mini|Moderne Feuerwache (Berufsfeuerwehr Frankfurt am Main, Hafenwache) mini|Vitra Feuerwehrhaus: Architektonisch modernes Feuerwehrhaus des Vitra Campus in Weil am Rhein der Architektin Zaha Hadid, wird als solches nicht mehr genutzt mini|Feuerwache aus den 1950er Jahren (Feuerwehr Gelsenkirchen, Feuerwache 1) mini|Hauptfeuerwache Mariahilf; errichtet 1914, mit historischem Schlauchturm

Das Feuerwehrhaus, auch Feuerwache, Feuerwehrgerätehaus, -zeughaus, -rüsthaus (Österreich), Brandwache (Schweiz), Feuerwehrhalle (Südtirol), ist die Unterkunft der Feuerwehr in einem Ort. Da heute diese Gebäude nicht nur zur Aufbewahrung von Geräten, sondern auch und im Wesentlichen zur Unterstellung von Fahrzeugen und zur Schulung der Feuerwehrangehörigen dienen, wird in Deutschland offiziell die Bezeichnung Feuerwehrhaus verwendet.siehe Rotes Heft 53 „Begriffe, Kurzzeichen, Graphische Symbole des deutschen Feuerwehrwesens“ in der Reihe der Lehrschriften für den Feuerwehrmann (Verlag W. Kohlhammer, ISBN 3-17-010626-0). Hier wird der Begriff „Feuerwehrhaus“ ausdrücklich verwendet, da inzwischen diese Häuser – im Gegensatz zur Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg – nicht nur zur Aufbewahrung von Geräten, sondern auch und im Wesentlichen zur Unterstellung von Fahrzeugen, zur Schulung der Feuerwehrangehörigen u. v. m. dienen. Es beherbergt neben den Einsatzfahrzeugen Aufenthalts- und Sanitärräume für die Mannschaft, Verwaltungsbereiche und Werkstätten. Je nach Größe der Feuerwehr wird man alle unten genannten Anlagen oder nur Teile davon vorfinden.

Als Feuerwachen werden in Deutschland fast ausschließlich die Feuerwehrunterkünfte bei den Berufsfeuerwehren (BF) oder Freiwilligen Feuerwehren (FF) mit hauptamtlichen Kräften bezeichnet, da sie ständig besetzt sind, also ständig wachen. In Österreich hat der Begriff Feuerwache eine andere Bedeutung, nämlich eine von der Hauptfeuerwehr abhängige Untereinheit (abgesetzter Zug).

In früherer Zeit waren hierfür auch die Bezeichnungen Spritzenhaus, Magazin oder Feuerwehrremise üblich.

Aufbau In Deutschland beschreibt die DIN 14092 alle Anforderungen für Neubauten von Feuerwehrhäusern. In Österreich wird für die Neuerrichtung von Feuerwehrhäusern die Richtlinie RL-FH-01 des ÖBFV angewendet.

mini|300px|Plan eines modernen Rettungs-, Brand- und Katastrophenschutzzentrums Fahrzeughalle mini|links|Blick in eine Fahrzeughalle (2004)

In der Fahrzeughalle sind die Einsatzfahrzeuge untergebracht. Jedes Fahrzeug hat einen eigenen, fest zugewiesenen Stellplatz, an welchem es auch mit Strom (Batterieladeerhaltung) und ggf. Druckluft (Bremsen beim Lkw) versorgt wird, um schnellstmöglich ausrücken zu können. In allen Feuerwachen sollte eine Absauganlage vorhanden sein. Diese ist allerdings besonders bei Freiwilligen Feuerwehren oft nicht flächendeckend vorhanden.

Im Gegensatz zu amerikanischen Feuerwachen sind in Mitteleuropa in den Wachen der Berufsfeuerwehr eine Vielzahl von Fahrzeugen stationiert. In Berlin wurde das amerikanische Modell bevorzugt, viele, aber dafür kleinere Feuerwachen im Stadtgebiet zu postieren. In fast allen Ruhrgebietsstädten gibt es wenige, aber dafür große Feuerwachen.

Die Fahrzeughalle ist bei Berufsfeuerwehren mit mehrstöckigen Gebäuden oft durch Rutschstangen mit den Schlafräumen der Wachabteilung verbunden.

Mannschaftsräume Umkleideräume mini|Umkleidegelegenheit in der Fahrzeughalle In den Umkleideräumen kann die Mannschaft nach einem Einsatz ihre schmutzige Kleidung ablegen, damit sie danach in der Kleiderkammer gereinigt wird. Bei Freiwilligen Feuerwehren ist die Einsatzkleidung in Spinden in der Umkleide oder an Haken in der Fahrzeughalle untergebracht und wird dort vor einem Einsatz angelegt.

Situation bei Freiwilligen Feuerwehren Die Umkleideräume befinden sich in der Regel auch in unmittelbarer Nähe zur Fahrzeughalle oder (besonders bei älteren und kleineren Feuerwehrhäusern) eben in der Fahrzeughalle. Die in ziviler Kleidung ankommenden Feuerwehrangehörigen ziehen sich um und besetzen die Fahrzeuge. Nach dem Einsatz wird die Kleidung dann wieder getauscht. In modernen Feuerwachen gibt es oftmals Räume, die nur mit „sauberer“ Kleidung betreten werden, und solche, die mit der schmutzigen Einsatzkleidung betreten werden. Idealerweise hat der Umkleidebereich einen direkten Übergang, den man dann „unbekleidet“ zurücklegt und wo auch oft Duschen vorhanden sind. Diese Trennung soll eine Verschleppung von Schmutz verhindern. In Deutschland wird das auch als „Schwarz-Weiß-Trennung“ bezeichnet.

Situation bei hauptamtlichen Feuerwehren In der Regel tragen die Beschäftigten bereits Dienstkleidung, und die Fahrzeuge sind fest zugeteilt. Der Rest der Einsatzbekleidung steht in unmittelbarer Nähe zum jeweiligen Fahrzeug und wird bei Alarmierung schnell angezogen. Um eine Verschleppung der Verschmutzung nach einem Einsatz zu verhindern, gibt es oftmals auch bei diesen Wachen einen „Schwarz-Weiß“-Umkleidebereich.

Aufenthalts- und Ruheräume für die Wachabteilung Da hauptamtliche besetzte Feuerwehren, Berufs- und Werkfeuerwehren ständig ausrückbereit sein müssen, befindet sich eine Wachabteilung in ständiger Alarmbereitschaft. Während der normalen Arbeitszeit verrichten die Beschäftigten Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten sowie andere anfallende Tätigkeiten auf der Feuerwache. Nach dieser Arbeitszeit befinden sie sich in der sogenannten Bereitschaftszeit. Zu diesem Zweck müssen Aufenthalts- und Ruheräume zur Verfügung stehen. In den Aufenthaltsräumen können sich die Feuerwehrangehörigen aufhalten und Freizeitbeschäftigungen nachgehen. Oft stehen Fitnessräume und weitere Sportgeräte zur Benutzung zur Verfügung. Auch eine Küche und Speiseräume sind vorhanden. Für die Nachtruhe haben die Einsatzkräfte Ruheräume mit Betten, in denen sie während der Bereitschaftszeit ruhen können. Diese Zimmer sind meist für zwei oder mehr Feuerwehrleute eingerichtet. Im Alarmfall erreichen die Feuerwehrkräfte innerhalb weniger Sekunden die Fahrzeughalle und rüsten sich dort einsatzbereit aus.

Zimmer des Wachabteilungsführers Bei größeren Feuerwehren ist ein Wachabteilungsführer ständig anwesend, der meist über eigene Räumlichkeiten verfügt.

Leitstelle Eine Leitstelle oder Kommandozentrale dient zur Koordinierung von Einsätzen. Notrufe werden hier entgegengenommen, ausgewertet und weitergeleitet. Dazu beherbergt die Leitstelle verschiedene Funkgeräte, Telefonanlagen, Alarmsysteme und PCs. Bei einem Stromausfall bleibt die Leitzentrale dank eines Notstromgenerators oder einer anderen Notstromversorgung für Stunden voll funktionsfähig. Sollte die Leitstelle dennoch ausfallen, kann ggf. auf einen Einsatzleitwagen (ELW) ausgewichen werden, der mit entsprechenden Funkgeräten und Einsatzliteratur ausgestattet ist. An größeren Einsatzstellen wird der ELW bereits als ausgelagerte Leitstelle eingesetzt. Während die Leitstelle bei Berufsfeuerwehren oder großen Freiwilligen Feuerwehren rund um die Uhr besetzt ist, ist sie bei den übrigen Freiwilligen Feuerwehren nur während der Einsätze und zu Übungszwecken besetzt. Deshalb werden zu diesen Feuerwehrhäusern auch keine Notrufe durchgestellt.

Atemschutzwerkstatt mini|Prüfung von Atemschutzmasken im Feuerwehrzentrum Kalk der Feuerwehr Köln In der Atemschutzwerkstatt werden alle Atemschutzgeräte (Atemschutzmasken, Atemluftflaschen, Filter und Fluchthauben) verwaltet, geprüft, gewartet und instand gesetzt. Für die Atemluftflaschen steht ein Kompressor mit entsprechender Luftleistung bereit, an dessen Füllleiste je nach Modell mehrere Flaschen gleichzeitig mit gefilterter Luft neu befüllt werden können. Zur Reinigung und Desinfektion stehen spezielle Anlagen mit Waschmaschine, einer Desinfektionsanlage und einem Trockenschrank zur Verfügung. Das Prüfen der Atemschutzgeräte und Masken erfolgt an Prüfständen, die teilweise PC-unterstützt sind und teilweise automatisch prüfen. Die Wartung der Gerätschaften führen Atemschutzgerätewarte durch. Ebenso werden in der Atemschutzwerkstatt Chemikalienschutzanzüge und Tauchgeräte der Feuerwehr-Taucher gewartet und geprüft.

Kleiderkammer mini|Kleiderkammer im Feuerwehrzentrum Kalk der Feuerwehr Köln Die Kleiderkammer verwaltet die Einsatzkleidung. Bei Bedarf sorgt sie dafür, dass Kleidung gereinigt oder repariert wird. Ebenso lagert sie neue Bekleidung für Einsatzkräfte, die als Ersatz oder bei Neueinkleidungen von hier ausgegeben wird.

Schlauchwerkstatt In der Schlauchwerkstatt werden die Schläuche nach einem Einsatz gewaschen, getrocknet, repariert und geprüft. Auch Kleinlöschgeräte wie Kübelspritzen und Feuerlöscher werden hier evtl. geprüft und repariert.

Schlauchwäsche mini|Das Feuerwehrhaus mit Schlauchturm in Ilmenau Die Schläuche werden vor dem Reinigen mit Wasser befüllt, um Beschädigungen festzustellen. Für die Schlauchgrößen (A-, B-, C-, D-Schläuche) sind die Prüfdrücke verschieden. Die Schläuche werden in einem Behälter im Wasserbad vorbehandelt und danach durch eine Schlauchwaschmaschine gereinigt.

Schlauchturm (Trocknung) Nach der Wäsche werden die Schläuche in einem Schlauchturm zum Trocknen aufgehängt. Darüber hinaus kann der Turm auch für Anleiter- und Abseilübungen genutzt werden. Bei Atemschutzübungen kann der Turm zur Simulation eines Treppenhauses in einem Hochhaus verwendet werden. Bei Neubauten von Feuerwehrhäusern wird heute oft aus Kostengründen auf den Schlauchturm verzichtet. Zum Schlauchtrocknen wird stattdessen ein Schlauchtrockenschrank verwendet. Möglich ist auch ein waagerechtes Auflegen auf Halterungen an einer freien Wand, was zwar die billigste Lösung, aber nicht so effektiv ist.

Inzwischen wird in Deutschland gemäß DIN 14092 Teil 3 der Turm als Feuerwehrübungsturm bezeichnet, da er neben der Schlauchtrocknung auch anderen Zwecken dient.

Schlauchlager Nach der Trocknung werden die Schläuche von innen mit Talkumersatz bestäubt, zusammengerollt und nach Größe sortiert im Schlauchlager in Regalen gelagert. Von dort aus werden sie bei Bedarf wieder auf die Einsatzfahrzeuge verteilt.

Funkwerkstatt In der Funkwerkstatt werden alle im Feuerwehrdienst verwendeten Funkgeräte (2-m- und 4-m-Band oder Tetra-Digitalfunk) und Funkmeldeempfänger überprüft und gewartet.

Besprechungszimmer (Stab) Im Besprechungszimmer hat ein kompletter Krisenstab Platz. Bei Großschadenslagen wird hier die Einsatzleitung eingerichtet. Es stehen mehrere Telefone mit eigener Rufnummer zur Verfügung. Hier sind Kartenmaterial, Informationen über alle Einsatzfahrzeuge sowie eine große Tafel vorhanden, um die Koordination der Einsatzkräfte durchzuführen.

Schulungsräume In den Schulungsräumen werden die Feuerwehrkräfte aus- und fortgebildet. Dazu wird auf zahlreiche technische Geräte zurückgegriffen. Die Bänke sind üblicherweise so angeordnet, dass ein offener Meinungsaustausch zwischen den Feuerwehrleuten bei einer angenehmen Atmosphäre ungehindert stattfinden kann.

Atemschutzübungsanlage mini|Ein Feuerwehrhaus der FF Willich