mini|Landschaft mit Gewitter (Pyramus und Thisbe). Nicolas Poussin 1651. Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt am Main. Ein Sommernachtstraum (frühneuenglisch A Midsommer nights dreame) ist eine Komödie von William Shakespeare. Das Stück spielt im antiken Athen und in einem an die Stadt angrenzenden verzauberten Wald. Es umfasst die erzählte Zeit von drei Tagen und Nächten und handelt von den Umständen der Hochzeit eines Herrscherpaares. Der Sommernachtstraum wurde vermutlich 1595 oder 1596 geschrieben, vor 1598 erstmals aufgeführt und erschien 1600 in einer Quartoausgabe im Druck. Das Stück gehört zu den meistgespielten Werken Shakespeares. In den englischsprachigen Ländern ist es ein Klassiker für Schul- und Laientheaterinszenierungen.

Übersicht Handlungsstränge In dem Stück sind vier Handlungen miteinander verflochten. Die Rahmenhandlung bildet die Hochzeitsvorbereitung von Theseus und Hippolyta am Hof von Athen. Damit verbunden sind die Erlebnisse der Handwerker, die für die Feierlichkeit des Fürsten im angrenzenden Wald von Athen ein Theaterstück proben. Gleich zu Beginn wird der Konflikt um die Heirat zweier aristokratischer Paare eingeführt. Im Wald von Athen treffen die beiden Paare und die Handwerker auf Feen und Elfen und werden in die Auswirkungen eines Ehestreites des Elfenpaares Oberon und Titania hineingezogen.

Hauptfiguren Die Bühnengesellschaft in Shakespeares Komödie besteht aus vier Gruppen: dem Herrscherpaar, den Liebenden, den Elfen und den Handwerkern. Theseus ist der Herzog von Athen. Er hat sich mit Hippolyta, der Königin der Amazonen, verlobt. Egeus ist ein Adliger und Vater der Hermia. Der Edelmann Lysander ist in Hermia verliebt. Demetrius wird von Egeus für seine Tochter Hermia bevorzugt. Hermia hingegen ist in Lysander verliebt und befreundet mit Helena, die wiederum in Demetrius verliebt ist. Philostrat ist der Zeremonienmeister am Hofe des Theseus.

Oberon, der König der Elfen, ist in Streit mit seiner Gattin Titania, der Königin der Elfen. Puck, auch Robin Goodfellow, ist der Hofnarr Oberons. Peaseblossom, Cobweb, Moth und Mustardseed dienen der Elfenkönigin. Der Zimmermann Peter Quince wird im dargebotenen Stück den Prolog sprechen. Nick Bottom, der Weber, stellt Pyramus dar, Francis Flute, der Blasebalgflicker, spielt Thisbe, die Geliebte von Pyramus. Tom Snout, der Kesselflicker, ist die Wand, Robin Starveling, der Schneider, spielt den Mondschein und Snug, der Tischler, den Löwen.

Deutsche Namen Seit der Übersetzung des Werkes ins Deutsche durch Christoph Martin Wieland im Jahre 1762 unter dem Titel Ein St. Johannis Nachts-TraumIna Schabert (Hrsg.): Shakespeare Handbuch. Kröner, Stuttgart 2009. S. 824 f. und dann durch Schlegel ab 1798Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare Handbuch. Kröner, Stuttgart 2009. S. 828–831. wurde ein Teil der Namen verdeutscht. Puck wird zu Puk (Wieland) oder Droll (Schlegel) und die vier Elfen heißen Bohnenblühte, Spinnenweb, Milbe und Senfsaamen (Wieland) oder Bohnenblüte, Spinnweb, Motte und Senfsamen (Schlegel). Die Eindeutschung der Namen der Handwerker von Peter Quince zu Peter Squenz begegnet erstmals in Andreas Gryphius’ Adaption von 1657. Sie wird von Wieland und Schlegel übernommen. Nick Bottom heißt Zettel; Francis Flute wird zu Flaut; Tom Snout zu Schnauz; Robin Starveling zu Schlucker und Snug zu Schnock. Etwas abweichend von den älteren Übersetzungen werden in neueren Ausgaben den Handwerkern auch passende deutsche Vornamen gegeben: Niklas Zettel, Franz Flaut, Tom Schnauz und Matz Schlucker.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. S. 6 f.

Zeit und Orte der Handlung Das Werk spielt zu einer unbestimmten Zeit im Sommer. Es existieren Anspielungen auf den Johannistag und den sogenannten Rite of May. Die beiden Haupthandlungsorte sind der Hof von Athen und der verzauberte Wald.

Handlung Akt I [Szene 1]William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. I, 1, 1–251. Peter Holland (Hrsg.): William Shakespeare: A Midsummer Night’s Dream. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 1994 I, 1, 1–251. Theseus und Hippolyta wollen heiraten. Die Hochzeit soll innerhalb von vier Tagen zur Neumondnacht stattfinden. Theseus beauftragt seinen Zeremonienmeister Philostrat mit den Vorbereitungen.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. I, 1, 1–19. Der wohlhabende Athener Egeus hat eine Audienz beim Herzog. Er bringt seine Tochter Hermia und die beiden jungen Höflinge Lysander und Demetrius mit. Egeus hat Demetrius zu seinem Schwiegersohn bestimmt, aber Hermia weigert sich. Sie will Lysander heiraten. Egeus verlangt von Theseus, seine Tochter gemäß dem Athener Gesetz bei Ungehorsam mit dem Tod zu bestrafen.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. I, 1, 22–45. Theseus entscheidet, Hermia habe zu ihrem Vater aufzusehen wie zu einem Gott.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. I, 1, 47. Er gibt ihr bis Neumond vier Tage Zeit, um zu gehorchen. Bis dahin muss sie entweder Demetrius heiraten oder zwischen der Todesstrafe oder einem Leben in Verbannung wählen.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. I, 1, 83–90. Dann bittet der Herzog Egeus und Demetrius zu einem vertraulichen Gespräch.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. I, 1, 123–126. Währenddessen verabreden Lysander und Hermia, aus Athen zu fliehen.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. I, 1, 156–168. Sie weihen Hermias Freundin Helena, die in Demetrius verliebt ist, in ihre Pläne einWilliam Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. I, 1, 202 f. und wollen sich am Abend des nächsten Tages im Wald treffen.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. I, 1, 214–223. Helena beschließt, den Plan an Demetrius zu verraten.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. I, 1, 246.

[Szene 2]William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. I, 2, 1–101. Peter Holland (Hrsg.): William Shakespeare: A Midsummer Night’s Dream. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 1994 I, 2, 1–100. Sechs Athener Handwerker treffen sich, um auf der Hochzeitsfeier von Theseus und Hippolyta die „tief tragische Komödie“ von Pyramus und Thisbe aufzuführen.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. I, 2, 11 f. Peter Quince ist der Spielleiter, er verteilt die Rollen.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. I, 2, 6: „Here is the scroll of every man’s name …“. Der Weber Nick Bottom möchte am liebsten alle Rollen spielen, er wird den Liebhaber Pyramus geben. Der Blasebalgflicker Franz Flaut muss Pyramus’ Geliebte Thisbe auf sich nehmen. Robin Starvelling soll Thisbes Mutter, Tom Snout Pyramus’ Vater und Peter Quince selbst wird Thisbes Vater spielen. Snug wird den Löwen geben.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. I, 2, 52–59. Der Spielleiter ermahnt die Darsteller, ihre Rollen auswendig zu lernen, und erstellt selbst eine Liste mit den Requisiten. Dann verabreden sie sich für den folgenden Abend zur Probe im Schlosswald, eine Meile vor der Stadt.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. I, 2, 89–101.

Akt II [Szene 1]William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. II, 1, 1–268. Peter Holland (Hrsg.): William Shakespeare: A Midsummer Night’s Dream. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 1994 II, 1, 1–268. Im Wald beim Schloss begegnen sich zwei Geister: Puck, auch Robin Gutfreund genannt, der Hofnarr des Elfenkönigs Oberon, und eine Fee, Dienerin der Feenkönigin Titania.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. II, 1, 1–59. Mit derben Scherzen über einen „vollgefressenen Hengst“ und die „Hängebrust der Frau Base“William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. II, 1, 45–50. kündigen sie das Kommen ihrer Herren an, die einen Sorgerechtsstreit um ein indisches Kind führen.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. II, 1, 21 f. Als die Herrscher mit ihrem Gefolge aufeinandertreffen, entbrennt sofort eine wilde Auseinandersetzung. In deren Folge wird deutlich, welches Motiv die beiden haben, ungeladen zu Theseus’ Hochzeit in Athen einzutreffen.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. II, 1, 60–63. Das Ehepaar wirft sich gegenseitige Untreue vor, und beide zählen mit rohen Worten („Neidhammel“, „Aas“) die Liebhaber des jeweils anderen auf. Dabei stellt sich schnell heraus, dass Oberon ein Verhältnis mit der „prallen Amazone“, dem „Flintenweib“ Hippolyta und Titania eine Liebschaft mit dem „Weiberhelden“ Theseus hatte.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. II, 1, 60–80. Während Titania ihren Ehebruch ungerührt leugnet („Alles Einbildung“), macht sie ihren Gatten wortreich für das schlechte Wetter verantwortlich („Die ganze üble Brut entspringt aus unserem Streit“).William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. II, 1, 81–117. Oberon lenkt nicht ein. Er will den indischen Knaben haben, seine Gattin lehnt kurzerhand ab („Elfen, wir gehen, ich hab es kommen sehn“). Sie fühlt sich der Mutter des Kindes verpflichtet. Diese starb bei seiner Geburt.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. II, 1, 122–145. Oberon sinnt auf Vergeltung. Er beauftragt Puck, die Blume love-in-idleness zu beschaffen, die einst von Cupidos Pfeil getroffen wurde. Ihr Saft bewirkt eine Liebesraserei. Wenn man ihn auf das Augenlid eines Schlafenden träufelt, verliebt sich der Betreffende beim Erwachen in die nächste lebende Kreatur, die er sieht, selbst wenn es ein wildes Tier ist. So soll Titania ihre „Unverschämtheit büßen“.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. II, 1, 146–187. Während Oberon auf Puck wartet, trifft Demetrius im Wald ein. Er sucht Lysander und Hermia in der Absicht, Lysander zu töten, um dann von Hermia umgebracht zu werden. Helena folgt ihm.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. II, 1, 188–244. Sie ist maßlos in Demetrius verliebt („Behandle mich wie dein Hündchen, verachte mich, schlag mich.“).William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. II, 1, 205. Doch dieser weist sie barsch ab („Du spielst mit meinem Hass.“).William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. II, 1, 21. Der Elfenkönig beobachtet den Streit der beiden und gibt Puck bei seiner Rückkehr den Auftrag, nach einem jungen Athener zu suchen, der von einer Frau verfolgt wird. Er soll diesem etwas von dem Saft auf die Augenlider träufeln.William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum. Deutsch von Frank Günther, 10. Auflage, München 2009. II, 1, 260–266. Oberon selbst will Titania suchen und sie ebenfalls verzaubern. Er weiß, wo sie übernachten will. Dort tummeln sich grüne Schlangen, in deren Gegenwart – so hofft Oberon – wird der Zauber ihr grauenvolle Gedanken bescheren.