Die Midway (CV-41) (zuvor CVB-41 bzw. CVA-41) war ein Flugzeugträger der United States Navy und das Typschiff der Midway-Klasse. Sie war das dritte Schiff, das den Namen USS Midway trug. Die wenige Tage nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Dienst gestellte Midway nahm am Vietnam- und am Zweiten Golfkrieg teil. Von 1973 bis 1991 war sie als vorgeschobener Flugzeugträger in Yokosuka, Japan, stationiert. Durch zahlreiche Umbauten und Modernisierungen wurde der Flugzeugträger während seiner Dienstzeit in seinem Aussehen stark verändert – vom Geraddeckträger 1945 über das erste Winkeldeck 1957 bis hin zum weit auskragenden Flugdeck 1970. Im April 1992 wurde die Midway nach fast 47 Dienstjahren in die Reserveflotte überführt. Seit 2004 ist sie als das USS Midway Museum in San Diego für die Öffentlichkeit zugänglich.

Technik mini|links|Flugdeck der USS MidwayBlau: Aufzüge und BrückenaufbauRot: Katapulte.Oben: Bauzustand 1945Mitte: Bauzustand 1957Unten: Bauzustand nach 1970

Rumpf und Antrieb Die Midway war bei ihrer Indienststellung 1945 mit 295,2 Metern Länge über alles und einer Breite von 41,5 Metern das größte Kriegsschiff der US-Marine und als erstes Schiff zu breit für eine Passage des Panamakanals. Der Rumpf basierte auf den Schlachtschiffen der Montana-Klasse. Durch Umbauten erweiterte sich ihre Länge auf 303,8 Meter und die Breite auf 72,5 Meter. Die Konstruktionsverdrängung lag 1945 bei 45.000 ts, die Einsatzverdrängung bei etwa 60.000 ts. Durch die Umbauten in den folgenden Jahren stieg die Verdrängung auf 64.200 ts. Der Tiefgang lag bei 10,9 Metern.Terzibaschitsch: Flugzeugträger der U.S. Navy. Bernard & Graefe Verlag. ISBN 3-7637-6200-0, S. 346f. Die Midway war der Flugzeugträger mit der stärksten Panzerung und verfügte als erster US-Flugzeugträger über ein gepanzertes Flugdeck. Diese Änderung basierte auf den Erfahrungen mit den japanischen Kamikaze-Angriffen im Zweiten Weltkrieg. Die Stärke der Deckspanzerung betrug 76 mm, die Panzerung in der Wasserlinie war 203 mm stark. Der Rumpf war in mehr als 1750 wasserdichte Abteilungen unterteilt,McGaugh: Midway Magic. CDS Books. ISBN 1-59315-027-X, S. 27. die Schotten waren ebenfalls bis zu 203 mm stark. Die Midway verfügte damit über eine passive Sicherheit und Lecksicherungsmaßnahmen wie ein Schlachtschiff gleicher Größe.Terzibaschitsch: Flugzeugträger der U.S. Navy. S. 123. Während seiner gesamten Dienstzeit neigte der Träger allerdings auf Grund der konstruktionsbedingten und durch die diversen Umbauten noch verstärkten Topplastigkeit zu ausgeprägten Roll- und Schlingerbewegungen.

Der Antrieb der Midway erfolgte durch vier Getriebeturbinen, die ihren Dampf aus zwölf Dampfkesseln bezogen. Die vier jeweils 4,58 Meter messenden Propeller übertrugen eine Gesamtleistung von 212.000 PS (155 MW) und brachten den Träger auf eine Höchstgeschwindigkeit von 33 Knoten. Die Reichweite betrug zwischen 4500 Seemeilen bei Höchstgeschwindigkeit und 14.000 Seemeilen bei 13 Knoten.Terzibaschitsch: Flugzeugträger der U.S. Navy. S. 339f.

Bewaffnung und Elektronik mini|links|USS Midway 1945, unter dem Flugdeck sind neun der 18 127-mm-Geschütztürme zu sehen 1945 hatte die Midway die zahlenmäßig stärkste Rohrbewaffnung, die jemals auf einem Flugzeugträger untergebracht war. Sie bestand aus 18 Einzelgeschützen im Kaliber 5 Zoll (127 mm), die mit ihren 54 Kaliberlängen eine Rohrlänge von 6,85 m hatten. Die Geschütze waren in Türmen unterhalb der Deckskante angebracht, um den Flugbetrieb nicht zu behindern. Dazu kamen 21 40-mm-Vierlingsgeschütze sowie 28 20-mm-Kanonen. Die Zahl der leichten Geschütze wurde in den folgenden Jahren reduziert, bis Ende der 1950er Jahre wurden sie ganz entfernt. Die Zahl der schweren Geschütze wurde ebenfalls reduziert, die letzten drei wurden Anfang der 1970er Jahre entfernt. An ihre Stelle traten zwei Starter für Sea-Sparrow-Luftabwehrraketen. Mitte der achtziger Jahre kamen zwei Phalanx CIWS zur Nahbereichsverteidigung an Bord.

Bei ihrer Indienststellung 1945 verfügte die Midway über drei Luftraumüberwachungsradare (SK-2, SX und SR-4) mit maximalen Ortungsreichweiten zwischen 80 und 110 Seemeilen. Noch vor den ersten Umbauten kamen 1953 moderne AN/SPS-6 und AN/SPS-8-Radaranlagen an Bord, 1961 wurde das SPS-6 durch AN/SPS-12 und AN/SPS-43-Anlagen ersetzt, 1963 löste das AN/SPS-30-Radar das SPS-8 ab. Die Ortungsreichweiten stiegen auf bis zu 300 Seemeilen an. 1985 wurden die Radaranlagen durch moderne, elektronische AN/SPS-48- und AN/SPS-49-Radare abgelöst, die bis zum Ende der Dienstzeit an Bord blieben.Terzibaschitsch: Flugzeugträger der U.S. Navy. S. 224.

Carrier Air Wing mini|Landung einer F-4 Phantom II auf der Midway Das auf dem Flugzeugträger stationierte Carrier Air Wing sollte nach den Planungen ein Geschwader mit bis zu 145 Flugzeugen umfassen, im Einsatz befanden sich aber maximal 100 Flugzeuge an Bord. 1945 wurden F4U Corsair und SB2C Helldiver, ab 1947 auch die F8F Bearcat, von Bord eingesetzt,Terzibaschitsch: Flugzeugträger der U.S. Navy. S. 378. Anfang der fünfziger Jahre kam mit der F9F Panther die ersten strahlgetriebenen Flugzeuge an Bord. Diese wurden durch AD-1-Skyraider-Angriffsflugzeuge ergänzt, die bis Mitte der 1960er Jahre im Einsatz blieben. Ab 1956 kamen die F3H Demon und die F8U Crusader an Bord, als schwerer Bomber wurde die A3D Skywarrior eingesetzt. Als leichte Jagdbomber kamen zudem A4D Skyhawk zum Einsatz, diese wurden ab 1970 durch A-7 Corsair II ersetzt. Ab 1965 ersetzte die F-4 Phantom die älteren Jäger und Jagdbomber, sie blieb bis zu ihrer Ablösung durch die F/A-18 Hornet 1986 an Bord der Midway. Als Bomber und Tanker wurde ab Anfang der 1970er Jahre zudem die A-6 Intruder von Bord aus eingesetzt. Als Frühwarn- und Radarflugzeug ersetzte die E-2 Tracer ab 1962 die zuvor verwendeten modifizierten Skyraider.Terzibaschitsch: Flugzeugträger der U.S. Navy. S. 387. Für den Einsatz größerer Flugzeuge wie der Grumman F-14 oder der S-3 Viking war das Flugdeck der Midway zu klein. Das Fehlen der luftgestützten U-Jagdkapazitäten führte dazu, dass sie auch nach der Reklassifizierung vom Angriffsträger (CVA) zum vollwertigen Träger (CV) weiter nur als Angriffsträger eingesetzt werden konnte.Terzibaschitsch: Flugzeugträger der U.S. Navy. S. 228.

Eine Besonderheit der Midway war die zwanzigjährige Stationierung des Carrier Air Wing Five von 1971 bis 1991 an Bord des Trägers.

Besatzung Die Besatzungsstärke der Midway sollte nach den Entwürfen 3583 Mann betragen, durch die Verstärkung der Luftabwehrbewaffnung lag sie bei Indienststellung bei 4120 Mann. Da die Midway noch als Flugzeugträger für den Kriegseinsatz geplant war, verfügte sie nur über sehr geringen Komfort für die Mannschaften, so war nur die Befehlszentrale klimatisiert. Die Frischwassererzeuger des Trägers, die eine Kapazität von 900 Kubikmetern pro Tag hatten, mussten das Speisewasser für die Dampfkessel und das Trinkwasser für die Mannschaft liefern. Durch die Vergrößerung der Besatzung auf 4760 Mann durch die Umbauten waren diese Kapazitäten später zu klein, so dass das Trinkwasser an Bord rationiert werden musste. Die sechs Kombüsen und Messen gaben täglich etwa 13.000 Mahlzeiten aus.McGaugh: Midway Magic. S. 232.

Name, Motto und Insigne mini|Siegel der Midway in den ersten Einsatzjahren Die Midway war das dritte Schiff, das den Namen USS Midway trug, und das zweite, das nach der Schlacht um Midway, einer der wichtigsten Schlachten des Pazifikkriegs, benannt wurde.; Stand: 14. Dezember 2009. Ihre Vorgänger waren das Hilfsschiff USS Midway (AG-41), das den Namen von 1942 bis 1943 trug, sowie ein Geleitflugzeugträger, der im Oktober 1943 als zweite Midway in Dienst gestellt wurde, am 10. Oktober 1944 aber den Namen St. Lo erhielt.; Stand: 14. Dezember 2009.

In ihrer langen Dienstzeit hat sich die Midway bei ihren Besatzungen viele Spitznamen verdient, die berühmtesten darunter waren USS Rock & Roll sowie USS Neverdock. Den Spitznamen USS Rock & Roll, angelehnt an den Rock-’n’-Roll-Tanz, erhielt sie aufgrund ihrer teils sehr heftigen Roll- und Schlingerbewegungen, die auch durch diverse Umbauten und Modifikationen nicht verringert werden konnten.McGaugh: Midway Magic. S. 188. USS Neverdock (deutsch etwa „USS Leg niemals an“) wurde die Midway vor allem während ihres „forward deployment“ in Yokosuka genannt, als ihre Einsatzfahrten im Pazifik bis zu elf Monate dauerten, die Aufenthalte im Heimathafen dagegen nur selten länger als einen Monat.McGaugh: Midway Magic. S. 161.

mini|links|Siegel der Midway nach 1970 Das Motto der Midway, „Tip of the sword“ (deutsch: Spitze des Schwerts oder Schwertspitze), geht auf das Jahr 1948 zurück, als der Flugzeugträger seinen ersten Einsatz im Mittelmeer hatte. Als eines der wenigen Schiffe, die in der Lage waren, atomwaffenbestückte Flugzeuge einzusetzen, stellte sie ein Kernelement der Abschreckung der US-Marine im Kalten Krieg gegenüber der Sowjetunion dar.McGaugh: Midway Magic. S. 51. Auch in den folgenden Jahren wurde die Midway an vorderster Linie eingesetzt.

Das erste Siegel der USS Midway trägt auf einem runden Schild ein großes M vor der Silhouette der Aufbauten und dem stilisierten Pilotenabzeichen, das die Marinefliegerei symbolisiert. Am unteren Rand befindet sich der Name des Schiffes, die Kennnummer befindet sich auf dem Schornstein. Das zweite Siegel der Midway, das ab den 1970er Jahren geführt wurde, ist traditionellen Wappenformen des Franzosenschilds nachempfunden. Der hellblaue Schild ist durch blau-rote Streifen im Verhältnis 1:2 gespalten. Der rechte Teil enthält ein silbernes Schwert mit silbernem Lorbeerkranz, das das Motto des Trägers symbolisiert. Der linke Teil ist durch Blau-Rot geteilt in einen oberen Teil mit einer silbernen 41, der Hullnumber des Schiffs, und einen unteren mit der stilisierten Darstellung zweier Jets, die von einem Flugzeugträger aufsteigen. Über dem Schild steht der Name des Schiffes.

Geschichte Entwicklung und Bau mini|Die Midway im Bau, März 1945 Die Planungen für den Bau neuer Flugzeugträger begannen unmittelbar nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor. Die Marineführung war sich allerdings uneinig über die Größe der neuen Schiffe. Präsident Roosevelt und Admiral King favorisierten den Bau von kleineren Geleitflugzeugträgern. Admiral Nimitz gab zu bedenken, dass Flugzeugträger mit einer Verdrängung von nur 11.000 Standardtonnen zu viele Einschränkungen für den effektiven Einsatz hätten, ein großer Flugzeugträger mit 45.000 Standardtonnen Verdrängung beim Bau allerdings wiederum zu viele Ressourcen binden würde. Konteradmiral Edward Cochrane fand allerdings einen Weg, neben dem Bau der dringend für die Flotte benötigten Träger der Essex-Klasse auch zwei Schiffe mit über 40.000 Standardtonnen Verdrängung zu bauen, die wahrscheinlich sogar noch vor Ende des Krieges fertiggestellt würden.

Erste Aufträge für vorbereitende Arbeiten ergingen am 1. August 1942 an Newport News Shipbuilding,, Stand: 14. Dezember 2009. die endgültige Genehmigung durch Präsident Roosevelt erfolgte am 29. Dezember 1942.McGaugh: Midway Magic. S. 26. Mit der Kiellegung der Midway im Trockendock am 27. Oktober 1943 begannen die Arbeiten; in den folgenden 18 Monaten verbauten die Arbeiter der Werft im Dreischichtbetrieb, 24 Stunden am Tag, 29.000 Tonnen Stahl. Durch die Verwendung des Lichtbogenschweißverfahrens konnten 10 Prozent Gewicht gegenüber einem genieteten Schiff eingespart werden.McGaugh: Midway Magic. S. 27.

Stapellauf und Indienststellung mini|Der geschmückte Bug der Midway am Tag der Taufe