Als Quinte oder Quint (von : „die Fünfte“, altgriechisch Diapente διά (dia) πέντε (pente) „jede fünfte oder alle fünf“) bezeichnet man in der Musik ein Intervall, das fünf Tonstufen einer diatonischen, heptatonischen Tonleiter umspannt.

Beispiel:Tonleiterabschnitt von f' nach c" – Quinte f' c" hintereinander – Quinte f' c" gleichzeitig.

Datei:quinte_f_g_a_b_c.png

Datei:quinte_f_g_a_b_c.ogg

Die Quinte besteht als „reine“ Quinte aus sieben, in ihren Varianten auch sechs oder acht Halbtonschritten. Die Quinte ist das Komplementärintervall zur Quarte.

Im engeren Sinne versteht man unter der Quinte auch die fünfte Stufe der jeweiligen Tonleiter; hierfür wird manchmal die genauere Bezeichnung Quintton benutzt.Walter Opp: Handbuch Kirchenmusik, Band 1, Merseburger 2001, S. 225, 235. ISBN 3-87537-281-6.

Varianten 550px|Notenbeispiel: Quintintervalle Notenbeispiel: Quintintervalle

Die Quinte kann in drei Varianten auftreten: Die reine Quinte (a), die in der reinen Stimmung das Frequenzverhältnis 3:2 besitzt und damit das konsonanteste Intervall nach der Oktave darstellt, ist am geläufigsten. Sie findet in allen Musikarten sehr häufige Verwendung, z. B. als Bordun- oder Mixturton, und ist wichtig sowohl in der musikalischen Stimmung als auch in der Musiktheorie (siehe Quintenzirkel). Auch wird die Quinte, ähnlich der Quarte, gerne als Signalintervall benutzt. Die fallende Quinte ist zudem das wichtigste Element der Kadenz. Die verminderte Quinte (b) ist ähnlich wie ihr Umkehrintervall, die übermäßige Quarte oder Tritonus, ein dissonantes Intervall. Sie tritt als charakteristisches Intervall im Dominantseptakkord auf. Die übermäßige Quinte (c) kommt hauptsächlich als Rahmenintervall des übermäßigen Dreiklangs (z. B. c – e – gis) vor. Sie kann mit der kleinen Sexte enharmonisch verwechselt werden.

Die Quinte bildet auch das Rahmenintervall des Dur- (d) und Molldreiklangs.

Intervall Halbtöne Beispiel Umkehrintervall(a)reine Quinte7 (3 Ganztöne + 1 Halbton)C–G, D–A„Wie schön leucht’ uns der Morgenstern“reine Quarte(b)verminderte Quinte6 (2 Ganztöne + 2 Halbtöne)H–F, D–Asübermäßige Quarte (Tritonus)(c)übermäßige Quinte8 (4 Ganztöne)F–Cis, C–Gisverminderte Quarte

Im Zusammenhang mit der Partialtonreihe, z. B. bei Orgelregistern, werden der 3., aber auch der 6. Partialton als Quinte bezeichnet, Letzterer alternativ auch als Superquinte. Diese Quinte (3. Partialton) hat zur nächsttieferen Oktave ein Frequenzverhältnis von 3:2.

Doppelbedeutung des Ausdrucks „reine Quinte“ Die Bezeichnung „Reine Quinte“ wird einerseits in der Bedeutung „weder vermindert noch übermäßig“ gebraucht, andererseits auch für das Frequenzverhältnis von genau 3:2, wie es zur reinen Stimmung gehört, also als Gegensatz zu „temperierten“ (verstimmten) Quinten (siehe folgenden Abschnitt).

Stimmung Das genaue Frequenzverhältnis der reinen, d. h. weder verminderten noch übermäßigen Quinte entscheidet sich mit dem jeweiligen musikalischen Stimmungssystem.

Name Frequenzverhältnis Centwert Quinte in der reinen StimmungDatei:quinte_f_c_rein.ogg 701,96 Cent Quinte in der gleichstufigen StimmungDatei:quinte_f_c_gleichstufig.ogg 700 Cent Quinte in der 1/4-Komma-mitteltönigen StimmungDatei:quinte_f_c_mitteltönig.ogg 696,58 Cent

Siehe hierzu auch: Stimmung, Cent, Wolfsquinte

Leere Quinte Eine leere Quinte ist ein Zweiklang wie beispielsweise C–G. „Leer“ bezieht sich dabei auf die fehlende Terzstufe – im Beispiel E oder Es – die den Klang zu einem Dur- oder Moll-Dreiklang machen würde. Leere Quinten sind beim Stimmen z. B. der Violinen eines Orchesters zu hören.

In der Rockmusik wird ein solcher tongeschlechtsloser Klang als „Powerchord“ bezeichnet.

Hörbeispiele Quinte aufwärts C-G Quinte abwärts C-F

Siehe auch Quintenspirale Quintorganum Quintfallsequenz Quintparallele Quint-Oktav-Klang Powerchord

Weblinks

Harmonielehre und Obertöne Die zentrale Rolle der Quinte für die besten Tonsysteme

Einzelnachweise

Kategorie:Intervall