mini|hochkant|Stammwappen der Poschinger
Die Poschinger sind ein im Jahr 1140 erstmals urkundlich genanntes bayerisches Adelsgeschlecht. Mit dem Erwerb des Glashüttenguts Zwieselau durch Joachim Poschinger wurde die Familie im Bayerischen Wald als Glashütten- und Gutsherrengeschlecht ansässig und zählt zu den ältesten Glasherrenfamilien Deutschlands. Das Geschlecht gehörte den oberpfälzischen adeligen Landsassen an und wurde in den Reichsritterstand, in einem Zweig auch in den bayerischen Freiherrnstand erhoben. Die Frauenauer Linie stellte zudem erbliche Reichsräte der Krone Bayern und gehörte damit der Ersten Kammer der bayerischen Ständeversammlung an. Zweige der Familie bestehen bis heute. Ihr Stammsitz ist das Gut Frauenau.
Geschichte mini|Herrenhaus in Oberfrauenau mini|Schloss Oberfrauenau mini|Das Poschinger-Mausoleum in Frauenau mini|Das Poschinger-Mausoleum in Zwiesel Die erste verzeichnete Stammlinie der Poschinger diente den Fürstbischöfen von Passau als Ministeriale. Erstmals erscheint Rapoto de Paskengen um 1140 als Zeuge in einer Urkunde des Klosters Aldersbach, mit der ein Edelmann namens Warmunt ein Gut im Ort „Chetedorf“ auf den Petrusaltar der Klosterkirche übertrug:
Diese älteste Linie ist bis 1280 urkundlich greifbar. Möglicherweise derselben Linie zuzurechnen sind spätere Namensträger im Passauer Raum, darunter Ulrich Poschinger auf der Hofmark Hauzenberg (1346) und der 1476 als „der edle Stephan“ bezeichnete Pfleger Stephan Päschinger. Ihr Stammsitz war der Edelsitz Päschinger Au unweit Kellberg bei Passau, der 1419 an Fürstbischof Georg von Hohenlohe überging. Eine weitere Linie saß ab 1262 zu Posching in der Gegend von Mitterfels, Metten und Deggendorf, als deren früheste Angehörige Otto Poschingarius senior und sein Sohn Henricus erscheinen. Auf dem Sitz Sicklasberg bei Konzell sind die Poschinger von Lorenz dem Poschinger (1402) bis zu Benigna Vorster, geborene Poschinger (1500), nachweisbar, mit der dieser Sitz auf die weibliche Linie überging. In Straubing bestand zudem ein Ratsbürgergeschlecht, dem etwa Simon Poschinger (1434 Käufer der Hofmark Zeidlarn) und der Gerichtsbeisitzer Lorenz Poschinger (1462–1474) angehörten.Karl Ritter von Poschinger: Zusammenstellung der Poschinger vor 1520. Rosenheim 1934. Der Name – in wechselnder Schreibung Paskengen, Paschingen, Baskingin oder Posching – entstammt vermutlich dem Gut Posching, das den Bischöfen von Passau gehörte.
Die bis zur Gegenwart ungebrochene Stammreihe der Familie beginnt mit Joachim Poschinger aus Pförring (1523–1599), der dem lutherischen Glauben angehörte und der um 1262 beginnenden Linie zu Posching zugerechnet wird. Joachims Vater Caspar, der 1516 in Leipzig den Grad eines Magister Artium erwarb, war zunächst katholischer Pfarrer und trat dann zum evangelischen Glauben über. Die spätere Stammlinie der Familie war wieder katholisch. Nach einem Studium (unter anderem der Rechtswissenschaften und Musik) an der Universität Ingolstadt war Joachim Richter und Pfleger in den Diensten der Freiherrn von Degenberg auf den Burgen Linden bei Viechtach und Neunußberg (1550–1568) und kaufte am 10. Juli 1568 von den Vormündern des minderjährigen Hans Sigmund von Degenberg die Glashütte (Zadlerhütte) in Unterzwieselau (Landkreis Regen) im Bayerischen Wald.Karl Ritter von Poschinger: Geschichte der Poschinger und ihrer Güter. Pullach bei Aibling 1908, S. 10 ff., 31 ff. u. 130 ff. Hiermit beginnt die jahrhundertelange Tradition der Poschinger als Glashütten- und Gutsherren. Joachim erhielt seinen kaiserlichen Wappenbrief am 19. Oktober 1547 in Regensburg durch Petrus Apianus, Hofpfalzgraf unter Kaiser Karl V. 1587 teilte Joachim das Gut und ließ Oberzwieselau mit eigener Glashütte erbauen, das er seinem jüngeren Sohn Hans übergab. Das Stammgut Unterzwieselau ging an den älteren Sohn Paulus.Karl Ritter von Poschinger: Geschichte der Poschinger und ihrer Güter. Pullach bei Aibling 1908. Dieser verkaufte 1604 das Glashüttengut Unterzwieselau und erwarb 1605 das bereits 1492 erstmals urkundlich erwähnte Glashüttengut Frauenau im Bayerischen Wald, das seither ununterbrochen im Familienbesitz steht und ab diesem Zeitpunkt Sitz der Stammlinie wurde.
Um Rechte am Gut Frauenau kam es unter Franz Poschinger (1637–1701) zu einem 36 Jahre währenden Rechtsstreit mit der kirchlichen Grundherrschaft, zuletzt dem Kloster Niederaltaich mit seiner Propstei Rinchnach. Das Hofgebäu ging 1680 verloren, das Glashüttengut verblieb der Familie nach dem Vergleich vom 27. Juni 1698 als Erbrechtsgut, während die Grundherrschaft darüber dem Kurfürsten zufiel.Hermann Wagner: Die Aufschreibungen des Franz Poschinger (1637–1701) vom Glashüttengut Frauenau (= Glashistorische Forschungshefte. Heft 2). Sauerlach 1985, S. 102 f.Karl Ritter von Poschinger: Geschichte der Poschinger und ihrer Güter. Pullach bei Aibling 1908, S. 105 ff. Auf die kostspieligen Prozesse berief sich Georg Benedikt Poschinger 1784 in seinem Gesuch um die Hofmarksgerechtigkeit für Oberfrauenau.Manfred Burkhardt: Regen. Landgerichte Zwiesel und Regen, Pfleggericht Weißenstein (= Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Reihe I, Heft 34). München 1975, S. 121.
Ein Zweig der Familie wanderte im 17. Jahrhundert nach Böhmen aus: 1639 ließ sich Hans Poschinger († 1676) bei den künischen Freibauern des königlichen Grenzwaldes Hwozd nieder und errichtete in Seewiesen (Javorná) den Poschingerhof. Sein Sohn Andreas Anton Poschinger (1646–1716) war dort Glashüttenbesitzer und von 1693 bis 1712 Oberrichter der künischen Freibauern. 1700 stiftete er die Kapelle, aus der die Kirche St. Anna in Seewiesen hervorging. Nach dem Übergang des Hofes an einen Schwiegersohn 1716 wird dort kein Poschinger mehr genannt.Marita Haller: Der Poschingerhof in Seewiesen / Javorná im Böhmerwald. In: Pressglas-Korrespondenz 2016-1, PK 2016-1/02 (PDF).
Auf Grund des Besitzes von Oberanzenberg (ab 1639) wurde Wilhelm Poschinger am 18. Dezember 1643 durch Kurfürst Maximilian unter die oberpfälzischen Landsassen aufgenommen. Landsassen waren adelige Gutsbesitzer, die mit ihren Gütern der Landeshoheit ihres Landesfürsten unterstanden, über ihre Untertanen jedoch die niedere Gerichtsbarkeit ausübten. Anders als der reichsunmittelbare Adel unterstanden sie damit nicht dem Reich, sondern einem Landesherrn.Art. Landsassen, in: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste. Band 16, Halle/Leipzig 1737, Sp. 447–454. Mit der Aufnahme galt das Geschlecht in der Oberpfalz als adelig und wurde fortan in den Matrikeln der adeligen Landsassen geführt.
mini|Grab von Johann Michael I. Poschinger in Mariä Himmelfahrt (Frauenau) Nachdem Johann Michael I. Poschinger 1770 bereits die Hofmarken Drachselsried und Wettzell erworben hatte, richtete sein Sohn Georg Benedikt I. 1784 ein Gesuch um Erhebung des Erbrechtsguts Frauenau zur freien Hofmark an die kurfürstliche Hofkammer, die am 7. Dezember 1785 erfolgte. Georg Benedikt I. hatte somit auf allen drei Gütern die niedere Gerichtsbarkeit, die Polizeigewalt und gewisse Verwaltungsrechte.
Die Erhebung in den erblichen Reichsadelsstand mit Namensmehrung Edler von Poschinger und Reichsritterstand mit auf Oberanzenberg erhielten die Brüder Dr. jur. utr. Johann Martin, kurpfalz-bayerischer Hofratsadvokat, kurfürstl. Pfleger in Wolnzach, später kurpfalz-bayerischer Wirklicher Hofkammerrat, Kgl. Hofbräuhausverwalter und Direktor des Bayer. Hofbräuamtes (1798–1817) in München(Stammvater der erloschenen Linie München-Mannheim) Joseph Anton, Bürger und Handelsmann in Passau(Stammvater der Linie Berg, u. a. Poschinger-Camphausen) Georg Benedikt I., Herr der Hofmarken Oberfrauenau, Drachselsried, Wettzell und Neunußberg (ab 1796), Herr auf Oberanzenberg(Stammlinie Frauenau aus der u. a. das freiherrliche Haus hervorgegangen ist) Ignaz Dominikus, Weltpriester am 17. September 1790 in München vom Kurfürsten Karl Theodor von Pfalzbayern als Reichsvikar. Da diese Erhebung auch die letzten vier Generationen umfasste, ist der bereits 1643 als Landsasse aufgenommene Wilhelm Poschinger der erste des Geschlechts, dem der Reichsadelstitel zukommt.Karl Ritter von Poschinger: Geschichte der Poschinger und ihrer Güter. Pullach bei Aibling 1908, S. 47 ff. Die Immatrikulierung im Königreich Bayern bei der Ritterklasse erfolgte am 30. Januar 1810 für Joseph Anton bzw. am 30. Juni 1810 für seine Brüder Johann Martin und Georg Benedikt Reichsritter und Edler von Poschinger auf Oberanzenberg.Genealogisches Handbuch des Adels. Adelige Häuser B. Band XII, S. 422 f., Band 64 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1977.
Im Jahre 1873 erhielt die Frauenauer Linie mit Georg Benedikt II. Ritter von Poschinger, Gutsherr auf Frauenau (Oberfrauenau) u. a., einen erblichen Sitz in der Kammer der Reichsräte, der Ersten Kammer der bayerischen Ständeversammlung. Die Inhaber dieses Sitzes führten den Titel Reichsrat der Krone Bayerns. Die Hauptsukzession dieser Stammlinie folgte dabei nicht streng der Erstgeburt: Der Stammsitz Frauenau ging mehrfach an einen jüngeren Sohn und, da Georg Benedikt II. ledig blieb, nach dessen Tod an seinen Bruder Eduard Ferdinand über. Dieser trat das Fideikommiss, unter Vorbehalt der Verwaltung, 1901 an seinen Sohn Eduard Georg Benedikt ab, welcher am 1. November 1901 zum Reichsrat ernannt wurde.Genealogisches Handbuch des Adels. Freiherrliche Häuser B. Band V, S. 278 f., Band 48 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1971. Eduard Ferdinand Ritter von Poschinger erhielt die Erhebung in den erblichen bayerischen Freiherrnstand am 24. Juli 1901 in München durch Prinzregent Luitpold von Bayern mit Immatrikulation im Königreich Bayern bei der Freiherrnklasse am 28. August 1901 mit Namensmehrung Freiherr Poschinger von Frauenau.
Johann Michael III. Ritter und Edler von Poschinger schenkte 1899 gemeinsam mit seiner Frau Heriberta das Ismaninger Schloss mit dem Gut Ismaning sowie die Güter Zengermoos und Karlshof der Stadt München als Wohlfahrtsstiftung. Diese trägt den Namen Michael und Heriberta von Poschinger’sche Stiftung.Ueber die Stiftung des Herrn v. Poschinger. In: Münchner Neueste Nachrichten. Bd. 52, Nr. 165, 10. April 1899, S. 4 (Rubrik „Lokales“), .Adalbert von Bayern: Die Herzen der Leuchtenberg. Geschichte einer bayerisch-napoleonischen Familie. Nymphenburger, München 1992, ISBN 978-3-485-00665-1, S. 346. Die Stiftungsurkunde des Ehepaars ist im Stadtarchiv München überliefert; die Stadt bewirtschaftete die drei Güter in der Folge über ihr Land- und Forstwirtschaftsamt.Stadtarchiv München, Bestand Land- und Forstwirtschaftsamt, Signatur DE-1992-LFA-139: Bewirtschaftung der städtischen Güter Ismaning, Zengermoos und Karlshof, 1900–1949; enthält die Stiftungsurkunde von Michael und Heriberta Poschinger. Das Schloss blieb bis 1919 in städtischem Besitz und ging dann an die Gemeinde Ismaning über, der es seit 1934 als Rathaus dient.
Die Genehmigung zur Namensvereinigung mit dem der Familie Camphausen als Ritter von Poschinger-Camphausen erhielt am 6. April 1908 in München der königlich bayerische Kämmerer und Rittmeister Ottmar Ritter von Poschinger, Gutsherr auf Riegsee und anderen, der 1906 Gerda Camphausen, Tochter des Bankiers und Kgl. Preuß. Geh. Kommerzienrats Arthur Camphausen, geheiratet hatte.
Die Verfügung durch den Regierungspräsidenten am 21. Mai 1953 in Regensburg zur Namensänderung in Freiherr von Poschinger-Bray für Adalbert Freiherr Poschinger von Frauenau, der mit Anna Maria, Erbtochter der im Mannesstamm erloschenen Grafen von Bray-Steinburg, verheiratet war, wurde durch den Beschluss des Deutschen Adelsrechtsausschusses in Marburg am 15. September 1990 nicht beanstandet.