Nieder-Werbe ist ein Stadtteil der Stadt Waldeck im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg und staatlich anerkannter Erholungsort.Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung: 81. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 13. Oktober 2015. Staatsanzeiger für das Land Hessen 7/2016 Seite 218

Geografie Das Dorf befindet sich etwa 4 km westlich der Waldecker Kernstadt am Nordrand des Naturparks Kellerwald-Edersee. Es liegt am Nordende des größten Seitenarms des Edersees an der Einmündung der von Nordwesten kommenden Werbe und des von Nordosten kommenden Reiherbachs in jeweils ein Vorbecken des Stausees. Dieses Seitental teilt die beiden nördlichen Teilflächen des Nationalparks Kellerwald-Edersee an den Hängen des Edertrogs.

Unweit nördlich des Dorfs befindet sich am Südfuß des Großen Dörnbergs (372,0 m) ein aufgegebener Steinbruch mit eindrucksvollem Profil der einstigen Küste des Zechsteinmeers.

Zum Ort gehört auch die Halbinsel Scheid. Hier befinden sich Campingplätze und Ferienwohnungen, ein Badestrand mit Liegewiese und Spielplatz, Gasthöfe sowie eine Anlegestelle für die Personenschifffahrt.

Geschichte mini|Evangelische Dorfkirche (Baujahr 1914)

Bereits in vorgeschichtlicher Zeit siedelten in der Gegend des heutigen Nieder-Werbe Menschen, wie zwei Wallanlagen aus der La-Tène-Zeit (ca. 500 v. Chr.) bezeugen.

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Nieder-Werbe erfolgte unter dem Namen inferiori Werphe im Jahr 1196 in einer Urkunde des Erzbistums Mainz. Der Ort gehörte abwechselnd zu den Klöstern Berich, Netze und Werbe.

Als von 1908 bis 1914 die Edertalsperre gebaut wurde, änderte sich auch für Nieder-Werbe vieles. Zehn Höfe und die Kirche mussten dem Stausee weichen. Nach dem Bau der Sperrmauer entwickelte sich allerdings der Fremdenverkehr im Ort zum heute wichtigsten Wirtschaftszweig.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 1. Oktober 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Alraft, Höringhausen, Netze und Nieder-Werbe sowie die beiden Städte Sachsenhausen und Waldeck auf freiwilliger Basis zur neuen Stadt Waldeck. Als Sitz der Verwaltung wurde der Stadtteil Sachsenhausen bestimmt. Für alle eingegliederten, ehemals eigenständigen, Gemeinden von Waldeck wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Nieder-Werbe angehört(e):

vor 1356: Heiliges Römisches Reich, Herrschaft Itter 1356–1590: Heiliges Römisches Reich, Landesherrschaft strittig zwischen Landgrafschaft Hessen, Kurmainz und Grafschaft Waldeck, Herrschaft Itter ab 1590: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Waldeck, Amt Waldeck ab 1712: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Waldeck, Amt Waldeck ab 1806: Fürstentum Waldeck, Amt Waldeck ab 1814: Fürstentum Waldeck, Oberamt der Eder ab 1816: Fürstentum Waldeck, Oberjustizamt der Werbe ab 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont (ab 1848), Kreis der EderTrennung zwischen Justiz (Kreisgericht Wildungen) und Verwaltung. ab 1867: Fürstentum Waldeck-Pyrmont (Akzessionsvertrag mit Preußen), Kreis der Eder ab 1871: Deutsches Reich, Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis der Eder ab 1919: Deutsches Reich, Freistaat Waldeck, Kreis der Eder ab 1929: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis der Eder ab 1942: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Waldeck ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck, Stadt Waldeck ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg, Stadt Waldeck

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Nieder-Werbe 498 Einwohner. Darunter waren 6 (1,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 54 Einwohner unter 18 Jahren, 183 zwischen 18 und 49, 126 zwischen 50 und 64 und 136 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 279 Haushalten. Davon waren 108 Singlehaushalte, 84 Paare ohne Kinder und 57 Paare mit Kindern, sowie 21 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 72 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 159 Haushaltungen leben keine Senioren.

Einwohnerentwicklung

 Quelle: Historisches Ortslexikon 1541: 28 Häuser 1620: 34 Häuser 1650: 14 Häuser 1738: 19 Wohnhäuser 1770: 30 Häuser, 161 Einwohner

Historische Religionszugehörigkeit • 1895: 226 evangelische (= 99,56 %), ein katholischer (= 0,44 %) Einwohner • 1961: 296 evangelische (= 86,80 %), 41 katholische (= 12,20 %) Einwohner

Infrastruktur Nieder-Werbe verfügt über ein Heimatmuseum, zwei Hotels, einige Ferienhäuser und mehrere Ferienwohnungen. Westlich der Ortschaft befindet sich eine Sommerrodelbahn.

Regelmäßige Veranstaltungen Seit Anfang der 1970er Jahre wird am Reiherbach-Vorbecken ein Wasser- und Lichterfest gefeiert. Das Osterfeuer an Karsamstag wird alljährlich von der Landjugend Nieder-Werbe ausgerichtet. Der SV Werbetal richtet ein Kleinfeldturnier, Drachenbootrennen und ein Dorffest aus. Ein Fackelwanderung wird jedes Jahr im Dezember durch den Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr ausgerichtet.

Persönlichkeiten Friedrich Wilhelm Muth (1783–1851), deutscher Gutsbesitzer, Richter und Politiker Heinrich Döring (1823–1891), 1856 bis 1873 Bürgermeister von Nieder-Werbe und Landtagsabgeordneter. Karl Weinreich (1886–1959), deutscher Landwirt und Politiker (Wirtschaftliche Vereinigung)

Literatur Bau- und Kunstdenkmäler Kassel N.F. 4, S. 254f. Jörg Schüttler: Nieder-Werbe. Arolsen: Waldeckischer Geschichtsverein 1997 (= Waldeckische Ortssippenbücher 56); Bearbeiteter Zeitraum 1666–1985, 1332 Familien

Weblinks

Nieder-Werbe In: Webauftritt der Stadt Waldeck.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Waldeck-Frankenberg Kategorie:Geographie (Waldeck, Stadt) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Waldeck-Frankenberg) Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Staatlich anerkannter Erholungsort in Hessen Kategorie:Ersterwähnung 1196