Heinrich Gomperz (* 18. Jänner 1873 in Wien; † 27. Dezember 1942 in Los Angeles) war ein österreichischer Philosoph. Er war ein Sohn des Philosophen und Philologen Theodor Gomperz.
Leben Gomperz studierte ab 1891 Jura an der Universität Wien. Zwischenzeitlich hörte er in Berlin Kirchengeschichte bei Adolf Harnack. Danach hörte er wieder in Wien Klassische Philologie und Philosophie. Er promovierte 1896 bei Ernst Mach mit dem Thema Zur Psychologie der logischen Grundtatsachen. Die Habilitation erfolgte 1900 in Bern mit dem Thema Die Welt als geordnetes Ereignis.
Von 1905 an arbeitete er in Wien als Privatdozent, bis er 1920 eine Stelle als außerordentlicher Professor und von 1924 bis 1934 als ordentlicher Professor für Philosophie mit dem Schwerpunkt für antike Philosophiegeschichte bekleidete. In dieser Zeit stand er in Verbindung zum Wiener Kreis. Gomperz gilt als später Vertreter des Empiriokritizismus.
Nach der austrofaschistischen Machtergreifung weigerte er sich, der Vaterländischen Front beizutreten und wurde daraufhin unter Anwendung des neu erlassenen Abbaugesetzes zwangsemeritiertBrigitte Lichtenberger-Fenz (2004): Österreichs Universitäten 1930 bis 1945. In: Friedrich Stadler: Kontinuität und Bruch. 1938 - 1945 - 1955. S. 69–82. . 1935 emigrierte er mit Hilfe von F. C. S. Schiller in die USA, wo er an der University of Southern California in Los Angeles eine Gastprofessur bis zu seinem Tode innehatte. In Karl Kraus’ Die letzten Tage der Menschheit wird Gomperz in Szene 0/3 des Vorspiels (im Café Pucher) als Gast erwähnt.
Er war verheiratet mit der Innenarchitektin Adele „Ada“ Stepnitz (* 11. Dezember 1884 in Wien; † zwischen 12. und 15. Juni 1954 im Pazifik vor Los AngelesLos Angeles Evening Citizen News, 15. Juni 1954, S. 9.).
Schriften Grundlegung der neusokratischen Philosophie. 1897 Kritik des Hedonismus. 1898 Die Lebensauffassung der griechischen Philosophen und das Ideal der inneren Freiheit. 1904 Weltanschauungslehre. 2 Bde. 1905/1908 Das Problem der Willensfreiheit. 1907 Sophistik und Rhetorik. 1912 Philosophie des Krieges in Umrissen. 1915 Psychologische Betrachtungen an griechischen Philosophen. 1924 Die indische Theosophie. 1925 Über Sinn und Sinngebilde, Erklären und Verstehen. 1929 Philosophical Studies. 1953
Literatur
Martin Seiler & Friedrich Stadler (Hrsg.): Heinrich Gomperz, Karl Popper und die „österreichische Philosophie“. Rodopi, Amsterdam 1994, ISBN 978-9051836325.
Utz Maas: Verfolgung und Auswanderung deutschsprachiger Sprachforscher 1933–1945. Eintrag Heinrich Gomberz (abgerufen: 13. April 2018). Luke O’Sullivan: Heinrich Gomperz and „Vienna Contextualism“: Historical Epistemology and Logical Empiricism. In: Contributions to the History of Concepts, Bd. 17 (2022), Heft 2.
Weblinks
Die Wissenschaft und die Tat - archive.org (PDF; 2 MB)
Einzelnachweise
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