Dessau ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt. Bis zur Städtefusion mit Roßlau am 1. Juli 2007 war Dessau eine kreisfreie Stadt.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007. Das bisherige Dessau war mit etwa 77.400 Einwohnern nach Halle (Saale) und Magdeburg die drittgrößte Stadt Sachsen-Anhalts (bezogen auf die Fläche die zweitgrößte), sowie eines von drei Oberzentren des Landes. Die nächstgelegenen größeren Städte sind Halle, etwa 40 km südwestlich, Leipzig, etwa 52 km südöstlich und Magdeburg, etwa 53 km nordwestlich. Historisch war Dessau Hauptstadt und Residenz des Fürsten-, späteren Herzogtums Anhalt-Dessau und Anhalt. Bei den Luftangriffen auf Dessau im Zweiten Weltkrieg wurden 80 % der Stadt zerstört, allerdings blieben zahlreiche Kulturdenkmale der Stadt erhalten. Das Bauhaus Dessau und das Dessau-Wörlitzer Gartenreich gehören zum UNESCO-Welterbe.

Geographie Lage mini|Falschfarbenbild der Dessau-Wörlitzer Elbauen zwischen Dessau und Coswig mit Muldemündung aus DGM1-Daten mini|Jagdbrücke an der Mulde bei Dessau

Dessau liegt inmitten einer ausgedehnten Auenlandschaft beiderseits der unteren Mulde, die nördlich der Stadt in die Elbe mündet. Die Stadt wird regelmäßig durch Hochwasser bedroht, da das Wasser der Mulde nach starken Regenfällen nicht mehr in die Elbe abfließen kann und sich staut; so wurde im Jahr 2002 der Ortsteil Waldersee vollständig überflutet.

Im Süden grenzt die Stadt an die waldreiche Mosigkauer Heide, in der die Taube entspringt. Dessau liegt auf einer Höhe von . Die höchste Erhebung ist die ca. 110 m hohe ehemalige Mülldeponie (Scherbelberg) im Südwesten der Stadt. Dessau ist von zahlreichen Schloss- und Parkanlagen umgeben und zählt deshalb zu den grünsten Städten Deutschlands.

Stadtgliederung Das Stadtgebiet Dessaus war für statistische Zwecke in 21 Stadtteile und 49 statistische Bezirke eingeteilt. 01 Innerstädtischer Bereich Nord 02 Innerstädtischer Bereich Mitte 03 Innerstädtischer Bereich Süd 04 Süd 05 Haideburg 06 Törten 07 Mildensee 08 Waldersee 09 Ziebigk 10 Siedlung 11 Großkühnau 12 Kleinkühnau 13 West 14 Alten 15 Kochstedt 16 Mosigkau 17 Zoberberg 18 Kleutsch 19 Sollnitz 20 Brambach 21 Rodleben mit Ortsteil Tornau

Verwaltungsmäßig sind für Dessau gemäß § 14 der Hauptsatzung 10 Ortschaften gebildet worden. Dabei handelte es sich um früher selbständige Gemeinden. Jede Ortschaft hatte einen Ortschaftsrat, der je nach Einwohnerzahl der Ortschaft zwischen drei und sieben Mitglieder hatte. Vorsitzender des Ortschaftsrat war der Ortsbürgermeister. Die Ortschaftsräte waren zu wichtigen, die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören. Die endgültige Entscheidung oblag jedoch dem Stadtrat der Gesamtstadt Dessau.

Die zehn Ortschaften Dessaus (in Klammern die Einwohnerzahl zum 31. Dezember 2006;Stadtverwaltung Dessau. In: dessau-rosslau.de. keiner dieser Ortschaften zugeordnet sind 60.496 Einwohner): Dessau-Großkühnau (1.025) Dessau-Kleinkühnau (1.761) Dessau-Mosigkau (2.212) Dessau-Kochstedt (4.343) Dessau-Waldersee (2.656) Dessau-Mildensee (2.136) Dessau-Kleutsch (424) Dessau-Sollnitz (270) Dessau-Rodleben (1.561) Dessau-Brambach (396)

Geschichte Überblick

mini|hochkant=1.8|Dessau im 17. Jahrhundert

Dessau, 1213 erstmals urkundlich erwähnt, war Ende des 12. Jahrhunderts als Handelsplatz an der Kreuzung von Handelsstraßen an der Mulde nahe ihrer Mündung in die Elbe entstanden. Später entwickelte sich der durch die askanische Burg Waldeser geschützte Ort zur Ackerbürgerstadt und wurde 1470 zur festen Residenz der Fürsten von Anhalt-Dessau bzw. Anhalt. Die Errichtung des Residenzschlosses und der Ausbau der Marienkirche waren die ersten Bautätigkeiten der Fürsten in Dessau. Die Stadt hatte nur begrenzte Selbstverwaltung, so dass ihre Geschichte untrennbar mit der von Anhalt-Dessau und dessen Fürstenhaus verknüpft ist.

Die Reformation wurde in Dessau zunächst zögerlich angenommen. Noch 1526 schlossen sich in der Stadt katholische Fürsten zum Dessauer Bund zusammen. Aber 1534 wurde die Reformation durch Georg III. offiziell eingeführt. Als 1552 viele Einwohner Dessaus der Pest zum Opfer fielen, evakuierte Fürst Joachim den Hof nach Schloss Warmsdorf bei Güsten.

mini|links|Schlacht bei Dessau im Dreißigjährigen Krieg Ende des 16. Jahrhunderts erlebte Dessau einen wirtschaftlichen Aufschwung, dem der Dreißigjährige Krieg ein Ende setzte. Die Elbbrücke bei Roßlau machte Dessau zum Durchmarschgebiet zahlreicher Truppen aller kriegführenden Seiten und Schauplatz einer großen Schlacht 1626, der Schlacht an der Elbbrücke. Erst Ende des 17. Jahrhunderts konnte Dessau an die Vorkriegsentwicklung anknüpfen, unterstützt durch die aktive Peuplierungspolitik des Fürsten, der auch eine große jüdische Gemeinde erstehen ließ. Während der Regentschaft von Leopold I., des Alten Dessauers, wurde Dessau zu einer barocken Residenz umgebaut und erweitert.

mini|Dessau-Wörlitzer Gartenreich, durch Leopold III. Friedrich Franz angelegt In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter Fürst Leopold III. Friedrich Franz wurde Dessau zu einem Zentrum der Aufklärung in Deutschland, das mit einem tiefgreifenden Reformwerk in Bildung und Landeskultur und der Anlage des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs sowie zahlreichen Bauten im Stil des Klassizismus europaweit Aufmerksamkeit erregte.

Die Industrialisierung der Region setzte 1844 mit der Gründung der Maschinenfabrik der Gebrüder Sachsenberg in Roßlau ein. Dessau wurde mit den Industriebetrieben u. a. der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau AG (BAMAG, gegr. 1872) und der Dessauer Waggonfabrik (1895) zu einer Stadt des Maschinen- und Fahrzeugbaus und mit der 1871 gegründeten Dessauer Actien Zucker Raffinerie auch der Lebensmittelindustrie. Der ab 1915 in Dessau betriebene Flugzeugbau der späteren Junkers Flugzeug- und Motorenwerke begann in der dortigen, 1895 gegründeten Fabrik für Gasbadeöfen von Junkers & Co. Seit 1863 war Dessau Kreisstadt des Kreises Dessau.

mini|Das 1926 nach Plänen von Walter Gropius errichtete Bauhaus ist ein Wahrzeichen Dessaus. Das 1919 in Weimar gegründete Bauhaus wurde 1925/26 in das von Walter Gropius geplante Gebäude des Bauhauses Dessau verlegt. Am 22. August 1932 beschloss der Dessauer Gemeinderat auf Antrag der NSDAP-Fraktion die Auflösung des Bauhauses, bei Stimmenthaltung der SPD und Gegenstimmen vom Oberbürgermeister und den vier Stimmen der KPD, zum 1. Oktober 1932. Ludwig Mies van der Rohe führte es dann noch bis Mitte 1933 als private Institution in Berlin weiter.

Seit 1918 Hauptstadt des Freistaates Anhalt, wurde Dessau zum 1. Januar 1932 Kreisstadt des aus dem Zusammenschluss der Kreise Dessau und Köthen gebildeten Kreises Dessau-Köthen.Verordnung über den Zusammenschluß der Kreise Dessau und Köthen vom 17. November 1931, in: Gesetzsammlung für Anhalt 1931, Nr. 20, S. 77. Am 15. April 1933 wurde die Stadt Dessau ohne die 1930 eingemeindeten Landgemeinden Dellnau, Jonitz, Naundorf bei Dessau, Pötnitz und Scholitz aus dem Kreis ausgegliedert und zu einem eigenen Stadtkreis erhoben.Gesetz zur Neubildung der Kreise vom 13. April 1933, in: Gesetzsammlung für Anhalt 1933, Nr. 11 vom 15. April 1933, S. 31. Am 1. Mai 1933 wurde daraufhin die Kreisverwaltung nach Köthen verlegt. Nach 1933 war Dessau Gauhauptstadt des NSDAP-Gaus Magdeburg-Anhalt und am 1. April 1935 wurde die Stadt durch die Eingemeindung von Roßlau zur Großstadt. Wie in vielen anderen deutschen Städten wurden in der Reichspogromnacht 1938 die Alte Synagoge niedergebrannt und in der Folgezeit die noch verbliebenen Juden deportiert.

mini|Junkers-Werke Dessau Die Stadt Dessau und die am Stadtrand gelegenen Junkers Flugzeug- und Motorenwerke wurden ab 1940 Ziel von insgesamt 20 alliierten Luftangriffen. Am 7. März 1945 wurde das dichtbesiedelte Stadtzentrum von Dessau zum Kernzielgebiet eines nächtlichen britischen Bombenangriffs im Rahmen der Area Bombing Directive, mit 520 schweren Lancaster-Bombern und 1.700 Tonnen Spreng- und Brandbomben. Durch den Luftangriff wurden 700 Menschen getötet und 80 Prozent des bebauten Stadtgebietes zerstört. In der Altstadt wurden nahezu 97 Prozent aller Gebäude vollständig zerstört oder irreversibel beschädigt. Das historische Stadtbild mit seinen Kirchen, Schlossanlagen, vielen öffentlichen Gebäuden, Adels- und Bürgerbauten ging dadurch nahezu vollständig verloren.Renate Kroll: Schicksale deutscher Baudenkmale im zweiten Weltkrieg. Hrsg. Götz Eckardt, Henschel-Verlag Berlin, 1978. Band 2, S. 305–323.

US-amerikanische Truppen besetzten Dessau am 21./23. April 1945 nach schweren Kämpfen und nahmen die stark zerstörte Stadt ein. Anfang Juli 1945 zogen die Amerikaner wieder ab. Sie übergaben die Stadt an die Rote Armee, da Dessau Teil der sowjetischen Besatzungszone wurde. Im Zuge der Neugliederung und der Verordnung vom 23. Juli 1945 kam das Land Anhalt zum 1. Februar 1946 zur Provinz Sachsen und bildete zusammen mit dieser das neue Land Sachsen-Anhalt mit den Bezirken Dessau, Magdeburg und Merseburg. Der Ortsteil Roßlau wurde aus der Stadt Dessau wieder ausgegliedert.

Nach 1945 verlor Dessau seine Hauptstadtfunktion, war aber noch bis 1952 Sitz der BezirksregierungHeimat-Kalender 1947 für den Kreis Dessau-Köthen, Verlag A. Zeller, Dessau 1947. und wurde mit der Verwaltungsreform von 1952 dem Bezirk Halle zugeordnet. Das Stadtzentrum und etliche Kulturbauten wurden im Stil der Zeit wieder aufgebaut. Ab 1972 wieder vorübergehend Großstadt, blieb Dessau Industriestadt mit Schwerpunkten im Maschinen-, Anlagen- und Waggonbau und wurde in der DDR-Zeit größter Brauereistandort.

Die Stadt vergab in der DDR einen Wilhelm-Müller-Kunstpreis.

Nach der Wende 1989/1990 ging die Industriebasis weitgehend verloren, und hohe Arbeitslosigkeit führte zur Abwanderung von Einwohnern, der mit Eingemeindungen begegnet wurde. Dessau gelangte nun in das wiedergegründete Bundesland Sachsen-Anhalt. Die Stadt wurde zum Sitz des Regierungsbezirks Dessau bestimmt.

Im April 1992 wurde im historischen Bauhausgebäude die Fachhochschule Anhalt am Standort Dessau (heute: Hochschule Anhalt) und 1994 die Stiftung Bauhaus Dessau gegründet.

Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Alten 01.10.1923 Eingemeindung nach Dessau Brambach 01.01.2005 Eingemeindung nach Dessau Dellnau 01.05.193015.04.1933 Eingemeindung nach DessauZusammenschluss mit Pötnitz und Scholitz zu Mildensee Dessau 01.07.2007 Zusammenschluss mit Roßlau/Elbe zu Dessau-Roßlau Großkühnau 01.10.1923 Eingemeindung nach Dessau Haideburg, Gutsbezirk 01.01.1949 Eingemeindung nach Dessau Jonitz 01.05.193015.04.193301.04.1935 Eingemeindung nach DessauAusgliederung aus DessauZusammenschluss mit Naundorf zu Jonitz-Naundorf Jonitz-Naundorf 24.07.1935 Umbenennung in Waldersee Kleinkühnau 01.10.1923 Eingemeindung nach Dessau Kleutsch 01.07.1994 Eingemeindung nach Dessau Kochstedt 01.07.1950 Eingemeindung nach Dessau Mildensee 01.11.1945 Eingemeindung nach Dessau Mosigkau 25.07.1952 Eingemeindung nach Dessau Naundorf 01.05.193015.04.193301.04.1935 Eingemeindung nach DessauAusgliederung aus DessauZusammenschluss mit Jonitz zu Jonitz-Naundorf Neeken 01.07.1950 Eingemeindung nach Brambach Pötnitz 01.05.193015.04.1933 Eingemeindung nach Dessau,Zusammenschluss mit Scholitz und Dellnau zu Mildensee Rietzmeck 01.07.1950 Eingemeindung nach Brambach Rodleben 01.01.2005 Eingemeindung nach Dessau Roßlau (Elbe) 01.04.193501.04.194601.07.2007 Eingliederung nach DessauAusgliederung aus DessauZusammenschluss mit Dessau zu Dessau-Roßlau Scholitz 01.05.193015.04.1933 Eingemeindung nach DessauZusammenschluss mit Pötnitz und Dellnau zu Mildensee Sollnitz 01.07.1994 Eingemeindung nach Dessau Tornau 01.07.1950 Eingemeindung nach Rodleben Törten 01.10.1923 Eingemeindung nach Dessau Waldersee 01.11.1945 Eingemeindung nach Dessau Ziebigk 01.10.1923 Eingemeindung nach Dessau

Einwohnerentwicklung

mini|Anhaltisches Theater, ehemaliges Landestheater