Haselstauden ist seit 1902 – einem Jahr nach der Ernennung Dornbirns zur Stadt – der vierte und nördlichste Bezirk Dornbirns.

Überregional wird Haselstauden meist als Dornbirn-Haselstauden bezeichnet. Haselstauden, das über mehrere Jahrhunderte Stiglingen hieß, blickt auf eine etwa 800 Jahre lange Geschichte zurück. Heute ist der Bezirk vor allem eine Wohngegend, es gibt deutlich mehr Einwohner als Arbeitsplätze. Im westlichen Bezirksgebiet sind dennoch industrielle Strukturen aufzufinden und befindet sich ein großes Bauerwartungsgebiet für gewerbliche und industrielle Ansiedlungen („Betriebsgebiet Nord“ bzw. „Betriebsgebiet Dornbirn Nord (Pfeller)“).Diese ursprünglichen Riedflächen wurde mit dem Ausbruchmaterial des Achraintunnel aufgeschüttet und vorbelastet (Primärsetzungen). In Haselstauden leben derzeit etwa 5400 Menschen (11 % der Gesamtbevölkerung Dornbirns). im Rahmen des Webauftritts der Stadt Dornbirn.

Geografie Überblick Haselstauden liegt im Nordosten des Dornbirner Stadtgebiets. Während das Haselstauder Zentrum mit einer Höhe von noch auf etwa gleichem Niveau mit dem Dornbirner Zentrum ist, steigt das Terrain Richtung Osten immer weiter an und bildet dort eine natürliche Siedlungsgrenze. Der höchste Punkt wird in der Nähe des hohen „Nackkopfs“, der sich in relativer Nähe zum besiedelten Oberfallenberg befindet, erreicht. Im Osten, am Haselstauder Hausberg Achrain, befinden sich sämtliche der 14 Parzellen und große Flächen von weitgehend unberührtem Wald.

Das Kerngebiet ist ähnlich dicht besiedelt wie die übrigen Stadtgebiete, dennoch existieren gerade im topografisch ähnlich aufgebauten nördlichen Gebiet noch große, zusammenhängende unbesiedelte Gebiete, wie etwa der kaum bewohnte, etwa zwei Quadratkilometer große „Pfeller“. Auffallend ist die, selbst für die „Gartenstadt Dornbirn“, große Anzahl an Grünflächen und Bäumen im Kerngebiet.

Im Westen grenzt Haselstauden an den Bezirk Rohrbach, im Süden an den Bezirk Markt, im Norden an die Gemeinde Schwarzach, im Nordosten an die Gemeinde Alberschwende und im Osten an die Gemeinde Schwarzenberg.

zentriert|500px|mini|Die rot markierten Straßen – der Schwefel im Westen, die Bregenzerwaldstraße im Norden – stellen die Grenzen des Bezirks dar. In der Mitte des Bildes geht von West nach Ost Stiglingen, von Nord nach Süd die Haselstauderstraße (mit L 3 beschriftet).

Flüsse und Gewässer mini|Der Stiglbach

Der bedeutendste Fluss Haselstaudens ist der Stiglbach (seltener auch „Haselstauderbach“ – zur Namensgebung siehe Abschnitt „Geschichte“). Seine Zuflüsse entspringen auf den östlichen Anhöhen, vereinen sich am östlichen Rand der Hauptsiedlung und durchfließen in der Folge den Bezirk. Der Fluss mündet im Bezirk Rohrbach in den Fischbach, welcher selbst in die Dornbirner Ach mündet. Im Stiglbach gibt es Fischvorkommen. Der Stiglbach markiert im Norden auch eine Art „Besiedlungsgrenze“, ist das Gebiet jenseits der Hauptstraße „Stiglingen“ doch kaum bewohnt. Der Fluss wurde früher zum Gerben von Leder und zur Energiegewinnung verwendet. Heute kommt dem Fluss nur noch eine vergleichsweise geringe Bedeutung zu. So gibt es beispielsweise kaum Bade- oder Erholungsmöglichkeiten.

In der Parzelle Stüben hat ein weiterer Fluss seine Quelle, dieser fließt südlich des Stiglbachs durch Haselstauden, markiert zeitweise die Grenze zum Bezirk Markt, und mündet schließlich in unmittelbarer Nähe von dem Hauptfluss ebenfalls in den Fischbach. In Haselstauden gibt es keinen See und nur wenige Stillgewässer. Erwähnenswert ist an dieser Stelle der Löschwasserteich in der Parzelle Heilgereuthe. Es handelt sich dabei um einen recht kleinen, gestauten Teich, der früher von der Feuerwehr als Löschwasserquelle genutzt worden war. So kam er zu seinem Namen.

Parzellen Haselstauden zählt 22 Parzellen und damit mehr als jeder andere Bezirk. Alle Flurstücke liegen im östlichen Gemeindegebiet deutlich über dem Höhenniveau des Kerngebiets. Die Weiler sind auf einer Fläche verstreut, die deutlich größer ist, als die der Hauptsiedlung. Sie sind mit dem Kerngebiet und untereinander durch ein Straßennetz verbunden.

Die wichtigste, da größte und einwohnerreichste Parzelle ist das Knie, welche nach einem kurzen Anstieg vom Norden Haselstaudens aus in wenigen Minuten erreichbar ist. Sie grenzt im Westen an Schwarzach. Im Knie ist auch das Vorarlberger SOS-Kinderdorf untergebracht. Die meisten anderen Parzellen bestehen nur aus einigen wenigen Haushalten. In der östlich vom Knie gelegenen Parzelle Heilgereuthe ist eine Volksschule untergebracht, die in den 1990er Jahren renoviert wurde. Die Nachbarsparzelle Jennen beherbergt ebenso wie Winsau eine Kapelle.

Geschichte mini|Der Dorfbrunnen steht im Zentrum der ursprünglichen Haselstauder Siedlung

Vorgeschichte Über Haselstauden führte seit Alters her die alte Landstraße von Hohenems (über Haslach, Mühlebach, Achmühle, Oberdorf, Steinebach und Kehlen – Römerstraße, Suchworte: „Die Römerstraße“.), Diese Verbindung war teilweise steinschlaggefährdet (siehe Breitenberg).

Die früheste urkundliche Erwähnung Haselstaudens stammt vom 17. September 1249.Artikel aus dem Dornbirner Stadtarchiv zu Haselstauden Der damalige Papst Innozenz IV. sprach in einer Urkunde neben „Tornburon“ (Dornbirn) und „Kuun“ (der heutigen Parzelle Knie) auch von „Stiglingen“ und meinte damit das besiedelte Gebiet entlang des Stiglbachs, nicht weit vom heutigen Zentrum entfernt. Der Name leitet sich wohl von dem – überwiegend in Österreich gebrauchten – Wort Stiege, das gleichbedeutend mit Treppe ist, her. Was mit dieser Stiege aber gemeint ist, konnte nicht rekonstruiert werden. Möglicherweise wurde damit dem sehr schroffen Flussverlauf mit teilweise sehr stark abfallenden Ebenen Tribut gezollt. In einer österreichischen Zinsliste von 1431 wurde der nördliche Teil Dornbirns dagegen als „ennend dem Moos“ bezeichnet.

Neuzeit mini|Gemälde von Paul Heitinger (1841–1920) aus dem Jahr 1883. Die Kirche „Maria Heimsuchung“ steht im Zentrum des Dorfs

Etwa hundert Jahre später, im Jahr 1536, wurde erstmals der Name Haselstauden festgehalten. In einer Urkunde ist von „in der Haselstauden zu Stiglingen“ die Rede. Auf Grund dieser Formulierung kann man davon ausgehen, dass Haselstauden damals nur eine kleine Siedlung in der Nähe von Stiglingen war. Als diese Siedlung im Laufe der Zeit größer wurde, wurde der Name Haselstauden für das gesamte Gebiet angewendet. Nach 1640 wurde am Kreuzungspunkt der Landstraße, Stiglingen, Wälderstraße und der Mitteldorfgasse das Gasthaus Zur Gams (das spätere Grafenhaus) und etwas später gegenüber eine Kapelle errichtet. Dies führte zu einer Verlagerung des bisherigen Dorfzentrums (Mitteldorfgasse/Mühlegasse) zum Gasthaus und in weiterer Folge zum Bau der Pfarrkirche Dornbirn-Haselstauden („Zu unserer Lieben Frau Mariä Heimsuchung“) in der Nähe dieses Gasthauses.

In den folgenden Jahrzehnten war eine Bevölkerungszunahme durch eine steigende Auswanderung von Bewohnern der angrenzenden Berge in das Tal zu verzeichnen. Größere Bedeutung erlangte das kleine Dorf gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als mit dem Bau von Dornbirns erster (katholischer) Pfarrkirche (1792/93), der Kirche „Zu unserer Lieben Frau Mariä Heimsuchung“, begonnen wurde.

Jüngere Geschichte Dornbirn erhielt 1901 das Stadtrecht und Haselstauden wurde – zusammen mit drei anderen Stadtteilen – 1902 zum vierten Bezirk ernannt; die anderen waren Hatlerdorf, Oberdorf und Niederdorf (heute „Markt“). Seitdem hat sich die Einwohnerzahl in etwa verfünffacht. 1994 wurde der Bezirk Rohrbach aus Teilen von Haselstauden und Markt neu gegründet, auch im Südosten musste der Bezirk ein größeres Gebiet abgeben. Dies löste unter der Bevölkerung teils großen Unmut aus.

Bevölkerung Im Jahr 2012 lebten 5409 Menschen in Haselstauden, womit der Bezirk vor Oberdorf und hinter Schoren den fünften und vorletzten Platz unter Dornbirns Stadtteilen einnahm.

Die etwa 800 Jahre lange Geschichte Haselstaudens – den überwiegenden Zeitraum davon ohne direkte Verbindung zu anderen Dornbirner Siedlungen – hat dazu geführt, dass die Einwohner des Bezirks noch heute ein relativ starkes Eigenständigkeitsgefühl haben.

Die Einwohner Haselstaudens bezeichnen sich selbst scherzhaft als „Schotter“ und ihren Bezirk davon abgeleitet „Schottland“. Der Begriff „Schotter“ ist aber keineswegs von Schottland übernommen. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass ein Kaplan namens Benedikt Schott, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Haselstauden gewirkt hat, für das Eponym verantwortlich ist. Besonders in der Faschingszeit wird darauf gerne referiert. So erscheint beispielsweise jährlich eine lokale Faschingszeitung, die auf den Namen anspielt.

Wie auch im restlichen Dornbirn und Vorarlberg ist die Haselstauder Bevölkerung überwiegend römisch-katholisch. Neben der katholischen Kirche gibt es jedoch auch andere christliche Einrichtungen (siehe Abschnitt Religion) sowie eine Moschee für die Muslime.

Kultur rechts|mini|Funken in Haselstauden

Tradition In die zeitliche Periode des Faschings fallen auch zwei Veranstaltungen, die jährlich mehrere tausend Besucher anziehen. Neben dem traditionellen Funkenfeuer zählt auch der Haselstauder Faschingsumzug dazu, der zu den größten in der Umgebung zählt. Am 1. Mai, dem österreichischen Staatsfeiertag, ist Tag der Blasmusik. Die Musikanten ziehen dabei durch die Straßen und spielen Titel auf Blasinstrumenten. In unregelmäßigen Abständen findet auf dem Gelände des Fußballplatzes das „Zeltfest“ statt, bei dem regional wie auch überregional bekannte Schlager- und Volksmusikinterpreten auftreten.

Sport Der älteste Sportverein Haselstaudens ist der 1954 gegründete Dornbirner SV. Der Verein spielt aktuell (Saison 25/26) in der viertklassigen Eliteliga Vorarlberg. Anfang der 70er Jahre war er kurzzeitig in der zweithöchsten österreichischen Spielklasse vertreten. Um die Jahrtausendwende herum war der Sportklub mehrere Jahre der stärkste Fußballverein Dornbirns, auch wenn der Aufstieg in die mittlerweile drittklassige Regionalliga nicht mehr gelingen sollte. Angrenzend an das Gelände des Dornbirner Sportvereins befinden sich die Innen- und Außenanlagen des Tennisclub Haselstauden.

Im Zuge der Umbauarbeiten der Winsauer Volksschule wurde 1993 der Sportverein Winsau gegründet, der hauptsächlich sportliche Veranstaltungen für die Bewohner der Haselstauder Parzellen organisiert.

Der erfolgreichste Basketballverein Vorarlbergs, die ABC Lions, trugen einige Zeit lang ihre Erstligaspiele in der Halle der Mittelschule Haselstauden aus. Mittlerweile wird als primäre Anlage eine Halle im Dornbirner Messegelände verwendet.

Während der Weltgymnaestrada 2007 in Dornbirn wurden die Teilnehmer aus den Niederlanden auf dem Haselstauder Sportplatz untergebracht.

Infrastruktur mini|Wie im größten Teil von Dornbirn ist auf allen Haselstauder Straßen­schildern die Kennungszahl des Bezirks in römischer Schreibweise angegeben

Verkehr Verkehrstechnisch ist der Bezirk von drei Hauptstraßen geprägt. Diese umschließen auch den Hauptsiedlungskern. Die Haselstauderstraße (L 3) verbindet den Stadtteil mit dem Dornbirner Zentrum, im Bezirk Markt heißt die Straße Dr. Anton Schneider Straße. Stiglingen – ehemals Teil der Bregenzerwaldstraße – verbindet Haselstauden mit dem Autobahnanschluss Dornbirn-Nord. Im Westen ist der Schwefel, der besonders industriell von Bedeutung ist (siehe Abschnitt Wirtschaft). Da der Autobahnanschluss Dornbirn-Nord in das Bezirksgebiet fällt, war Haselstauden von einem starken Pendlerverkehr betroffen, der durch die Öffnung des Achraintunnels, der den Bregenzerwald mit der Autobahn verbindet, aber abgeschwächt wurde. Im Nordosten des Siedlungsgebiets führt die L 49 nach Alberschwende.