Aserbaidschan (aserbaidschanisch und ) ist eine Region im Nordwesten Irans und entspricht weitgehend dem Begriff Nordwest-Iran. Sie umfasst – im Gegensatz zum modernen kaukasischen Staat gleichen Namens – das historische, aus mittelalterlichen Quellen bekannte Aserbaidschan, das in der Antike als Atropatene bekannt war. mini|Atropatene (grün) im 2. vorchristlichen Jahrhundert

Name Die neupersische Bezeichnung „Aserbaidschan“ leitet sich mit großer Wahrscheinlichkeit von Atropates (Āturpāt – „geschützt [durch] Feuer“) ab, dem altpersischen Namen eines Satrapen, der unter Dareios III. und Alexander dem Großen die Provinz Medien regierte.Audrey L. Altstadt: The Azerbaijani Turks. Power and Identity under Russian Rule (= Hoover Institution Press Publication. 410). Hoover Institution Press – Stanford University, Stanford CA 1992, ISBN 0-8179-9182-4. Als der Makedonenkönig 323 v. Chr. starb und die Satrapie Medien im Zuge dessen zweigeteilt wurde, erhielt Atropates die Region „Kleinmedien“ (Media Minor) im Nordwesten und machte daraus 321 v. Chr. ein unabhängiges Königreich. Während die Griechen und Römer dieses von Atropates beherrschte Gebiet (Media) Atropatene nannten, lautete die mittelpersische Bezeichnung bei den Parthern Āturpātakān und bei den Sassaniden Ādurbādagān, woraus sich letztlich die heutige Namensform entwickelte.Vgl. Junker/Alavi: Persisch-deutsches Wörterbuch, Leipzig/Teheran 1970, S. 17: ; ẕ ist die moderne persische Aussprache des vormaligen, durch den arabischen Buchstaben wiedergegebenen Lauts dh (etwa dem engl. th in the entsprechend).

Nach einer älteren, heute zumeist als überholt geltenden Hypothese könnte der Ausdruck „Aserbaidschan“ seine Wurzeln hingegen auch im antiken Zoroastrismus haben, wo es in der avestischen Frawardin Yascht heißt: „âterepâtahe ashaonô fravashîm ýazamaide“ (dt.: „Wir verehren den Fravaschi des heiligen Atarepata).“Frawardin Yasht („Hymn to the Guardian Angels“). Übersetzung durch James Darmesteter (aus Sacred Books of the East. American Edition. 1898). Hierfür könnte immerhin sprechen, dass sich in jenem Gebiet, das in der Spätantike „Adurbadagān“ hieß, das große Feuerheiligtum Tacht-e Suleiman befand.

Das Gebiet der heutigen Republik Aserbaidschan, die diesen Namen erst seit der Zeit kurz vor der Sowjetherrschaft trägt, liegt nördlich der antiken Atropatene und umfasst großteils die historischen Gebiete Albania und Arrān.Vladimir Minorsky: Caucasica IV. In: Bulletin of the School of Oriental and African Studies. Band 15, Nr. 3, 1953, , S. 504–529, .

Eine andere heute oft benutzte, jedoch politisch kontroverse und, aus oben genannter historischer Sicht, falsche Bezeichnung für die Region ist der Begriff „Südaserbaidschan“ (), der vor allem unter aserbaidschanischen und türkischen Nationalisten sehr beliebt ist. Die Region wird unter dem Namen „Südaserbaidschan“ (engl. ) auf der Website der Organisation der nicht-repräsentierten Nationen und Völker (UNPO) geführt. In der Organisation wird Aserbaidschan von der Southern Azerbaijan National Awakening Movement (SANAM) vertreten. Von den Vereinten Nationen oder anderen staatlichen beziehungsweise internationalen Organisationen ist der Name nicht anerkannt.

Fläche und Bevölkerung Die Landschaft Aserbaidschan als solche ist ein sehr altes Kulturland, in dem sich arabische, armenische, kurdische, persische und türkische Einflüsse begegnen.

Aserbaidschan im engeren Sinne umfasst heute etwa 105.000 km² und 7,63 Millionen Menschen, von denen der überwiegende Teil turksprachige Aserbaidschaner (Aseri) sind, deren Sprache ebenfalls nach der Region als Aserbaidschanisch (Süd-Dialekt) bezeichnet wird. Zusammen mit den Bevölkerungsanteilen der Aseri in anderen Provinzen Irans werden insgesamt über 15 Millionen Menschen dieser Bevölkerungsgruppe zugerechnet.

Aserbaidschan gilt als eine der reichsten Regionen Irans. In ihr liegt ein Zentrum der Teppichindustrie des Landes mit berühmten Knüpfereien.

Geographie, Lage und Gliederung mini|Die drei iranischen Provinzen West-Aserbaidschan, Ost-Aserbaidschan und Ardabil (von links nach rechts), südlich davon Zandschan Aserbaidschan ist ein Bergland rund um den Urmiasee. Die natürliche Grenze zwischen der mittelalterlichen, islamischen Provinz Aserbaidschan und dem nördlich gelegenen Arrān (heute Teil der Republik Aserbaidschan) bildete der Aras, wobei das Mughan-Gebiet am Kaspischen Meer noch zu Aserbaidschan gehörte. Gegen Gilan wurde die Region durch das nordwestliche Elburs-Gebirge abgegrenzt, gegen Dschibāl (das alte Medien) im Süden durch den Sefid Rud. Im Westen, wo die Grenzen weniger eindeutig waren, trennten Aserbaidschan von Kurdistan und dem Van-Gebiet jenseits des Urmiasees Ausläufer des Zagros-Gebirges, etwas weiter nördlich lag zudem UrartuErika Bleibtreu: Iran von prähistorischer Zeit bis zu den Medern. Kurzer Einblick in sechs Jahrtausende iranischer Kulturgeschichte. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, ISBN 3-85497-018-8, S. 40–53, hier: S. 50. (Armenien). Oft wurde Aserbaidschan mit Nachbarprovinzen zusammengefasst und auch die Gliederung in einen Westteil mit der Hauptstadt Ardabil und einen Ostteil um Maragha ist belegt.

Heute ist das moderne iranische Aserbaidschan, das im Westen an die Türkei, im Norden an die Republiken Armenien und Aserbaidschan (seit 1991) grenzt, verwaltungsmäßig in drei Provinzen geteilt: Ost-Aserbaidschan West-Aserbaidschan Ardabil Manchmal wird auch die Provinz Zandschan hinzugezählt, doch das ist nicht einheitlich.

Geschichte Vorgeschichte Als altes Kulturland besitzt Aserbaidschan viele archäologische Fundstätten. Aserbaidschan liegt im Schnittpunkt wichtiger Regionen (Kaukasus, Anatolien, Mesopotamien, Kaspisches Meer und Iranisches Hochland) und war dadurch Durchzugsgebiet vieler Völker. Die frühesten Spuren menschlicher Besiedlung stammen aus der Altsteinzeit von Höhlenbewohnern bei Tamtama nördlich von Urmia und Sahand bei Täbris. Doch handelte es sich nur um vereinzelte Funde. Ab der späteren Jungsteinzeit (ab 6000 v. Chr.) sieht man eine konstante Besiedlung wie etwa an den Hügeln Yanik Tepe südwestlich von Täbris östlich vom Urmiasee und Hasanlu. Verschiedene Teams fanden westlich des Urmiasees viele Siedlungsspuren und Hügelgräber, was zeigte, dass das Gebiet bei der Besiedlung bevorzugt wurde. Der Fundplatz Ravaz aus dem dritten Jahrtausend v. Chr. war ein von einer Mauer umgebener Ort mit Rundhäusern. Andere Orte der gleichen Periode sind Haftavan Tepe und Bolurabad.

Antike Aserbaidschan gehörte einst zum Reich der Meder und dann zum Perserreich. In der Zeit der Parther wurde das Land stärker an die Zentralmacht gebunden und, obwohl formal weiterhin Königreich, eher zu einer Provinz. Nach Angaben von Plutarch und anderen römischen Autoren wurde das Land damals sehr stark von der zoroastrischen Priesterschicht der Mager bewohnt, die hier wohl wichtige Zentren hatten. So konnte archäologisch ermittelt werden, dass der Ort Tacht-e Suleiman mit dem mehrfach in den Quellen erwähnten Mager-Zentrum Schiz identisch ist. Sein Feueraltar ist mit der heiligen Flamme des Zoroastrismus Atur Gushnasp identisch, die noch in der Zeit des Sassanidenreiches eines der sieben zentralen Reichsfeuer war. Aus sassanidischer Zeit ist auch bekannt, dass die Iraner damals Aserbaidschan und wahrscheinlich auch Arrān (Albania) mit dem im Avesta erwähnten Airyanem Vaejah (Erstes Land der Iraner), der mythischen Urheimat der Iraner, (fälschlich) gleichsetzten. Im 6. Jahrhundert wurde das schon christianisierte Albania unter Druck zum Zoroastrismus zurückgeführt. Nur im gebirgigen Westen Arrans und Aserbaidschans behauptete sich die Dominanz des Christentums. Nach Meinung mehrerer maßgeblicher Iranisten (u. a. der Mary Boyces) war die Region wohl eher ein Zentrum der abweichenden zoroastrischen Strömung des Zurvanismus. Siehe auch: Atropatene

Von der arabischen Eroberung bis zum Mongolensturm mini|Das Schloss des Babak, auch als „die unsterbliche Burg“ bezeichnet, war das Zentrum der Churramitenbewegung unter Babak Chorramdin. Die arabisch-islamische Eroberung Aserbaidschans begann während des Kalifats von ʿUmar ibn al-Chattāb (633–634). Der arabische Kommandeur Hudhaifa ibn al-Yamān besetzte das Gebiet nach der Schlacht bei Nehawand mit seinen Truppen und schloss mit dem Marzban von Ardabil einen Vertrag, demzufolge der Marzban einen jährlichen Betrag von 800.000 Dirham zu bezahlen hatte; im Gegenzug verpflichteten sich die Araber, niemanden zu versklaven, die Feuertempel und darin gefeierten Feste zu respektieren und die Bevölkerung vor den Kurden der Umgebung zu schützen.Vgl. Vladimir Minorsky: Ādharbaydjān. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Band 1. Brill u. a., Leiden u. a. 1960, S. 188b–191b, hier S. 190a, nach: al-Balādhurī: Futūḥ al-buldān. Edidit M. J. De Goeje. Brill, Leiden 1866, S. 325 f., archive.org.

Die arabisch-muslimische Kolonisation der Region begann erst um die Mitte des 8. Jahrhunderts. Gegen Ende des 8. Jahrhunderts verstärkte sich die Zuwanderung von Arabern nach Aserbaidschan, was Anfang des 9. Jahrhunderts hier die nativistisch-religiöse Aufstandsbewegung der Churramiten hervorbrachte, die sich unter ihrem Führer Babak Chorramdin von Aserbaidschan ausgehend über weite Teile Irans ausbreitete. In ihrer Religion vermischten sich Elemente des Zoroastrismus und der Mazdakiten mit schiitischen Vorstellungen (der ermordete Abū Muslim wurde zum verborgenen Erlöser, zum Mahdi erklärt). Der abbasidische Kalif al-Ma'mūn sandte mehrere Heerführer (Yahyā ibn Muʿādh, Muhammad ibn Humaid) gegen Babak aus, die jedoch erfolglos blieben. Erst dem Kalifen al-Muʿtasim (833–842) gelang es, die Revolte niederzuschlagen. Er beauftragte 835 seinen fähigen General Afschin Haidar mit dem Kampf gegen Babak. Nach umfangreichen Vorbereitungen konnte er 837 Babaks Festung Badhdh durch abbasidische Truppen einnehmen und ihn selbst in die Flucht schlagen. Im Jahr 838 wurde Babak auf grausame Weise in Samarra hingerichtet.Vgl. Patricia Crone: The Nativist Prophets of Early Islamic Iran. Rural Revolt and Local Zoroastrianism. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 2012, ISBN 978-1-107-01879-2, S. 46–76.

Im Jahr 1030 zogen die Armeen der turkmenischen Seldschuken und später andere Stämme der Oghusen auf ihrem Wege nach Kleinasien durch Aserbaidschan, das zu diesem Zeitpunkt noch überwiegend iranisch war. Diese Türken gründeten verschiedene Herrschaftshäuser, die nur formal den Abbasiden unterstanden. Dadurch wurde die Region allmählich turksprachig. Reste der alten iranischsprachigen Bevölkerung bilden wohl die Talyschen und die in den Norden Arrans geflüchteten, einst zoroastrischen, heute muslimischen Taten und die „tatischsprachigen/tatischen“ Bergjuden.

Herrschaft der Mongolen und Turkmenen mini|Ghazan Ilchans Konversion zum Islam im Geschichtsbuch des Raschīd ad-Dīn, ein Beispiel der Buchkunst der Mongolenzeit In den Jahren zwischen 1220 und 1223 fanden die ersten Einfälle der Mongolen Sube'etais in Aserbaidschan statt, und im Jahre 1243 eroberte der Mongolenführer Baidschu diese Gebiete. Um das Jahr 1256 errichtete der mongolische Feldherr Hülegü Khan das mächtige Ilchanat. Bis zum Jahre 1258 war ganz Persien und das Kalifat von Bagdad erobert und Aserbaidschan bildete den Kern dieses mongolischen Teilreiches. Aserbaidschan erlebte eine Blüte der Architektur und Buchkunst.

Unter Hülegüs Urenkel Ghazan Ilchan (1295–1304) brach die Oberschicht mit den alten Traditionen: Sie lösten sich endgültig aus dem mongolischen Gesamtreich, entsagten dem Buddhismus und dem Christentum und übernahmen den sunnitischen Islam als neue Religion.