Die Deutsche Regionaleisenbahn GmbH (DRE, Sitz: Berlin) ist ein nichtbundeseigenes Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU), das nach der Streckenlänge das zweitgrößte Streckennetz nach der Deutschen Bahn in Deutschland verwaltet. Sie wurde 1993 vom Deutschen Bahnkunden-Verband e. V. (DBV) gegründet. Die DRE agiert deutschlandweit, aber in einzelnen Bundesländern gibt es eigenständige Tochtergesellschaften, wie die Unternehmensstruktur zeigt.
Geschichte und Ziele Die Deutsche Regionaleisenbahn wurde 1993 vom Verein PRO BAHN e. V. (Hauptverband Ostdeutscher Länder) (dem späteren DBV) zunächst als gemeinnütziges Sondervermögen gegründet und 1996 in eine GmbH überführt. Diese war als EIU und auch als Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) zugelassen. Aufgrund des Beschlusses des DBV vom 27. November 2004 wurde die DRE an die Mitarbeiter-Holding Drebeg-Beteiligungsgesellschaft (EBEG) GbR verkauft, da ansonsten die Gemeinnützigkeit des DBV gefährdet gewesen wäre.DRE – Neue Struktur. In: Bahn-Report. Hrsg. v. d. Interessengemeinschaft Schienenverkehr e. V. Nr. 2. Chemnitz 2005, S. 33. Anfang 2009 hat der DBV mit der DRE eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen, die die bestehende Zusammenarbeit vertraglich absichert und den DBV-Mitgliedsvereinen eine Meistbegünstigungsklausel einräumt.DBV, Kooperationsvereinbarung DBV/DRE. In: Signal. Nr. 1. Berlin 2009, S. 24. Ende Oktober 2016 hat sich die Mitarbeiter-Beteiligungsgesellschaft EBEG aufgelöst und deren Mitglieder sind nunmehr direkte Gesellschafter der DRE geworden.
Die DRE entstand zeitlich parallel zur Deutschen Bahn AG und benutzte zunächst den Kurznamen DR. Aus namensrechtlichen Gründen wurde dieser nach wenigen Monaten in DRE geändert.
Sie fühlt sich den satzungsgemäßen Zielen des DBV insbesondere hinsichtlich der Erhaltung der Eisenbahninfrastruktur und der Verhinderung der Stilllegung von Eisenbahnstrecken verbunden. Dies geschieht entweder durch den Abschluss von Trassensicherungsverträgen mit dem bisherigen Eigentümer (vor allem DB InfraGO) oder durch Übernahme der Strecken mittels Pacht- oder Kaufvertrag. Zur Sicherung des Unternehmens wird bei Streckenübernahmen von anderen EIUs zunehmend deren wirtschaftliche Tragfähigkeit berücksichtigt.
Ab März 2015 stellte die DRE auf der sächsischen Nebenbahn Mittelherwigsdorf–Varnsdorf–Eibau den Schienenverkehr zwischen Seifhennersdorf und der Grenze zu Tschechien ein, weil die hohen Sicherheitsanforderungen im internationalen Verkehr, die auch für Nebenstrecken galten, nicht eingehalten werden konnten. Erst mit der Novellierung des Allgemeinen Eisenbahngesetzes im Jahr 2019 entfiel die Notwendigkeit einer Sicherheitsbescheinigung für Eisenbahnverkehrsunternehmen, die nicht am Eisenbahnbetrieb auf dem übergeordneten Netz teilnehmen. Nach dem Abschluss weiterer notwendiger Arbeiten an der Strecke hat der Freistaat Sachsen die Betriebserlaubnis erteilt und am 11. Juni 2023 konnte nach acht Jahren Schienenersatzverkehr schließlich der planmäßige Eisenbahnbetrieb zwischen Varnsdorf-pivovar Kocour und Seifhennersdorf wieder aufgenommen werden.
Unternehmensstruktur Die DRE hat als Tochterunternehmen das EVU DRE Bahnverkehr GmbH (Sitz: Strehla), die Bayerische Regionaleisenbahn GmbH (BRE, Sitz: Schwarzenbach a.d.Saale) und indirekt (über die Holdinggesellschaft) das Fahrzeugunternehmen Landeseisenbahn Braunschweig gGmbH (Sitz: Braunschweig). Der Sperrminoritätsanteil an der Döllnitzbahn GmbH wurde 2007 veräußert. Die DRE Transport GmbH wurde am 13. Mai 2008 aus dem bis dahin bestehenden Infrastrukturinstandhaltungsbetrieb BahnInfrastrukturDienste GmbH (BID) (Sitz: Oschatz) umfirmiert.Bahn-Report, Chemnitz, Nr. 4/2008, S. 31. Anlässlich einer Umstrukturierung erhielt diese Gesellschaft im Februar 2009 die Bezeichnung DRE Bahnverkehr GmbH; sie dient in der DRE-Gruppe als EVU.
Die DRE ist Mitglied im Tarifverband der Bundeseigenen und Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland (TBNE).
Da die DRE in Sachsen eine Strecke betreibt, die an das benachbarte Ausland angrenzt, benötigt sie eine Sicherheitsgenehmigung (gemäß Allgemeines Eisenbahngesetz), die den Nachweis eines Sicherheitsmanagementsystems erfordert. Diese Genehmigung erteilte das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) am 9. Juli 2009. Somit unterliegt die DRE hier direkt der Aufsicht des EBA. Anders als zuweilen dargestelltBahn-Report, Chemnitz, Nr. 2/2010, S. 31. bleibt die Zuständigkeit der Landeseisenbahnaufsichten für die anderen DRE-Strecken davon jedoch unberührt.
Infrastruktur Strecken mini|Schild am Anfang einer DRE-Strecke Ende 2013 hatte das Infrastrukturnetz der DRE-Gruppe mit einer Gesamtlänge von 844 Kilometer seine größte Ausdehnung erreicht. Seither ist festzustellen, dass nicht betriebsbereite Strecken zunehmend an Dritte abgegeben oder stillgelegt werden. Im April 2020 umfasst das Streckennetz noch 735 Kilometer, wovon 83 Kilometer von der Tochtergesellschaft BRE betrieben werden. Von der Gesamtstreckenlänge sind 362 Kilometer in Betrieb. Nachfolgend sind die im Besitz der DRE-Gruppe befindlichen und die von ihr gepachteten Strecken, sortiert nach Bundesländern und Streckennummern, aufgeführt.
Bayern 5000, KBS 862 (Ö), Fichtelgebirgsbahn, Bahnstrecke Bayreuth–Warmensteinach: (Bayreuth–Weidenberg an den Landkreis Bayreuth verpachtet; Schienenpersonennahverkehr (SPNV)) 5110/5111, früher KBS 819 (Ö), Obere Steigerwaldbahn, Bahnstrecken Strullendorf–Frensdorf und Frensdorf–Schlüsselfeld (BRE) 5843, früher KBS 881 (U/G), Granitbahn, Bahnstrecke Passau-Voglau–Hauzenberg: Passau-Voglau–Hauzenberg (BRE) 5844, früher KBS 881 (U), Untere Donautalbahn, Bahnstrecke Erlau–Wegscheid: Erlau–Obernzell (BRE) 5864, früher KBS 874 (Ö), Zementbahn, Bahnstrecke Maxhütte-Haidhof – Burglengenfeld (BRE, im Auftrag der HeidelbergCement AG)
Brandenburg mini|Elbe-Elster-Express in Schlieben am 30. Juni 2006 mit 798 01
6542, früher KBS 217 (Ö), Flämingbahn, Bad Belzig–Niemegk 6826, früher KBS 213 (Ö/A), Niederlausitzer Eisenbahn, Beeskow West–Falkenberg/Elster
Niedersachsen 6905, früher KBS 113 (U), Jeetzeltalbahn, Bahnstrecke Salzwedel–Dannenberg: Dannenberg (Elbe) Ost–Wustrow
Sachsen mini|Elbe-Spreewald-Kurier gemietet von der Hochwaldbahn am 1. Mai 2008 in Riesa mit Uerdinger Schienenbus VT 98
6214, früher KBS 231 (Ö/-), Lausitzer Bergland-Bahn, Bahnstrecke Zittau–Löbau: Löbau–Niedercunnersdorf–Oberoderwitz 6216 früher KBS 239 (Ö), Lausitz-Semmering-Bahn, Bahnstrecke Bautzen–Bad Schandau: Neukirch/Lausitz West–Oberottendorf–Neustadt (Sachsen) 6577, früher KBS 223 (A/-), Horka-Priebuser-Bahn, Bahnstrecke Horka–Przewóz: Horka–Lodenau–Steinbach (Neiße) 6587, früher KBS 231 (Ö), Lausitzer Bergland-Bahn, Bahnstrecke Ebersbach–Löbau: Ebersbach (Sachs)–Abzweig Höllengrund 6588, früher KBS 232 (Ö), Mandaubahn, Bahnstrecke Mittelherwigsdorf–Varnsdorf–Eibau: Eibau–Seifhennersdorf Grenze (SPNV zwischen Seifhennersdorf und Grenze mit Tschechien) 6629, früher KBS 529 (U), Muldentalbahn, Bahnstrecke Glauchau–Wurzen: Großbothen–Colditz 6823, früher KBS 503 (Ö), Muldebahn, Bahnstrecke Beucha–Trebsen: Beucha–Trebsen
Sachsen und Sachsen-Anhalt 6831, früher KBS 218 (Ö), Dübener-Heide-Bahn, Pretzsch–Eilenburg Ost (drei Kilometer sind elektrifiziert)
Sachsen und Thüringen 6653, früher KBS 547 (-), Werdauer Waldbahn, Bahnstrecke Werdau–Mehltheuer: Werdau West–Wünschendorf/Elster 6656/6658, früher KBS 543 (Ö), Wisentatalbahn, Bahnstrecke Schönberg–Schleiz: Schönberg (Vogtl)–Schleiz West
Sachsen-Anhalt 6800, früher KBS 588 (U/Ö/U), Halle-Hettstedter Eisenbahn, Bahnstrecke Halle Klaustor–Hettstedt: Halle-Nietleben–Halle Heidebf–Halle-Dölau–Hettstedt (Eigentümer: Roth AG (ROP)) 6830, früher KBS 218 (Ö), Dübener-Heide-Bahn, Bahnstrecke Pratau–Torgau: Pratau–Pretzsch 6855, früher KBS 342 (Ö), Köthen–Akener Bahn, Bahnstrecke Köthen–Aken: Köthen–Aken (Elbe) (BRE) 6861, früher KBS 316 (Ö/-), Zuckerbahn, Bahnstrecke Blumenberg–Eilsleben: Blumenberg–Klein Wanzleben–Eilsleben, Güterverkehr bis Klein Wanzleben (Bioethanolwerk) 6900, früher KBS 302 (Ö/-), Drömlingbahn, Bahnstrecke Salzwedel–Oebisfelde: Salzwedel–Klötze–Oebisfelde (Brücke über den Mittellandkanal fehlt) 6901, früher KBS 302 (Ö/U), Arendseebahn, Bahnstrecke Salzwedel–Geestgottberg: Salzwedel–Arendsee–Geestgottberg
Sachsen-Anhalt und Thüringen 6726, KBS 585 (Ö), Unstrutbahn, Bahnstrecke Naumburg–Artern: von Nebra bis Artern (SPNV zwischen Nebra und Wangen (Unstrut)) 6814, früher KBS 553 (Ö), Zeitz–Altenburger Eisenbahn, Bahnstrecke Zeitz–Altenburg: Zeitz–Tröglitz–Meuselwitz (BRE)
Thüringen 6683, früher KBS 556 (-), Thüringer Oberlandbahn, Bahnstrecke Triptis–Marxgrün: Triptis–Ebersdorf-Friesau 6688, früher KBS 567 (-), Max-und-Moritz-Bahn, Bahnstrecke Probstzella–Neuhaus am Rennweg: Probstzella–Ernstthal am Rennsteig 6725, früher KBS 593 (U), Kyffhäuserbahn, Bahnstrecke Bretleben–Sondershausen: Bretleben–Bad Frankenhausen (im Auftrag der Bundeswehr)
Legende A – Anschlussbahn gemäß § 9 BOA; G = im Genehmigungs-/Erlaubnisverfahren; KBS – Kursbuchstrecke; Ö – Öffentliche Strecke gemäß § 6 oder 7 AEG; U = nur Unternehmensgenehmigung;
Infrastrukturmaßnahmen Um den Bahnverkehr auf ihrem Streckennetz nach einer längeren, verkehrslosen Zeit wieder aufzunehmen oder zu verbessern, hat die DRE unter anderem folgende Infrastrukturmaßnahmen initiiert: Bahnstrecke Pretzsch–Eilenburg: Errichtung einer Be- und Verladestation für Güterzüge mit Kies des Kieswerks Laußig; die Erstverladung fand am 4. November 2008 statt. Ende Juli 2010 wurde der neue Haltepunkt Bad Schmiedeberg Kurzentrum eröffnet, so dass die Fahrten vom bisherigen Endbahnhof Bad Schmiedeberg um einen Kilometer verlängert werden konnten. Anfang Juli 2011 wurde der Abschnitt Eilenburg Ost–Übergabebahnhof Kieswerk Sprotta wieder für den elektrischen Betrieb hergerichtet.Deutsche Regionaleisenbahn, Pressemitteilung 06/2011 vom 30. Juni 2011: Kieswerk bei Eilenburg kann wieder mit der Bahn elektrisch angefahren werden. Horka-Priebuser-Kleinbahn: Ertüchtigung der Strecke im Herbst 2008 bis zu einem neuen Pelletwerk im Gewerbegebiet am Rothenburger Flugplatz; ab Anfang 2009 sollte das Fertigprodukt mit drei Ganzzügen pro Woche abgefahren werden. Im September 2009 meldete das Werk jedoch Insolvenz an, und es wurde nie ein Zug über die Strecke abgefahren (Stand Juni 2012). Niederlausitzer Eisenbahn: Inbetriebnahme eines Anschlussgleises in das Industriegebiet Luckau-Alteno am 12. Juni 1999. Abbau der Schienen Mitte der 1990er Jahre im Abschnitt Groß Leuthen–Gröditsch–Beeskow, so dass diese Teilstrecke seither nicht mehr befahrbar ist. Thüringer Oberlandbahn: Nachdem das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig auf einen Eilantrag der DRE entschieden hat, dass die Eisenbahnüberführung über die Bundesautobahn 9 (BAB 9) bei Moßbach bei der Verbreiterung der Autobahn nicht abgerissen werden darf, konnte Ende Oktober 2008 mit der DEGES ein Kreuzungsvertrag abgeschlossen werden, der den Abriss im Oktober 2009 und den Neubau einer längeren Eisenbahnbrücke über die BAB 9 vorsah. Unstrutbahn: Neubau eines Bahnsteiges in Wangen (Unstrut), den der sachsen-anhaltische Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre am 9. April 2009 einweihte.Seit dem 10. April fahren die vom Land Sachsen-Anhalt bestellten Züge von Nebra um etwa zwei Kilometer weiter zum neuen Haltepunkt (wodurch für Besucher der Arche Nebra der Umstieg in Nebra entfällt).
Streckenkonsolidierung Streckenüberprüfungen und Konsequenzen Die DRE teilt ihre Strecken in Verkehrsstrecken, die für den Schienenverkehr bereitgehalten werden, und Entwicklungsstrecken ein, die meist stillgelegt sind und deren Trassen mit dem Ziel gesichert werden sollen, sie auch zu Verkehrsstrecken zu machen.