Singlish ist eine in Singapur gesprochene Variante der englischen Sprache, die in der Regel als englisch-basierte Kreolsprache betrachtet wird.David Yoong Soon Chye: , La Trobe University, abgerufen am 31. Mai 2020. Singlish ist ein Kofferwort, zusammengesetzt aus SINGaporian EngLISH (singapurisches Englisch).Alamak! Singlish — the language that unites and divides. In: The Malay Mail Online, 9. August 2016, abgerufen am 31. Mai 2020. Singlish ist eine in weiten Teilen der Bevölkerung von Singapur gebrauchte Umgangssprache, die in Aussprache und Wortschatz von den in Singapur gesprochenen Sprachen beeinflusst ist. In der Forschung wird Singlish auch als Colloquial Singapore English bezeichnet.
Singlish verzeichnet Einflüsse des britischen als auch des amerikanischen Englisch und der drei anderen offiziellen Sprachen Malaiisch, Mandarin und Tamil. Zudem finden sich auch Anleihen aus dem chinesischen Dialekt Hokkien und lokalen Dialekten wie Bengali und Kantonesisch.Zubaidah Jalilk: Mehr als ein lustiges Kauderwelsch. Märkische Oderzeitung vom 17./18. März 2018, Journal S. 4. Die Grammatik und der Gebrauch mancher Worte und Phrasen unterscheidet sich etwas von anderen Varietäten des Englischen, die Aussprache wird erheblich vom Chinesischen und Malaiischen beeinflusst. Eine direkte Kommunikation zwischen einem Englisch-Sprecher und einem Singlish-Sprecher ist teilweise erschwert, meist aber möglich.
Singlish unterscheidet sich von dem prestigeträchtigeren Singapore Standard English, das in Medien und Regierungsinstitutionen gesprochen wird und näher an Englischvarianten wie dem amerikanischen oder britischen Englisch ist. Um die Verwendung des Singlish in Alltag und Bildungsinstitutionen wird in Singapur intensiv debattiert. Viele Singapurer und speziell die Regierung von Singapur betrachten Singlish als eine korrupte Variante des Englischen, von deren Gebrauch abzuraten ist; andererseits verbreitet sich Singlish zunehmend als Erstsprache unter der Bevölkerung in Singapur und ist auch Gegenstand sprachwissenschaftlicher Forschung.
Geschichte In der britischen Kronkolonie Singapur (1867–1963) war Englisch eine Minderheitensprache für eine kleine Elite und nur in öffentlichen Ämtern genutzt. Neben dieser Standardvariante des Englischen für Ämter und öffentliche Aufgaben entwickelte sich auch eine umgangssprachliche Variante, die als Lingua Franca verwendet wurde, eine Mischung aus Englisch und anderen Sprachen, eine Verkehrssprache, um die Verständigung zwischen den verschiedenen Sprachgemeinschaften in Singapur zu gewährleisten. Diese umgangssprachliche Variante wurde auch in öffentlichen englischsprachigen Schulen von Schülern verschiedener Ethnien gesprochen, wobei sie damit wohl eher in den Pausen als im formalen Unterricht kommunizierten. Daraus entwickelte sich Singlish.Anthea Fraser Gupta: The Step-tongue: Children's English in Singapore. Multilingual Matters, Clevedon, UK, 1994, S. 35.Lionel Wee: Singapore English:phonology. In: Rajend Mesthrie (Hrsg.): Varieties of English: Africa, South and Southeast Asia. Mouton de Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-11-019638-2, S. 260.
Nach der Unabhängigkeit von Großbritannien 1963 und der zwischenzeitlichen Föderation mit Malaysia 1965 wurde von der Regierung Englisch gefördert, auch um die Wirtschaft des rohstoffarmen Landes zu entwickeln und international auszurichten. Die Zahl der Englischsprecher wuchs gegenüber den anderen Sprachen und damit die Zahl der Singlishsprecher im privaten Bereich.Tessa Wong: Magazine: The rise of Singlish, BBC News, 8. August 2015, abgerufen am 31. Mai 2020.
mini|Viersprachiger Warnhinweis in Singapur in den Amtssprachen Englisch, Chinesisch, Tamil und Malaiisch Obwohl Singlish eine zunehmende Rolle als Umgangssprache in der Gesellschaft von Singapur spielt, hat es keine offizielle Anerkennung. Die offiziellen Amtssprachen Singapurs sind Englisch, Chinesisch, Malaiisch und Tamil.
Singlish wird vielmehr von der Singapurer Regierung als Pidgin oder Deppensprache geächtet. Sie startete im April 2000 das „Speak Good English Movement“ (SGEM, "Sprecht-gutes-Englisch-Bewegung"), die dafür wirbt, ein grammatisch sauberes Englisch zu pflegen, das von der gesamten Öffentlichkeit und den Touristen verstanden würde.Rani Rubdy: Creative destruction: Singapore English's Speak Good English movement. In: World Englishes, 20(3), Jahrgang 2001, S. 341–355. Ungeachtet dessen ist Singlish im täglichen Leben populär und für viele Singapurer identitätsstiftend. Ab den 1990er Jahren erobert es Musik, Film und Fernsehen. Es erfährt auch zunehmende externe Anerkennung, so waren 2017 schon 27 Wörter aus dem Singlish in das Oxford English Dictionary aufgenommen worden.All 27 Singlish Words That Made It Into The Oxford English Dictionary In: discoversg.com, 5. Dezember 2017, abgerufen am 31. Mai 2020.
Singlish hat große Ähnlichkeiten mit dem Manglish, eine Englischvariante in Malaysia, die ebenfalls durch das Malaiische und andere südostasiatische Sprachen beeinflusst ist.
Status Der Status des Singlish ist Teil einer sprachwissenschaftlichen Debatte. In einigen Publikationen wird Singlish eine Kreolsprache genannt, in anderen Publikationen wird Englisch in Singapur zu den Englischvarianten gezählt, die als Zweitsprache gesprochen werden und einen Prozess der Indigenisierung durchlaufen haben, also Eigenheiten der einheimischen Sprachen angenommen haben. Zu diesen Sprachen zählen neben Englisch in Singapur auch Englisch in West- und Ost-Afrika, Indien und den Philippinen.Peter Trudgill, Jean Hannah: International English. Routledge, Abingdon 2017, ISBN 978-1-138-23369-0, S. 128–129. Die Einordnung ist nicht so ganz einfach, weil das Verhältnis von Standard Singapore English und Singlish zu klären ist.
Ein möglicher Zugang ist, Singlish auf einem Kontinuum des singapurischen Englisch zu sehen, auf dessen einem Extrempunkt sich das Singapore Standard English befindet und am anderen Ende ein eher gebrochenes, rudimentär beherrschtes Englisch, ein Basilekt. Singlish wäre damit zwischen Singapore Standard English und dem Basilekt einzuordnen. In der Sprachwissenschaft bezeichnet man diese Varianten als Akrolekt, Mesolekt und Basilekt, was im Falle von Englisch in Singapur wie folgt aussähe:Lionel Wee: Singapore English:phonology. In: Rajend Mesthrie (Hrsg.): Varieties of English: Africa, South and Southeast Asia. Mouton de Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-11-019638-2, S. 265. Akrolekt: Singapore Standard English, die Prestigevariante des Englischen; in Aussprache, Wortschatz und Grammatik dem britischen und amerikanischen Englisch relativ nah Mesolekt: Umgangssprache vieler Englischsprecher in Singapur Basilekt: die am wenigsten prestigeträchtige Variante, starke Abweichungen in Aussprache, Grammatik und Wortschatz vom Standard, vergleichbar einer Kreolsprache Dies ist der Ansatz, der unter anderem durch die Linguisten Platt und Weber für Singapur vertreten wurde.John Platt, Heidi Weber: English in Singapore and Malaysia: Status, Features, Functions. Oxford University Press, Kuala Lumpur 1980. Kritik wurde an diesem Modell aus verschiedenen Gründen geübt. Zum einen wird gesagt, dass dieses Modell, das aus der Forschung zu Kreolsprachen stammt, so auf das Englisch in Singapur übertragbar ist. Ferner erweckt es den Eindruck, dass der Gebrauch von Singlish von der Fähigkeit oder vielmehr mangelnden Fähigkeit abhängt, „korrektes“ Standardenglisch zu sprechen, was so pauschal nicht zutrifft.
Ein anderer Ansatz von Gupta sieht den Gebrauch von Singlish deshalb eher als eine Frage der Wahl abhängig vom Kontext: Singapurer verwenden Singlish als Umgangssprache in Alltagssituationen, sind aber auch in der Lage, auf die Ebene des Standardenglisch zu wechseln, wenn dies die Situation erfordert (sog. Code-Switching).Anthea F. Gupta: The Step-Tongue: Children's English in Singapore. Multilingual Matters, Clevedon, 1994. In der Sprachwissenschaft wird dies auch mit dem Terminus Diglossie umschrieben. Nachteil dieses Ansatzes ist, dass er voraussetzt, dass man streng zwischen einem Standardenglisch in Singapur und Singlish strikt trennen kann. De facto aber beeinflussen sich beide gegenseitig. Auch verwenden nicht alle Englischsprecher in Singapur je nach Kontext Standardenglisch oder Singlish, sondern ein nicht unerheblicher Teil der Singapurer lehnt – wie auch die Regierung – Singlish als Sprache komplett ab.
Phonetik und Phonologie Die Aussprache des Singlish ist vor allem durch den Einfluss des Malaiischen und des südchinesischen Dialekts Hokkien gekennzeichnet.
Konsonanten Betrachtet man die Konsonanten, so ist zwar eine große Ähnlichkeit zum britischen Englisch zu beobachten, aber es gibt für Singapur typische Abweichungen.Jakob R.E. Leimgruber: Singapore English: Structure, Variation, and Usage. Cambridge University Press, Cambridge 2013, S. 66. Labial Dental Alveolar Postalveolar Palatal Velar Glottal Nasale Plosive/Affrikate Stimmlos Stimmhaft Frikative Stimmlos Stimmhaft Approximanten Charakteristisch für das Singlish ist die Ersetzung der interdentalen Laute [θ] und [ð] vor Vokalen in Worten wie thin und then durch [t] und [d], so dass man dann eher eine Aussprache wie tin und din hört. Am Ende von Wörtern findet man eher [f], z. B. Singlish [brɛf] für breath und [brif] für breathe.Lionel Wee: Singapore English:phonology. In: Rajend Mesthrie (Hrsg.): Varieties of English: Africa, South and Southeast Asia. Mouton de Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-11-019638-2, S. 267–268. Ebenfalls typisch ist die Tendenz in Singlish, Plosive nicht auszusprechen, wenn sie am Ende eines Wortes auftauchen und auf einen Konsonanten folgen, so hört man eher die Aussprache [lɪm] statt [lɪmp] für limp oder [sɛn] statt [sɛnt] für cent.Lionel Wee: Singapore English:phonology. In: Rajend Mesthrie (Hrsg.): Varieties of English: Africa, South and Southeast Asia. Mouton de Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-11-019638-2, S. 270.
Aus dem Deutschen kennt man den glottalen Plosiv [ʔ], der in Worten wie Beamter ([bɛʔamtə]) vorkommt. Diesen glottalen Plosiv findet man auch in Singlish, entweder als Glottalisierung eines Konsonanten am Ende eines Wortes oder ein Wort endet mit dem glottalen Plosiv:Lionel Wee: Singapore English:phonology. In: Rajend Mesthrie (Hrsg.): Varieties of English: Africa, South and Southeast Asia. Mouton de Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-11-019638-2, S. 271. tap: [tæp] in Received Pronunciation (RP) des britischen Englisch, [tɛpˀ] in Singlish hit: [hɪt] in RP, [hiʔ] in Singlish
Vokale Singlish hat die folgenden Vokale:
Einfache Vokale (Monophthonge) Vorne Zentral Hinten Geschlossen Halbgeschlossen Halboffen Offen
Diphthonge
Bemerkenswert sind hier die Vokale und . Singlish macht keinen Unterschied zwischen gespannten und ungespannten Vokalen, so dass Wörter wie pull und pool sowie beat und bit, die sich im britischen Englisch unterscheiden, in Singlish eine identische Aussprache haben (Homophone).Lionel Wee: Singapore English:phonology. In: Rajend Mesthrie (Hrsg.): Varieties of English: Africa, South and Southeast Asia. Mouton de Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-11-019638-2, S. 267–268. Auch zwischen den Vokalen in pet und pat macht Singlish keinen Unterschied.Suzanna Bet Hashim, Adam Brown: The [e] and [æ] vowels in Singapore English. In: Adam Brown, David Deterding, Low Ee Ling (Hrsg.) The English Language in Singapore: Research on Pronunciation. Singapore Association for Applied Linguistics, Singapore 2000, S. 84–92.
Intonation