Das Gesamtministerium Zeigner bildete vom 21. März bis 29. Oktober 1923 die Landesregierung von Sachsen. Zunächst waren ausschließlich Minister der SPD beteiligt, ab Oktober auch welche der KPD. Deswegen setzte Reichspräsident Friedrich Ebert das Kabinett im Rahmen einer Reichsexekution am 29. Oktober 1923 ab. Zeigner trat daraufhin am 30. Oktober auch von seinem Amt zurück.
Abstimmungen im Landtag Die Wahl Zeigners fand am 21. März 1923 im Sächsischen Landtag statt. Mindestens ein Abgeordneter von SPD oder KPD stimmte dabei nicht für Erich Zeigner, sondern für Fritz Kaiser. +Dresden, 21. März 1923 – Gesamtstimmenzahl: 96WahlgangKandidatStimmenanzahlAnteilUnterstützer1. WahlgangErich Zeigner 49 51,0 %SPD, KPDFritz Kaiser3839,6 %DVP, DNVPRichard Seyfert88,3 %DDPnicht anwesend11,0 %Franz Herrmann (DVP)Erich Zeigner als Ministerpräsident gewählt. Zeigner bildet Gesamtministerium Zeigner. Nach einer rund neunstündigen Debatte über die Regierungserklärung des Ministerpräsidenten am 16. und 17. Oktober 1923 wurde über einen Misstrauensantrag der DNVP abgestimmt. Thema der Aussprache zur Regierungserklärung war insbesondere die Kabinettsumbildung um die deutschlandweit erstmalige Beteiligung der Kommunisten an einer Regierung sowie ein Ausfall des Ministerpräsidenten gegenüber Julius Dehne (DDP), dem er vorwarf „die Tätigkeit des Herrn Ministerialdirektors Dr. Dehne besteh[e] in der Abhebung seines Gehalts“. Die Debatte war geprägt von einer Vielzahl an Beleidigungen und anhaltenden Zurufen beider Lager (Sozialdemokraten und Kommunisten auf der einen Seite sowie die drei bürgerlichen Parteien auf der anderen Seite). Bezeichnend für die Debatte war das Schlusswort von Moritz Beutler (DNVP) zum Misstrauensantrag, der „während der ganzen Rede fast unausgesetzt von lärmenden Zurufen der Kommunisten“ unterbrochen wurde, wie das Plenarprotokoll vermerkt.
Der Misstrauensantrag wurde anschließend abgelehnt.
Mitglieder des Gesamtministeriums Die Minister wurden von Erich Zeigner am 10. April 1923 im Landtag bekanntgegeben. Der entsprechende Brief war auf den 3. April datiert. Mit Ausnahme des früheren Innenministers Richard Lipinski blieben die Minister des Gesamtministeriums Buck III bis 2. Februar geschäftsführend im Amt. Zeigner selbst leitete das Justizressort bis August 1923 weiter. AmtBildNamePartei Ministerpräsident zentriert|rahmenlos|120px Erich Zeigner SPD Minister des Innern zentriert|rahmenlos|120px Hermann Liebmann (ab 3. April 1923) SPD Finanzminister zentriert|rahmenlos|120px Max Heldt (bis 12. Oktober 1923) SPD zentriert|rahmenlos|120pxPaul Böttcher (ab 12. Oktober 1923)KPDJustizminister zentriert|rahmenlos|120pxErich ZeignerSPD zentriert|rahmenlos|120px Alfred Neu (ab 15. August 1923) SPD Wirtschaftsminister zentriert|rahmenlos|120px Alfred Fellisch (bis 12. Oktober 1923) SPD zentriert|rahmenlos|120pxFritz Heckert (ab 12. Oktober 1923)KPD Arbeitsminister zentriert|rahmenlos|120px Paul Ristau (bis 31. März 1923) SPD zentriert|rahmenlos|120pxGeorg Graupe (ab 3. April 1923)SPD Volksbildungsminister zentriert|rahmenlos|120px Hermann Fleißner SPD
Literatur Wilhelm Schröder: Das sächsische Kabinett Zeigner. Die erste Arbeiterregierung auf deutschem Boden. Teil II. in: Sächsische Heimatblätter Heft 5/1963, S. 437–448.
Belege
Zeigner Kategorie:Kabinett mit SPD-Beteiligung Kategorie:Kabinett mit KPD-Beteiligung