Der Südostdeutsche Fußball-Verband (SOFV) war ein regionaler Fußballverband für die Niederlausitz, Schlesien in damaliger Gestalt mit seinem Anteil an der Oberlausitz und für den Regierungsbezirk Posen. Im SOFV waren 431 Fußballvereine mit 59.353 Mitgliedern organisiert (Stand: 31. Dezember 1931).Der Oberschlesische Wanderer, 8. März 1933, Nr. 56, S. 7 – „Zahlen vom SOFV“

Gründung mini|Hotel und Restaurant „Weiße Taube“ in Cottbus mini|Ehem. Geschäftsstelle des Südostdeutschen Fußballverbandes in Breslau. mini|Altes Logo des SOFV

Auf die gemeinsame Initiative des Verbandes Niederlausitzer Ballspiel-Vereine und des Verbandes Breslauer Ballspiel-Vereine wurde der SOFV am 18. März 1906 in Cottbus mit Sitz in Breslau gegründet.Fußball-Chronik, Fußball in Schlesien 1900/01-1932/33, Ergebnisse und Tabellen aus den höchsten Ligen des Südostdeutschen Fußballverbandes und der Einzelverbände der Region, Herausgeber: DSfFS e. V., Berlin 2007. Anfang März 1906 erschien der folgende Aufruf in den zeitgenössischen Sportzeitungen:

Die Gründung des Verbandes wurde auf dem I. Verbandstag einstimmig beschlossen. In den Vorstand gewählt wurden als 1. Vorsitzender Herr F.A. Wegener (Breslau), als 2. Vorsitzender F.H. Schubert (Cottbus), als Schriftführer Herr O. Lehniger (Cottbus) und als Kassierer F.C. Kunert (Breslau). Weiterhin wurde bestimmt, dass sich alle im Verbandsgebiet befindlichen Vereine bis zum 1. Juni 1906 dem SOFV anschließen müssen, oder andernfalls disqualifiziert werden. Außerdem wurde festgelegt das der Sieger aus dem Vorrundenspiel um die deutsche Meisterschaft zwischen den Meistern des Verbandes Niederlausitzer Ballspiel-Vereine und des Verbandes Breslauer Ballspiel-Vereine den Titel Südostdeutscher Meister noch nicht führen darf. Der Kostenvoranschlag für das erste Geschäftsjahr wurde in Einnahmen und Ausgaben auf 350 Mark beziffert. Auf dem Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes 1906 in Leipzig sollte der Verband zwei Vertreter entsenden, jeweils einen aus Breslau und Cottbus. Der Südostdeutsche Fußball-Verband hatte auf dem Bundestag insgesamt elf Stimmen. Vertreter im Bundesausschuss des DFB wurde O. Lehniger, der Südosten erhielt in diesem Gremium zwei Stimmen.

Am 12. August 1906 beschloss der Verband Niederlausitzer Ballspiel-Vereine seinen Namen fallen zu lassen und als Bezirk Niederlausitz im SOFV aufzugehen. Am 26. August 1906 folgte der Verband Breslauer Ballspiel-Vereine und hieß fortan Bezirk Breslau im SOFV. Ende August oder Anfang September trat auch der Kattowitzer Ballspiel-Verband mit seinen drei Vereinen dem SOFV bei und bildete mit dem im Juni beigetretenen FC 1903 Ratibor den Bezirk Oberschlesien. Der Bezirk selbst wurde als solcher aber erst im Januar 1907 durch den SOFV anerkannt. Im September 1906 wurde ebenfalls beschlossen, mit Niederschlesien und Posen zwei weitere Bezirke zu bilden. Der Bezirk Niederschlesien gründete sich auf seiner konstituierenden Sitzung am 4. November des Jahres und nahm unmittelbar danach seinen Punktspielbetrieb auf. Ihm gehörten anfangs die Clubs ATV Liegnitz, FC Blitz Liegnitz, FC Viktoria Liegnitz, SC Germania Vereinigung 1905 Liegnitz und FC 1904 Freiburg an. In Posen gab es vermutlich nur die beiden im Sommer 1906 dem Südostdeutschen Fußball-Verband beigetretenen Clubs DSV Posen und 1. FC Britannia Posen. Ein Spielbetrieb in der Bezirksklasse Posen ist erst ab der Saison 1908/09 überliefert.

Die erste Endrunde um die südostdeutsche Meisterschaft fand im März 1907 statt. Den ersten südostdeutschen Meistertitel errang der SC Schlesien 1901 Breslau. 1910 wurde mit dem Bezirk Oberlausitz der sechste Bezirk im SOFV gebildet. Zentrum des Bezirks waren die Städte Görlitz und Sagan. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Posen polnisch, demzufolge hörte auch der Bezirk Posen innerhalb des SOFV auf zu existieren. 1925 bildete der Südostdeutsche Fußball-Verband den neuen Bezirk Bergland, welcher Vereine aus dem Waldenburger Bergland enthielt, die vorher überwiegend in der Bezirksklasse Niederschlesien gespielt hatten.

Auflösung des SOFV mini|links|Ehem. Hotel „Preußenhof“ in Warmbrunn Im Zug der Gleichschaltung des Sports durch die Nationalsozialisten lösten sich die Regionalverbände des DFB auf, der südostdeutsche Verband beschloss seine Selbstauflösung am 15. Juli 1933.Der Oberschlesische Wanderer, 13. Juli 1933, Nr. 162, S. 10 - „Auflösung des SOFV“

Die überwiegende Anzahl der Vereine wurde nach 1933 der Gauliga Schlesien und den dazugehörigen unterklassigen Ligen zugeordnet, einzig die Vereine aus Forst, Cottbus und Guben aus der Bezirksklasse Niederlausitz wurden der Gauliga Berlin-Brandenburg beziehungsweise den dazugehörigen unteren Ligen zugeordnet.

Der letzte Verbandstag in Warmbrunn In Warmbrunn wurde bei der Ankunft zunächst ein frohes Wiedersehen mit den alten Bekannten aus dem ganzen Verbandsgebiet, die seit Jahr und Tag bei keinem Verbandstag fehlen, gefeiert. Um 6 Uhr fand eine kurze Vorstandssitzung statt, um 7 Uhr eröffnete der Verbandsvorsitzende in dem großen Saal des Hotels Preußenhof den Verbandstag des Jahres 1933. Nach einer kurzen Begrüßungsansprache, in der die Anwesenheit des Sportkommissars Rennecker besondere Erwähnung fand, gab Beinlich einen Überblick über die Geschichte des SOFV. Von dem Bundesvorsitzenden Linnemann lag ein Antrag zur Beschlussfassung vor, der folgenden Wortlaut hatte:

Dieser Antrag wurde ohne weitere Debatte einstimmig angenommen. Damit hatte der Südostdeutsche Fußballverband aufgehört, zu existieren.Der Oberschlesische Wanderer, 17. Juli 1933, Nr. 165, S. 8 – „Der Südostdeutsche Fußballverband ist aufgelöst“

Bezirkseinteilung mini|250px|Übersichtskarte der Bezirke des SOFV (1929–1933)

Um die Kosten durch Fahrtwege und Übernachtungen, sowie durch Arbeitsausfälle (Fußball war damals Amateursport und fast alle Fußballspieler gingen nebenher einer geregelten Arbeit nach) so gering wie möglich zu halten, wurden die Bezirke gebildet. Die Sieger der einzelnen Bezirksklassen waren für die südostdeutsche Endrunde qualifiziert, in der der Meister ausgespielt wurde. Zu Beginn des SOFV wurde auch in der Endrunde in den ersten Paarungen auf die räumliche Nähe geachtet, so spielten Niederlausitzer Vereine generell in der ersten Runde gegen Sieger aus dem Bezirk Niederschlesien oder Oberlausitz, nie aber gegen den Sieger aus Oberschlesien oder Posen. Im Laufe der Jahre wurden einige Bezirke durch die Aufnahme neuer Vereine nochmals aufgeteilt. Oberschlesien wurde zum Beispiel 1908 in einen Gau Kattowitz und einen Gau Ratibor aufgeteilt. Später kamen noch die Gaue Beuthen und Gleiwitz hinzu. Die einzelnen Gaumeister spielten dann die Oberschlesische Meisterschaft aus. Anfang und Mitte der 1920er, als das Interesse am Fußball auch in Schlesien anstieg und sich demzufolge auch die Spielstärke der Mannschaften beträchtlich zunahmen, erreichte die Unterteilung der Bezirke ihren Höhepunkt, als viele Bezirke in vier oder fünf Gaue unterteilt waren und diese Gaue vereinzelt sogar nochmals aufgeteilt wurden. Damit, zum Beispiel, ein Breslauer Verein an der südostdeutschen Endrunde 1923 teilnehmen konnte, musste er erst in seinem Stadtteil in einem Rundenturnier Erster oder Zweiter werden, danach den Gau Breslau gewinnen und sich am Ende noch in der Mittelschlesischen Meisterschaft durchsetzen. Gegen Ende der 1920er entschloss man sich, zur Bündelung der Kräfte, in den meisten Bezirksklassen wieder mit einer oberen Liga zu spielen, einzig der Bezirk Mittelschlesien und der Bezirk Bergland blieben bis zum Ende unterteilt.

Saison BezirkNiederlausitz BezirkOberlausitz BezirkNiederschlesien BezirkBreslau/Mittelschlesien BezirkOberschlesien BezirkBergland BezirkPosen 1906/07 BezirksklasseNiederlausitz   BezirksklasseNiederschlesien BezirksklasseBreslau BezirksklasseOberschlesien     1907/08 1908/09 BezirksklasseOberschlesien BezirksklassePosen 1909/10 1910/11 BezirksklasseOberlausitz 1911/12 Liga-KlasseOberschlesien 1912/13 BezirksklasseNiederschlesien 1913/14 BezirksklasseOberlausitz BezirksklasseOberschlesien 1919/20 BezirksklasseMittelschlesien-Breslau   1920/21 BezirksklasseMittelschlesien 1921/22 BezirksklasseOberlausitz 1922/23 BezirksklasseNiederlausitz 1923/24 1924/25 1925/26 BezirksklasseNiederlausitz BezirksklasseNiederschlesien BezirksklasseBergland 1926/27 BezirksklasseNiederschlesien BezirksklasseOberschlesien 1927/28 BezirksklasseNiederschlesien 1928/29 1929/30 1930/31 1931/32 1932/33 Eingleisige oberste Liga Mehrgleisige obere Ligen mit regionaler Endrunde kein Ligabetrieb

Meister des Südostdeutschen Fußball-Verbandes mini|400px

Insgesamt konnten 10 verschiedene Mannschaften in den 22 Spielzeiten der südostdeutschen Endrunde den Meistertitel erlangen. Rekordmeister sind die Vereinigten Breslauer Sportfreunde mit 6 Titelgewinnen. Bis Ende der 1920er Jahre konnten Mannschaften aus Breslau und der Niederlausitz die Meisterschaft dominieren. Meist standen sich Vereine aus den beiden Bezirken im Finale gegenüber. Mit den Breslauer Sportfreunden, dem ersten Meisterschaftsgewinner SC Schlesien Breslau, dem VfR 1897 Breslau und dem Breslauer SC 08 konnten vier Mannschaften aus dem Bezirk Breslau die südostdeutsche Meisterschaft insgesamt 11 Mal gewinnen. Die 3 Titelgewinner aus dem Bezirk Niederlausitz hießen SC Alemannia Cottbus, FC Askania Forst und FC Viktoria Forst, welche den Titel insgesamt 5 Mal in die Niederlausitz holen konnten. Gegen Ende der 1920er nahm die Spielstärke in Oberschlesien erheblich zu, so dass dieser Bezirk nun dominierend im SOFV war und 5 Meisterschaften erringen konnte. Der Beuthener SuSV 09 holte sich von 1930 bis 1933 viermal hintereinander den Meistertitel, davor war es der SC Preußen Zaborze, der 1929 die erste südostdeutsche Meisterschaft für einen Verein aus Oberschlesien erringen konnte. Der Bezirk Niederschlesien erlebte seinen größten Triumph mit dem Titelgewinn des ATV Liegnitz 1912. Vorher und danach konnte man jedoch keinen weiteren Meistertitel erringen. Vereine aus den Bezirken Bergland, Oberlausitz und Posen konnten nie ins Finale der südostdeutschen Endrunde vordringen, geschweige denn einen Titel gewinnen.

Bezirk AnzahlMeister SOFV Jahr Rekordmeister Breslau-Mittelschlesien 11 1907, 1908, 1910, 1920, 1921, 1922, 1923, 1924, 1926, 1927, 1928 Vereinigte Breslauer Sportfreunde (6) Niederlausitz 5 1909, 1911, 1913, 1914, 1925 FC Askania Forst (3) Oberschlesien 5 1929, 1930, 1931, 1932, 1933 Beuthener SuSV 09 (4) Niederschlesien 1 1912 ATV Liegnitz (1) Bergland 0 Oberlausitz 0 Posen 0

Endrunde um die deutsche Meisterschaft