Alt-Ortenburg genannt. Schloss Neu-Ortenburg im Ortsteil Hinterschloß wurde während der Napoleonischen Kriege von französischen Truppen zerschossen und die Ruine Ende des 19. Jahrhunderts vollständig abgetragen. Erhalten blieb jedoch unter den Grundmauern ein weit verzweigtes Tunnelsystem, welches unter dem sogenannten „Trompetergraben“ durchführt und beide Burgen miteinander verband und noch bis in die 1960er Jahre als Abkürzung bzw. während der Weltkriege als Versteck und Fluchttunnel genutzt wurde. Mitte der 1970er Jahre wurden die Haupteingänge jedoch verschüttet und für unbenutzbar erklärt.
Im Jahre 2004 wurde im heutigen Wildpark neben dem Schloss, dem ehemaligen Schlosspark, durch eine Grabung ein „abschlagbares Pomeranzenhaus“ entdeckt. Es gehört zum seltenen Gardasee-Typus, dessen Existenz in Deutschland hier erstmals belegt wurde. Es soll nun eine Dauerausstellung über das Pomeranzenhaus und die Gartenkunst im Passauer Land eingerichtet werden. Die Rekonstruktion des Pomeranzenhauses ist geplant.
Marktkirche Die evangelische Marktkirche prägt von Süden her kommend bereits von Weitem das Bild des Ortes. Die Kirche gehört aufgrund ihrer eng mit der ehemaligen Reichsgrafschaft verbundenen Geschichte zu den kulturhistorisch bedeutendsten Gebäude des Ortes. Einst war sie eine ehemalige Wallfahrtskapelle Zu unseren Lieben Frauen vor dem Markt. Nach der Bestätigung der Reichsunmittelbarkeit der Grafschaft im Jahre 1573 begann die große Umgestaltung der Kirche, wodurch sie zur evangelisch-lutherischen Pfarrkirche wurde. Zwischen 1703 und 1706 erhielt sie schließlich ihre heutige Gestalt. Die Kirche ist für ihre zahlreichen prunkvollen Grabdenkmäler der ehemals ansässigen Grafen bekannt.
St. Laurentius mini|Die evangelische St.-Laurentius-Kirche