Słupsk [] (deutsch Stolp, ,Im Jahr 1867 gab es unter den Einwohnern des Kreises Stolp noch 188 Kaschuben in einigen Dörfern in der Nähe der Küstenseen und im Südosten (Groß Rakitt); vergleiche Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 127–128, Ziffer 4 (Google Books). slowinzisch Slãpsk(ɵ)),Eintrag im „Slowinzischen Wörterbuch“ von Friedrich Lorentz, Scan Nummer 792 wählen (links). Zum System der Slowinzisch-Lautschrift von Lorentz, vgl. „Slowinzische Grammatik“, S. 13–16 (scan 40–43), anschließend die Lautlehre. ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Pommern und Verwaltungssitz des Powiat Słupski.

Geographische Lage Die Stadt liegt in Hinterpommern, am Ufer des Flusses Słupia, rund 18 Kilometer von der Ostseeküste entfernt auf einer Höhe von 26 Metern über dem Meeresspiegel und erstreckt sich über eine Fläche von 43,15 Quadratkilometern.

Die Nachbarstädte Koszalin im Südwesten und Lębork im Osten sind etwa 70 Kilometer bzw. 50 Kilometer entfernt. Die Entfernung nach Danzig im Osten beträgt etwa 110 Kilometer, die nach Stettin im Südwesten rund 190 Kilometer.

Geschichte mini|Blick auf die Altstadt von Słupsk mini|Stadtpfarrkirche Sankt Marien mini|St.-Hyazinth-Kirche mini|links|130px|Wappen von Stolp im Plenarsaal des altstädtischen Rathauses in Danzig Aus vorgeschichtlicher Zeit stammt der Stolper Bär, eine Bernsteinfigur, die vor 1887 in der Nähe von Stolp gefunden wurde. Sie ist heute in Stettin ausgestellt. Im 9. Jahrhundert entstand am Ostufer des Flusses Stolpe, an einer flachen Furt, eine kaschubische Siedlung und bald darauf eine Burg. In alten Urkunden wird Stolp als Ztulp, Slup, Slupz, Ztulpz, Schlupitzk und Schlupz geschrieben.Werner Reinhold: Chronik der Stadt Stolp. Stolp 1861, S. 2; . Ein Dorf namens Slup wurde bereits 1013 urkundlich erwähnt.Christian Wilhelm Haken: Vom Jungfernkloster. In: Drei Beiträge zur Erläuterung der Stadtgeschichte von Stolp. (neu herausgegeben von F. W. Feige). Stolp 1866, S. 7 (). Möglicherweise leitet sich der Name vom altslawischen Wort stlŭpŭ für Säule oder Ständer ab – also vom Fischständer im Fluss, einer Vorrichtung zum Fischfang.Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. 1881, Band 46, S. 138. Zur Burg gehörte eine Kastellanei, ein auch als Land StolpGustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Ein Abriß ihrer Geschichte zumeist nach Urkunden. Sändig, Vaduz 1996 (unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1865), ISBN 3-253-02734-1, S. 413–493 (). genannter Burgsbezirk. Durch die Furt bei Stolp führte der Handelsweg von Danzig nach Stargard. Ab dem 12. Jahrhundert war die Siedlung Teil des vom Adelsgeschlecht der Greifen beherrschten Herzogtums Pommern, das ab 1121 unter polnischem, ab 1181 unter deutschem und von 1186 bis 1227 unter dänischem Einfluss stand.

Nach dem Aussterben einer Seitenlinie der Greifen durch den Tod von Herzog Ratibor II. und dem Zusammenbruch der dänischen Vorherrschaft über Pommern kam das Stolper Land 1227 mit der Burg Stolp in den Besitz der Herzöge von Pommerellen aus dem Herrscherhaus der Samboriden und blieb dies bis zu dessen Aussterben im Mannesstamm 1294. Das Herzogtum der Samboriden hatte 1227, nach dem Mordanschlag an Herzog Leszek I.I. Leszek, Herzog von Krakau, war der letzte Seniorherzog Polens, der den Anspruch auf die Oberhoheit über alle polnischen Herzogtümer erhob, darunter auch das Herzogtum Pommerellen der Samboriden. unter Swantopolk II. die vollständige Unabhängigkeit von Krakau erlangt.James Minahan: One Europe, Many Nations: A Historical Dictionary of European National Groups. Greenwood Publishing Group, 2000, ISBN 0-313-30984-1, S. 375.Oskar Eggert: Geschichte Pommerns. Hamburg 1974, , S. 107. 1240 wird Stolp als Ausstellungsort einer Urkunde Swantopolks II. erwähnt, in der er seinem Kaplan Hermann das Dorf Ritzow im Stolper Land (lateinisch in dyocesi Zlupensi) für zwei Pferde eintauscht. Herzog Swantopolk II. von Pommerellen verlieh der Ortschaft 1265 das Stadtrecht nach Lübischem Recht. 1276 gründeten Kaufleute und Handwerker aus Westfalen und Holstein am Westufer des Flusses eine neue Siedlung. Zwei Jahre später folgte die Gründung eines Dominikanerklosters. Nachdem Herzog Mestwin II. 1294 verstarb, ohne einen männlichen Erben zu hinterlassen, kam es zum Pommerellischen Erbfolgestreit. Zwar hatte Pommerellen 1227 die Oberherrschaft der Krakauer Herzöge abgeschüttelt, doch Mestwin II. hatte 1282 in Kempen ohne Absprache mit den pommerschen Greifen und ohne Rücksichtnahme auf früher abgeschlossene Verträge mit Przemysław II., seinerzeit Herzog von Großpolen, einen Erbfolgevertrag abgeschlossen. Dies führte dazu, dass nach Mestwins II. Tod polnische und böhmische Herrscher versuchten, in Pommerellen die Herrschaftsnachfolge anzutreten, und zwar nacheinander Przemysław II. (1294–1296), Władysław I. Ellenlang (1296–1299 und 1306–1308), sowie Wenzel II. (1299–1305). Wenzel III., der Nachfolger Wenzels II. und polnischer Titularkönig, sprach die Lande Schlawe und Stolp den brandenburgischen Askaniern zu, im Tausch gegen die Mark Lausitz und eine Allianz gegen Władysław I. Ellenlang. Die Brandenburger hatten bereits 1277 die Pfandrechte an diesen Ländern von Wizlaw II., Fürst von Rügen, aufgekauft.Ebenso hatten die Brandenburger Markgrafen im Vertrag an der Dragebrücke 1273 Anwartschaftsrechte für die Lande Schlawe-Stolp von Herzog Mestwin II. erworben. Nach dem tödlichen Anschlag auf Wenzel III. setzte sich Władysław I. Ellenlang 1306 erneut als Landesherr von Pommerellen durch. Mit der Verwaltung Pommerellens wurden zuvor die Swenzonen, hohe pommerellische Verwaltungsbeamte, durch die böhmischstämmigen Könige Polens beauftragt. Diese überwarfen sich mit Władysław I. Ellenlang und erklärten sich 1307 zu brandenburgischen Vasallen. 1308 marschierten die brandenburgischen Markgrafen im Namen der Swenzonen in Pommerellen ein und versuchten ihre zuvor erworbenen Rechte militärisch durchzusetzen. Sie wurden aber noch im gleichen Jahr aus Danzig und den östlichen Teilen Pommerellens durch die Deutschordensritter verdrängt. Doch im Lande Stolp konnten sie sich behaupten. Mit der Verwaltung des Landes betraute Markgraf Waldemar schließlich das Geschlecht der Swenzonen.

1309 wurde das polnische Herzogtum Pommerellen im Vertrag von Soldin faktisch zwischen zwei deutschen Feudalstaaten geteilt. Der westliche Teil mit den Ländern Stolp, Schlawe, Rügenwalde und Bütow ging an die Brandenburger, der größere Rest mit der Hauptfeste Danzig an den Deutschordensstaat. Am 9. September 1310 wurde Stolp das der Stadt 1265 gewährte Lübische Recht durch Markgraf Waldemar erweitert und 1313 erneut bestätigt.

Mit dem Frieden von Templin 1317 erwarb der pommersche Herzog Wartislaw IV. aus dem Geschlecht der Greifen den brandenburgischen Besitzstand an Pommerellen, darunter die Stadt und Land Stolp und band sie enger an das Greifengeschlecht an. Nachdem Stolp zu Wohlstand gekommen war, erwarben die Bürger 1337 den Hafen Ustka und das Dorf Arnshagen. Zwischen 1329 und 1388 wurde die Stadt von den pommerschen Herzögen Bogislaw V., Barnim IV. und Wartislaw V., die wegen zahlreicher Kriege in Geldnot geraten waren, dreimal an den Deutschen Orden verpfändet. Weil die Herzöge die Stadt nicht auslösen konnten, die Einwohner aber nicht unter der Herrschaft des Ordens leben wollten, brachten die Bürger selbst die Ablösesumme von 6.766 Silbermark nach lübisch Gewicht auf. Das war für damalige Verhältnisse eine ungeheure Summe. 1365 wurde Stolp Mitglied der Hanse und erhielt 1368 das Münzrecht zum Prägen von Finkenaugen. mini|Schloss der pommerschen Herzöge in Stolp, mittlerweile Sitz des Mittelpommerschen Museums In verheerenden Feuersbrünsten von 1395 und 1477 brannte die Stadt bis auf das Rathaus, Reste der Stadtbefestigung mit einigen Tortürmen, die Kirchen und wenige Häuser nieder. 1478 wütete die Pest in der Stadt. 1497 richtete ein Hochwasser großen Schaden an. Stolp beteiligte sich 1481 an einem Landfriedensbündnis der hinterpommerschen und stiftischen Städte. 1507 ließ Herzog Bogislaw X. das Stolper Schloss erbauen. Die Stadt wurde zwischen 1544 und 1589 immer wieder von Feuersbrünsten und Epidemien heimgesucht. Rund zweitausend Menschen kamen dabei ums Leben. Ein jahrelanger Streit mit den Herzögen ließ die Stadt verarmen und zwang sie dazu, aus der Hanse auszutreten. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Stolp 1630 von Schweden erobert. Wallensteins Truppen besetzten die Stadt 1637. Schwedische Truppen unter General Banner vertrieben sie und ruinierten Stolp vollständig. Nach Beendigung des Krieges 1648 fiel Stolp im Westfälischen Frieden wie ganz Hinterpommern an Brandenburg. 1655 wurde die Stadt erneut von einer Feuersbrunst heimgesucht. Im 17. und 18. Jahrhundert fanden in Stolp grausame Hexenprozesse statt.Hexenprozesse in Pommern. Harter Winter von 1709. Fragment. In: J. Ph. A. Hahn, G. F. Pauli (Hrsg.): Pommersches Archiv der Wissenschaften und des guten Geschmacks. Band 2, Stettin / Anklam 1784, S. 117–121. () Im Winter 1708/09 herrschte in Hinterpommern sehr starker Frost zudem führte die Stolpe im Februar 1709 nach starken Regenfällen Hochwasser, und das Gebiet von der Stadtmauer bis hin zur Altstadt wurde überschwemmt.Hexenprozesse in Pommern. Harter Winter von 1709. Fragment. In: J. Ph. A. Hahn, G. F. Pauli (Hrsg.): Pommersches Archiv der Wissenschaften und des guten Geschmacks. Band 2, Stettin / Anklam 1784, S. 117–121, insbesondere S. 122–123. () mini|Kadettenhaus Stolp um 1793 Nach dem Siebenjährigen Krieg bestimmte 1763 Friedrich der Große Stolp zum Hauptstandort der in Hinterpommern verteilten Roten Husaren. Im Jahr 1769 stiftete er auf Empfehlung seines Oberfinanz-, Kriegs- und Domänenenrats Franz Balthasar Schönberg von Brenkenhoff in Stolp das Kadettenhaus Stolp für Söhne des pommerschen Adels.Christian Friedrich Wutstrack: Kurze historisch-geographisch-statistische Beschreibung von dem königlich preußischen Herzogthume Vor- und Hinterpommern. Stettin 1793, S. 691–692.Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 12, Mecklenburg – Pommern. Kröner, Stuttgart 1996, S. 289–290. Die Anstalt, die an der Ecke der Langen Straße in der Nähe des Schlosses stand, war anfangs nur für 48 Kadetten ausgelegt, die kostenlos unterrichtet, beherbergt und verpflegt wurden. 1777 erhielt das Kadettenhaus Anbauten; für diesen Zweck wurden zwei nebenstehende Bürgerhäuser aufgekauft und abgerissen. Die Anzahl der Kadetten wurde daraufhin 1778 bis auf 96 erhöht; in dem dreigeschossigen Kadettenhaus wurde in sechs Klassen unterrichtet. 1793 wurden dort ebenfalls 96 Kadetten ausgebildet.Gottfried Traugott Gallus: Geschichte der Mark Brandenburg für Freunde historischer Kunde. Band 6, Züllich / Freistadt 1805, S. 274. () Einer der Lehrer an der Schule war der bekannte Topograph und Sachbuchautor Christian Friedrich Wutstrack.Neue deutsche allgemeine Bibliothek. Band 23, Kiel 1796, S. 499. () Staatliche Kadettenschulen gab es außerdem in Berlin, Potsdam, Kulm und seit 1793 in Kalisch. 1788 gründete Wutstrack in Stolp eine öffentliche Bibliothek, die mehrere tausend Bände umfasste. Die Wutstrack-Bibliothek wurde später zum Teil der Kadettenschule einverleibt.Nachtrag zu der Kurzen historisch-geographisch-statistischen Beschreibung des königlich preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Stettin 1795, S. 253. ()

Während des Preußisch-Französischen Kriegs 1806–1807 gelang aus Aufständischen formierten polnischen Truppen, die nach Pommern eingedrungen waren, am 19. Februar für eine Woche die Besetzung von Stolp.