Bad Camberg (bis 1981 Camberg) ist mit über 14.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt im Süden des mittelhessischen Landkreises Limburg-Weilburg. Sie liegt im Hintertaunus, etwa 30 Kilometer nördlich der Landeshauptstadt Wiesbaden und etwa 20 Kilometer südlich der Kreisstadt Limburg an der Lahn. Bad Camberg ist der Zentralort des Goldenen Grunds mit guter Infrastruktur und ein Unterzentrum mit Teilfunktion eines Mittelzentrums am Rande des Rhein-Main-Gebietes. Der anerkannte Kneippkurort ist der älteste seiner Art in Hessen und der drittälteste in Deutschland. Das Wahrzeichen der Stadt ist die Kreuzkapelle.

Geographie Geographische Lage

Bad Camberg – die südlichste Gemeinde des Landkreises Limburg-Weilburg und des gesamten Regierungsbezirkes Gießen – liegt im Hintertaunus im Goldenen Grund, der als Verbindung der Idsteiner Senke mit dem Limburger Becken den Hintertaunus in eine Ost- und eine Westhälfte teilt; auch in Nord-Süd-Richtung ist die Stadt zentral in diesem gelegen. Bad Camberg liegt 18 Kilometer südöstlich von Limburg an der Lahn (die Kilometerangaben sind die Wege über die Straßen), 30 Kilometer nördlich von Wiesbaden, 45 km südwestlich von Wetzlar, 48 km nordwestlich von Frankfurt am Main (59 Kilometer über die Autobahn), 62 Kilometer südwestlich von Gießen und 68 Kilometer östlich von Koblenz.

Höhen mini|Kreuzkapelle Die Stadt liegt auf einer Höhe von rund 200 Metern. Eine der höchsten Erhebungen des Landkreises Limburg-Weilburg, das Kuhbett (526 m), liegt in der Gemarkung der Kernstadt Bad Camberg an der Grenze zur Gemeinde Weilrod im Hochtaunuskreis. Unmittelbar an die Kernstadt schließt sich im Nordosten ein nicht benannter Hügel mit rund 320 Metern Höhe an, auf dem der Kreuzweg zur Kreuzkapelle führt. Die höchste Erhebung in der Gemarkung der Kernstadt befindet sich an deren Ostrand mit rund 490 Metern Höhe. Die Kernstadt-Gemarkung ist insgesamt trogförmig strukturiert, mit dem meist schwach eingeschnittenen Tal des Emsbachs in der Mitte. Am Westrand erhebt sich das Gelände mit dem Steinkopf auf bis zu 317 Meter.

Ausdehnung des Stadtgebiets Der Goldene Grund, der vom Emsbach durchflossen wird, erstreckt sich im westlichen Stadtgebiet von Süden nach Norden durch Bad Camberg. Hier liegen die Stadtteile Würges, Bad Camberg, Erbach und Oberselters (von Süd nach Nord). Das östliche Stadtgebiet ist mit den beiden Stadtteilen Schwickershausen und Dombach wesentlich dünner besiedelt und höher gelegen. Vom Goldenen Grund aus steigt das Land auf beiden Seiten zum Taunus an. Die Gemarkung der Kernstadt erstreckt sich lang in Richtung Südwest-Nordost.

Nachbargemeinden Die umliegenden Gemeinden von Bad Camberg sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Selters (Landkreis Limburg-Weilburg), Weilrod (Hochtaunuskreis), Waldems (Rheingau-Taunus-Kreis), Idstein (Rheingau-Taunus-Kreis), Hünstetten (Rheingau-Taunus-Kreis), Hünfelden (Limburg-Weilburg). Außer den zum Landkreis Limburg-Weilburg gehörenden Gemeinden sind alle Bad Camberger Nachbargemeinden nicht Teil des Regierungsbezirks Gießen, sondern des Regierungsbezirks Darmstadt.

Geologie Die Geologie des gesamten Stadtgebiets wird in den zwei Dritteln der Fläche östlich des Emsbachs von Schiefer und schieferhaltiger Grauwacke bestimmt, westlich des Emsbachs von Lössablagerungen. Dazwischen erstreckt sich ein Quarzkies-Band nach Osten, verschoben parallel zum Emsbach.

Die Geologie der Bad Camberger Kernstadt-Gemarkung wird in den Höhenzügen im Osten durch Grauwacke mit hohem Schieferanteil bestimmt. Die Kernstadt selbst wird im Osten von einem Quarzkiesvorkommen umschlossen, westlich der Stadt schließt sich eine Lössschicht an. Den Westrand der Gemarkung bilden wiederum im Süden ein Feld aus Grauwackenschiefer, im Nordwesten eisenschüssiger Schiefer und dazwischen der Steinkopf, ein Quarzitvorkommen.

Stadtgliederung Die Stadt besteht aus sechs Stadtteilen; Einwohnerzahlen Stand Juni 2016:

Stadtteil Einwohnerzahl Gesamtflächein km² davon Waldin km² in % Bevölkerungsdichte(Einwohner je km²) Bad Camberg (Kernstadt) 7.022 19,91 10,89 54,7 352,6 Erbach 2.800 10,65 4,91 46,0 262,9 Würges 2.579 13,82 6,27 45,4 186,6 Oberselters 1.022 4,21 0,84 19,9 242,7 Schwickershausen 565 2,76 0,66 23,8 204.7 Dombach 336 3,26 1,38 42,3 103,0 Bad Camberg (Gesamt) 14.324 54,61 24,95 45,7 257,4

Geschichte Frühgeschichte mini|Infotafel zur Bandkeramik im Kurpark mini|Südseite des Amthofs in Gesamtansicht. Im Vordergrund der Hohenfeldbau, im Hintergrund die ehemalige Rentmeisterei. mini|Südostseite des Amthofs mit der Haube des Oberturms im Hintergrund und der Apsis der Hohenfeldkapelle am rechten Bildrand mini|Südwestseite des Amthofs (ehemalige Rentmeisterei)

Der Bandkeramikkultur aus der Jungsteinzeit (5000–3000 v. Chr.), die ihre Bezeichnung aufgrund ihrer Töpferwaren erhielt, sind die ältesten Funde im Raum Camberg zuzurechnen. Während die älteren Gruppen auf Jagen und Sammeln angewiesen waren, produzierten die Bandkeramiker ihre Nahrung durch Ackerbau (u. a. Emmer und Einkorn) und Tierhaltung. Die Häuser waren überwiegend 20 bis 25 Meter lang und fünf bis sieben Meter breit. Innerhalb der Siedlungen werden unregelmäßige Gruben angetroffen, wobei deren Aushub zur Errichtung von Häusern verwendet wurde. Sie wurden letztlich mit Abfällen wie Asche, Holzkohle, Keramikscherben, Steinen und Tierknochen angefüllt. In einigen bebauten Gebieten der Kernstadt haben die Straßen mehrere Abfallgruben angeschnitten.Camberg 700 Jahre Stadtrechte, S. 19

Die zweite Siedlungszeit wird für die Zeit von 600 v. Chr. bis 500 v. Chr. ausgemacht. Die Hügelgräberfelder entlang der L 3031 Richtung Usingen werden dieser Zeit zugeordnet.

Keltisches Grab Im Frühjahr 2026 wurde bei Bauarbeiten in der Nähe von Bad Camberg ein bedeutendes keltisches Grab entdeckt. Nach Angaben der hessischen Archäologie handelt es sich um ein bislang sogenanntes „Fürstengrab“ aus der frühen Eisenzeit, das zu den seltenen Elitenbestattungen Mitteleuropas zählt. Die Grabstätte weist umfangreiche Beigaben auf, darunter Hinweise auf einen Streitwagen, was auf eine außergewöhnlich hochrangige Persönlichkeit schließen lässt. Solche Wagengräber sind charakteristisch für die keltische Oberschicht. Der Fund wird als erstes keltisches „Fürstengrab“ im Taunus gewertet und stellt eine bedeutende Erweiterung der archäologischen Kenntnisse der Region dar. Aufgrund stilistischer und kultureller Parallelen gehen Forschende davon aus, dass die Bestattung in zeitlichem Zusammenhang mit anderen bedeutenden Fundstätten steht, etwa dem bekannten Fürstengrab vom Glauberg. Die wissenschaftliche Auswertung des Fundes erfolgt durch mehrere Institutionen, darunter das Landesamt für Denkmalpflege Hessen sowie Forschungseinrichtungen wie die Keltenwelt am Glauberg und das Leibniz-Zentrum für Archäologie in Mainz.

Ersterwähnung Am 6. Februar 1000 schenkte Kaiser Otto III. dem Kloster Burtscheid den Königshof Cagenberg,Schenkungsurkunde 1000 wobei ein eindeutiger Hinweis auf die Grafschaft fehlt. Cagenberg bedeutet vermutlich Berg des Cago, wobei Cago eine Abkürzung des Namens Garganhardt wäre,Camberg 700 Jahre Stadtrechte, S. 25 ein Name, der im Geschlecht der Konradiner, der Herren über den Lahngau im 10. Jahrhundert, mehrfach vorkam. Der Name des Hofs lässt darauf schließen, dass es sich bei ihm um eine vergleichsweise junge Siedlung handelte, möglicherweise aus dem 9. oder 10. Jahrhundert. Einige umliegende Orte wie Selters, Erbach, Würges und Dauborn sind bereits für das 8. Jahrhundert verbürgt. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass es auch für Cagenberg eine Vorläufersiedlung gab.

Kloster Seligenstadt, Grafschaft Diez (1053–1388), Stadtrecht (1281) Nach einer Urkunde Kaiser Heinrichs II. von 1018 lag Cagenberg im Lahngau. Im selben Jahr wechselte der Hof vom Besitz Burtscheids in den des Klosters Seligenstadt. Aus dem Namen Cagenberg entwickelten sich Cainburg, Camburg, Kamberg und Camberg und nach anderen Angaben Cagenberc (1018), Kamberch (1156), Kahberg (1194), Kamberc (1197) und später Kaynburg. Im Jahr 1053 fiel die Ansiedlung an die Grafen von Diez, die nach dem Aussterben der Konradiner weite Teile von deren Besitz übernahmen. Bis 1388 sollten die Diezer Grafen die Stadt beherrschen. Bad Camberg war die südlichste größere Ansiedlung in Diezer Gebiet und wurde gegen die angrenzende Grafschaft Idstein besonders befestigt. In der Nähe des heutigen Amthofs befand sich die Burg Camberg. Am 27. August 1281 verlieh König Rudolf I., von Graf Gerhard IV. erwirkt, die Stadtrechte nach dem Vorbild der Frankfurter Rechtsordnung, die in den Jahren 1300 und 1336 erneuert wurden.Bau- und Kulturdenkmäler im Kreis Limburg Allerdings handelte es sich nur um eine Freiung und um keine vollständige Erhebung zur Stadt. Camberg hatte damit den Status einer Minderstadt. Erst 1356/57 und mit Bestätigung von 1365 erhielt Camberg die Stadtrechte in vollem Umfang. Spätestens mit diesem Rechtsakt begann der Bau einer Stadtmauer, der vermutlich um 1380 abgeschlossen war.

Neben den Landesherren hatten zahlreiche andere Grundherren Besitz in der Stadt, darunter das Limburger Georgsstift als eines der bedeutendsten.

Im Jahr 1311 ist erstmals ein Zentgericht in Camberg genannt, das bis um 1800 fortbestand. Spätestens 1548 oblag dem Camberger Gericht auch die Blutgerichtsbarkeit. Spätestens im 18. Jahrhundert scheint die Bedeutung des Gerichts aber erheblich zurückgegangen zu sein.

Nach dem Dreikönigsfest 1357 waren, wie die Limburger Chronik berichtetDie Limburger Chronik. Hrsg. von Christian D. Vogel. Marburg 1826; 2. unveränderte Auflage Krieger, Marburg 1828, S. 40 (Digitalisat), abgerufen am 17. September 2023 und die Legende weiter ausschmückt, die Camberger Wächter betrunken und schliefen, als Walsdorfer Raubritter versuchten, die Stadt auszurauben. Die Stadtmauer war damals noch im Bau, es musste also fast nur das Gebück überquert werden. Dort lebten jedoch Elstern (im Dialekt Atzeln), die den Raubversuch bemerkten und Alarm schrien. Dadurch wurden die Camberger aufgeweckt, der Angriff vereitelt und die Walsdorfer in die Flucht geschlagen. Noch heute wird die Atzel deshalb als „inoffizieller Wappenvogel“ der Stadt angesehen.

Nassau-Dillenburg, Katzenelnbogen, Herren von Eppstein, Landgrafschaft Hessen (1388–1479) Da die Grafen von Diez 1388 ausstarben, erbte Adolf von Nassau-Dillenburg die Stadt. Ab 1403 war die Stadt an Katzenelnbogen verpfändet. In dieser Zeit wurde Camberg von Frankfurt am Main besetzt, das mit Katzenelnbogen in Fehde lag, kurz darauf aber wieder zurückerobert. Nach dem Tod Adolfs von Nassau 1420 entstand ein Kondominium zwischen der Grafschaft Nassau-Dillenburg und den Herren von Eppstein, die im Jahr 1428 sogar drei Viertel der Stadt erhielten. 1452/54 kauften die Grafen von Katzenelnbogen ein Viertel der Stadt von Eppstein und ein weiteres Achtel von Dillenburg, wobei letzteres 1481 zurückverkauft wurde. Zwischenzeitlich verpfändeten alle Besitzer immer wieder für kürzere Zeit Anteile an andere Adelige oder an Kurtrier. Nach dem Aussterben des Hauses Katzenelnbogen erhob 1479 die Landgrafschaft Hessen Ansprüche auf das ehemals katzenelnbogische Viertel der Stadt.

Der Wald von Camberg, Würges und Erbach gehörte 1421 einer Markgenossenschaft, in der zunächst die Grafen von Diez, dann die von Nassau die dominierende Stellung einnahmen.

Die Camberger Hauptkirche war bereits im Hochmittelalter dem heiligen Petrus geweiht. Patron der Camberger Pfarrei war das Limburger Georgsstift. Die früheste namentliche Erwähnung eines Priesters war 1156 ein Gernot. Damals umfasste das Camberger Kirchspiel bereits die heutigen Stadtteile sowie das inzwischen wüst gefallene Dorf Alsdorf bei Würges sowie Walsdorf. Die Pfarrei gehörte bis 1235 zum Erzbistum Mainz und ab diesem Zeitpunkt zum Erzbistum Trier, das später teilweise auch die Landeshoheit innehatte.

Kurtrier und Nassau (1535–1794) mini|Detail des Schnitzwerks an der Amthof-Fassade