Wiesloch () ist eine Stadt mit etwa 28.000 Einwohnern im nördlichen Baden-Württemberg, etwa 13 km südlich von Heidelberg. Sie ist nach Weinheim und Sinsheim die drittgrößte Stadt des Rhein-Neckar-Kreises und bildet mit der Nachbarstadt Walldorf ein Mittelzentrum in der Metropolregion Rhein-Neckar. Nach der Eingemeindung von Baiertal und Schatthausen wurde Wiesloch 1973 zur Großen Kreisstadt erhoben.
Geographie Lage und Naturraum mini|Das Zentrum von Wiesloch miniatur|Wiesloch und Umgebung 1907 mini|Niederschlagsdiagramm Wiesloch liegt teils an den südlichen Ausläufern des kleinen Odenwaldes, teils im Rheintal und teils im Kraichgauer Hügelland. Auf Wieslocher Gemarkung fließen fünf Bäche: Leimbach, Gauangelbach, Waldangelbach, Ochsenbach und Maisbach.
Folgende Gemeinden grenzen im Uhrzeigersinn an die Stadt Wiesloch, beginnend im Norden: Nußloch, Leimen, Mauer, Meckesheim, Dielheim, Rauenberg, St. Leon-Rot und Walldorf.
Die Gemarkung erstreckt sich über 3026,2 Hektar. Davon sind 32,1 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 55,5 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt und 9,4 Prozent sind bewaldet.
Stadtgliederung Die Stadt Wiesloch besteht aus den drei Stadtteilen Wiesloch (19.916 Einwohner am 31. Dezember 2007), Wiesloch-Baiertal (4.489 Einwohner) und Wiesloch-Schatthausen (1.622 Einwohner). Die Stadtteile sind räumlich identisch mit den früheren Gemeinden Wiesloch, Baiertal und Schatthausen.
Zum Stadtteil Wiesloch-Baiertal gehören das Gehöft Schatzgrundhof, die Häuser Hohenhardterhof und die Pumpstation Maisbachtal. Zum Stadtteil Wiesloch gehören Altwiesloch, Frauenweiler und die Orte Beim Staatsbahnhof, Heil- und Pflegeanstalt und Hühnerfarm Zimmermann. Außerdem liegen im Stadtteil Wiesloch die Wüstungen Binrohrhusen, Sternweiler und Frau(en)weiler.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 431–434
Auf die Kernstadt mit Frauenweiler entfallen 1731,8 Hektar der Gesamtgemarkungsfläche, auf Baiertal 725,2 Hektar und auf Schatthausen 569,2 Hektar.
Klima Die Durchschnittstemperaturen in Wiesloch betragen im Januar 1,3 °C und im Juli 19,8 °C. Dieses äußerst milde Klima bietet, wie an der gesamten Bergstraße, seit jeher gute Bedingungen für den Weinbau. Jährlich fallen etwa 777 mm Niederschlag. Das ist normal und fällt in das mittlere Drittel der in Deutschland erfassten Werte. An 58 Prozent der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, der feuchteste der Juni. Im Juni fallen 1,6 mal so viel Niederschläge wie im Februar. Die Niederschläge variieren mäßig. An 44 Prozent der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.
Raumplanung Wiesloch bildet mit der Nachbarstadt Walldorf ein Mittelzentrum der Metropolregion Rhein-Neckar im Bereich des Oberzentrums Heidelberg. Zum Mittelbereich Wiesloch/Walldorf gehören neben diesen beiden Städten noch die Städte und Gemeinden Dielheim, Malsch, Mühlhausen, Rauenberg und St. Leon-Rot des Rhein-Neckar-Kreises. Mit der Nachbargemeinde Dielheim hat die Stadt Wiesloch eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart.
Geschichte Frühe Geschichte mini|Römischer Keller am Röhrbuckel Wieslochs Ursprünge lassen sich bis in die keltische Zeit (um 500 v. Chr.) zurückverfolgen. Seit dem 1. Jahrhundert ist Bergbau auf Blei, Silber und vermutlich auch Galmei in Wiesloch nachweisbar.Ludwig H. Hildebrandt: Blei-Zink-Silber-Bergbau im ersten Jahrtausend in Wiesloch bei Heidelberg. In: Roland Prien, Christian Witschel (Hrsg.): Lopodunum VII: Ladenburg und der Lobdengau zwischen ‚Limesfall‘ und den Karolingern (= Forschungen und Berichte zur Archäologie in Baden-Württemberg. Band 17). Dr. Ludwig Reichert, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-95490-481-5, S. 291–301.
Im Westen von Wiesloch bestand von 120 bis 260 ein römisches Straßendorf (Vicus von Wiesloch) mit einigen Gutshöfen. Hier kreuzten sich zwei römische Fernstraßen, (Speyer–Bad Wimpfen–Limes und Ladenburg–Basel). Ein 1987 beim Bau eines Regenrückhaltebeckens in der Nähe des Bahnhofs Wiesloch-Walldorf aufgefundener Keller eines Römerhauses wurde wenig später ins Stadtzentrum an den Röhrbuckel versetzt.Andreas Hensen: Der Wieslocher Vicus – eine römische Landstadt am Leimbach, in: Wiesloch – Beiträge zur Geschichte Bd. 2, Ubstadt-Weiher 2001, S. 11.
Der Siedlungsplatz an der alten Römerstraße behielt auch in der Zeit der Völkerwanderung seine Bedeutung, Bodenfunde aus der Zeit vom 3. bis zum 8. Jahrhundert lassen im äußersten Westen Wieslochs gar eine Siedlungskontinuität über jene Zeit möglich scheinen.Uwe Gross: Zeugnisse aus schriftloser Zeit – Funde der Völkerwanderungszeit und des frühen Mittelalters in Wiesloch, in: Wiesloch – Beiträge zur Geschichte Bd. 2, Ubstadt-Weiher 2001, S. 27.
Siedlungsgründung mini|Der Runde Turm und die Stadtmauer sind Reste der mittelalterlichen Befestigung der Stadt Ebenfalls längs der Römerstraße nach Wimpfen und noch im Bereich des römischen Vicus (im heutigen Gewann Hoschket) entstand im 6. oder spätestens 7. Jahrhundert der älteste Siedlungskern des heutigen Wiesloch. Dieser Ort wurde im Lorscher Codex am 12. September 801 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch als Wezzinloch erstmals erwähnt. Bis 838 kamen weitere Teile des Ortes, an dem im 9. und 10. Jahrhundert eine bedeutende Töpferei bestand, an das Kloster Lorsch. 889 urkundete König Arnolf von Kärnten in Wiesloch. 965 bekam Wiesloch von Kaiser Otto I. die Erlaubnis erteilt, einen öffentlichen Markt einzurichten (bestätigt von König Otto III. (987) und von König Heinrich IV. (1067)).
Etwa 1,5 Kilometer östlich des vorigen Siedlungskerns, etwas südlich des heutigen Stadtkerns ungefähr auf Höhe des Kegelbahnwegs, entstand um die Mitte des 10. Jahrhunderts wegen des dortigen Bergbaus eine weitere Siedlung. Als der Bergbau in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts intensiviert wurde, gab man die Siedlung im Hoschket allmählich zugunsten der Bergbausiedlung auf. Zum Schutz der Siedlung entstand nördlich des Leimbachs eine Burg, um die sich ein Burgweiler ansiedelte, aus dem dann die heutige Stadt Wiesloch entstand.Ludwig H. Hildebrandt: Die Stadt Wiesloch im Mittelalter, in: Wiesloch – Beiträge zur Geschichte, Band 1, Ubstadt-Weiher 2000, S. 31–64. Welche Bedeutung der Burgweiler rasch gewann, lässt sich daran erkennen, dass zu den ältesten Bodenfunden die Grundmauern einer dreischiffigen, romanischen Pfeilerbasilika aus der Zeit um 1070 in der heutigen evangelischen Stadtkirche zählen.
Als ab dem 12. Jahrhundert der Bergbau nachließ, wurde auch die Bergbausiedlung südlich des Leimbachs aufgegeben. In etwa gleichzeitig entstand etwa einen Kilometer östlich des Burgweilers eine weitere Burg, die den Kern des später Altwiesloch genannten Ortes bildete, der mit Stadtmauer und Türmen befestigt wurde.
Kurpfälzische Stadt mini|Schlacht bei Wiesloch 1632 Im frühen 13. Jahrhundert geriet Wiesloch unter die Herrschaft der Pfalzgrafen bei Rhein, der späteren Kurfürsten der Pfalz. Als Stadt wurde Wiesloch erstmals 1288 in einer Urkunde des Pfalzgrafen Ludwig des Strengen erwähnt, der genaue frühere Zeitpunkt der Verleihung des Stadtrechts ist jedoch unbekannt. Schultheiße und Schöffen wurden seit 1290 erwähnt. 1296 urkundete König Adolf in Wiesloch.
Spätestens ab dem hohen Mittelalter spielte der Weinbau eine bedeutende Rolle in der Stadt. In den alten Schenkungsurkunden an das Kloster Lorsch gibt es noch keine Hinweise auf Weinberge, doch dürften diese auch damals schon bestanden haben. Im späten 13. Jahrhundert erwarb das Kloster Schönau gemeinsam mit weiteren traditionellen Weinlagen auch Weinbergflächen in Wiesloch. Im 15. Jahrhundert waren die örtlichen Weinbergflächen dann zumeist im Besitz von Bürgern, die gegenüber der herrschaftlichen Kellerei in der Burg Wiesloch abgabepflichtig waren.Helmut Mohr: Weinbau in Wiesloch und an der Bergstraße, in: Wiesloch – Beiträge zur Geschichte Band 1, Ubstadt-Weiher 2000, S. 245 f. Von 1410 bis 1499 zählte Wiesloch zur Herrschaft Pfalz-Mosbach.
Im Dreißigjährigen Krieg fand am 27. April 1622 (in der Nähe von Wiesloch) die Schlacht bei Mingolsheim statt. Die Hauptmacht des Heeres der katholischen Liga unter persönlicher Führung Tillys kämpfte gegen das Heer des geächteten Pfalzgrafen Friedrich V. (des sogenannten Winterkönigs von Böhmen) unter Führung Mansfelds. Am 16. August 1632 fand die Schlacht bei Wiesloch zwischen den schwedischen Truppen unter Gustav II. Adolf und den kaiserlichen Truppen statt.
Wiesloch wurde am 28. Januar 1689 infolge des Pfälzischen Erbfolgekrieges von französischen Truppen des Generals Mélac heimgesucht und fast völlig niedergebrannt und zerstört.„Der Pfaltz am Rhein Staat-, Land-, Staedt- und Geschicht-Spiegel“, Koppmayer, Augsburg 1690, S. 38, Eintrag: Wißloch; Uni Mannheim, digitalisiert am 5. November 1996, abgerufen am 6. Februar 2016.
Im Zweiten Koalitionskrieg fand am 3. Dezember 1799 eine weitere Schlacht bei Wiesloch statt. Dabei vertrieb der österreichische Feldmarschallleutnant Anton Sztáray de Nagy-Mihaly die Französische Armee aus den rechtsrheinischen Gebieten und beendete die französische Belagerung der Festung Philippsburg.
mini|Wiesloch um 1850 vom Ludwigsberg mit Zinkbergbau im Vordergrund (im Hintergrund: Malschenberg mit Letzenberg)
Badische Amtsstadt Bis 1803 gehörte Wiesloch zur Kurpfalz, danach ging die Stadt im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses, der große gebietliche Veränderungen mit sich brachte, an das nachmalige Großherzogtum Baden und wurde zur Amtsstadt erhoben. 1806 wurde sie Sitz eines Bezirksamtes, das dem Unterrheinkreis in Mannheim nachgeordnet war.
Nachdem der Weinbau im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert durch Schädlinge und Misswuchs an Bedeutung verloren hatte, ergriffen mehrere Wieslocher Familien nach dem Zehntablösungsgesetz von 1832/33 die Initiative zur Wiederbelebung des Weinbaus. Man erneuerte nicht nur die bestehenden Weinbaulagen, sondern erschloss auch neue Lagen, indem man von Erzbergbau-Pingen durchzogenes Gelände einebnete oder Waldgebiete ausstockte. Besondere Verdienste um den Weinbau hat sich der Wieslocher Apotheker Johann Philipp Bronner (1792–1864) erworben, der große Ödflächen für den Weinbau nutzbar machte und später eine Rebschule und eine Weinhandlung gründete.Helmut Mohr: Weinbau in Wiesloch und an der Bergstraße, in: Wiesloch – Beiträge zur Geschichte Band 1, Ubstadt-Weiher 2000, S. 253–256.
Die Funktion als Amtsstadt und Mittelzentrum begünstigte den Aufschwung von Handel und Gewerbe in Wiesloch. Gleichzeitig erlebte der traditionelle Bergbau seinen Niedergang und ging mit dem Bau der Badischen Hauptbahn die Bedeutung der Wieslocher Poststation als Fernverkehrsknoten auf den außerhalb des Ortes liegenden, 1843 errichteten Bahnhof über. Dort siedelten sich im späten 19. Jahrhundert einige wenige Industrieanlagen an, darunter die Tonwarenfabrik, die 1905 mit 305 Beschäftigten der größte Arbeitgeber am Ort war, und ein Dampfkraftwerk. Im Ort gab es vor allem zunächst Schuh- und Zigarrenfabriken.Volker Kronemayer: Die Industrialisierung Wieslochs vom Anfang bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, in: Wiesloch – Beiträge zur Geschichte Band 1, Ubstadt-Weiher 2000, S. 197–202.
Bertha Benz ging auf ihrer Jungfernfahrt, an die seit 2008 die Ferienstraße Bertha Benz Memorial Route erinnert, Anfang August 1888 mit dem Wagen ihres Mannes von Mannheim nach Pforzheim in Wiesloch der Sprit aus, und sie musste beim Apotheker der Stadt-Apotheke den Treibstoff Ligroin kaufen. An diese Anekdote erinnert heute ein Denkmal am Wieslocher Marktplatz sowie ein Hinweisschild an der Stadt-Apotheke als erste Tankstelle der Welt.