mini|Cannstatter Volksfest 2024, fotografiert vom Riesenrad „Sky Lounge“ mini|Cannstatter Volksfest des Jahres 2023 bei Nacht, von der König-Karls-Brücke aus gesehen Das Cannstatter Volksfest (auch Cannstatter Wasen oder kurz Wasen genannt) ist ein 17-tägiges Volksfest, das mit wenigen Ausnahmen seit 1818 jährlich von Ende September bis Mitte Oktober auf dem Cannstatter Wasen im Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt veranstaltet wird. Im Frühling findet auf dem Cannstatter Wasen das Stuttgarter Frühlingsfest als Pendant statt.

Mit rund 4,6 Millionen Besuchern ist das Cannstatter Volksfest nach dem Münchner Oktoberfest das zweitgrößte Volksfest der Welt. Es gilt als das größte Schaustellerfest Europas.

Daten und Fakten Das Festgelände auf dem Cannstatter Wasen umfasst rund 25 Hektar. Das schwäbische Volksfest beginnt normalerweise eine Woche später als das Münchner Oktoberfest. Das Cannstatter Volksfest beansprucht für sich aufgrund der Vielzahl der Schaustellerbetriebe den Titel „größtes Schaustellerfest Europas“.

Jahr Besucherzahl2005 3,5 Mio.2006 4,2 Mio.2007 4,5 Mio.2013 3,7 Mio.2014 4,0 Mio.2015 4,0 Mio.2016 4,0 Mio.2017 4,1 Mio.2018 4,0 Mio2019 3,5 Mio.20223,0 Mio.20234,3 Mio.2024 4,6 Mio.2025 4,2 Mio.

Geschichte Erstmals gefeiert wurde das Cannstatter Volksfest 1818. Gedacht als „jährlich am 28. September zu Kannstadt abzuhaltendes landwirtschaftliches Fest“. Der indirekte Auslöser des ersten Volksfestes lag im heutigen Indonesien, wo 1815 der Vulkan Tambora ausbrach. Gase und Staub sorgten weltweit für Klimaveränderungen (Jahr ohne Sommer) und damit auch im Königreich Württemberg für Missernten. Als Reaktion gründete König Wilhelm I. 1817 gemeinsam mit seiner Frau Katharina die „Centralstelle des landwirtschaftlichen Vereins“. Aus Dankbarkeit, dass man wieder etwas zum Essen hatte, wollte er seinem Volk ein Fest stiften. Zudem wurde eine landwirtschaftliche Unterrichtsanstalt gegründet, aus der die Universität Hohenheim hervorging.

Am 28. September 1818, einen Tag nach König Wilhelms 37. Geburtstag, fand das Cannstatter Volksfest erstmals statt. Es wurde von weit mehr als 30.000 Gästen und Mitwirkenden berichtet. Der Veranstaltungsort Cannstatter Wasen war zu diesem Zeitpunkt eine feuchte Neckaraue ohne umgebende Bebauung und der Neckar noch nicht begradigt. Das eintägige herbstliche Volksfest kann als Erntedankfest umschrieben werden und fand von 1818 bis 1882 jährlich statt. Mit der Zeit wurde das Cannstatter Volksfest größer und gewann an Bedeutung.

Ein Höhepunkt in der frühen Geschichte des Volksfestes waren die Feiern zum 25. Regierungsjubiläum König Wilhelms I. am 28. September 1841 (Festzug der Württemberger) mit rund 10.000 Teilnehmern und 200.000 Zuschauern. Am 28. September 1857 fand das französisch-russische Zwei-Kaiser-Treffen mit dem Besuch auf dem Wasen statt. Am 28. September 1876 kamen Kaiser Wilhelm I. und sein Schwiegersohn Großherzog Friedrich I. zum Volksfest, ebenso im Jahre 1881.

Von 1882 an wurde auf Weisung von König Karl, Sohn und Nachfolger von Wilhelm I., das Cannstatter Volksfest nicht mehr alljährlich, sondern nur noch alle zwei Jahre veranstaltet. Bis zu seinem Tod 1891 blieb diese Regelung erhalten. Die Länge des Volksfest wurde dann zuerst auf drei, dann auf vier Tage ausgeweitet. 1911 fand ein Volksfestautokorso statt.

Während des Ersten Weltkriegs 1914–1918 entfiel das Volksfest. Ab den 1920er Jahren ging das Volksfest fünf Tage lang. Der erste Volksfestumzug im heutigen Sinne fand erstmals 1927 mit offiziellem Start am Cannstatter Kursaal statt. Auch während des Zweiten Weltkriegs 1939–1945 entfiel das Volksfest. Zu Beginn der 1950er Jahre wurde der Wasen dann auf zunächst 10, dann 12 und 1972 auf 16 Festtage ausgedehnt.

1994 wurde der Cannstatter Volksfestverein e. V. gegründet, dessen Zweck die Erhaltung und Förderung des Volksfestbrauchtums ist.

Das Cannstatter Volksfest wurde bis 2006 am Samstag um den 27. September, dem Geburtstag von König Wilhelm I., zu dessen Ehren eröffnet; der früheste Termin war der 22. September. Seit 2007 öffnet das Volksfest bereits am Freitag um 15 Uhr und dauert seither 17 Festtage. Am Freitagabend wird der Fassanstich durch den Stuttgarter Oberbürgermeister live im regionalen Fernsehen übertragen.

Die Volksfeste 2020 und 2021 fanden aufgrund der COVID-19-Pandemie nicht statt.BNN, 30. April 2020, S. 14.

Festzelte

Überblick Auf dem Cannstatter Volksfest finden sich acht Festzelte sowie eine Vielzahl kleinerer gastronomischer Betriebe mit Biergärten. Mittelpunkt sind die drei Brauereizelte (das Festzelt Klauss & Klauss der Brauerei Dinkelacker, das Festzelt Wilhelmer's SchwabenWelt der Brauerei Schwabenbräu und das Festzelt Beim Benz der Brauerei Stuttgarter Hofbräu), die seit 1982 ihren traditionellen Platz nebeneinander vor der Fruchtsäule haben. Die Anordnung der drei Zelte wechselte dabei bis 2008 jährlich, das Zelt der federführenden Brauerei (deren Fass beim Anstich durch den Oberbürgermeister zum Zuge kommt) stand dabei immer ganz rechts. Seit 2009 blieb die Anordnung gleich.

Vor 1982 gab es vier etwas kleinere Brauereizelte, die auf beiden Seiten der Fruchtsäule aufgebaut waren. Das vierte Zelt war das Festzelt der Brauerei Wulle, die 1971 von Dinkelacker übernommen wurde und wenig später als Marke nicht mehr existierte. Baurechtlich genehmigt waren in Stuttgart 26.000 überdachte Plätze, 2009 erhöhte sich diese Zahl durch diverse Um- und Ausbauten auf über 30.000. Als weiteren Großbetrieb gab es bis 2022 das Almhüttendorf, das jedoch kein Festzelt war, sondern aus einer Ansammlung von Hütten im alpenländischen Stil eine andere Form des Festbetriebs anbot (Sitzplatzkapazität ca. 1500). 2023 wurde dies in „Albdorf“ umbenannt und der Fokus auf das Angebot regionaler Produkte geändert.

Aktuelle Zelte mini|Dinkelacker-Festzelt Das Dinkelacker-Festzelt ist eines der drei großen Brauereizelte. Die Festwirtfamilie Klauss bietet Platz für 5500 Gäste. Beim Benz – Das Hofbräu-Zelt von Festwirt Marcel Benz öffnete unter diesem Namen erstmals zum Frühlingsfest 2025. Es trat an die Stelle von Grandels Hofbräu-Zelt und hat 5800 Plätze. Wilhelmer's SchwabenWelt verfügt innen und außen über Emporen und wird seit 2009 von Michael Wilhelmer betrieben. Die Kapazität liegt bei 5600 Plätzen. Bis 2008 betrieb Alexander Laub das Brauereizelt von Schwabenbräu. Zum Volksfest 2006 wurde es komplett neu gestaltet und gebaut. Neben 4700 Sitzplätzen im Innenbereich bot das Festzelt Laub im Stehbereich weitere ca. 500 Stehplätze. Das Fürstenberg-Zelt ist seit 2005 ein Bierzelt mit 4200 Plätzen und wird vom Festwirt Jochen Mörz betrieben. Das Zelt bietet eine Empore für rund 370 Besucher. Vor Mörz wurde das Zelt im Zeitraum 2005 bis 2022 von Peter Brandl und in den Jahren 2023/2024 durch Moritz Haake betrieben. Bereits 2000 bis 2004 gab es mit dem 5000 Besucher fassenden Fürstenberg-Zelt von Festwirt Walter Weitmann ein viertes Großzelt auf dem Wasen. Das Göckelesmaier-Zelt bietet 4100 Plätze und schenkt die Biermarke Wulle aus. Der Ursprung liegt im Festzelt des Festwirts Maier ab 1938. Seit 1949 war der damalige Maiers Karle aufgrund seiner Spezialität Brathähnchen als Göckelesmaier bekannt. 2009 erhielt das Zelt seinen derzeitigen Standplatz und erhöhte die Kapazität um 1000 Plätze. Das Festzelt der Wasenwirtin Sonja Merz wurde erstmals 2005 als Erlebniszelt Arcadia betrieben. Mit 1800 Sitzplätzen bot es Shows und Bars mit einem Wasserfall im Zelt. 2008 wurde die Einrichtung mit anderer Dekoration überarbeitet und der Wasserfall entfernt. 2009 wurde ein komplett neues Zelt mit einer Kapazität von 4600 Plätzen errichtet, das zwischen Göckelsmaier und Fürstenberg einen neuen Standplatz erhielt. Seit 2016 ist die sogenannte SchatziBar in Betrieb, eine drehende Bar im Obergeschoss des Zeltes. Im Ausschank war bis 2016 Dinkelacker. Seit 2017 wird Stuttgarter Hofbräu ausgeschenkt. Der Wasenwirt gilt als Partyzelt und schenkt Stuttgarter Hofbräu aus. Das Zelt hat eine Kapazität von 3500 Plätzen und hat seinen Standplatz direkt an der Fruchtsäule. Die Almhütte Royal wird seit 2022 von der Familie Renoldi betrieben. Es ist einer Holzhütte im alpenländischen Stil nachempfunden und mit dekorativen Holzschnitzereien versehen. Das bis 2022 "Königsalm" genannte Zelt fasst 2000 Besucher.

Ehemalige Zelte Ein unvollständiger Überblick über nicht mehr existierende Festzelte. Brauereizelt Wulle: Viertes großes Brauereizelt. Die Wulle AG wurde 1971 von Dinkelacker übernommen. Das Zelt wurde bis 1981 von der Festwirtfamilie Göckelesmaier weiter betrieben, ehe die Neuordnung mit drei Brauereizelten in Kraft trat. Seit der Saison 2020 wird im Göckelesmaier-Festzelt wieder Bier der Marke Wulle ausgeschenkt. Plochinger: Kleineres Brauereizelt der Plochinger Waldhornbräu. Das Zelt wurde nach Übernahme der Brauerei durch Stuttgarter Hofbräu nicht mehr aufgebaut. Erlebniszelt Alpirsbacher: Nachfolger am Standort des ehemaligen Plochinger. Als Erlebniszelt mit abgedunkelter Atmosphäre und integriertem Wasserfall bot das Zelt damals ein völlig neues Konzept. Arcadia: Nachfolger des Alpirsbacher Erlebniszelts. Letztmals 2008 auf dem Wasen. Wurde durch das Cannstatter Wasenzelt (mit traditionellem Konzept) ersetzt. Schwieberdinger: Kleineres Brauereizelt der Schwieberdinger Lammbräu. Das Zelt wurde nach Stilllegung der Brauerei (Übernahme durch Stuttgarter Hofbräu) nicht mehr aufgebaut. Festzelt Wienerwald: zuletzt in den 1970er Jahren. Apfelbaum: Erlebnisgastronomie für junge Besucher. Zuletzt im Jahr 2004 aufgebaut. Festzelt Betz: Kleineres, privat geführtes Zelt mit Dinkelacker-Bier im Ausschank. Festzelt Atz: Festwirte Hans und Gerd Atz, Schwaben-Bräu Stamerhof (Festwirte Familie Stamer): Auf dem Wasen gab es viele Jahre das Weinzelt von Henny und Ernst Stamer mit einer Kapazität von 300 Plätzen. Das Zelt wurde 2011 zum letzten Mal aufgestellt und durch das Württemberg Haus ersetzt. Württemberg Haus (Festwirt Marco Grenz): Direkt an der Fruchtsäule gelegen wurde 2012 erstmals das einem Bauernhaus nachempfundene Württemberg Haus aufgestellt. Es bot auf zwei Etagen rund 1000 Plätze und gehobenere Gastronomie. Seit 2013 hat das Württemberg Haus keine Genehmigung mehr. Traditioneller kulinarischer Anbieter aus Bad Cannstatt war bis 2019 das Weinzelt des Cannstatter Weingärtners Andreas Zaiß. Das Zelt besaß eine Kapazität von 550 Plätzen.Kein Weinzelt mehr beim Volksfest. In: stuttgarter-zeitung.de, 31. Juli 2020. Grandls Hofbräu-Zelt wurde zwischen 1999 und 2024 von Festwirt Hans-Peter Grandl betrieben und verfügte über 5800 Plätze. Im Grandl-Zelt spielte unter anderem das „Königlich-Württembergische Hofbräu-Regiment“. Die Musiker treten in historischen Uniformen mit Pickelhaube auf. Seit 2009 war ein großer Biergarten mit Cabrio-Dach angeschlossen: Bei schönem Wetter ließ sich das Dach des Biergartens öffnen. Attraktionen

Überblick Zu den großen Attraktionen gehören neben den Festzelten die Schaustellerbuden und Fahrgeschäfte. Aus 1054 Bewerbungen hat Volksfest-Chef Karl Kübler 2004 333 Attraktionen (Vorjahr: 302) ausgewählt. Zu den größten Attraktionen des Cannstatter Volksfestes gehörte bis einschließlich 2009 das seinerzeit größte transportable Riesenrad der Welt mit 60 Metern Durchmesser der Firma Steiger aus Bad Oeynhausen. Seit 2010 ist das Riesenrad – nachdem die Stadt Stuttgart erstmals die Lizenz an einen Wettbewerber vergab – nicht mehr auf dem Wasen vertreten. 2026 ist mit dem City Star des Wormser Unternehmens Göbel-Worms das nunmehr größte transportable Riesenrad der Welt vertreten.