Oberaudorf ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Rosenheim und ein staatlich anerkannter Luftkurort.Amtliches Verzeichnis der anerkannten Kurorte, Luftkurorte und Erholungsorte in Bayern

Geographie Lage Die Gemeinde liegt in den Bayerischen Voralpen und dem bayerischen Teil des Unterinntals. Oberaudorf und Niederaudorf sind durch den Lauf des westlichen Inn-Zuflusses Auerbach getrennt.

Nachbargemeinden

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Oberaudorf hat 38 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt die Gemarkungen Niederaudorf und Oberaudorf.

Natur Folgende Schutzgebiete berühren das Gemeindegebiet: Landschaftsschutzgebiet Inntal Süd (LSG-00595.01) Landschaftsschutzgebiet Inschutznahme von Landschaftsteilen des erweiterten Soinkargebietes in den Gemeinden Brannenburg, Flintsbach am Inn und Oberaudorf (LSG-00223.01) Landschaftsschutzgebiet Schutz des Auerbachtales einschl. Regau (am Förchenbach) und Bichlersee, Gemeinden Niederaudorf, Oberaudorf, Flintsbach und Kiefersfelden (LSG-00047.01) Geotop und Naturdenkmal Wasserfälle am Tatzelwurm (87R003) Geotop und Naturdenkmal Findling Grauer Stein (87R007)

Geschichte mini|Oberaudorf (damals Oberaudorf am Inn genannt) um 1910 hochkant|mini|Pfarrkirche Unsere Liebe Frau hochkant|mini|Filialkirche St. Michael in Niederaudorf Besiedlungsspuren in der Gemarkung Audorf reichen zurück bis in die Bronzezeit. Erstmals erwähnt wird der Ort im Jahr 780 als UrdorfGemeinde Oberaudorf: Geschichtliche Entwicklung. Aufgerufen am 24. Februar 2017. in einer Schenkungsurkunde an das Hochstift Freising. Den bayerischen Herzögen gelang es, die Herren im Mangfallgau, die Grafen von Falkenstein, ab 1244 aus ihren Besitzungen und Herrschaften zu verdrängen und ihre eigene Herrschaft im Inntal auszubauen. Erstmals erwähnt wird die über Oberaudorf liegende Auerburg im Wittelsbacher Hausvertrag von Pavia 1329. Um 1350 wurde die Auerburg schon als Gericht und Amtssitz eines Pflegers genannt. Seit dem 15. Jahrhundert wurde der Gerichtsbezirk in die Hauptmannschaften Kiefersfelden, Nieder- und Oberaudorf sowie Fischbach gegliedert. Nach dem Landshuter Erbfolgekrieg (1503–1505) gingen die Gerichte Kufstein, Kitzbühel und Rattenberg an die Habsburger verloren. Die Auerburg war von nun an Grenzveste zu Tirol und wurde entsprechend nochmals verstärkt. Im österreichischen Erbfolgekrieg eroberten österreichische Truppen am 4. Mai 1743 Oberaudorf und die Auerburg. Nach dem Frieden von Füssen 1745 wurde die Festung 1747 durch Kitzbüheler Bergknappen geschleift. Die Napoleonische Zeit brachte zwar zahlreiche Truppendurchmärsche, aber kein Kampfgeschehen im Ort. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstanden mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinden Ober- und Niederaudorf.

19. und 20. Jahrhundert Im Jahr 1848 kam es durch die Aufhebung des Obereigentums und der Patrimonialgerichte zu Umwälzungen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Ort als Sommerfrische durch erste Urlaubsgäste entdeckt. 1857 erfolgte der Anschluss an die neue Bahnstrecke Rosenheim–Kufstein. 1868 wurde das bisherige katholische Vikariat eigene Pfarrei. Große Brände 1823 und 1857 führten zu reger Bautätigkeit. Der Ort war noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges durch Fliegerangriffe betroffen, da sich die Wehrmacht hier noch mit letzter Kraft den amerikanischen Soldaten stellte. 1988 bis 1992 entstand am Inn das Kraftwerk Oberaudorf-Ebbs.

Eingemeindungen Die Bevölkerung der Gemeinden Oberaudorf und Niederaudorf entschied sich in einer Volksbefragung am 22. November 1970 für einen Zusammenschluss der Gemeinden, der am 1. April 1971 erfolgte. Ein Teil der Gemeinde Niederaudorf wurde in die Gemeinde Flintsbach am Inn umgegliedert.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 4475 auf 5264 um 789 Einwohner bzw. um 17,6 %.

Jahr 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 20152018 Einwohner 3571 4373 4704 4816 4692 4768 4948 50335264

Politik mini|Rathaus Gemeinderat Die Gemeinderatswahl am 15. März 2020 führte zu folgendem Ergebnis:Bayerisches Landesamt für Statistik: Ergebnis der Gemeinderatswahlen 2020 – Oberaudorf Partei Sitze Stimmenanteil CSU 6 30,7 % Grüne 3 15,0 % SPD 1 3,1 % Bayernpartei 1 4,6 % Freie Wählerschaft Oberaudorf 9 46,7 % Wahlbeteiligung: 64,5 %

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Matthias Bernhardt (Freie Wählerschaft Oberaudorf). Er setzte sich bei den Kommunalwahlen am 15. März 2020 mit 68,1 % der Stimmen gegen zwei Mitbewerber durch. Aufgrund einer Vakanz des Ersten Bürgermeisterpostens trat Bernhardt sein Amt bereits am 1. April und nicht am 1. Mai 2020 an.Matthias Bernhardt vor Amtsantritt: Vom Professor zum Bürgermeister in Oberaudorf. OVB online, 16. März 2020. Bei den Kommunalwahlen am 8. März 2026 wurde Bernhardt mit 88,0 % der Stimmen wiedergewählt. Er ist Amtsnachfolger von Hubert Wildgruber (CSU, Bürgermeister von 2002 bis 2020), der aus gesundheitlichen Gründen 2020 nicht mehr zur Wahl gestanden war. Wildgruber hatte im Jahr 2002 die Nachfolge von Alois Brunner (CSU) angetreten.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten hochkant|mini|Weber an der Wand, ehemalige Einsiedelei hochkant|mini|Bäckerei am Dorfplatz Ruine der Auerburg mit Burgtormuseum Pfarrkirche Zu Unserer Lieben Frau Oberaudorf Auferstehungskirche (Oberaudorf) Filialkirche St. Michael Niederaudorf Kloster Reisach Schloss Urfahrn Historisches Gasthaus: Weber an der Wand Hofkapelle Schweinsteig: stattlicher und reich ausgestatteter Rokokobau Florianikapelle Wasserfälle am Tatzelwurm

Musikfilmtage Oberaudorf Seit 2008 veranstaltet der Verein Musikfilmtage Oberaudorf unter Leitung von Markus Aicher jährlich im Juli die Musikfilmtage.

Wirtschaft und Infrastruktur 2017 gab es nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 10, im produzierenden Gewerbe 137 und im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe 450 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 635 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1686. Im Bauhauptgewerbe gab es 10 Betriebe. Im Jahr 2016 gab es zudem 54 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von insgesamt 1529 ha; davon waren 42 ha Ackerfläche und 1483 ha Dauergrünfläche.

Freizeit und Tourismus Der Hauptort ist ein bedeutender Kurort und eine wichtige Tourismusdestination. Dieser bietet neben einem umfangreichen Wander-, Rad- und Tourenwegenetz eine Skisprungschanze, Rodelbahnen, eine Sesselbahn, Langlaufloipen und Skilifte (mit beschneiten Pisten) und im Sommer durch umliegende Seen mit Beachvolleyplatz sowie dem Strandbad Luegsteinsee mit Riesenwasserrutsche und dem Wildwasser Auerbach vielfältige Möglichkeiten für Erholung und Freizeitgestaltung. Das neu gestaltete Freizeitgebiet Hocheck hat auch eine alpine Sommerrodelbahn. Am Hocheck ist im Winter die größte Flutlichtanlage Deutschlands für Skifahrer oder Snowboarder in Betrieb. Auch die dortige Rodelbahn ist abends beleuchtet.

Im Jahr 2017 verbrachten 75.411 Gäste insgesamt 215.669 Nächte in Oberaudorf.

Zwischen 1999 und 2011 bestand die Möglichkeit, von Mai bis Oktober mit einem Fahrgastschiff auf dem Inn von Oberaudorf über Niederndorf, Ebbs, Kiefersfelden bis nach Kufstein zu fahren.

Sport Im Gemeindeteil Tatzelwurm wird jährlich eine Naturrodelbahn errichtet, auf der auch Deutsche und Bayerische Meisterschaften im Naturbahnrodeln ausgetragen werden. Mit der Kahlanger-Schanze befindet sich eine ehemals auch für internationale Springen genutzte Normalschanze im Ort. Die ebenfalls vorhandenen Hocheckschanzen werden noch heute für Kinder- und Jugendtrainings genutzt.

Der Sportverein FV-Oberaudorf wurde im Jahre 1961 gegründet. Er bietet Sportarten wie Fußball, Volleyball und Gymnastik an.

Sender Oberaudorf Zur besseren Versorgung des unteren Inntals von Brannenburg bis zur Staatsgrenze wurde ein Füllsender auf dem Schweinberg errichtet.Bild des Senders Oberaudorf auf der Seite von Heinz Schulz, Frankfurt am Main. Dieser strahlt folgende Radiostationen aus:

Frequenz [MHz] Programm RDS PS RDS PI Regionalisierung ERP [kW] Antennendiagrammrund (ND)/gerichtet (D) Polarisationhorizontal (H)/vertikal (V) 94,6 Antenne Bayern ANTENNE D318 – 0,3 D H 104,2 Radio Charivari Rosenheim CHARI DC1B Rosenheim (Land) 0,3 D H

Verkehr Straßenverkehr: Oberaudorf hat eine eigene Anschlussstelle an der Inntalautobahn A 93 (Rosenheim–Kiefersfelden). Über die Innbrücke am Grenzübergang Deutschland-Österreich hat Oberaudorf Anschluss an die Walchseestraße (B 172) nach Niederndorf in Tirol. Außerdem ist sie am Ortsteil Reisach über eine 124 Meter lange Holzfachwerkbrücke für Fußgänger und Radfahrer – die Zollhausbrücke – mit der Tiroler Gemeinde Erl verbunden. Bahnverkehr: Oberaudorf hat einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Rosenheim–Kufstein.Stationsdatenbank der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, Bahnhof Oberaudorf Busverkehr: Durch die Linie 52 und der Wendelstein-Ringlinie (zwischen Mai und November) ist Oberaudorf an den Regionalverkehr Oberbayern angeschlossen. Die Linie 52 verbindet Oberaudorf mit Rosenheim, Flintsbach am Inn, Kufstein, Kiefersfelden, Raubling und Brannenburg, während die Wendelstein-Ringlinie den Ort mit Bayrischzell, Fischbachau und Bad Feilnbach verbindet.

Bildung Es gibt folgende Einrichtungen: Kindergärten: Drei Einrichtungen mit insgesamt 350 Plätzen, 284 Kinder werden betreut und gefördert. (Stand 2018) Schulen: drei Grund- sowie Mittel-/Hauptschulen mit 15 Lehrern und 226 Schülern.

Persönlichkeiten

Volker Banfield (* 1944), Pianist Hans Berger (* 1944), Musiker Joachim Berthold (1917–1990), Bildhauer, lebte und starb in Oberaudorf Ludwig Bieberbach (1886–1982), Mathematiker, lebte und starb in Oberaudorf Friedrich Wilhelm von Bissing (1873–1956), Ägyptologe Magnus Freiherr von Braun (1878–1972), Jurist und Politiker Susanne Breit-Keßler (* 1954), Publizistin, evangelische Theologin, Regionalbischöfin von München-Oberbayern Eduard Brenner (1888–1970), Anglist, Bildungspolitiker Anne Cyron (* 1955), Politikerin (AfD) Thomas Dähne (* 1994), Fußballtorhüter Cornelius Eberhardt (1932–2011), Präsident der Hochschule für Musik und Theater in München, Professor, Generalmusikdirektor, Dirigent mehrerer nationaler und internationaler Orchester Klaus Eidam (1926–2006), Dramaturg und Librettist, lebte und starb in Oberaudorf Bartholomäus Grill (* 1954), Journalist, Schriftsteller, Afrika-Experte Wolfgang Hammer (* 1946), Pädagoge, Fachbuch- und Romanautor Josef Heumann (* 1964), nordischer Skisportler Marinus Kraus (* 1991), Skispringer Johannes Neuhäusler (1888–1973), katholischer Theologe und Weihbischof, 1913–1917 Kaplan in Oberaudorf Siegfried Pückler-Limpurg (1871–1963), Kunsthistoriker und Gutsbesitzer Otto Rothe (1924–1970), ostpreußischer Vielseitigkeitsreiter, Olympiasieger 1952 und 1956, Veterinär bei der Gebirgsdivision, beerdigt in Niederaudorf Ernst Sachs (1867–1932), Oberaudorfer Ehrenbürger, Erfinder der „Torpedo-Freilauf-Nabe“, Mitbegründer von Fichtel & Sachs und Entwickler des Sachsmotors Willy Sachs (1896–1958), Ehrenbürger von Oberaudorf, Alleininhaber von Fichtel & Sachs Constantin Schmid (* 1999), Skispringer, Vize-Weltmeister im Teamspringen Hubert Schwarz (* 1960), Olympiasieger mit der Staffel in Nordischer Kombination 1988, zweimaliger deutscher Meister im Skispringen (1979 und 1981) Bastian Schweinsteiger (* 1984), Fußballnationalspieler; Heimatort Tobias Schweinsteiger (* 1982), Fußballspieler; Heimatort Edmund Stoiber (* 1941), von 1993 bis 2007 bayerischer Ministerpräsident, CSU Adalbert Vogl (1876–1945), römisch-katholischer Geistlicher und Märtyrer Sebastian Vogl (1872–1956), im Ortsteil Reisach geborener Hochschullehrer für Mathematik und Physik Sepp Wildgruber (* 1959), Skirennläufer