mini|hochkant=1.3|Oberes Belvedere, Ansicht vom Hof
Schloss Belvedere ( ; von ) war die Sommerresidenz des Prinzen Eugen von Savoyen in der österreichischen Hauptstadt Wien. Die barocken Einflügelanlagen Unteres Belvedere und Oberes Belvedere wurden 1712 bis 1723 von Johann Lucas von Hildebrandt erbaut. Hervorzuheben sind der Marmorsaal im Unteren Belvedere sowie die Sala terrena, die Prunkstiege und der Marmorsaal im Oberen Belvedere. Zum Ensemble gehört auch der Garten mit dem Muschelbrunnen, dem Kaskadenbrunnen und dem Teich. Seit 1955 dient das Schloss als Sitz der Österreichischen Galerie Belvedere.
Baugeschichte Unteres Belvedere mini|Unteres Belvedere, Ansicht vom Garten mini|hochkant|Portrait des Prinzen Eugen von Savoyen, Jacob van Schuppen, 1718, Rijksmuseum Amsterdam
Prinz Eugen hatte sich, beginnend 1697, in der Himmelpfortgasse in der ummauerten Stadt Wien von Johann Bernhard Fischer von Erlach sein Stadtpalais errichten lassen. 1702 wurde Johann Lucas von Hildebrandt vom Bauherrn beauftragt, das Palais fertigzustellen. Das Winterpalais war erst teilweise fertiggestellt, als Prinz Eugen 1714 Hildebrandt beauftragte, für ihn nunmehr zusätzlich ein Gartenpalais außerhalb der ummauerten Stadt zu errichten. Der Prinz hatte dazu ab 1697, unmittelbar neben einem seiner militärpolitischen Gegner, Heinrich Franz von Mansfeld, ein Grundstück angekauft. Mansfeld ließ sich von Hildebrandt ein Palais errichten, dessen Rohbau bis 1704 fertiggestellt war. Graf Mansfeld verstarb 1715, ohne sein Palais fertiggestellt zu haben. Sein Anwesen wurde von 1717 bis 1728 zum Palais Schwarzenberg ausgebaut. Fürst Schwarzenberg ließ diese Umgestaltung bzw. Fertigstellung nicht weiter von Hildebrandt betreuen, der nun für seinen Nachbarn Prinz Eugen tätig war, sondern beauftragte Eugens früheren Auftragnehmer Johann Bernhard Fischer von Erlach.
Ein 1694–1697 errichtetes Lustgebäude, das Prinz Eugen mit dem Grundstück erworben hatte, wurde von Hildebrandt 1712–1717Geschichte und Architektur zum Unteren Belvedere umgebaut. Prinz Eugen pflegte dann im Sommer hier zu wohnen. Nur ganz wenige Räume waren als Wohnräume geplant; den größten Platz nahmen die Orangerie und der Prunkstall ein. Der Marmorsaal (nicht zu verwechseln mit dem auch so genannten Prunksaal im Oberen Belvedere) ist das Zentrum des Unteren Belvederes und diente ursprünglich dem repräsentativen Empfang von Gästen. Das Deckengemälde von Martino Altomonte zeigt Prinz Eugen als jugendlichen Helden und als Apoll umringt von Musen. Im Westen schließt das Paradeschlafzimmer und im Osten das Tafelzimmer an. Das Deckengemälde des Paradeschlafzimmers ist ebenfalls von Altomonte, (Abend und Morgen), mit Scheinarchitektur von Marcantonio Chiarini und Gaetano Fanti. In einem westlichen Raum sind Groteskmalereien von Jonas Drentwett zu sehen. Die Steinmetzaufträge für das Untere Belvedere erhielten Johann Georg HareslebenHelmuth Furch: In: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch. Die Familie Haresleben. Nr. 3, 1990, S. 6–13. Hans Georg Haresleben, Heiligenkreuzer Untertan und Steinmetzmeister in Steinbruch. Nr. 36, 1995, S. 10–40. und Elias Hügel aus Kaisersteinbruch.Andreas Rohatsch: Leithakalk aus Kaisersteinbruch, Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse. Verwendungsbeispiele Schloss Neugebäude, Unteres Belvedere. In: Elfriede Iby (Hrsg.) Schloss Schönbrunn: Zur frühen Baugeschichte (= Wissenschaftliche Reihe Schönbrunn, Bd. 2). 1996, S. 41.
Oberes Belvedere mini|Oberes Belvedere, Ansicht vom Garten mini|Prunktor zum Teichhof
Das Obere Belvedere war ursprünglich nur als kleines Gebäude konzipiert, das den Garten optisch abschließen sollte. Nach weiteren Grundkäufen des Prinzen erweiterte Hildebrandt die Planung und baute es 1717–1723Geschichte und Architektur im heutigen Umfang. Prinz Eugen wohnte weiterhin im Unteren Belvedere, während das Obere Belvedere der Repräsentation diente. Östlich des Oberen Belvederes wurde auch die Menagerie des Prinzen in einem halbkreisförmigen Areal (der Grundriss ist heute noch gut zu sehen) untergebracht, die nach Eugens Tod in den kaiserlichen Tiergarten Schönbrunn gelangte. Die Alleinerbin des Prinzen, Anna Viktoria von Savoyen, seit 1738 verehelichte Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen, ließ das gesamte Inventar und die Bibliothek versteigern, sodass heute nichts mehr an die ursprüngliche Einrichtung erinnert. Das obere Schloss wurde in Kommunikation mit der umgebenden Natur 1721 bis 1723 gebaut. Ursprünglich gab es auch viel mehr offene Säle und Galerien. Vor der südlichen Eingangsseite befindet sich ein Teich, in dem sich das Schloss spiegelt. Das Gebäude löst sich in mehrere Blöcke auf („Pavillonsystem“), dadurch erhält die Silhouette einen sehr bewegten Eindruck. Jeder dieser Blöcke ist mit einer eigenen Dachkonstruktion versehen, wodurch mancher Beobachter schon an „Türkenzelte“ erinnert wurde. Die Gesamtanlage erhielt aufgrund ihrer Lage auf einem südlich der damaligen Stadt ansteigenden Hang den Namen Belvedere (). Eine Besonderheit ist die trotz Herkunft aus dem Italienischen, wo das e gesprochen wird, traditionelle österreichische Aussprache ohne Schluss-e durch französischen Einfluss.vgl. BMBF: Österreichisches Wörterbuch. Österreichischer Bundesverlag, 42. Auflage, Wien 2012, ISBN 978-3-209-06884-2, S. 106.
Im Innern verfügt das Obere Belvedere über eine bedeutende Raumfolge, die den Besucher von der Sala terrena über die Prunkstiege zum Marmorsaal führt. Die Sala terrena im unteren Bereich war ursprünglich offen und als einheitlicher Saalraum konzipiert. Sie ist eine Kombination aus Gartensaal und Vestibül. Bald nach der Errichtung kam es zu baulichen Problemen, weshalb sie umgebaut und die Decke mit den heute noch existenten vier Atlanten abgestützt werden musste. Die Prunkstiege aus Zogelsdorfer Stein weist eine reiche Dekoration von Laub- und Bandelwerk kombiniert mit Kartuschen und Emblemen auf. Die Stufen sind aus Kaiserstein mit intensiven blauen Einschlüssen, die Bodenplatten beim Mittelabsatz sind aus Mannersdorfer Stein und die Putten aus Savonnières-Kalkstein. Diese sind mit (Theodor) Friedl bezeichnet, einem Bildhauer des 19. Jahrhunderts. Bemerkenswert ist, dass diese Stiege nach beiden Seiten hin offen war. Erst 1904, beim Umbau zur Residenz von Thronfolger Franz Ferdinand,Verwaltungsarchiv, Stadterweiterungsfonds. erhielt sie eine Abschließung in Form verglaster Türen und Fenster.Peter Tölzer: Scalalogia Schriften zur internationalen Treppenforschung, Treppen in Wien. 1990, S. 102. Der Marmorsaal in der Beletage ist das Zentrum des Baus sowie der größte und prachtvollste Raum des Oberen Belvederes. Er ist mit einem zentralen Deckengemälde von Carlo Innocenzo Carlone ausgeschmückt, während die Scheinarchitektur dem Quadraturisten Marcantonio Chiarini zugeschrieben wird. Sein Originalzustand hat sich bis heute weitgehend erhalten. Der Raum wird von Adneter Marmor (Lienbacher Stein) und auch von Kunstmarmor beherrscht. Hofsteinmetzmeister Elias Hügel leitete in Kaisersteinbruch die Arbeiten für diesen Auftrag, zum Gebäude kamen noch die Steinmetzarbeiten für die Brunnenanlagen mit der Kaskade im Garten hinzu. In Kameradschaft arbeiteten die Meister der Bruderschaft Johann Paul Schilck, Johann Baptist Kral, Simon Sasslaber, Joseph Winkler und Franz Trumler.
Um den Marmorsaal herum befanden sich Wohn- und Repräsentationsräume, in denen heute die Sammlungen „Barock“ sowie Jahrhundertwende (um 1900) und „Wiener Secession“ gezeigt werden. Hier waren auch Teile der legendären Bibliothek sowie der Gemäldesammlung des Prinzen Eugen untergebracht. In der Kapelle finden sich ebenfalls Fresken von Carlone, das Altarbild stammt von Francesco Solimena. Bei den verwendeten Steinen handelt es sich um Sankt Margarethener Stein, Eggenburger Stein (heute als Zogelsdorfer Stein bezeichnet), festen Kaiserstein aus Kaisersteinbruch, Mannersdorfer Stein, oolithischer Kalkstein (Jura) von Savonnières in Lothringen, Adneter Kalkstein (Lienbacher Stein) und auch Kunstmarmor. In der Sala terrena bestehen die Atlanten aus Zogelsdorfer Stein, die Sockel aus Kaiserstein.
Nachdem das Obere Belvedere während des Zweiten Weltkriegs durch Luftangriffe beschädigt worden war, wurde es im März 1950 durch einen Brand in der Goldenen Kammer im Obergeschoß weiter beschädigt. Mehrere Prunksäle wurden zerstört und nie wieder aufgebaut.Erwin Hainisch: Baugedanken des Oberen Belvedere-Schlosses in Wien. Rohrer, Wien 1954, S. 205-211, 27. Eines davon, der Spiegelsaal, war 1926 Gegenstand eines detaillierten Gemäldes des Künstlers Josef Pögl (1867–1956), das sich heute in einer Privatsammlung befindet.
Garten mini|Blick über den Garten mini|Wien, vom Belvedere aus gesehen, Bernardo Bellotto, gen. Canaletto, 1759, Kunsthistorisches Museum Wien
Der Garten ist der älteste Teil der Anlage. Er wurde schon knapp nach dem Grundstückskauf um 1700 vom Le-Nôtre-Schüler Dominique Girard angelegt und war 1725 vollendet. Zum Gartenbau gehörte auch die wassertechnische Infrastruktur; Prinz Eugen hatte die Genehmigung erhalten, die kaiserliche Hofwasserleitung mitzubenützen und ließ zahlreiche Brunnen installieren. Die zwölf Brunnen wurden von 2005 bis 2010 restauriert, nachdem die Anlagen zwischen dem Oberen und Unteren Belvedere seit 1994 wegen hoher Wasserverluste nicht mehr betrieben werden konnten. Seit 1780 ist die Anlage der Öffentlichkeit zugänglich. Nach den UNESCO-Weltkulturerbeauflagen wird die Gartenanlage unter beträchtlichem Mitteleinsatz sukzessive restauriert, ebenso die große Fontäne.
Da das Obere Belvedere um etwa 23 Meter höher liegt als das Untere, ist das Thema der Skulpturen der Aufstieg aus der Unterwelt in den Olymp. Zwischen den beiden Bereichen wurde eine Freitreppe gebaut. Der Garten ist in ein oberes, mittleres und unteres Parterre gegliedert. Seitlich des Unteren Belvederes liegt im Bereich der Orangerie der Kammergarten, der vom Rest des Gartens abgetrennt ist. In diesem Bereich wurde auf Anregung von Friedrich Carl Emil von der Lühe eine Abteilung ausschließlich „für die Pflanzen der österreichischen Monarchie“ angelegt. Diese stand unter der Leitung von Nicolaus Thomas Host (1761–1834); sie wurde schon 1827 als „etwas in Unordnung geraten“ beschrieben.
Die Niveauunterschiede werden von zwei skulptural reich ausgestatteten Brunnenanlagen markiert. Der obere der beiden wird als Kaskadenbrunnen bezeichnet. Er besteht aus zwei Becken, die durch eine fünfstufige Kaskade verbunden sind. Der untere wird Muschelbrunnen genannt, da in seiner Mitte Tritonen ein muschelbesetztes Becken halten. In allen drei Parterren sowie im Kammergarten befinden sich jeweils zwei kleinere Brunnen mit Putti und Najaden, wobei die im oberen Parterre und im Kammergarten rund, die vier anderen regelmäßig gegliedert sind. Zu den zwölf Brunnenanlagen werden zudem noch der Wandbrunnen an der Orangerie und der weitläufige Teich im davon abgeleiteten Teichhof südlich des Oberen Belvederes gezählt.Seeger 2004, S. 171.
Während das obere Parterre in seiner skulpturalen Ausstattung von Sphingen bestimmt ist, gibt es im unteren Parterre ein kompliziertes Programm. An den seitlichen Alleen befinden sich Statuen von acht Musen, während die neunte, Kalliope, gemeinsam mit Herkules dargestellt ist. Dazu kommen noch Allegorien des Feuers, des Wassers und eine Darstellung von Apoll und Daphne. Geschaffen wurden diese Statuen von Giovanni Stanetti. Am Rand des mittleren Parterres befindet sich jeweils eine Rampe mit einer Balustrade, die von allegorischen Monatsdarstellungen in Form von Putti gesäumt wird. Sie wurden 1852 anstelle älterer Figuren geschaffen. Östlich des Oberen Belvederes befinden sich die Reste der halbkreisförmigen Menagerie. In der halbrunden Mauer befinden sich sieben Götterstatuen in Nischen.