Logo 150px Basisdaten Vorsitzender: Sebastian Weigler Ausrichtung: RechtsextremismusVölkischer NationalismusAntisemitismus Neonazismus Mitglieder: ca. 400Bundesministerium des Innern: Verfassungsschutzbericht 2025 (PDF), S. 140, veröffentlicht am 30. Juni 2026, abgerufen am 6. Juli 2026 (Stand: 2025) Gliederung: 12 Landesverbände Website: aktion-widerstand.de
Die Jungen Nationalisten (kurz: JN; bis 13. Januar 2018 Junge Nationaldemokraten) sind die 1969 gegründete offizielle Jugendorganisation der rechtsextremen und neonazistischen Partei Die Heimat (bis 2023 NPD). Die Gruppe ist nicht zu verwechseln mit der Nationalen Jugend (NJ), der Jugendorganisation der 2023 neugegründeten NPD, die sich selbst ebenfalls als legitime Nachfolgerin der Jungen Nationaldemokraten sieht. Die JN sind laut Satzung der Mutterpartei „integraler Bestandteil“ der Partei.
Ideologie Die JN bekennen sich zum Grundsatzprogramm von Die Heimat, vertreten diese Standpunkte aber wesentlich aggressiver, was sich sowohl während Demonstrationen als auch im politischen Stil zeigt. Sie werden vom Verfassungsschutz beobachtet und als rechtsextrem eingestuft. Ihre regelmäßig erscheinende Publikation heißt Der Aktivist.Rechtsextremistische Jugendorganisationen in der Bundesrepublik Deutschland, S. 5, Wissenschaftlicher Dienst des Bundestages, 2009 In diesem Zentralorgan bezeichnen sie sich unter der Überschrift „Der Bundesführer hat das Wort“ als „Vertreter des nationalrevolutionären Flügels innerhalb der NPD“. Die Jugendorganisation kritisiert diejenigen in Die Heimat, die den „Kampf um die Parlamente“ zum „wichtigsten Kampfziel“ gemacht hätten. Stattdessen seien „Widerstand und Kritik angebracht, da in diesen Entwicklungen die Gefahr der schrittweisen Anpassung und Verbürgerlichung“ bestehe. Die JN bezeichnen sich selbst als antiimperialistisch. Unter anderem bezeichnen sie in einem Grundsatzpapier (2018) Israel als „Feind aller Völker“ und sprechen in Bezug auf diesen Staat von einer „parasitäre[n] Staatswerdung“.Bundesverfassungsschutz „Lagebild Antisemitismus“, Juli 2020, S. 27 In dem Januar 2021 veröffentlichten Grundsatzpapier „Staatsangehörigkeit = Nationalität?“ werden Juden als inkompatibel mit den Völkern Europas erklärt, wenn es darin heißt: „Denn durch den anhaltenden Schuldkult, wie auch durch das Hochloben der jüdischen Gemeinden, welche ebenso wenig wie der Araber mit der nordisch-germanischen Art Europas zu tun hat, wird dieser Einfluss geschürt.“Bundesamt für Verfassungsschutz: Lagebild Antisemitismus 2020/21, S. 30
Organisation Im Januar 2018 benannten sich die Jungen Nationaldemokraten in „Junge Nationalisten“ um und verlegten ihren Sitz von Lübtheen nach Riesa.Versuch der Einflussnahme von Rechtsextremisten auf Anti-Asyl-Kundgebungen des demokratischen Spektrums verfassungsschutz.de, abgerufen am 27. Februar 2020. In einem Interview mit der NPD-Parteizeitung Deutsche Stimme im September 2018 erklärte der neue JN-Bundesvorsitzende Christian Häger, dass der bisherige Name nicht mehr „dem heutigen Zeitgeist“ entsprochen habe. Man habe von „neu gebildeten Gruppen“, insbesondere der Identitären Bewegung (IB), gelernt und der neue Name solle den Begriff „Nationalismus“ wieder positiv in die Öffentlichkeit tragen.
Die Jungen Nationalisten gliedern sich in einen Bundesverband und einige Landesverbände. Der Vorsitzende der JN ist kraft seines Amtes automatisch Vorstandsmitglied von Die Heimat. Unter anderem waren der spätere NPD-Vorsitzende Günter Deckert und der ehemalige Parteivorsitzende und Chef der sächsischen Landtagsfraktion Holger Apfel früher Bundesvorsitzende der Jungen Nationalisten und nutzten dies zum Sprungbrett in die Führungsetage der damaligen NPD. Die JN sind nicht in allen Bundesländern vertreten. Aktiv ist die Organisation vor allem im Norden, Süden und Osten der Bundesrepublik: In Baden-Württemberg existierten Mitte 2008 zehn, in Sachsen neun, in Bayern acht, in Sachsen-Anhalt sieben und in Thüringen fünf Stützpunkte. Rekrutiert werden oft Mitglieder der Freien Kameradschaften. Der Schwerpunkt liegt in der Jugendarbeit durch „Formung und Schulung“ der Mitglieder zwischen 14 und 35 Jahren.
Generell leistet Die Heimat intensive Jugendarbeit. Sie gibt Nachhilfestunden, organisiert Feste und Freizeiten und besitzt eine eigene Fußballmannschaft. Zielsetzung der Partei und der JN ist es, über zunächst unpolitisch erscheinende Aktivitäten Jugendliche und Kinder an rechtsextremistisches Gedankengut heranzuführen. Unter Vorspiegelung einer jugendpflegerischen Tätigkeit betreibt sie eine gezielte Ideologisierung der Teilnehmer. Mit dem von 2008 bis 2011 bestehenden Nationalen Bildungskreis (NBK) verfügte die JN zudem über eine in vier Bundesländern aktive Hochschulorganisation,Nationaler Bildungskreis„Nationaler Bildungskreis“ (NBK) nimmt Kampf um „geistige Gegenelite“ auf endstation-rechts.de, 28. Februar 2008 die auch teilweise bei Hochschulwahlen, wenngleich bisher erfolglos, antrat.
Im Zuge der Coronakrise 2020 riefen die JN zur Nachbarschaftshilfe für Corona-Risikogruppen auf, wofür die im Herbst 2017 erstmals propagierte Kampagne „Jugend packt an“ genutzt wurde. Die nationalistischen Hilfsaktionen nur für Deutsche wurden seinerzeit mit Slogans wie „Wir helfen, wo der Staat versagt“ versehen.Corona-Hilfe von ganz Rechtsaußen. www.bnr.de, 23. März 2020 Zudem wird die seit Beginn 2022 aktive Kampagne „Gegengift2022“ Akteuren zugeschrieben, die ebenfalls bei den Jungen Nationalisten aktiv sind. Diese Kampagne, die sich als „Gegengift zum Great Reset“ versteht, fiel durch Demonstrationen, Videos, Flugblattverteilungen und andere Propagandamaßnahmen auf.
Veranstaltungen Seit 2003 führte die JN mehrfach den „Europäischen Kongress der Jugend“ durch, beispielsweise 2003 in Bayern sowie 2007 und 2014 in Sachsen.Gefährliche Liebschaften 2011 – Rechtsextremismus im kleinen Grenzverkehr, Europakongresse der JN, boell.de, S. 71Rudolf von Hüllen: „MODERNISIERTER RECHTSEXTREMISMUS“, S. 42, kas.de, 2008
2023 standen ihre Aktionen, Veranstaltungen und Schulungen unter dem Motto „Freiheitskämpfer damals wie heute – Freikorps, Bauern- und Befreiungskriege“., S. 33
Vorsitzende der Jungen Nationalisten NameAmtszeitWichtige politische Ämter und Mandate Alfons Hueber 1971–1973 – Günter Deckert 1973–1975 Parteivorsitzender der NPD 1991–1996 Winfried Krauß 1975–1977 – Gösta Thomas 1977–1980 – Rainer Vogel 1980–1983 – Claus Kruse 1983 – Hermann Lehmann 1983–1987 – Karl-Heinz Sendbühler 1987–1989 Bundesvorsitzender des NHB 1983–1985 Thilo Kabus 1989–1990 – Frank Kolender 1990–1991 –Erhard Hübchen 1991–1992 –Andreas Storr 1992–1994 Bundesschatzmeister der NPD seit 2011Mitglied des sächsischen Landtags 2009–2014 Holger Apfel 1994–1999 Parteivorsitzender der NPD 2011–2013Fraktionsvorsitzender im sächsischen Landtag 2004–2013 Sascha Roßmüller 1999–2003 – Stefan Rochow 2003–2007 – Michael Schäfer 2007–2012 – Andy Knape 2012–2014 – Sebastian Richter 2014–2018 – Christian Häger 2018–2019 – Paul Rzehaczek 2019–2022 – Sebastian Weigler 2022– –
Printmedien / Periodika bis 1990 Junge Stimme → 1990 Einheit und Kampf 1991 bis 1995 Die Saufeder seit 1994 Der Aktivist Vorderste Front (JN und Nationaldemokratischer Hochschul-Bund) Jugend-wacht (JN Berlin/Brandenburg) 2005 bis 2009 Hier & Jetzt
Weblinks Website der Jungen Nationalisten Junge Nationaldemokraten. Artikel auf Belltower.News der Amadeu Antonio Stiftung, 30. April 2015
Einzelnachweise
Kategorie:Rechtsextremer Jugendverband Kategorie:Neonazistische Organisation Kategorie:Völkische Organisation Kategorie:Verbandsgründung 1967