mini|hochkant=1.7|Friedhofsplan.

Der Uff-Kirchhof in Stuttgart-Bad Cannstatt ist im 8. oder 9. Jahrhundert an der Kreuzung einer Römerstraße entstanden und gehört zu den ältesten Friedhöfen in Stuttgart.

Der Friedhof liegt in dem Stadtteil Seelberg im Stadtbezirk Stuttgart-Bad Cannstatt. Der Name Uff-Kirchhof geht auf den abgegangenen Weiler Uffkirchen („Auf der Kirchen“) zurück. Die Friedhofsfläche umfasst etwa 1,5 Hektar und ist in die Abteilungen 1–14 mit etwa 2300 Gräbern aufgeteilt.Der Friedhofswegweiser, Mammut-Verlag, 2011

Auf dem Friedhofsgelände befinden sich ein Kiosk, ein Leichenhaus, die denkmalgeschützte, spätgotische Uffkirche, die als Friedhofskapelle genutzt wird, und ein Kriegerdenkmal für Gefallene des Deutsch-Französischen Kriegs.

Geschichte Seit 1506 war der Kirchhof Begräbnisstätte für Cannstatt rechts des Neckars, da im Bereich der Cannstatter Stadtkirche aufgrund zu feuchten Bodens keine Bestattungen mehr durchgeführt wurden. 1914 ging der Uff-Kirchhof im Rahmen der Aufteilung der Bürgerlichen Stiftung Cannstatt in den Besitz der politischen Gemeinde Stuttgart über.

In der Nachbarschaft des Friedhofs liegen die 1900 vollendete evangelische Lutherkirche, die 1909 vollendete katholische Liebfrauenkirche und die Ganzhornanlage, die bei der Errichtung der Liebfrauenkirche 1907 geschaffen wurde. Die Grünanlage wurde nach Wilhelm Ganzhorn benannt, dessen Grab sich auf dem Uff-Kirchhof befindet. Er wurde berühmt als Dichter des volkstümlichen Lieds Im schönsten Wiesengrunde.

Uffkirche Die Uffkirche besteht aus einem 23 Meter langen und 10 Meter breiten Langhaus mit Satteldach, der massige, etwa 27 Meter hohe Chorturm erhebt sich im Osten auf einer quadratischen Grundfläche von 5 Meter Seitenlänge und schließt mit einem Pyramidendach ab. Die spätgotische Uffkirche „Zu unseren lieben Frauen“, deren „schlichter, schmuckloser Gesamteindruck eher an eine romanische Dorfkirche denken [lässt] als an gotische Architektur“,Martin Wörner; Gilbert Lupfer; Ute Schulz: Architekturführer Stuttgart.. entstand laut einer Inschrift über der Südpforte 1494, wobei der romanische und frühgotische Kern einer Vorgängerkirche verwendet wurde. 1881/1882 wurde der Turm nach Norden um einen niedrigen Anbau erweitert. Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und wird seit ihrer Wiederherstellung nach dem Krieg als Friedhofskapelle genutzt.

Spitzbogige Maßwerkfenster an Turm und Langhaus weisen auf die spätgotische Erbauungszeit der Kirche hin. Die Außenwände sind weiß verputzt, Ecken, Fenster, Türen und das obere Stockwerk des Turms sind in Naturstein gehalten. An den Fassaden sind 8 Außenepitaphe angebracht. Im Innenraum, einem stützenlosen Saal mit flacher Holzdecke, sind an den Wänden 6 Innenepitaphe angebracht, außerdem finden sich an den Wänden die Überreste von 2 aus 3 bis 4 Steinplatten bestehenden Grabmälern, die bei der Erneuerung der Friedhofsmauern in die Kirche überführt wurden. An der Nordwand befindet sich eine leere, breite Altarnische mit Rundbogen und Verdachung, die fast bis zur Decke reicht. Eine Zwischenwand mit einem spitzbogigen Portal trennt das Langhaus vom Chor des Ostturms, in dem die Orgel aufgebaut ist.Dagmar Zimdars (Redaktion): Baden-Württemberg I. Die Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe.

Kriegerdenkmal mini|hochkant|Kriegerdenkmal auf dem Uff-Friedhof.

Das Kriegerdenkmal nahe bei der Uffkirche in Abteilung 10 des Friedhofs ist „Dem Andenken an die tapfern Krieger vom Feldzug 1870–1871 gewidmet“, wie die vergoldete Widmungsinschrift besagt. Eine hohe Säule aus gelbem Sandstein mit sechseckigem Querschnitt erhebt sich über einer schmalen Grundfläche und versteckt sich hinter dichten Efeuhecken. Die 6 Inschriftenfelder der Säule sind über dem Postament mit Trophäen verziert und enden mit dem Relief eines Eisernen Kreuzes und einem gotischen Spitzbogen mit Kreuzblume. Die Säule läuft in ein Pyramidendach aus grauem Steinguss aus, das von einem großen Kreuz mit einem umgehängten Lorbeerkranz bekrönt wird.

Die Inschriftenfelder tragen 6 vergoldete Inschriften gefallener Soldaten, zum Beispiel:

„August Krüger, Füsilier im 1. Magdeb. Inf. Regt. No. 26, geb. 11. Aug. 1845 in Neundorf, verwdt. 30. Aug. 1870 bei Beaumont, gest. 18. Sept. 1870“August Krüger, Füsilier im 1. Magdeburger Infanterieregiment Nummer 26, geboren 11. Aug. 1845 in Neundorf, verwundet 30. Aug. 1870 bei Beaumont, gestorben 18. Sept. 1870.

Gräber → Spaltenlegende und -sortierung  Legende # Nummer der Abteilung, in der sich das Grab befindet. Die Lage der Abteilungen geht aus dem Friedhofsplan (siehe oben) hervor. P Grab eines Prominenten. K Grab mit Kunstwerk oder ein Grab, das aus anderen Gründen bemerkenswert ist. * Geburtsjahr. † Todesjahr. Sortierung Eine Spalte sortieren: das Symbol Datei:Sort both small.svg im Spaltenkopf anklicken. Spalte Grab/Künstler: Sortierung nach dem Familiennamen. Nach einer weiteren Spalte sortieren: Umschalttaste gedrückt halten und das Symbol Datei:Sort both small.svg anklicken. Anfangssortierung: nach dem Familiennamen in der Spalte Grab. Bild # P K Grab * † Künstler / Objekt100x100px K Karl Eberhard Bechstein, Fabrikant. 1883 1951 NN, Steindenkmal mit großem Kreuz und Schmuck.100x100px 14 P Hedwig Braun, erste staatlich geprüfte Ärztin Württembergs. 1885 1977 100x100px 12 P Karl Burckhardt, Badearzt. 1818 1888 100x100px 11 P Gottlieb Daimler Ingenieur, Automobilkonstrukteur und Industrieller, Erfinder des schnelllaufenden Benzinmotors. 1834 1900 P Adolf Daimler, Sohn Gottlieb Daimlers, Direktor und Mitinhaber der Daimler-Motoren-Gesellschaft. 1871 1913 100x100px P K Hugo Denner, Elektroingenieur, Inhaber einer elektrotechnischen Werkstätte. 1877 1949 NN, Obelisk. 08 P Friedrich von Dillenius, Generaldirektor der württembergischen Staatseisenbahnen. 1819 1884 100x100px P Frederick Robert Vere Douglas-Hamilton, Ingenieur. 1843 1917 100x100px 04 P K Ferdinand Freiligrath, Freiheitsdichter und Übersetzer. 1810 1876 Adolf von Donndorf, Büste von Ferdinand Freiligrath.100x100px P K David Friedrich Fritz, Architekt. 1854 1923 NN, Grabdenkmal mit zwei bronzenen Palmettenreliefs.100x100px 08 P Wilhelm Ganzhorn, Richter und Dichter (Im schönsten Wiesengrunde). 1818 1880 100x100px 13 K Otto Gerlach. 1874 1930 NN, Steindenkmal mit Relief eines Baumes mit rankender Weinrebe.100x100px P K Johann Ernst Gleißberg, Dekan und Stadtpfarrer in Bad Cannstatt. 1793 1864 NN, Sandsteingrabmal mit Maßwerkbogen.100x100px K Friedrich Haaga, Juwelier und Fabrikant. 1822 1901 NN, Steinfelsen mit zwei Bronzereliefs: Bildnis Friedrich Haagas und Frau, die ein Kitz streichelt.100x100px 07 P Oscar Heiler, Volksschauspieler und Komiker. 1906 1995 100x100px 04 P Jakob von Heine, Mediziner und Entdecker der spinalen Kinderlähmung (seit 1907 Heine-Medinsche Krankheit genannt). 1800 1879 zentriert|rahmenlos|127x127pxPFriedrich Hesser, Begründer der deutschen Verpackungsmaschinenindustrie, Firmengründer der Fr. Hesser Maschinenfabrik AG18311906100x100px K Adolf Hieber, Direktor. 1888 1943 NN, bronzenes Wappenrelief. P Ernst Kapff, Pädagoge und Archäologe, Entdecker des Römerkastells auf dem Hallschlag in Stuttgart (1894). 1863 1944 100x100px 13 P Emil Kiemlen, Bildhauer. 1869 1956 mini|147x147px 13 P Heinrich Adolf Köstlin, evangelischer Theologe, Musikschriftsteller und Musikphilosoph. 1846 1907 13 P Therese Köstlin, religiöse Dichterin. 1877 1964 08 P Augustin Krämer, Marinearzt, Anthropologe und Ethnologe, 1911–1915 erster Leiter des Stuttgarter Linden-Museums. 1865 1941 100x100px 08 P Hermann Lang, Autorennfahrer. 1909 1987 NN, Relief eines Rennautos.100x100px K Richard Leuze. 1852 1898 NN, schöner Grabstein. 08 P Sigmund Lindauer, Korsettfabrikant. 1862 1935 100x100px 14 P Wilhelm Maybach, Ingenieur und Automobilkonstrukteur. 1846 1929 100x100px P K Virgil Mayer, gründete 1857 die Homöopathische Central-Apotheke Bad Cannstatt. 1834 1889 NN, Obelisk.100x100px P Ernst Alois von Meisrimmel, württembergischer Generalmajor. 1786 1853 100x100px 14 P Bernhard Molique, Geiger und Komponist.Der ursprüngliche Grabstein, ein Werk von Albert Güldenstein, ist nicht mehr vorhanden. Er wurde durch einen am Boden liegenden modernen Stein mit der Inschrift „Bernhard Molique Hofmusikdirektor 1802–1869“ ersetzt. 1802 1869 100x100px P Hermann Pantlen, Heeresarchivdirektor. 1887 1968 100x100px 13 K Robert Pfisterer. 1904 1987 NN, Steindenkmal mit bronzenen Porträtreliefs von Johanna und Robert Pfisterer.100x100px P Otto Riethmüller, Theologe. 1889 1938 14 P Heinrich Albert Schächterle, Konstrukteur, Erfinder der Normung. 1887 1917 100x100px K Wilhelm Schaff. 1853 1915 NN, bronzenes Wappenrelief.100x100px K Johann Georg Schempp, Werkmeister. 1813 1881 NN, Sandsteingrabmal mit Schmuck.100x100px K Gustav Schnürle. 1861 1931 NN, Hochrelief mit Kreuzigungsgruppe. P Adolf von Seubert, Militär- und Kunstschriftsteller. 1819 1880 100x100px P K Wilhelm Speidel, Dr. Ing., Oberbaurat, Denkmalpfleger und Mitbegründer des Städtischen Lapidariums Stuttgart. 1887 1956 NN, Steinrelief mit griechischem Kreuz im Blätterkranz.100x100px 11 P Michael Streicher, Gründer der Firma M. Streicher, Eisen- u. Stahlgießerei, Dampfkesselfabrik, Fahrzeugbau. 1836 1890 14 P Charles Terrot, Hersteller von Rundstrickmaschinen. 1831 1903 100x100px P K Erich Traub, Veterinärmediziner und Erforscher von Mitteln der biologischen Kriegsführung. 1906 1985 100x100px 04 P Albert von Veiel, Arzt und Dermatologe, Gründer der ersten Hautklinik Deutschlands am Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt. 1806 1874 100x100px P K Gustav Vischer, Leiter der Daimler-Motoren-Gesellschaft (1892–1910), Gründungsmitglied und erster Vorsitzender des VDMI. 1846 1920 NN, steinernes Wappenrelief.100x100px 06 P Lenore Volz, eine der ersten Pfarrerinnen Württembergs. 1913 2009 100x100px 04 P Ludwig Walesrode, Journalist. 1810 1889 100x100px P Karl Weber, Architekt. 1865 1909 100x100px K Carl Friedrich Weisser, Uhrmachermeister. 1842 1899 NN, Grabdenkmal mit Schmuckornamenten.

Epitaphe mini|hochkant|Epitaph für Jakob Speidel, 1613.

Hauptartikel: Epitaphe der Uffkirche.

An oder in der Uffkirche haben sich 8 Wandepitaphe an den Außenwänden und 6 im Innern der Kirche erhalten. Sie wurden im 17. und 18. Jahrhundert für Cannstatter Bürger errichtet, unter anderem für die Bürgermeister Jakob Speidel und Jakob Spittler. Das Prunkepitaph für Jakob Speidel gehört zu den bedeutendsten Renaissance-Epitaphen in Württemberg. 5 Epitaphe sind gut erhalten, die übrigen sind beschädigt oder nur teilweise erhalten.

Grempp-Altar Die farbig gefasste Holzplastik „Madonna mit den Heiligen der Familie Grempp“ im Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart diente als Altaraufsatz für den Familienaltar der reichen württembergischen Familie Grempp. Der zwischen 1508 und 1517 entstandene Altar war eine Stiftung der Familie für die Uffkirche, in der mehrere ihrer mütterlichen Vorfahren begraben waren, und wurde in späterer Zeit aus konservatorischen Gründen in das Württembergische Landesmuseum in Stuttgart verbracht. Der Altaraufsatz war ursprünglich durch Beischriften und Wappen, allem Anschein nach an einem Gesims, gekennzeichnet. Die erwachsenen Personen der Figurengruppe, die sich um die thronende Madonna mit dem Jesuskind scharen, waren Namensheilige der Stifter:Hansmartin Decker-Hauff: Geschichte der Stadt StuttgartJürgen Hagel: Stuttgart-Archiv. Braunschweig.

Zu Füßen der Madonna in Rückansicht St. Agatha, Namensheilige von Agathe Besserer, die seit 1508 mit Onuphrius Grempp verheiratet war. Links: St. Konrad und kniend St. Cordula: Namensheilige von Konrad Grempp und seiner Frau Cordula, einer Tochter des Stuttgarter Leibarztes Dr. Johann Widmann. Rechts: St. Onuphrius und kniend St. Margaretha: Namensheilige von Konrad Grempps Sohn Onuphrius Grempp, Stuttgarter Kammermeister, und dessen Großmutter Margarethe geb. Kudermann.

Dichtung mini|Mathilde Leonhardt.