mini|Jules Dupré mini|Selbstporträt mini|Eichen am Sumpf, um 1850 Jules Dupré (* 5. April 1811 in Nantes; † 6. November 1889 in L’Isle-Adam) war ein französischer Landschaftsmaler, Zeichner und Grafiker. Er zählt zu den bedeutenden Vertretern der Landschaftsmalerei um 1830 und gilt als einer der der Schule von Barbizon nahestehenden Künstler. Zusammen mit Corot, Millet, Daubigny und Rousseau, denen der Hauptanteil an der Erneuerung der französischen Landschaftsmalerei zwischen 1830 und 1850 zugeschrieben wird, ist Dupré eine einflussreiche Figur für Landschaftsmaler und Sammler seiner Generation. Seine Arbeiten beeinflussten auch jüngere impressionistische Maler. Jules Dupré war zu Lebzeiten erfolgreich: Der Kunsthändler Paul Durand-Ruel vertrieb zahlreiche seiner Werke.

Leben

Jules Dupré wurde als Sohn des Porzellanherstellers François Dupré und der aus Nantes stammenden Elisabeth-Françoise Gillet geboren. Er war der Bruder des Malers Victor Dupré. Seine Kindheit verbrachte er in Limoges, wohin der Vater beruflich gezogen war. Ende 1822 zog die Familie in die Region Paris, wo der Vater in Parmain bei L’Isle-Adam eine Porzellanmanufaktur übernahm. Ab 1823 arbeitete Dupré vermutlich in der Porzellandekorationswerkstatt seines Onkels Arsène Gillet in Paris. Zu dieser Zeit waren dort auch Narcisse Virgilio Díaz de la Peña und Auguste Raffet tätig. Grundlegende künstlerische Anregungen erhielt er von Jean-Michel Diébolt, der ihn mit der niederländischen und flämischen Landschaftsmalerei vertraut machte. Anschließend arbeitete er noch einige Jahre in der Porzellanmanufaktur seines Vaters, zuletzt in Saint-Yrieix-la-Perche im Limousin, bevor er 1829 nach Paris zurückkehrte. Dort begegnete er Louis Cabat wieder, der ihn mit Alexandre-Gabriel Decamps, Constant Troyon, Camille Flers und Paul Huet bekannt machte. Um seinen Lebensunterhalt zu sichern, fertigte Dupré in dieser Zeit auch Gemälde mit integrierten Uhrwerken (Tableau-Horloge) und dekorierte Kamine.

1831 debütierte Jules Dupré im Pariser Salon mit drei Gemälden (Intérieur de forêt, Entrée d’un bois, Haute Vienne, Intérieur de cour, vallée de Montmorency). Die Werke erregten die Aufmerksamkeit des Duc de Nemours und des Baron d’Ivry, die bereits frühere Arbeiten des Künstlers erworben hatten. In der Folge unterstützten ihn wohlhabende Sammler. 1834 finanzierte Lord Graves eine Reise nach England, wo Dupré die Landschaftsmalerei von John Crome und John Constable kennenlernte. Nach seiner Rückkehr setzte er seine Arbeit in ländlichen Gebieten Frankreichs fort, unter anderem 1832 gemeinsam mit Cabat im Berry. Ab 1835 fertigte er auch Lithografien an und veröffentlichte Landschaftsansichten in Sammlungen.

In dieser Zeit begann die Bekanntschaft mit Théodore Rousseau, die sich zu einer engen künstlerischen Zusammenarbeit entwickelte. Laut Alfred Sensier (1872) waren die Arbeiten beider Maler um 1840 kaum noch voneinander zu unterscheiden. Trotz wiederholter Ablehnung durch die Salonjury stellte Dupré mehrere Jahre im Salon aus und wurde 1833 mit einer Medaille zweiter Klasse ausgezeichnet. Im Jahr 1836 entstand in Zusammenarbeit mit Eugène Louis Lami das Werk La Bataille de Hondschoote (Lille, Musée des Beaux-Arts). Weitere Arbeitsreisen führten ihn in die Region Indre, ins Limousin, ins Berry, in die Normandie und in den Wald von Compiègne sowie an die Ufer der Oise, häufig gemeinsam mit Théodore Rousseau. 1844 unternahmen beide eine Reise durch das Landes und die Pyrenäen.

Jules Dupré verkehrte in dieser Phase im Kreis der Romantiker um George Sand, Frédéric Chopin und Eugène Delacroix, der seine Werke schätzte. Ab 1845 stieg die Nachfrage nach seinen Gemälden. Zugleich übernahm er ein Atelier in L’Isle-Adam und zog sich von den Orten zurück, an denen sich im Umfeld von Jean-François Millet, Diaz de la Peña und Rousseau die Schule von Barbizon herausbildete. Seine Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion im Jahr 1849 führte zu einer Auseinandersetzung mit Rousseau, der diese Auszeichnung selbst erwartet hatte. Die Freundschaft der beiden Maler kühlte danach ab und endete schließlich ganz. Ein Versuch Duprés, gemeinsam mit Antoine-Louis Barye, Honoré Daumier, Decamps und Ary Scheffer einen unabhängigen Salon einzurichten, blieb erfolglos.

Von 1852 bis 1867 mied Jules Dupré den offiziellen Salon und zog sich nach L’Isle-Adam zurück, wo er wiederholt die Ufer der Oise malte. In dieser Zeit ermunterte ihn seine musikalisch begabte Freundin Hélène Quantinet, deren Tod im Jahr 1857 ihn stark bewegte, zur Beschäftigung mit Wolfgang Amadeus Mozart, Jean de La Fontaine und Michel de Montaigne. Am 10. September 1860 heiratete er in Champagne-sur-Oise Stéphanie-Augustine Moreau, mit der er die Kinder Juliette-Ernestine (geb. 1859) und Jules (geb. 1860) hatte. 1867 beschickte er die Pariser Weltausstellung mit zwölf Gemälden und wurde mit einer Medaille zweiter Klasse ausgezeichnet. Im selben Jahr entstanden für Fürst Anatole Demidoff die beiden monumentalen Landschaften Le Matin und Le Soir (beide in Paris im Louvre).

1868 arbeitete er gemeinsam mit Millet im normannischen Küstenort Cayeux-sur-Mer und wandte sich verstärkt der Marinemalerei zu. Die letzten Jahrzehnte seines Lebens verbrachte er abwechselnd in Paris (Rue Ampère 75) und in seinem 1872 erworbenen Haus in L’Isle-Adam. Zunehmend arbeitete er im Atelier statt vor der Natur. Nach seinem Tod am 30. Januar 1890 wurde der Bestand seines Ateliers versteigert. Am 13. August 1894 wurde im Garten seines heute nicht mehr erhaltenen Hauses in L’Isle-Adam ein von Laurent Honoré Marqueste geschaffenes Ehrendenkmal eingeweiht.

Werk

Jules Dupré wurde von der niederländischen und englischen Landschaftsmalerei geprägt, insbesondere von Jan van Goyen und John Constable. In seinen Marinen und Flussuferansichten verband er die schlichten, atmosphärisch wiedergegebenen Motive der niederländischen Malerei mit einer pastosen, farbintensiven Maltechnik. In seiner frühen Schaffensphase überwog der Einfluss von Paul Huet, Constant Troyon und Théodore Rousseau; später kam die subtilere Wirkung von Camille Corot und Charles-François Daubigny hinzu. Auch in seinem Spätwerk, das zunehmend im Atelier entstand, blieb ein pastoser Farbauftrag mit rauer Textur charakteristisch.

Dupré wird nicht dem engeren Kreis der Schule von Barbizon zugerechnet, da er bevorzugt an der Oise statt im Wald von Fontainebleau arbeitete. Dennoch bestand eine komplexe Beziehung zur dortigen Freilichtmalerei. Camille Corot bezeichnete ihn als Beethoven der Landschaftsmalerei (frz. Beethoven du paysage). Dupré stellte zwischen 1831 und 1883 insgesamt neunmal im Pariser Salon aus. Einzelausstellungen fanden unter anderem 1973 in der Galerie du Fleuve in Paris, 1979 im Dixon Gallery and Gardens in Memphis, Tennessee, und 1989 im Musée d’art et d’histoire Louis-Senlecq in L’Isle-Adam statt.

Bedeutende Bestände befinden sich unter anderem im Louvre in Paris (25 Werke, größtenteils aus dem Vermächtnis von Georges-Thomy Thiéry aus dem Jahr 1902 sowie aus der Sammlung Chauchard), im Art Institute of Chicago, im Metropolitan Museum of Art in New York City, im Panorama Mesdag in Den Haag, in der Eremitage in Sankt Petersburg, im Musée des Beaux-Arts in Reims sowie im Musée d’art et d’histoire Louis-Senlecq in L’Isle-Adam. Weitere Werke befinden sich in den Museen von Nantes, Lille, Chantilly (Musée Condé), Bayonne (Musée Bonnat), in der National Gallery und der Wallace Collection in London sowie in den Museen von Amsterdam und Stockholm.

Werke (Auswahl)

Literatur Oskar Doering: Jules Dupré. In: Velhagen & Klasings Neue Monatshefte. Jg. 4 (1889/90), Band 2, Heft 12, August 1890, S. 712–715.

Vincent Pomarède: Dupré, Jules. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Band 31, De Gruyter, München/Leipzig 2001, S. 78. Alfred Hustin: Jules Dupré. In: L’Art. Band 48, Paris 1890, S. 263–272. Alfred Sensier: Souvenirs sur Théodore Rousseau. Léon Techener, Paris 1872. Jules Claretie: Jules Dupré. In: Peintres et sculpteurs contemporains. Deuxième série: artistes vivants en 1881. Paris 1884. Eugène Delacroix: Journal de Eugène Delacroix. Herausgegeben mit Einleitung und Anmerkungen von André Joubin. 3 Bände, Plon, Paris 1932. Marie-Madeleine Aubrun: Jules Dupré, 1811–1889. Catalogue raisonné de l’œuvre peint, dessiné et gravé. L. Laget, Paris 1974. Marie-Madeleine Aubrun: Jules Dupré, 1811–1889. Catalogue raisonné de l’œuvre. Supplément. Paris 1982. Pierre Miquel: Le paysage français au XIXe siècle. Maurs-la-Jolie 1975 bzw. 1985. Janine Bailly-Herzberg: L’art du paysage en France au XIXe siècle. De l’atelier au plein air. Flammarion, Paris 2000.

Weblinks

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Einzelnachweise

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