mini|Luppa 1839–1840 mini|Zentrum von Deutsch-Luppa am 14. Mai 2011 mini|Luppa am 19. Mai 1954 Luppa ist ein Ortsteil der Gemeinde Wermsdorf im Landkreis Nordsachsen in Sachsen. Luppa liegt an der Bundesstraße 6 zwischen Leipzig und Dresden in der Nähe der Bundesautobahn 14. mini|Straße zur Bockmühle 1986
Geschichte Luppa besteht aus zwei Straßendörfern mit Plangewannfluren auf einer Fläche von 934 und 665 ha. Nach der Siedlungsform zu urteilen, handelt es sich um eine deutsche Kolonisationssiedlung in von Sorben (Wenden) besiedeltem Gebiet, welche ihren Stammnamen vom Gewässer, der die beiden Orte teilenden Luppa, entlehnt hat. 1120 kaufte Dietrich der Bedrängte 35 Hufen in Luppa von Ortolf I., Burgmann zu Döben, um sie an das Kloster Heilig Kreuz in Meißen zu geben, das 1229 weitere fünf Hufen von den Nachkommen Ortolfs erwarb.
Die Ortolfs waren offensichtlich die Gründer von Luppa, welche Reichsministeriale oder sogar Edelfreie waren. Vermutlich ist Ortolf I. nach der Zerstörung seiner in königlichem Auftrag verwalteten Burg in Döben 1117 durch Wiprecht von Groitzsch nach Luppa gekommen und hat als erfahrener Siedler und Verwalter auf dem ihm verbliebenen oder überlassenen Grundbesitz einen Neuanfang gewagt. Die Ministerialen von Luppa, wie zum Beispiel der 1317 im Meißner Dom begrabene Ritter Albert von Luppa, die zwischen 1213 und 1287 in markgräflichen Urkunden auftreten, können somit nur Lehnsmänner der Ortolfs gewesen sein. Offensichtlich hat dort durch den Zuzug deutscher Siedler, neben der Neugründung eines deutschen Dorfes eine Zusammenlegung wendischer Siedlungen stattgefunden.
Die soziale Struktur der wendischen Siedlungen hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Feudalisierung durchlaufen, die wesentlich auf die Einflüsse der Deutschen zurückzuführen war. Zur Entwicklung von Wendisch-Luppa führte vor allem die Tatsache, dass am Ort die Via Regia vorbeiführte. Während der Hussiten-Verwüstungen und des Dreißigjährigen Krieges kam es zu enormen Kriegsschäden an den Häusern und Opfern an der Bevölkerung. Politisch waren die Gemeinden zwar getrennt, aber durch die Kirchgemeinde, die Schule, den Friedhof, die Feuerwehr und die Vereine geeint.
Während der Völkerschlacht bei Leipzig war Luppa Sammellager aller Kriegsparteien – zuerst kamen die Franzosen, dann die Russen, dann Österreicher und zum Schluss die Preußen. Eine Marmortafel an der Kirche erinnert an die auf der französischen Seite gefallenen Sachsen.
Auf dem Platz östlich des Gasthofes Schwarzes Ross steht das Kriegerdenkmal für die 36 Gefallenen des Ersten Weltkrieges. 1939 wurde der Luppaer Ortsteil Radegast nach Börln umgemeindet. Vor 1945 gab es drei Tankstellen in Wendisch-Luppa. 70 Luppaer fielen im Zweiten Weltkrieg.
Am 4. Mai 1945 kam es zu Plünderungen und Vergewaltigungen durch Angehörige der Roten Armee. 150 geschändete Frauen meldeten sich auf dem Gemeindeamt wegen ansteckender Geschlechtskrankheiten. Ein Bauer, der sich schützend vor seine Töchter stellte, wurde erschossen. Dann wurde unter der Losung Junkerland in Bauernhand – jetzt rotten wir das Unkraut aus! der Luppaer Gutsbesitzer Erich Jurich entschädigungslos enteignet und sein Land an sogenannte Neubauern aufgeteilt. Am 19. Dezember 1952 wurde die LPG Eintracht Luppa gegründet.
Ab 1953 begannen auch für die Neubauern die von der SED betriebenen Zwangskollektivierungen. Doch die Bauern wehrten sich – und so wurden mithilfe der mit Bussen herbeigeschafften und entsprechend instruierten Arbeiter aus Leipzigs Kirow-Werk die einheimischen Bauern in Propagandaveranstaltungen mundtot gemacht, deren Sprecher verhaftet und ins Zuchthaus Waldheim verschleppt. Bis 1958 wurden die Lebensmittel wie Butter, Zucker, Fett und Fleisch nur auf Lebensmittelmarken abgegeben. Im Herbst 1960 wurde auf dem ehemaligen Turnplatz ein neues Feuerwehrhaus für die Freiwillige Feuerwehr errichtet und im Mai 1963 feierlich eingeweiht. Am 25. März 1960 gab es in Luppa keine freien Bauern mehr. Danach wurden große Stallanlagen für mehrere hundert Rinder und Tausende von Schweinen errichtet.
Am 1. Januar 1974 wurden Calbitz und Malkwitz nach Luppa eingemeindet.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
Die Friedliche Revolution in der DDR brachte für Luppa einschneidende Veränderungen. Die Ställe der ehemaligen LPG standen leer und wurden teilweise abgerissen. Neue Eigenheime entstanden. Bau- und Handwerkerfirmen sowie Fuhrunternehmen siedelten sich an.
Der letzte Bürgermeister Peter Lehmann war gegen die vom Land Sachsen verordnete Unselbständigkeit der Gemeinde Luppa und vermutete hinter der am 1. Januar 1999 in Kraft tretenden Gemeindereform eine politisch anrüchige Intrige der CDU-Landesregierung Sachsens, da damit alle die Bürgermeister politisch wirkungslos wurden, die nicht Mitglied der Regierungspartei waren. Seine Kandidatur für die PDS 2001 als Bürgermeister der neuen Gemeinde Wermsdorf blieb erfolglos. Sein Amtsvorgänger, der Ex-Bürgermeister Frank Kuhnitzsch hatte ihm öffentlich am 2. Juni 1998 in der entscheidenden Sitzung zur Eingemeindung nach Wermsdorf im Beisein des Wermsdorfer CDU-Bürgermeisters Bernd-Dieter Lehmann völlige Untätigkeit vorgeworfen, und ein anderer Gemeinderat vertrat dort sogar die Ansicht, dass die Eigenständigkeit Luppas das größere Übel sei. Am 1. Januar 1999 wurde Luppa schließlich nach Wermsdorf eingemeindetStBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999 und verlor seine politische Selbstständigkeit. mini|Luppa Mitte des 18. Jahrhunderts
Entwicklung der Einwohnerzahlen Jahr Einwohner 1834: 124 1871: 129 1890: 153 1900: 244 1933: 267 1950: 301 1964: 213 1984: 219 1989: 222 1992: 214
Deutsch-Luppa Die Deutschgründung ist an der Ausrichtung der Dreiseithöfe zur Straße erkennbar. Verschiedene Ortsnamen in der Geschichte waren: 1213: Albertus de Luppe 1215: Albertus de Luppa 1445: Deutsche Loppe 1460: Dewtsche Lope 1552: Deutzschen Luppa 1939: Luppa Bis 1554 war Luppa dem Kloster Heilig Kreuz (Meißen) abgabepflichtig. Am 15. September 1554 wurde Heinrich von Schleinitz auf Börln vom Kurfürst August mit dem Dorfe Deutschen Luppa mit dem Pfarr- und Kirchenlehn, ferner mit etlichen Zinsen von Windischen Luppa belehnt. 1939 wurde der Deutsch-Luppaer Ortsteil Radegast nach Börln umgemeindet. 1974 wurde Calbitz und Malkwitz nach Luppa eingemeindet. 1999 wurde Luppa in die Gemeinde Wermsdorf eingemeindet.
Wendisch-Luppa Verschiedene Ortsnamen in der Geschichte waren: 1229: Windisclup 1445: Windische Loppe 1590: Wendischen Luppa 1940: Altluppa – die Streichung des Namensteils Wendisch erfolgte im Zuge der nationalsozialistischen Germanisierung von Ortsnamen Der Herrensitz des Gründers Ortolfs des I. ist in Wendisch-Luppa zu suchen, da der gesamte Besitz bis auf die oben genannten geringen klösterlichen Anteile bis ins 16. Jahrhundert in weltlicher Grundherrschaft verblieben und mit immerhin 35 Vollbauernstellen einen nicht unerheblichen Besitz darstellte. 1900 hatte Wendisch-Luppa 292 Einwohner in 59 Häusern. 1935 wurde Wendisch-Luppa nach Deutsch-Luppa eingemeindet.
Die Luppa Der Gewässername Luppa ist erst seit 1860 gebräuchlich. Bis dahin wurde der kleine Bach als Bruch-Bach bezeichnet. Die Luppa hat ihre Quellen am Luppaer Kirchenwald und an den Irmrichwiesen. Die Luppa fließt zwischen Wendisch – Luppa und Deutsch – Luppa als Grenzfluss hindurch nach Malkwitz, an Calbitz vorbei nach Neuböhla, dann nach Wellerswalde und Leisnitz durch den Lampertswalder Park in die Dahle.
Der Pastorenstreit mit Börln 1684–1815 1684 liefen des Luppaer Pastors Scheukers Ochsen über eine Wiese der Grundherrschaft Börln, dessen Kirchenpatron Friedrich von Döring diese darauf einbehielt und vom Pastor sechs Taler für Futter und Standgeld verlangte. Es kam zum Gerichtsstreit und zur gerichtlichen Einigung zwischen 1684 und 1687. 1710 bat der Pfarrer nach wiederholter Absage durch von Döring den Kurfürsten um Untersuchung und Hilfe, da dem Patron der Zustand der Kirche offenbar völlig gleichgültig war. 1712 riss ein Sturm enorme Schäden und der Patron verweigert dem Pfarrer wiederum sämtliche Hilfe und Unterstützung, so dass der Pfarrer sich wiederum hilfesuchend an den Kurfürsten wenden musste.
Als nun der Patron von Döring sich von der Kirche 150 Taler leihen wollte, wurde ihm das vom Kirchenvorstand versagt. Der Baron war darüber derart verärgert, dass er beim Konsistorium eine erfundene Anklage gegen die Pastoren von Börln und Luppa erhob. Die Anklage wurde jedoch aus vollkommener Grundlosigkeit abgelehnt. 1726 starb der Patron und übertrug seinen Hass auf die Pfarrer von Luppa und Börln auf seine Nachkommen Ernst August und Christian Friedrich von Döring. Erst am 22. November 1815, also 131 Jahre später, wurde zwischen dem Luppaer Pfarrer M. Wendler und dem Rittergutsherren Baron von Pfister auf Börln der ewige Streit durch einen Vergleich beendet.
Namensdeutung Die Urkundensprache der Ersterwähnungsurkunde von 1213 ist Mittelhochdeutsch und nicht Slawisch. Erwähnt wurde Albertus de Luppe. Im Mittelhochdeutschen bedeutet Luppe Salbe oder Arznei. Die oft erwähnte Deutung des neusprachlichen Luppa über das wendische clup als Holzscheit ist genauso ideologisch verbrämt, wie die von den Nationalsozialisten 1940 vorgenommene Streichung von Wendisch – Luppa und Umbenennung in Alt – Luppa. Es ist unschwer feststellbar, dass ein Holzscheit mit dem Gewässernamen Luppa in keiner Semantik steht. Da aber Drogenauszüge durchaus mit Wasser verdünnt werden, ist eine Beziehung von Luppe als Ort am Bach Luppa, an dem Medizin und Salbe hergestellt wurde, eher vorstellbar. Noch von 1972 bis 1990 wurde von Mai bis September am Fuße des Collmberges durch den ehemaligen VEB Heilkräuter Oschatz das uralte Heilkraut, die Echte Kamille geerntet und davon Drogenauszüge hergestellt.
Evangelisch-Lutherische Kirche Luppa mini|Die Kirche Luppa aus dem 13. Jahrhundert mit romanischer Apsis am 14. Mai 2011
1220 wurde der heute verputzte Bruchsteinbau als ecclesia erwähnt. Während der Hussiten-Verwüstungen wurde die Kirche Luppa zerstört und danach wieder restauriert. Am 10. Mai 1434 wurde ein Altar zu Ehren der Jungfrau Maria, des Heiligen Laurentius und der Heiligen Agnes geweiht. Ob der heute sichtbare Altar immer noch der alte aus 1434 ist, kann nicht mehr genau festgestellt, aber auch nicht ausgeschlossen werden, er wird in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert. Umbauten erfolgten 1628 und von 1730 bis 1734. Der Bildhauer Christian Friedrich Conrad aus Calbitz fertigte 1730 die Kanzel über dem Altar und die Malerei lieferte Achatius Carl Porsch aus Wurzen. 1835 machte die Kirche lichtvoll und änderte Emporen und Kirchengestühl. 1872 erfolgte ein Umbau und Sakristeieinbau durch Hugo Altendorff aus Leipzig. Von 2006 bis 2008 wurde die romanische Kirche mit dem markanten 54 m hohen Turm umfassend saniert. Die dafür erforderlichen Mittel brachte die Gemeinde selbst auf. So wurden im Fußboden des Altarraumes Natursteinplatten verlegt, Malerarbeiten ausgeführt und eine neue Bestuhlung eingebaut. Restauratoren überarbeiteten das Deckengemälde, und dem Innenraum wurde die romanische Apsis zurückgegeben. Am 18. Mai 2008 wurde die sanierte Kirche durch Superintendenten Albrecht Schmidt wieder eingeweiht.
Das Gemeindeaufbauprojekt Kirche – Kunst – Kultur wurde vom Kirchenvorstand in Zusammenarbeit mit dem Bildungs- und Kulturförderverein Sachsen e. V. initiiert, um so religiöse Impulse aus der Kirche in die Gemeinde zu tragen.
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