mini|Karte von Elam
Das Reich Elam (sumerisch ElamKI,Piotr Michalowski: Observations on 'Elamites' and 'Elam' in Ur III Times, in: P. Michalowski (Hrsg.) On the Third Dynasty of Ur. Studies in Honor of Marcel Sigrist, Boston 2008, 109–124, S. 109f. akkadisch KURElamtum;Rykle Borger, Mesopotamisches Zeichenlexikon, Zweite, rev. u. aktual. Auflage, Münster 2010, 400 Nr. 690 griechisch Ἐλυμαία Elymaía oder Ἐλυμαΐς Elymaḯs) mit der Hauptstadt Susa (bzw. Schusim) lag östlich des Tigris in einem Gebiet, das heute Chusistan (im heutigen Iran) genannt wird. In seiner wechselvollen Geschichte – zwischen 3000 und 640 v. Chr. – wurde es immer wieder von den Mächten des Zweistromlandes (Sumerer, Akkader, Babylonier, Assyrer) erobert und fiel seinerseits häufig in Mesopotamien ein.
Seit dem 14. Jahrhundert v. Chr. war „König von Anschan und Susa“ ein Titel elamischer Könige. Als Anschan wurde ein Gebiet Elams bezeichnet, das an Parsu(m)a(sch) und Ellipi grenzt.Erika Bleibtreu: Achaimenidische Kunst. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 186–219, hier: S. 187 und 195, Anm. 5.
Etymologie Der Name Elam ist zuerst ab der Mitte des 3. Jahrtausends vor Chr. in sumerischen Quellen belegt und bezeichnete das Hochland im Osten (heute Iran) und seine Bewohner. Geschrieben wurde der Name mit dem Sumerogramm NIM. NIM hat die Bedeutung von hoch. Meistens wurde es begleitet vom Determinativ KI, das Land bedeutet. Die akkadische Form war gewöhnlich elamtum, für das Land und elamû, Feminin ela(m)mītu(m) für „elamisch“.Wolfram von Soden: Akkadisches Handwörterbuch, Band I, Wiesbaden 1965, 196f. Erst im 18. Jahrhundert v. Chr. während der Herrschaft von Siwe-Palar-Khuppak ist Elam erstmals in elamischer Sprache als halHatamti, hal Hatamti oder Hatamti- nachgewiesen. Daneben gab es auch die Form Haltamti, die Walther Hinz als Zusammensetzung aus den elamischen Wörtern hal „Land“ und tampt „Herr“ erklärt. Also „Land des Herrn“.Walther Hinz: Das Land Elam, Stuttgart 1964, S. 18 Es erscheint daher möglich, wenn auch schwer strikt zu beweisen, dass das sumerische Wort Elam mit Haltamti oder auch nur mit hal „Land“ zusammenhängt. Wegen der Bedeutung des Sumerogramms wurde mehrfach eine Verbindung zu akkadisch elû(m) „hoch“ erwogen.Daniel T. Potts: The Archaeology of Elam. Formation and Transformation of an Ancient Iranian State. Cambridge 1999, S. 2–5. Das stößt aber auf große sprachliche Schwierigkeiten und trägt auch nicht dem Umstand Rechnung, dass das Wort zuerst im Sumerischen belegt ist.François Vallat: ELAM : haltamti / Elamtu, Nouvelles Assyriologiques Brèves et utilitaires 1996, S. 77, Nr. 89, https://sepoa.fr/wp/wp-content/uploads/2012/05/1996-3.pdf
Der moderne Name Elam ist wie viele andere Orte, die in der westlichen Tradition als biblische Länder gelten, eine Adaption von ‘Êlām aus der hebräischen Sprache, von dem das griechische Wort Ailam abgeleitet ist.Javier Álvarez-Mon, Gian Pietro Basello, Yasmina Wicks (Hrsg.): The Elamite World. London/New York 2018, S. i. Elam wurde über das Alte Testament der Bibel bekannt. Es wird in der Völkerliste aufgeführtGenesis 10,22. (bibelwissenschaft.de) und der König Kedor-Laomer wird erwähnt.Genesis 14,1. Elam ist prominent bei Jeremia aufgeführtJeremia 49: 34–9. (bibelwissenschaft.de) und im Buch Daniel erscheint der Ort im Traum des Propheten.Daniel 8. (bibelwissenschaft.de) Bei Esther ist es der Ort mit den wichtigen Ereignissen.Esther 1. (bibelwissenschaft.de) Im Neuen Testament taucht das Volk der Elamer in der Apostelgeschichte des Lukas auf.Lukas 2. (bibelwissenschaft.de)Daniel T. Potts: The Archaeology of Elam. Formation and Transformation of an Ancient Iranian State. Cambridge 1999, S. 5.
Geschichte mini|Der fruchtbare Halbmond um 2000 v. Chr.
Hauptsiedlungsgebiet der Elamiter war das Flachland im Südwesten des heutigen Irans, im Wesentlichen die heutigen Provinzen Ilam, Chuzestan und Luristan. Zum Gebiet des alten Elam gehörte weiter im Osten auch das Bergland um Anzan, was Teile der heutigen Provinz Kohgiluyeh und Boyer Ahmad und den Westen von Fars umfasst.
Proto-Elamisch (3200–2900 v. Chr.)
Die Proto-Elamische Sprache war, wie das Sumerische, weder indogermanisch noch semitisch. Bisher ist es nicht gelungen, die Schrift zu entziffern, und daher kann auch nicht mit Sicherheit belegt werden, dass es ein Vorgänger des Elamischen ist. Ein Argument für die Kontinuität sind einige Zeichen, die in beiden Schriften ähnlich sind. Ein Argument dagegen ist der lange Hiatus zwischen den Schriften. Proto-elamisch ist daher ein problematischer, aber etablierter Fachbegriff.Daniel T. Potts: The Archaeology of Elam. Formation and Transformation of an Ancient Iranian State. Cambridge 1999, S. 83.
Das Proto-Elamische wird mit den Schichten 16 bis 13 in die Susa-III-Periode datiert.Roger Matthews, Hassan Fazeli Nashli: The Archaeology of Iran from the Palaeolithic to the Achaemenid Empire. Routledge London/New York 2022, S. 188–235. Auf dem iranischen Plateau fällt es zeitlich in die mittlere und späte Banesh-Periode.Daniel T. Potts: The Archaeology of Elam. Formation and Transformation of an Ancient Iranian State. Cambridge 1999, S. 79–81. Hier ist der Fundort Anschan (Persien) (Tal-i Malyan) das Zentrum. Absolut wird der proto-elamische Zeitraum vom späten 4. Jahrtausend bis ins frühe 3. Jahrtausends v. Chr. datiert.
Neben der proto-elamischen Schrift gibt es weitere Hinterlassenschaften, die zur proto-elamischen Kultur gezählt werden. Dabei handelt es sich vor allem um die charakteristische Ikonographie. Hauptquelle sind Rollsiegel und Figurinen, Monumentalkunst ist unbekannt.Pittmann: The Proto-Elamit Periode. In: The Royal City of Susa. 1992, S. 70. Rollsiegelabdrücke wurden in großer Zahl auf proto-elamischen Tafeln gefunden. Sie zeigen Tiere, die wie Menschen handeln. Beispiele hierfür sind das Weben, das Marschieren oder das Fischen. Eine besondere Rolle nehmen der Löwe und der Stier ein, die häufig in einer Art „ewigen Kampfes“ dargestellt werden, in dem mal der Stier, mal der Löwe gewinnt.Porada: Art of Ancient Iran. 1969, S. 34–39. Pittmann: The Proto-Elamit Periode. In: The Royal City of Susa. 1992, S. 70.Le Breton: The Early Periods of Susa, Mesopotamian Relations. In: The Royal City of Susa. 1957, S. 105–108. Neben den Siegeln gibt es einige gut ausgearbeitete Skulpturen, die ebenfalls Tiere darstellen. Dies sind einerseits einfache Tiere, anderseits anthropomorphe Tiere, die Kleidung tragen und ebenfalls bei typisch menschlichen Handlungen dargestellt sind.Aruz: Power and Protection: a little Proto Elamit Silver Bull Pendant. 2002, S. 1–14.Pittmann: Proto-Elamit Seals and Sealings. In: The Royal City of Susa. 1992, S. 69–70.
Vor Beginn der proto-elamischen Kultur ist Susas materielle Kultur stark von der Uruk-Kultur Mesopotamiens geprägt. Susa II wird bis zum Zusammenbruch Uruks als dieser Kultur zugehörige Fundstelle betrachtet. Bereits am Ende dieser Phase sind jedoch einige proto-elamische Züge zu beobachten. In Susa III kommt es 2950 v. Chr. zu einem deutlichen Bruch in der materiellen Kultur.Pittmann: The Proto-Elamit Periode. In: The Royal City of Susa. 1992, S. 68–70.Daniel T. Potts: The Archaeology of Elam. Formation and Transformation of an Ancient Iranian State. Cambridge 1999, S. 71–79. Zur Erklärung dieses abrupten Wechsels dienen mehrere Hypothesen. Amiet geht von einer Eroberung des Uruk-Susa durch Hochlandethnien aus. Steve hingegen vermutet, Susa habe sich von einer Uruk-Fremdherrschaft befreit. Daniel T. Potts stellt fest, es gebe keine archäologischen Beweise für kriegerische Auseinandersetzungen oder den von Amiet behaupteten Kampf der Ethnien.Daniel T. Potts: The Archaeology of Elam. Formation and Transformation of an Ancient Iranian State. Cambridge 1999, S. 82–83.
Gleichzeitig zur späten Uruk-Kultur und Susa II bestand in Fars die frühe Banesh-Phase, die durch geringe Besiedlung und wenig Zentralisation gekennzeichnet ist. Tal-i Malyan spielt keine besondere Rolle im Siedlungsmuster. Die mittlere und späte Banesh-Phase ist gleichzeitig mit Susa III und ihrer proto-elamischen Kultur. In der mittleren Banesh-Phase wird Tal-i Malyan mit öffentlichen Gebäuden handwerklicher Spezialisierung und zentraler Administration zu einer kleinen Stadt von 45 Hektar. In der späten Banesh-Phase wächst sie sogar auf 200 Hektar an und wird von einer massiven Mauer umschlossen.
Von den beiden Zentren Susa und Tal-i Malyan verbreitet sich die Proto-Elamische Kultur auf dem gesamten Iranischen Plateau bis zum Südrand der Wüste von Lut. Vereinzelt finden sich sogar proto-elamische Objekte im Sistan Becken.Pittmann: The Proto-Elamit Periode. In: The Royal City of Susa. 1992, S. 69.
Am Ende der ersten Hälfte des 3. Jahrtausends bricht die proto-elamische Kultur zusammen. Gleichzeitig zur frühdynastischen Zeit in Mesopotamien beginnt um etwa 2800 v. Chr. Susa IV, das weder die proto-elamische Schrift noch die typische Ikonographie aufweist und seiner materiellen Kultur nach eher zu Mesopotamien gehört. Am Ende der Banesh-Zeit, 2600 v. Chr., brechen Tal-i Malyan und viele weitere Siedlungen in Fars ab, die proto-elamische Kultur verschwindet.Daniel T. Potts: The Archaeology of Elam. Formation and Transformation of an Ancient Iranian State. Cambridge 1999, S. 90. Es folgt eine Zwischenzeit von mehreren hundert Jahren bis zum Beginn der altelamischen Kultur.
Trans-Elamisch (2900–2100 v.Chr) mini|Chloritgefäß aus dem Kunsthandel im Trans-Elamischen Stil
Der Begriff „trans-elamisch“ ist eine Alternative zu dem Terminus „interkultureller Stil“ oder „série ancienne“.Daniel T. Potts: The Archaeology of Elam. Formation and Transformation of an Ancient Iranian State. Cambridge 1999, S. 89–100. Er bezeichnet einen bestimmten Stil, der in einem weiten Raum von Mesopotamien und der Arabischen Halbinsel bis in das Industal verbreitet ist. Eines seiner Produktionszentren ist Tepe Yahya.Kohl: Carved Chlorite Vessels: A Trade in Finished Commodities in the Mid-Third Millennium. 1975, S. 18–31. Der Stil datiert in die Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. Er ist damit gleichzeitig mit der frühdynastischen Zeit in Mesopotamien.
Bei diesem Stil handelt es sich um eine sehr charakteristische Ikonographie, die sich überwiegend auf Steatit- oder Chloritgefäßen befindet. Es sind auch einige Metallgefäße in diesem Stil erhalten. Der Begriff wurde von Amiet eingeführt. Aufgrund der Herkunft dieses Stils aus Südostiran nahm er an, es handele sich um die Nachfolger des proto-elamischen Stils und schließe somit die Lücke zur altelamischen Kultur, mit der sich diese Objekte zeitlich auch überschneiden. Es gibt jedoch eine zeitliche Lücke zwischen proto-elamischem und trans-elamischen Stil, die eine Kontinuität unwahrscheinlich machen. Trotzdem ist der Begriff in der Wissenschaft etabliertVgl. etwa S. Winkelmann: Ein neues trans-elamisches Siegel. In: Archäologische Mitteilungen aus Iran und Turan. Band 29, 1997, S. 135–146. und wird mit dem Begriff „Interkultureller Stil“ synonym verwendet.
Altelamische Periode (2600–1900 v. Chr.) Die altelamische Periode oder Epoche umfasst eine Zeit von 2600 bis 1900 (oder etwa 2100 bis 1600Erika Bleibtreu: Iran in prähistorischer und frühgeschichtlicher Zeit. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 77–185, hier: S. 77.) v. Chr. Es gab zwei elamische Dynastien: Die erste sind die Könige von Awan, die zweiten die von Schimaschki. Durch die gesamte Alt-elamitische Zeit wurde Elam immer wieder von mesopotamischen Herrschern erobert. Nur selten war es unabhängig.
Die Dynastie von Awan