St. Gallen (, , ) ist ein Kanton in der Deutschschweiz und liegt in der Region Ostschweiz. Der Hauptort ist die gleichnamige Stadt St. Gallen.
Geographie Lage Der Ostschweizer Kanton St. Gallen grenzt an die schweizerischen Kantone Graubünden, Glarus, Schwyz, Zürich, Thurgau, im Norden an den Bodensee sowie im Osten an das österreichische Bundesland Vorarlberg und das Fürstentum Liechtenstein. Durch den Bodensee grenzt der Schweizer Kanton indirekt an die Landkreise Konstanz, Bodenseekreis und Lindau in Deutschland. Ferner umschliesst er die Kantone Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden. In der angegebenen Kantonsfläche von 2028 km² ist eine Fläche von 47 km² im Obersee des Bodensees enthalten, wobei es in diesem Seebecken keine international anerkannte Grenzziehung zwischen der Schweiz, Deutschland und Österreich gibt (siehe: Territoriale Zugehörigkeit im Bodensee).
Gebirge und Gewässer Der höchste Berg des Kantons ist der Ringelspitz mit ; bekannter dürfte jedoch der Säntis () sein. Der tiefste Punkt ist mit 395 Metern über Meer der Bodensee. Die grössten St. Galler Seen sind der Bodensee, der Zürichsee und der Walensee, die alle allerdings nicht ausschliesslich auf St. Galler Gebiet liegen. Der grösste See ausschliesslich auf St. Galler Gebiet ist daher der Stausee Gigerwaldsee.
Bedeutendere Flüsse sind der Rhein, die Thur, die Linth, die Sitter und die Seez.
Regionen Geografische Regionen von Norden nach Süden und von Osten nach Westen. Bodensee Fürstenland Toggenburg St. Galler Rheintal Rheintal Werdenberg Sarganserland Zürichsee Linthebene Walensee
Bevölkerung
Die Einwohner des Kantons werden Sankt Galler genannt.
Demographie Per betrug die Einwohnerzahl des Kantons St. Gallen . Die Bevölkerungsdichte liegt mit Einwohnern pro Quadratkilometer über dem Schweizer Durchschnitt ( Einwohner pro Quadratkilometer). Der Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) bezifferte sich am auf Prozent, während landesweit Prozent Ausländer registriert waren. Per betrug die Arbeitslosenquote Prozent gegenüber Prozent auf eidgenössischer Ebene.
Sprachen Amtssprache im Kanton St. Gallen ist Deutsch, Umgangssprache ist Schweizerdeutsch.
2012 gaben 89,3 Prozent der Bevölkerung Deutsch, 3,6 Prozent Italienisch und 1,2 Prozent Französisch als Hauptsprache an. Angaben zur anderen Schweizer Amtssprache Rätoromanisch wurden nicht gemacht. Englisch gaben 2,5 Prozent der Bevölkerung als Hauptsprache an.
Aufgrund der heterogenen Zusammenstellung des Kantons durch die Mediationsakte 1803 gehören die im Kanton St. Gallen gesprochenen Dialekte verschiedenen Gruppen an. Die im Fürstenland, in der Kantonshauptstadt, im Rheintal und Werdenberg sowie im Toggenburg gesprochenen Mundarten sind alle Teil des Ostschweizer Dialekts.Rudolf Hotzenköcherle: Die Sprachlandschaften der deutschen Schweiz. Sauerländer, Aarau, Frankfurt am Main, Salzburg 1984 (Reihe Sprachlandschaften der Schweiz 1), ISBN 3-7941-2623-8; hier: Der Nordosten. S. 91–111. Die Dialekte im Süden des Kantons sind durch das Aufeinanderprallen und die Überschichtung von Mundarten ungleicher Herkunft geprägt: westlicher und innerschweizerischer auf der einen Seite, östlich-sarganserländisch-bündnerrheintalischer auf der anderen.Rudolf Hotzenköcherle: Die Sprachlandschaften der deutschen Schweiz. Sauerländer, Aarau, Frankfurt am Main, Salzburg 1984 (Reihe Sprachlandschaften der Schweiz 1), ISBN 3-7941-2623-8; hier: Die Sprachlandschaft Walensee-Seeztal. S. 112–124; Rudolf Trüb: Die Sprachlandschaft Walensee-Seeztal. Ein Beitrag zur Sprach- und Kulturgeographie der Ostschweiz. Huber, Frauenfeld 1951 (Beiträge zur schweizerdeutschen Mundartforschung 3). Die in Rapperswil-Jona gesprochene Mundart ist hingegen weitestgehend mit dem Zürichdeutsch identisch.
Bis ins Mittelalter wurde in den südlichen Gegenden des Kantons St. Gallen Rätoromanisch gesprochen. Aus diesem Grunde sind viele geografische Bezeichnungen (Ortschaften, Fluren, Berge, Gewässer) in dieser Gegend romanischer Herkunft.Wilhelm Götzinger: Die romanischen Ortsnamen des Kantons St. Gallen. St. Gallen 1891 (PDF; 4,1 MB).
Nationalitäten + Nationalitäten im Kanton St. Gallen Herkunftsstaat 2000 2010 80,43 78,17 1,86 4,43 4,31 4,02 3,49 2,74 1,60 1,93 1,12 1,41 1,42 1,03 1,37 1,03 0,56 0,84
Religionen – Konfessionen Geschichtlicher Hintergrund Da der Kanton St. Gallen erst 1803 aus verschiedenen Territorien geschaffen wurde, ist er konfessionell sehr heterogen. Heute sind allerdings 42 % der Gesamtbevölkerung (Stand 2022) weder reformiert noch katholisch.
Von den 1803 zusammengekommenen Gebieten waren das nördliche Fürstenland (einst Besitz des St. Galler Fürstabts) rein katholisch, doch mit Ausnahme der reformierten Stadt St. Gallen (einst unabhängige Reichsstadt) sowie der südlichen Regionen See-Gaster und Sarganserland (einst Untertanengebiete der Innerschweiz). Das im Westen gelegene Toggenburg war gemischt, doch überwiegend reformiert, das im Osten gelegene Rheintal war ebenfalls gemischt, doch vorwiegend katholisch, ausgenommen die vormals zürcherischen und glarnerischen Untertanengebiete von Sax und Werdenberg, die wiederum reformiert waren.Geographisches Lexikon der Schweiz, Band V: Schweiz–Tavetsch. Attinger, Neuenburg 1908, Konfessionskarte der Schweiz bei S. 104; siehe auch im Artikel Reformation und Gegenreformation in der Schweiz die Karte der Konfessionen in der Eidgenossenschaft im 17/.18. Jahrhundert nach Abschluss der Gegenreformation.
Heute sind der Katholische Konfessionsteil des Kantons St. Gallen, die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen, die christkatholische Kirche sowie die jüdische Gemeinde St. Gallen öffentlich-rechtlich anerkannt.Verfassung des Kantons St. Gallen vom 10. Juni 2001, Artikel 109.
Konfessionsstatistik mini|Gesamtbevölkerung des Kantons St. Gallen nach Religion/Konfession (Stand: Volkszählung 2000)
Am 31. Dezember 2025 waren 35,1 % der Gesamtbevölkerung des Kantons römisch-katholisch und 16,8 % evangelisch-reformiert, während 48,2 % einer anderen Glaubensgemeinschaft angehörten oder konfessionslos waren. Am 31. Dezember 2022 waren 39,3 % der Gesamtbevölkerung des Kantons römisch-katholisch und 18,7 % evangelisch-reformiert, während 42,0 % einer anderen Glaubensgemeinschaft angehörten oder konfessionslos waren.
Abgesehen von der römisch-katholischen und der reformierten Kirche liegen seit der Volkszählung 2000 keine Zahlen zur Religionszugehörigkeit der Gesamtbevölkerung des Kantons mehr vor. Das Bundesamt für Statistik führt jedoch Stichprobenerhebungen durchSeit 2010 basieren die Daten des Bundesamts für Statistik zu den Religionsgemeinschaften im Kanton St. Gallen auf einer Stichprobenerhebung, für welche Personen ab dem Alter von 15 Jahren befragt werden. Es gilt zu beachten, dass die Resultate der Erhebungen ein Vertrauensintervall aufweisen. Seit der letzten Volkszählung im Jahr 2000 liegen keine Zahlen zur Religionszugehörigkeit der Gesamtbevölkerung (jeden Alters) für den Kanton St. Gallen mehr vor. Eine Ausnahme bilden die römisch-katholische und die evangelisch-reformierte Kirche, deren Mitglieder aufgrund der Kirchensteuer amtlich registriert werden. , bei welchen auch andere Religionsgemeinschaften im Kanton St. Gallen erfasst werden. Bei der Stichprobenerhebung von 2017 bekannten sich 7 % der Befragten ab 15 Jahren zu einer anderen christlichen Konfession (weder römisch-katholisch noch reformiert), 8 % waren muslimischen Glaubens, und 1 % gehörte einer anderen Religionsgemeinschaft an. 18 % der Befragten ab 15 Jahren waren konfessionslos. Ferner zeigt die Erhebung grössere Unterschiede bezüglich der Religionszugehörigkeit auf, werden die Staatsangehörigkeit und Herkunft der Befragten betrachtet:
+ St. Galler Bevölkerung ab 15 Jahren nach Religion und Staatsangehörigkeit/Herkunft, 2017(Stichprobenerhebung: Angaben in Prozent, gerundet) Religion TotalderBefragten Schweizer Staats-angehörigkeit Schweizer ohne Migrations-hintergrund Schweizer mit Migrations-hintergrund Ausländische Staats-angehörigkeit Christentum 72 79 82 59 49 – römisch-katholisch 44 48 50 35 32 – evangelisch-reformiert 21 26 29 10 6 – andere christliche Konfession 7 5 3 14 11 andere Religionen 9 3 1 20 26 - muslimisch 8 2 0 16 23 - übrige Religionsgemeinschaften 1 1 1 4 3 konfessionslos 18 17 16 20 24 keine Angabe 1 1 1 1 1
Staatliche Organisation, Politik Verfassung mini|hochkant|Erste Seite der Verfassung des Kantons St. Gallen
Die gegenwärtige Verfassung des Kantons St. Gallen datiert vom 10. Juni 2001 (mit seitherigen Änderungen).
Legislative Gesetzgebendes Organ (Legislative) ist der Kantonsrat, der 120 Mitglieder zählt und vom Volk nach dem Proporzwahlrecht auf eine feste Amtszeit von vier Jahren gewählt wird. Das Parlament tagt im sogenannten Pfalzflügel des Klosterhofs in St. Gallen.
Über Volksabstimmungen, das heisst obligatorisches Referendum bei Verfassungsänderungen, fakultatives Referendum bei Gesetzesänderungen sowie Volksinitiativen betreffend den Erlass von Verfassungs- oder Gesetzesbestimmungen, hat auch das stimmberechtigte Volk direkten Anteil an der Gesetzgebung. Die Abstimmung über ein Gesetz können 4000 Stimmberechtigte verlangen; um ein Gesetz vorzuschlagen, bedarf es der Unterstützung durch 6000 Stimmberechtigte, und um eine Verfassungsänderung zu beantragen, sind 8000 Stimmberechtigte vonnöten. Eine allgemeine rechtsetzende Tätigkeit schliesslich können 4000 Stimmberechtigte verlangen (Einheitsinitiative). Dem obligatorischen bzw. fakultativen Referendum unterliegen sodann Staatsausgaben in vom Gesetz festgelegten Höhen.
Die Zusammensetzung des Kantonsrates seit den Wahlen 2024 für die Amtsdauer 2024 bis 2028 ist wie folgt:
Partei Sitze 2024 Veränderung zu 2020 Sitzverteilung Stimmenanteile 2024 Schweizerische Volkspartei (SVP) 42 +7 Die Mitte 27 0 FDP.Die Liberalen (FDP) 19 -3 Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) 18 -1 Grüne Partei der Schweiz (GPS) 6 -3 Grünliberale Partei (GLP) 6 0 EVP 2 0
mini|Sitz von Legislative und Exekutive: Das Pfalzgebäude im Stiftsbezirk rechts im Bild Exekutive Oberstes vollziehendes bzw. ausführendes Organ (Exekutive) ist die Regierung, welche sieben gleichberechtigte Mitglieder zählt. Sie werden nach dem Majorzwahlrecht vom Volk auf eine feste Amtszeit von vier Jahren gewählt. Den Vorsitzenden, Regierungspräsident (bis 2002 Landammann) genannt, wählt der Kantonsrat nach dem Rotationsprinzip für jeweils eine einjährige Amtsdauer.
Die Regierungsräte der aktuellen Legislaturperiode vom 1. Juni 2024 bis zum 31. Mai 2028 und ihre jeweiligen Departemente lauten wie folgt:
+ Mitglieder der Regierung des Kantons St. Gallen (Amtsjahre 1. Juni 2024 bis 31. Mai 2028) Regierungsrat Amtsbezeichnung Partei Departement Marc Mächler Regierungsrat FDP Finanzdepartement Beat Tinner Regierungsrat FDP Volkswirtschaftsdepartement Laura Bucher Regierungsrätin SP Departement des Innern Susanne Hartmann Regierungspräsidentin Die Mitte Bau- und Umweltdepartement Bruno Damann Regierungsrat Die Mitte GesundheitsdepartementBettina SurberRegierungsrätinSPBildungsdepartementChristoph HartmannRegierungsratSVPSicherheits- und Justizdepartement
Leiter der Staatskanzlei ist seit Februar 2020 Staatssekretär Benedikt van Spyk (FDP).
Judikative Die Rechtsprechung (Judikative) wird auf kantonaler Ebene durch das Kantons-, Handels-, Verwaltungs- und das Versicherungsgericht ausgeübt.
Auf regionaler Ebene bestehen erstinstanzliche Kreis- und Arbeitsgerichte sowie als vorgeschaltete Schlichtungsbehörde die Vermittler.
Das Kassationsgericht, bis dahin oberste kantonale Gerichtsinstanz, wurde auf den 1. Januar 2011 abgeschafft.
Verwaltungsgliederung
Politische Gemeinden