Der HK Lokomotive Jaroslawl (/Chokkejnyj Klub Lokomotiw Jaroslawl) ist ein 1959 gegründeter Eishockeyklub aus der russischen Stadt Jaroslawl. Der Verein gehört seit 2012 wieder der Kontinentalen Hockey-Liga an. Nach einem Flugzeugabsturz im September 2011, bei dem nahezu die gesamte Mannschaft ums Leben kam, wurde im Spielbetrieb der Wysschaja Hockey-Liga eine neue Mannschaft aufgebaut. Lokomotive Jaroslawl befindet sich im Besitz der Russischen Eisenbahngesellschaft Rossijskije schelesnyje dorogi.RIA Novosti
Die Vereinsfarben des Klubs, der in der 9070 Zuschauer fassenden und im Jahr 2001 fertiggestellten Arena 2000 beheimatet ist, sind Rot, Weiß und Blau. In seiner über 50-jährigen Geschichte feierte der als JaMZ Jaroslawl gegründete Verein in den Jahren 1997, 2002 und 2003 insgesamt drei russische Meistertitel. 2025 und 2026 gewann das Team den Gagarin-Pokal. Des Weiteren stehen ein russischer Vizemeistertitel aus dem Jahr 2008 und zwei KHL-Vizetitel aus 2009 und 2024 zu Buche.
Geschichte In Jaroslawl waren zunächst Mannschaften wie Lokomotive Jaroslawl (1949–1955), Spartak Jaroslawl (1955–1956) und Chimik Jaroslawl (1956–1957) aktiv, die alle an der regionalen Meisterschaft der Russischen SFSR teilnahmen. 1959 wurde aus dem lokalen Motorenwerk JaMZ heraus die Mannschaft JaMZ Jaroslawl gegründet, die zunächst an der regionalen Spielklasse der Sowjetunion, der Klass B, teilnahm. In den folgenden Jahren etablierte sich das Team innerhalb der Spielklasse, bevor es 1963 in Trud Jaroslawl und 1964 in Motor Jaroslawl umbenannt wurde.
In der zweiten und dritten Liga (1965–1987) miniatur|links|Torpedo Jaroslawl gegen Salawat Julajew Ufa, 1983 1965 erhielt der Verein erneut einen neuen Namen, den er bis zum Jahr 2000 tragen sollte – Torpedo Jaroslawl. Zudem begann der Bau eines offenen Eisstadions, das während der Saison 1966/67 fertig gestellt wurde und später Sportpalast Awtodisel hieß. Torpedo gewann 1967 die Meisterschaft seiner Gruppe der Klass B und realisierte damit den Aufstieg in die dritte Spielklasse, die Klass A, 3. Gruppe. Zwei Jahre später gewann Torpedo die West-Staffel der Klass A, 2. Gruppehockeyarchives.ru, 1968/1969 23-й ЧЕМПИОНАТ СССР, konnte aber aufgrund einer Verkleinerung der 1. Gruppe der Klass A nicht in diese aufsteigen. Durch eine weitere Ligenreform 1970 wurde Torpedo in die dritte Spielklasse eingeteilt, die damals Wtoraja Liga hieß. In den folgenden Jahren belegte die Mannschaft meist mittlere Plätze dieser Spielklasse, ehe mit dem Gewinn der West-Staffel der Wtoraja Liga 1983hockeyarchives.ru, 1982/1983 37-й ЧЕМПИОНАТ СССР der Aufstieg in die zweitklassige Perwaja Liga gelang. In der ersten Spielzeit dieser Spielklasse gelang Torpedo mit dem achten Platz gleich die Etablierung auf dieser Ligenstufe. 1987 erreichte der Verein den ersten Platz in der West-Staffel nach der Hauptrunde und qualifizierte sich damit für das Aufstiegsturnier.hockeyarchives.ru, 1986/1987 41-й ЧЕМПИОНАТ СССР Dieses schloss Torpedo mit dem ersten Platz ab und stieg damit zum ersten Mal in die höchste Spielklasse der Sowjetunion auf, die damalige Wysschaja Liga.
Etablierung in der höchsten Liga (1987–1997) Zwischen dem Aufstieg 1987 und der letzten Spielzeit der sowjetischen Meisterschaft belegte Torpedo meist hintere Plätze, außer 1990, als Torpedo in der Meisterrunde den siebten Platz unter 16 Teilnehmern belegte. Bekannte Torpedo-Spieler dieser Zeit waren Alexander Sybin, Wjatscheslaw Uwajew, Dmitri Juschkewitsch, Andrei Schukow, Igor Maslennikow, Sergei Saizew, Witali Karamnow. In der Saison 1990/91 gelang eine ähnlich gute Platzierung, als Torpedo in der Vor- und Meisterrunde jeweils den siebten Platz belegte.
1992 wurde die Internationale Hockey-Liga gegründet und Torpedo in diese aufgenommen. Torpedo erreichte in den folgenden vier Jahren jeweils die Playoffs, wobei 1995 der Gewinn der Vorrundenstaffel West gelang. In den Playoffs scheiterte die Mannschaft jeweils entweder im Achtel- oder im Viertelfinale.
1996 wurde die Internationale Hockey-Liga in die Russische Eishockeymeisterschaft überführt, die später in Superliga umbenannt wurde. Die erste Spielzeit der reformierten Spielklasse wurde von Torpedo Jaroslawl, Ak Bars Kasan und dem HK Lada Toljatti dominiert. Diese drei Teams belegten die ersten drei Plätze der Finalrunde und waren somit für die Playoffs favorisiert. In diesen besiegte Torpedo zunächst Neftechimik Nischnekamsk mit 2:0, im Viertelfinale HK Dynamo Moskau mit 2:0, im Halbfinale Salawat Julajew Ufa mit 2:0 und qualifizierte sich damit für das Playoff-Finale gegen Lada Toljatti. Auch die Finalserie gewann Torpedo ohne Niederlage mit 3:0 gegen Ladahockeyarchives.ru, 1996/1997 ЧЕМПИОНАТ РОССИИ und erreichte damit den größten Erfolg der Vereinsgeschichte, den russischen Meistertitel. Großen Anteil an diesem Erfolg hatten die Stürmer Andrej Skabelka, Alexei Gorschkow, Aleksandrs Ņiživijs und Witalij Lytwynenko sowie Torhüter Jegor Podomazki, der in neun Playoff-Spielen drei Shutouts und einen Gegentorschnitt von 0,98 erreichte.
Russischer Meister 199780px|Logo von Torpedo JaroslawlTorhüter: Oleg Bratasch, Jegor Podomazki
Verteidiger: Alexei Amelin, Michail Donika, Ilja Gorochow, Uladsimir Kopaz, Dmitri Krassotkin, Oleg Polkownikow, Sergei Schukow, Andrei Sobolew, Alexei Wassiljew
Angreifer: Wladimir Antipow, Alexander Ardaschew, Sergei Gorbatschow, Alexei Gorschkow, Anatolij Koweschnikow, Roman Ljaschenko, Witalij Lytwynenko, Aleksandrs Ņiživijs, Wladimir Samylin, Denis Schwidki, Andrej Skabelka, Alexei Trasseuch, Sergei Tschernjawski, Dmitri Wlassenkow
Trainerstab: Pjotr Worobjow, Nikolai Kasakow
Zeit als Spitzenmannschaft (1997–2001) Aufgrund des Meistertitels 1997 qualifizierte sich Torpedo für die European Hockey League 1997/98, wobei das Team mit fünf Siegen aus sechs Spielen die Gruppe D gewann und sich im Viertelfinale gegen den HK Lada Toljatti durchsetzte. Im Halbfinale, das im Rahmen des Final Four ausgetragen wurde, unterlag Torpedo dem HD Dynamo Moskau mit 0:1.hockeyarchives.info, European Hockey League 1997/98 In der russischen Meisterschaft der Saison 1997/98 belegte Torpedo den ersten Platz der Staffel West und wurde Dritter der Finalrunde, wobei keine Playoffs ausgetragen wurden. Stattdessen wurde ein Pokalwettbewerb gespielt, bei dem Torpedo das Halbfinale erreichte. Ein Jahr später erreichte die Mannschaft nach einem fünften Platz in der Hauptrunde das Playoff-Halbfinale, in dem sie dem HK Metallurg Magnitogorsk mit 1:3 unterlag und die Saison auf dem dritten Platz beendete. miniatur|250px|Logo der Rossijskije schelesnyje dorogi
1998 nahm Torpedo am IIHF Continental Cup teil und war als gastgebende Mannschaft der Halbfinal-Gruppe P automatisch für diese qualifiziert. Mit zwei Siegen und einer Niederlage belegte Torpedo den zweiten Platz der Gruppe, während der Gruppensieger, der HK Awangard Omsk, in das Finale einzog. In der russischen Meisterschaft gehörte Torpedo Jaroslawl weiter zu den Spitzenteams und erreichte 199 den vierten sowie 2000 den fünften Platz in der Meisterschaft. Im Jahr 2000 wurde der Verein zudem in Lokomotive umbenannt, da die russische Eisenbahn Rossijskije schelesnyje dorogi Haupteigentümer des Klubs wurde.
Meistertitel 2002 Vor der Saison 2001/02 wurde mit dem Tschechen Vladimír Vůjtek das erste Mal ein nicht-russischer Trainer verpflichtet. Dieser baute die Mannschaft um und verpflichtete Leistungsträger wie Andrei Kowalenko, Jan Peterek, Iwan Tkatschenko, Wadym Schachrajtschuk, Alexander Guskow sowie im Saisonverlauf Martin Štrbák. Zudem erweiterte er die Mannschaft um Nachwuchsspieler wie Alexander Suglobow, Denis Grebeschkow und Artjom Krjukow. Die so veränderte Mannschaft war schnell erfolgreich und dominierte die Hauptrunde der russischen Meisterschaft mit 37 Siegen bei 6 Unentschieden und 8 Niederlagen. In den Playoffs setzte sie sich im Viertelfinale mit 3:0 gegen Krylja Sowetow Moskau, im Halbfinale mit 3:0 gegen Metallurg Magnitogorsk und im Finale mit 3:0 gegen Ak Bars Kasan durch und gewann den zweiten Meistertitel der Vereinsgeschichte. In den Playoffs gelangen der Mannschaft neun Siegen in Folge, in denen die Mannschaft nur 9 Gegentore erhielt und selbst 28 Tore erzielte. Folgerichtig erhielten mit Trainer Vladimír Vůjtek, Stürmer Andrei Kowalenko, Torhüter Jegor Podomazki und Alexei Amelin individuelle Auszeichnungen der russischen Liga.
Russischer Meister 200280px|Logo von Lokomotive JaroslawlTorhüter: Andrei Malkow, Jegor Podomazki
Verteidiger: Alexei Amelin, Ilja Gorochow, Denis Grebeschkow, Alexander Guskow, Dmitri Krassotkin, Juri Kusnezow, Sergei Schukow, Andrei Sobolew, Martin Štrbák, Alexei Wassiljew
Angreifer: Wladimir Antipow, Alexander Ardaschew, Anton But, Wjatscheslaw Buzajew, Sergei Koroljow, Andrei Kowalenko, Artjom Krjukow, Iwan Neprjajew, Jan Peterek, Konstantin Rudenko, Wladimir Samylin, Wadym Schachrajtschuk, Sergei Schukow, Alexander Skugarew, Alexander Suglobow, Iwan Tkatschenko, Dmitri Wlassenkow, Pawel Worobjow
Cheftrainer: Vladimír Vůjtek
Meistertitel 2003 Im Sommer 2002 gelang es dem Management von Lokomotive, den Meisterkader zusammenzuhalten und verpflichtete Ergänzungsspieler wie Juri Buzajew und Sergei Nemtschinow. Vladimír Vůjtek ergänzte das Team erneut um Nachwuchsspieler wie Grigori Schafigulin, Andrei Perwyschin und Konstantin Glasatschow und formte dabei erneut eine erfolgreiche Mannschaft, die die Hauptrunde der Spielzeit 2002/03 auf dem ersten Platz mit elf Punkten Vorsprung abschloss. Dabei gelangen der Mannschaft 34 Siege bei 7 Unentschieden und zehn Niederlagen. Insgesamt erzielte Lokomotive 163 Tore und war damit zusammen mit dem HK Awangard Omsk die torgefährlichste Mannschaft der Liga. Zudem nahm Lokomotive im Januar 2003 am Finalturnier des Continental Cups teil, welches sie auf dem zweiten Platz hinter Jokerit Helsinki abschloss.
In den Superliga-Playoffs besiegte das Team Salawat Julajew Ufa in der ersten Runde mit 3:0, Lada Toljatti im Halbfinale mit 3:0 und traf damit in der Finalserie auf Sewerstal Tscherepowez. Lokomotive gewann die ersten beiden Spiele der Serie mit 3:1 respektive 4:1, ehe Sewerstal sich in der dritten Partie mit 4:2 durchsetzte. Im vierten Finalspiel gelang Lokomotive mit dem 4:0-Erfolg der entscheidende dritte Sieg und gewann damit den zweiten Meistertitel in Folge. Leistungsträger des Teams waren die Stürmer Wjatscheslaw Buzajew, Andrei Kowalenko, Wladimir Antipow, Verteidiger Alexander Guskow sowie Torhüter Jegor Podomazki. Kowalenko, Guskow und Podomazki erhielten nach Saisonende die jeweiligen Spieler-Trophäen.
Russischer Meister 200380px|Logo von Lokomotive JaroslawlTorhüter: Andrei Malkow, Jegor Podomazki
Verteidiger: Ilja Gorochow, Denis Grebeschkow, Alexander Guskow, Jewgeni Koroljow, Dmitri Krassotkin, Andrei Perwyschin, Radim Tesařík, Alexei Wassiljew
Angreifer: Wladimir Antipow, Anton But, Juri Buzajew, Wjatscheslaw Buzajew, Konstantin Glasatschow, Andrei Kowalenko, Sergei Nemtschinow, Iwan Neprjajew, Jan Peterek, Konstantin Rudenko, Wladimir Samylin, Grigori Schafigulin, Sergei Schukow, Alexander Suglobow, Iwan Tkatschenko, Dmitri Wlassenkow, Pawel Worobjow
Trainer: Vladimír Vůjtek, Wladimir Jursinow
Nach diesem Erfolg verließ Vladimír Vůjtek den Verein, nachdem er ein hoch dotiertes Vertragsangebot von Ak Bars Kasan angenommen hatte. Das Traineramt übernahm der bisherige Co-Trainer Wladimir Jursinow, der nach einer Niederlagenserie im Oktober 2003 zunächst durch Wladimir Krjutschkow und im November durch Július Šupler ersetzt wurde. Unter Šupler konnte die Mannschaft zu alter Leistungsstärke zurückfinden und erreichte den siebten Platz der Hauptrunde. Zuvor hatte Lokomotive am Jahresende am Spengler Cup teilgenommen, bei dem das Team von Šupler den dritten Platz belegte. Im Playoff-Viertelfinale der Superliga unterlag das Team von Lokomotive Lada Toljatti mit 0:3. miniatur|hochkant|links|Spieler von Lokomotive Jaroslawl im Jahr 2009