Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Stuttgart Fläche: km² Gliederung: 28 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: ca. 45.000 (2024) Adresse desDekanatamtes: Markstr. 1972622 Nürtingen Dekanin: Christiane Kohler-Weiß Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Nürtingen innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg
Der Evangelische Kirchenbezirk Nürtingen ist einer von derzeit (2026) 35 Kirchenbezirken der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet ist deckungsgleich mit dem Dekanat Nürtingen.
Geografie Der Kirchenbezirk Nürtingen liegt in der Mitte der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasst den Südwesten des Landkreises Esslingen, also das Gebiet der politischen Städte und Gemeinden Aichtal, Altdorf, Altenriet, Beuren, Frickenhausen, Großbettlingen, Kohlberg, Nürtingen, Neckartailfingen, Neckartenzlingen, Neuffen, Oberboihingen, Schlaitdorf, Unterensingen, Wendlingen am Neckar und Wolfschlugen.
Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Nürtingen grenzt an folgende Kirchenbezirke (im Uhrzeigersinn beginnend im Nordwesten): Bernhausen, Esslingen und Kirchheim unter Teck (alle Prälatur Stuttgart) sowie Bad Urach-Münsingen und Tübingen (beide Prälatur Reutlingen).
Geschichte Das Gebiet um Nürtingen gehört zum alten Kernland Württemberg, wo ab 1534 die Reformation eingeführt wurde. Seit 1547 gehörte es zum Dekanat Kirchheim unter Teck, das schon bald nach der Reformation in Württemberg gebildet worden war. 1690 siedelte der Dekan von Kirchheim nach Nürtingen über, weil die Stadt durch einen Brand zerstört worden war. 1693 wurde in Nürtingen ein eigenes Dekanat errichtet und der bisherige Dekanatsbezirk aufgeteilt. Zum Dekan wurde der Stadtpfarrer von Nürtingen ernannt. 1826 wurde das bis dahin bestehende Dekanat Neuffen dem Dekanat Nürtingen eingegliedert. Zunächst gehörte das Dekanat Nürtingen zum Generalat Denkendorf, ab 1810 zum General Urach und ab 1823 zum Generalat Reutlingen. 1913 wurde es dem Generalat Ulm zugeordnet, aus dem die heutige Prälatur Ulm hervorging. 1934 wurde die neue Prälatur Stuttgart errichtet und dieser unter anderem auch das Dekanat Nürtingen zugeordnet.
Infolge der Auflösung einiger Kreise bzw. Oberämter in Württemberg 1939 wurden auch die kirchlichen Verwaltungsbezirke teilweise neu gegliedert. So wurden mit Wirkung vom 1. April 1939 die Kirchengemeinden Bodelshofen und Wendlingen vom Kirchenbezirk Esslingen sowie Altenriet und Schlaitdorf vom Kirchenbezirk Tübingen in den Kirchenbezirk Nürtingen umgegliedert. Mit Wirkung vom 1. April 1955 wurde dann die Kirchengemeinde Erkenbrechtsweiler in den Kirchenbezirk Kirchheim unter Teck und mit Wirkung vom 1. Januar 1980 die Kirchengemeinde Grafenberg in den Kirchenbezirk Bad Urach umgegliedert.
Für 2028 ist die Fusion des Kirchenbezirks mit dem Kirchenbezirk Kirchheim unter Teck geplant.Fusion der Kirchenbezirke: Sein Job wird künftig weggespart. In: Stuttgarter Zeitung vom 7. Juni 2026.
Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks obliegt der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan bzw. der Dekanin. Derzeitige Dekanin ist seit 2021 Christiane Kohler-Weiß (* 1963), die zugleich eine der Pfarrer an der Stadtkirche in Nürtingen ist.
Dekane des Kirchenbezirks Nürtingen
1690–1693 Erycus Weißmann 1693–1704 Georg Conrad Brotbeck 1704–1713 Joh. Lorenz Schmidlin 1713–1715 Joh. Philipp Burck 1715–1733 Georg Friedrich Hausch 1733–1734 Israel Gottlieb Canz 1734–1740 Joh. Friedrich Lisching 1740–1752 Christoph Friedrich Schott 1752–1756 Joh. Georg Becherer 1756–1764 Immanuel Gottlob Brastberger 1764–1782 Adam Friedrich Mack 1782–1793 Jacob Friedrich Klemm 1793–1807 Eberhard Ludwig Denk 1807–1826 Christian Friedrich Weber 1826–1847 Jakob Gottlieb Wurm (1778–1847) 1848–1862 Gottlob Heinrich Friedrich Scholl 1862–1867 Hermann Adolf von Stock (1809–1871) 1867–1882 Wilhelm August Heinrich Klemm 1883–1896 Christian Ellwanger (1829–1897) 1897–1918 Christian Gottlob Hönes (1843–1936) 1918–1922 Karl Ströle 1922–1928 Karl August Wilhelm Gauß (1869–1945) 1928–1934 Konrad Oskar Mack (1873–1934) 1935–1945 Christoph Harpprecht (1888–1966) 1945–1959 Theodor Dipper (1903–1969) 1960–1970 Friedrich Vorster (1903–1982) 1970–1978 Theodor Braun (1911–2010) 1978–1994 Rolf Walker (1932–2002) 1994–2003 Hans-Martin Steck (* 1947) 2004–2020 Michael Waldmann (* 1955) seit 2021 Christiane Kohler-Weiß (* 1963)
Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Nürtingen gibt es insgesamt 28 Kirchengemeinden. Davon haben sich sieben Kirchengemeinden zu insgesamt zwei Gesamtkirchengemeinden zusammengeschlossen, bleiben jedoch weiterhin rechtlich selbständige Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die jeweils in Klammern hinter dem Namen der Kirchengemeinde angegebenen Gemeindegliederzahlen beziehen sich auf das Jahr 2005 und sind gerundet.
Das Gebiet des Kirchenbezirks Nürtingen gehört überwiegend zum alten Kernland Württemberg, wo ab 1534 die Reformation eingeführt wurde. Daher ist das gesamte Gebiet überwiegend evangelisch geprägt. In einigen Gemeinden wurde die Reformation auch erst im 17. Jahrhundert eingeführt. Dennoch gibt es auch fast in jedem Dorf eine evangelische Kirchengemeinde und meist auch eine alte Kirche. In allen Orten (außer Nürtingen) zogen Katholiken überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu.
Kirchengemeinde Aich-Neuenhaus mini|links|Albanuskirche Aich mini|Kirche Neuenhaus Die Kirchengemeinde Aich-Neuenhaus (ca. 2.460) ist am 1. Januar 2015 aus der Fusion der beiden vormaligen Gemeinden Aich und Neuenhaus hervorgegangen. Die Evangelische Kirchengemeinde Aich-Neuenhaus ist Trägerin der Diakoniestation Aich-Erms-Neckartal. Die Kirchengemeinde Aich-Neuenhaus hat zusammen mit Grötzingen einen Posaunenchor, der 1974 gegründet wurde. Er hat ca. 30 Mitglieder. Der Kirchenchor „Cantamus“ wurde 1954 gegründet und hat ebenfalls ca. 30 Mitglieder.
Das Gebiet der vormaligen Kirchengemeinde Aich umfasste den Stadtteil Aich einschließlich des erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Wohngebiets Rudolfshöhe der Stadt Aichtal. Kirchlich gehörte Aich wohl zu Neckartailfingen, doch ist schon seit 1275 eine Kirche erwähnt, die 1535 mit Albanuskirche bezeichnet wird. Über das Kloster Denkendorf kam die Kirche unter württembergische Herrschaft. Die heutige Kirche wurde Anfang des 16. Jahrhunderts durch Umbau einer spätgotischen Chorseitenturmanlage erbaut. Der Turm ist aber noch älter. Eine umfangreiche Baugeschichte ist auf der Website der Kirchengemeinde zu finden. Der erste evangelische Pfarrer wurde 1552 in Aich eingesetzt.
Das Gebiet der vormaligen Kirchengemeinde Neuenhaus umfasste den Stadtteil Neuenhaus der Stadt Aichtal. Bereits 1343 ist im Ort eine Kapelle erwähnt, die zur Pfarrei Weil im Schönbuch gehörte. Das Patronatsrecht hatte das Kloster Bebenhausen. Im 16. Jahrhundert wurde Neuenhaus eigenständige Pfarrei. Die heutige Kirche ist ein spätgotischer Bau von 1480, die im 16. Jahrhundert „Unserer Lieben Frau“ geweiht war. Sie wurde mehrfach umgebaut und besitzt noch einen Chor mit Netzrippengewölbe. Der Turm steht auf der Nordseite der Kirche. Informationen zu der Kirche und zu der Renovierung der Kirche im Jahr 2014 sind auf der Webseite der Kirchengemeinde zu finden.
Kirchengemeinde Beuren mini|links|Nikolauskirche Beuren Die Kirchengemeinde Beuren (ca. 1.950 GemeindegliederEvangelische Kirchengemeinde Beuren, auf ev-kirchenbezirk-nuertingen.de, abgerufen am 30. November 2021) umfasst die Gemeinde Beuren. Kirchlich gehörte Beuren zu Nürtingen. Eine dem Hl. Nikolaus geweihte Kapelle ist aber 1413 erwähnt. Zwischen 1437 und 1467 wurde sie zur Pfarrkirche erhoben. Diese versorgte bis 1726 auch die Festungspfarrei auf dem Hohenneuffen. Die heutige Nikolauskirche wurde Anfang des 15. Jahrhunderts erbaut und 1588 erneuert. Der Chor hat ein Kreuzrippengewölbe. Im 16. Jahrhundert wurde am Turm ein Ölberg angebaut. 1905 wurde das Innere der Kirche durch Dolmetsch verändert. Die Kirche birgt einen Palmesel-Christus aus Birkenholz aus dem 15. Jahrhundert, der angeblich in der Engelberg-Kirche gestanden haben soll. Diese zu „Unserer Lieben Frau“ geweihte Kirche war eine Wallfahrtskirche auf dem Engelberg, auf dem sich im Mittelalter ein Frauenkloster befunden haben soll. Von der Pfarrei Beuren wird auch der Weiler Balzholz betreut, der bis 1521 zur Pfarrei Neuffen gehörte.
Kirchengemeinde Bodelshofen mini|Jakobskirche Bodelshofen Die Kirchengemeinde Bodelshofen (ca. 83 GemeindegliederEvangelische Kirchengemeinde Bodelshofen, auf ev-kirchenbezirk-nuertingen.de, abgerufen am 30. November 2021) umfasst den Stadtteil Bodelshofen der Stadt Wendlingen am Neckar. Die Kirche St. Jakob stammt wohl aus dem 13. Jahrhundert. Es gehörte den Herren von Wernau. Nach dem Übergang an Württemberg 1616 wurde die Reformation eingeführt. Die Gemeinde wurde dann bis heute von der Pfarrei Wendlingen betreut.
Bis 1932 gehörten auch die wenigen evangelischen Bewohner von Steinbach (heute Stadt Wernau) zur Kirchengemeinde Bodelshofen, die damals Teil der Gesamtkirchengemeinde Wendlingen war. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 18. März 1932 wurde Steinbach der Kirchengemeinde Plochingen zugeordnet. Seit 1959 gehört Steinbach zur Kirchengemeinde Wernau.
Bis 1939 gehörte die Kirchengemeinde Bodelshofen zum Kirchenbezirk Esslingen. Mit Wirkung vom 1. April 1939 wurde sie in den Kirchenbezirk Nürtingen umgegliedert.
Kirchengemeinde Frickenhausen mini|links|hochkant|Zu unserer Lieben Frau Die Kirchengemeinde Frickenhausen (ca. 2.070 GemeindegliederEvangelische Kirchengemeinde Frickenhausen, auf ev-kirchenbezirk-nuertingen.de, abgerufen am 30. November 2021) umfasst den Kernort Frickenhausen der gleichnamigen Gemeinde. Kirchlich gehörte der Ort zu Nürtingen. Eine Kirche wird aber bereits 1338 genannt. Diese wurde 1467 zur eigenständigen Pfarrei erhoben. Die heutige Kirche Zu unserer Lieben Frau wurde um 1500 erbaut. Der Westturm hat einen verputzten Fachwerkglockenstubenaufsatz. Der Chor hat ein dichtes Netzrippengewölbe. Das Chorgestühl stammt aus dem 16. Jahrhundert. Der romanische Taufstein befindet sich heute außerhalb der Kirche.
Kirchengemeinde Großbettlingen Die Kirchengemeinde Großbettlingen (ca. 1.870 GemeindegliederEvangelische Kirchengemeinde Großbettlingen, auf ev-kirchenbezirk-nuertingen.de, abgerufen am 30. November 2021) umfasst die Gemeinde Großbettlingen. 1275 wird erstmals eine Kirche in Großbettlingen erwähnt. 1544 wird sie als Andreaskirche bezeichnet. Sie wurde vor 1497 erbaut. Das Schiff und der geschlossene Chor haben maßwerkverzierte Spitzbogenfenster. 1899 wurde die Kirche restauriert.
Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 13. April 1933 wurde die bis dahin zur Gesamtkirchengemeinde Neckarhausen gehörige Kirchengemeinde Raidwangen der Kirchengemeinde Großbettlingen zugeordnet, mit der sie die Gesamtkirchengemeinde Großbettlingen bildete. Raidwangen wurde dann zum 1. Januar 1980 verselbständigt und erhielt ein eigenes Pfarramt, das auch die Nachbarkirchengemeinde Altdorf mit betreut. Die Gesamtkirchengemeinde Großbettlingen wurde später formell aufgehoben.
Kirchengemeinde Grötzingen Die Kirchengemeinde Grötzingen (ca. 1.870 Gemeindeglieder, auf ev-kirchenbezirk-nuertingen.de, abgerufen am 30. November 2021) umfasst den Stadtteil Grötzingen der Stadt Aichtal. Kirchlich gehörte Grötzingen zunächst zu Neckartailfingen, doch ist seit 1280 eine Kapelle bezeugt, an der 1375 bzw. 1455 eine eigene Pfarrei eingerichtet wurde. Graf Ulrich V. schenkte die Kirche 1444/45 dem Spital in Kirchheim. Die heutige Kirche stammt ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert, wurde im 15. Jahrhundert sowie im 19. und 20. Jahrhundert stark verändert. Bis 1556 gab es im Ort auch eine Kapelle zum Hl. Kreuz. Sie wurde seinerzeit abgebrochen.
Kirchengemeinde Kohlberg mini|Kirche in Kohlberg