mini|300px|Luftbild des Universitätsklinikums im Mai 2008 Das Universitätsklinikum Mannheim ist ein Krankenhaus der universitären Maximalversorgung am nördlichen Neckarufer im Mannheimer Stadtteil Wohlgelegen. Es verfügt über mehr als 50 Kliniken, Zentren und Institute fast aller medizinischen Fachrichtungen. Gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg bildet es die Universitätsmedizin Mannheim (UMM).

Die Geschichte des Klinikums geht auf das 18. Jahrhundert zurück. Den Namen Universitätsklinikum führt das Mannheimer Krankenhaus seit 2001; seit Ende 2008 treten Klinikum und Fakultät gemeinsam unter der Bezeichnung Universitätsmedizin Mannheim auf.

Zum 1. Januar 2026 startete der Verbund der Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim. In diesem Zusammenhang übernahm das Universitätsklinikum Heidelberg AöR die Mehrheit der Gesellschaftsanteile der Universitätsklinikum Mannheim GmbH von der Stadt Mannheim.

Geschichte Borromäusspital mini|Altes Borromäus-Spital in R 5 Die Ursprünge des Mannheimer Universitätsklinikums gehen auf das 1730 von Kurfürst Karl Philipp gestiftete Spital im Quadrat R 5 zurück. Die anfänglich 12 Betten standen verarmten und kranken Hof- und Staatsbediensteten sowie Waisenkindern zur Verfügung. 1802 wurde das kurfürstliche Spital aufgelöst, die Stadt sah jedoch die Notwendigkeit der Schaffung einer Ersatzinstitution und so übernahm 1806 die Armen-Polizey-Commission das Borromäusspital. Diese städtische Kommission wurde zur Bekämpfung der Armut ins Leben gerufen, da durch den wirtschaftlichen Niedergang Mannheims nach der Verlegung des kurfürstlichen Hofes nach München immer mehr Menschen in Armut lebten. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude mehrfach erweitert und verfügte 1858 über 336 Betten.Martin Krauß: Armenwesen und Gesundheitsfürsorge in Mannheim vor der Industrialisierung 1750–1850/60. Sigmaringen 1993.

Städtische Krankenanstalten am Theodor-Kutzer-Ufer mini|Haus 1 mini|Park und neue Hautklinik mini|Patientenhaus Bis 1894 waren alle Gebäude des Quadrates R 5 Teil des Spitals. Da weitere Anbauten nicht möglich waren, wurde der Bau eines neuen Krankenhauses beantragt. Die Diskussionen um Notwendigkeit und Standort waren sehr mühsam, so dass erst 1913 mit den Bauarbeiten eines vom damaligen Leiter des städtischen Hochbauamtes Richard Perrey geplanten Neubaus am heutigen Standort begonnen wurde.Brockhaus Mannheim. Mannheim, Leipzig 2006. Aufgrund wirtschaftlich schwieriger Verhältnisse nach dem Ersten Weltkrieg konnten die „Städtischen Krankenanstalten“ erst am 8. Juli 1922 bezogen werden. Bei Inbetriebnahme standen 1.140 Kranken- und 392 Personalbetten in der parallel zum Neckarufer verlaufenden langgestreckten schlossartigen Anlage zur Verfügung.Andreas Schenk: Architekturführer Mannheim. Berlin 1999. S. 90.Axel W. Bauer: Vom Nothaus zum Mannheimer Universitätsklinikum. Ubstadt-Weiher, 2002. Der Bau galt als mustergültige Kombination zweier Grundrisssysteme des Krankenhausbaus, einerseits des vor allem Mitte des 19. Jahrhunderts verwendeten Korridorsystems mit kurzen Wegen aber größerem Infektionsrisiko aufgrund der Luftverbindungen, andererseits das gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte Pavillonsystem. Bei der Einweihung galt das Klinikum als das modernste Krankenhaus Europas und die ausländische Presse soll gerügt haben, dass sich ausgerechnet das Kriegsverliererland Deutschland ein solches Krankenhaus leisten könne.Volker Keller: Richard Perrey in Mannheim. Erfurt 2005. S. 44.

Im Januar 1945 wurde das Gebäude bei Luftangriffen stark beschädigt. Nach dem Wiederaufbau bescheinigte 1961 ein Gutachten des Deutschen Krankenhaus-Institut e. V., dass das Krankenhaus „nicht mehr den ärztlichen und pflegerischen Erfordernissen eines Krankenhauses der Maximalversorgung“ entspricht. Die unter Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger bereits zugesagten Planungen zum Neubau des Klinikums mit 2.100 Betten am nordöstlichen Stadtrand wurden jedoch in den siebziger Jahren zugunsten einer Erweiterung am bestehenden Standort aufgegeben. Dies erfolgte nicht zuletzt aufgrund der Bedenken der Heidelberger Medizinischen Fakultät, die um eine Verschiebung der Prioritätenverhältnisse zugunsten der gerade im Entstehen begriffenen „Mannheimer Fakultät für klinische Medizin“ befürchtete.

Bis heute wurde und wird der Klinikkomplex durch zahlreiche Neubauten erweitert und modernisiert. So wurde 1987 das Gebäude der Frauen-, Augen- und HNO-Klinik fertiggestellt, 1991 der Neubau für Innere Medizin und 1994 der Neubau für Orthopädie. 2003 konnte das neue Kinderzentrum und die urologische Klinik, im Januar 2008 schließlich die neue Hautklinik eingeweiht werden. Im Oktober 2008 wurde ein Patientenhaus mit etwa 120 Zimmern eröffnet. Hierbei handelt es sich um ein einmaliges Projekt in der deutschen Krankenhauslandschaft. Patienten mit geringem Pflegebedarf können hier ohne Zuzahlung komfortabler untergebracht werden, nur besondere Serviceangebote sind kostenpflichtig. Dieses Konzept wurde 2009 mit dem „RFH-Hospital-Innovation-Preis“ ausgezeichnet.Auszeichnung für Mannheimer Patientenhaus. Deutsches Ärzteblatt. Nach dem Abriss der alten Hautklinik konnte der Neubau der Klinikapotheke in Angriff genommen werden,Pressemitteilung. Website der UMM, 14. August 2009. die Anfang Februar 2012 in Betrieb genommen wurde. Der Neubau des Funktionsgebäudes Haus 32, der vor allem Operationssäle und Intensivstationen beherbergt, wurde im Jahr 2010 begonnen und im Januar 2013 bezogen. 2017 wurde eine neue Stammzell-Transplantationseinheit mit spezieller Hygienetechnik in Betrieb genommen, mit der das Universitätsklinikum doppelt so viele Patienten mit lebensbedrohlichen Blutkrebserkrankungen wie bisher behandeln kann.

Standort Waldhof-Ost Von 1965 bis 2009 war die III. und zeitweise auch die IV. Medizinische Klinik an einem zweiten Standort im Stadtteil Waldhof-Ost ausgelagert. Diese Außenstelle wurde zunächst als Alten- und Pflegeheim gebaut, bei Fertigstellung konnte aufgrund von Personalmangel der Betrieb jedoch nicht aufgenommen werden, so dass das Gebäude über 40 Jahre als Krankenhaus mit Schwesternvorschule genutzt wurde.Mannheimer Morgen, 21. Februar 2009. Die angegliederten Labore und die CML-Studienzentrale sowie das Kompetenznetz für Leukämien sind seit Juni 2009 in Räumlichkeiten am Neuen Messplatz umgezogen, so dass nach Schließung dieses Standortes ein ganzes historisches Kapitel zu Ende ging.

Alte Wäscherei mini|Alte Wäscherei Nördlich vom Klinikgelände befindet sich an der Röntgenstraße das Gebäude der alten Wäscherei. Es wurde 1913 erbaut und beherbergte außerdem das Kessel- und Maschinenhaus des Heizkraftwerks der städtische Krankenanstalt. Der größte Teil der aus Sandstein und rotbraunen Klinkern gebauten Anlage liegt unterhalb des Straßenniveaus. Der Jugendstilbau steht unter Denkmalschutz. Die Wärme für die Wäscherei sowie für die Klinikgebäude wurden aus Kohle gewonnen, die vom Mannheimer Hafen mit der Eisenbahn herangeschafft wurde. Heute befinden sich in dem Gebäude gasgetriebene Aggregate, die Heizwärme für das Klinikum erzeugen. Außerdem sind in der alten Wäscherei, die bis in die 1970er Jahre in Betrieb war, Labore des Zentrums für Medizinische Forschung (ZMF) untergebracht.Wäscherei und Kesselhaus

Unternehmensstruktur 1997 wurde das damalige städtische Klinikum in eine gemeinnützige GmbH umgewandelt. Alleinige Gesellschafterin war zunächst die Stadt Mannheim. Wegen der Gemeinnützigkeit werden Erträge in die weitere Verbesserung der Krankenversorgung investiert; Überschüsse dürfen nicht ausgeschüttet werden. Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2001 ist die Bezeichnung „Universitätsklinikum“ rechtlich verbrieft.

Zum 1. Januar 2026 startete der Verbund der Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim. In diesem Zusammenhang übernahm die Universitätsklinikum Heidelberg AöR die Mehrheit der Gesellschaftsanteile der Universitätsklinikum Mannheim GmbH von der Stadt Mannheim. Als Träger wird im Impressum die Universitätsklinikum Heidelberg – UK Mannheim GmbH genannt; als Gesellschafter ist dort die Universitätsklinikum Heidelberg AöR aufgeführt.

Leitung Die kaufmännische Geschäftsführung des Universitätsklinikums Mannheim liegt bei Sandra Henek. Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg, Campus Mannheim, ist Univ.-Prof. Dr. med. Maurice Stephan Michel. Er ist zugleich stellvertretender Leitender Ärztlicher Direktor im Verbundvorstand des Universitätsklinikums Heidelberg.

Kauf defizitärer Krankenhäuser 2013 Die Universitätsmedizin Mannheim (UMM) stieg 2013 – zum symbolischen Kaufpreis von einem Euro – bei den defizitären Krankenhäusern in Bensheim, Lampertheim und Lindenfels ein. Sie übernahm 95 Prozent am Südhessischen Klinikverbund und die restlichen fünf Prozent blieben bei der kirchlichen Stiftung Heilig-Geist-Hospital Bensheim. Als sich der Finanzbedarf größer als erwartet erwies, verlangte die UMM im Jahre 2015 Schadensersatz vom zuvor alleinigen Träger, der Stiftung Bensheim. Es wurden 30 Millionen Euro gefordert. Das Landgericht Mannheim wies die Klage im Dezember 2017 in allen Punkten ab, Ende 2019 auch das Oberlandesgericht Karlsruhe. Im März 2021 ließ das Bundesgericht in Karlsruhe einen Antrag zur Revision nicht zu. Im Februar 2023 wurde der jahrelange Rechtsstreit mit dem Bistum Mainz vor dem Oberlandesgericht mit einem Vergleich beendet, das Mannheimer Klinikum musste dem Bistum vier Millionen Euro zahlen. Weitere Verfahren sind aktuell noch anhängig, so mit der Stiftung Heilig-Geist-Hospital Bensheim.

Hygieneprobleme 2014 Anfang Oktober 2014 musste der Operationsbetrieb aufgrund von Hygieneproblemen auf ein Notprogramm heruntergefahren werden. Nach einer anonymen Anzeige begannen Ermittlungen des Regierungspräsidiums Karlsruhe, die am 1. Oktober 2014 zu einem ersten anlassbezogenen Besuch einer vierköpfigen Delegation führten, bei dem zunächst das Orthopädische Zentrum begangen wurde. Hierbei wurden kontaminierte und verschmutzte Instrumente gefunden. Es zeigte sich, dass die hauseigenen Spülmaschinen für OP-Instrumente unzureichend zertifiziert waren und Pflegeanweisungen von Herstellerfirmen nicht beachtet wurden. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. Im Zuge der Probleme trat der Geschäftsführer, Alfred Dänzer, zurück und eine neue Geschäftsführung wurde eingesetzt. Nach einer Überprüfung im Juni 2015 stellte das Regierungspräsidium Karlsruhe fest: „Das Klinikum und der beauftragte externe Dienstleister haben die Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) in kurzer Zeit auf einen guten Standard gebracht.“ Im Februar 2021 begann am Mannheimer Landgericht der Auftakt zum Prozess, bei dem Dänzer zur Last gelegt wurde, Verstöße gegen das Medizinproduktegesetz begangen zu haben. Die Dritte Strafkammer des Landgerichts ging am 26. April 2021 von einem bedingten Vorsatz aus und verurteilte den ehemaligen Geschäftsführer zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Geldbuße von 75.000 €.

100-jähriges Jubiläum Am 9. Juli 2022 feierte das Universitätsklinikum Mannheim das hundertjährige Bestehen seines markanten Hauptgebäudes am Neckarufer mit einem Tag der offenen Tür sowie einer Festmeile am Neckarufer.

Medizinische Fakultät Geschichte mini|575px|Schema der Beziehungen zwischen Stadt, Universität und Land zur Medizinischen Fakultät Mannheim