Kleie (althochdeutsch klī(w)a, zurückgehend auf indogermanisch *glei- ‚klebrig‘;Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 376. lateinisch furfur bzw. cantabrum, mittellateinischVgl. Lorenz Diefenbach: Glossarium latino-germanicum mediae et infimae aetatis. Joseph Baer, Frankfurt am Main 1857, S. 406. auch palea) ist ein Sammelbegriff für die bei der Getreideverarbeitung nach Absieben des Mehles zurückbleibenden Rückstände aus Schalen (Samenschale, Fruchtschale), der Aleuronschicht und dem Keimling. Kleie ist ein Mühlennachprodukt und nicht zu verwechseln mit den Spelzen. mini|Weizenkleie mini|hochkant|Kleiekotzer aus dem 18. Jahrhundert; am Auslauf der Kleie aus dem Beutelkasten waren oft solche Masken angebracht

Kleie wurde früher vorwiegend als Futtermittel verwendet. Im Rahmen der Vollwerternährung hat Kleie als Ballaststofflieferant zur menschlichen Ernährung zunehmende Bedeutung (etwa in Müsli, Grahambrot oder in Knäckebrot) gewonnen. Kleie besteht hauptsächlich aus den Nichtstärke-Kohlenhydraten Cellulose und Hemicellulose sowie aus Lignin.

Müllerische Gewinnung Da Kleie im Wesentlichen aus den Randschichten des Getreidekorns besteht, muss das Getreide vor der Vermahlung gründlich von anhaftendem Schmutz, Mikroorganismen und eventuellen anderen Kontaminanten gereinigt werden. Dies geschieht in der Getreidemühle durch die Schwarz- und Weißreinigung.

Kleie ist der nach der Vermahlung und Absiebung des Mehles (Plansichter) verbleibende Rückstand aus Randschichten und Keimlingen. Als Mühlennachprodukt sollte Kleie höchstens 20 % Stärke enthalten. Die Zusammensetzung der Kleie hängt von der angewandten Müllereitechnologie ab. Bei Vollkornmehlen oder -schroten wird die Kleie mitvermahlen.

Zusammensetzung

Durchschnittliche Zusammensetzung Die Kleie ausgewählter Getreidearten weist folgende Zusammensetzung auf: Inhaltsstoff (%) Weizen Roggen Hafer Reis Gerste Nichtstärke-Kohlenhydrate 45–50 50–70 16–34 18–23 70–80 Stärke 13–18 12–15 18–45 18–30 8–11 Protein 15–18 8–9 13–20 15–18 11–15 Fett 4–5 4–5 6–11 18–23 1–2

Durchschnittliche Zusammensetzung von Weizenkleie Die Zusammensetzung von Weizenkleie schwankt naturgemäß, sowohl in Abhängigkeit von den Umweltbedingungen (Boden, Klima) als auch von der Anbautechnik (Düngung, Pflanzenschutz).

Angaben je 100 g essbarem Anteil: Bestandteile Wasser 11,5 g Eiweiß 14,9 g* Fett 4,7 g Kohlenhydrate 17,3 g** Ballaststoffe 45,4 g Mineralstoffe 6,2 g Mineralstoffe Natrium 2 mg Kalium 1350 mg Magnesium 490 mg Calcium 65 mg Mangan 13 mg Eisen 16 mg Kupfer 1300 µg Zink 9400 µg Phosphor 1140 mg Jodid 30 µg Selen 2 µg Vitamine Retinol (Vit. A1) 1 µg Thiamin (Vit. B1) 650 µg Riboflavin (Vit. B2) 510 µg Nicotinsäure (Vit. B3) 18 mg Pantothensäure (Vit. B5) 2500 µg Vitamin B6 730 µg 1 Folsäure 195 µg Vitamin E 2700 µg Aminosäuren Arginin 1230 mg Histidin 440 mg Isoleucin 770 mg Leucin 1120 mg Lysin 720 mg Methionin 250 mg Phenylalanin 650 mg Threonin 590 mg Tryptophan 250 mg Tyrosin 460 mg Valin 880 mg * Eiweißgehalt nach der EU-Richtlinie zur Nährwertkennzeichnung; (Faktor: 6,25):16,0 g ** Differenzberechnung 1) Vitamin B6 kaum bioverfügbar 1 mg = 1000 µg

Der physiologische Brennwert von Weizenkleie beträgt ca. 720 kJ/100 g (172 kcal/100 g), bei Haferkleie sind es ca. 1.312 kJ/100 g (309 kcal/100 g).

Gesundheitliche Bedeutung Die quellfähigen und schleimbildenden Bestandteile der Kleie (β-D-Glucan und wasserlösliche Xylane) sorgen dafür, dass der Blutzuckeranstieg nach Stärkeaufnahme verzögert wird, was bei Menschen mit Diabetes erwünscht ist. Neben Vitaminen und Mineralstoffen sind in den Randschichten des Getreides auch unerwünschte Inhaltsstoffe wie Abwehrstoffe gegen Fraßfeinde (etwa Phytin) und Verunreinigungen (etwa Pestizide, Schwermetalle und Schimmelpilzgifte) konzentriert. Phytin bindet im Darm Mineralstoffe und Vitamine und verhindert dadurch die Verwertung dieser Stoffe für die Ernährung.Helmut Sigel: Zinc and Its Role in Biology and Nutrition. Dekker, New York 1983, ISBN 0-8247-7462-0 (Metal Ions in Biological Systems. Band 15), S. 333.

Bei der Verwendung von Kleie zur menschlichen Ernährung muss auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, da es sonst zu schwerwiegenden Verstopfungen kommen kann. Im schlimmsten Fall kann es zu einem lebensbedrohenden Darmverschluss kommen.

Kleie (lateinisch CantabrumOtto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 167 („Cantabrum – clighe von den ghersten“, Kleie von Getreidearten, insbesondere von Weizen oder Gerste).), früher auch KleibeGundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 408 (Kleibe: die äußere zerriebene Zellschicht von Getreidekörnern, die durch Sieben (Beuteln) von Mehl getrennt wird, Kleie). und KleibFrühneuhochdeutsches Wörterbuch. genannt, war und ist als Futterbestandteil insbesondere für Pferde wegen ihres hohen Fett-, Protein- und Magnesiumgehaltes geschätzt. Die Proteine sind jedoch nicht gut verwertbar. Kleie enthält überdies sehr viel Phosphor, sodass das Verhältnis Phosphor/Calcium ungünstig ist. Das führte früher zur Müllerpferdekrankheit und kann durch Zugabe von Kalk vermieden werden. Kleie ist in manchen Mash-Rezepten enthalten und dient eingeweicht der Zufütterung (max. 10 %).https://www.pferdchen.org/Pferde/Ernaehrung/Pferdefutter/Weizenkleie.html, abgerufen am 13. Jan. 2018.https://www.pavo-futter.de/beratung/f%C3%BCtterung-und-zucht/pferdefutter-und-rohstoffe-welches-pferdefutter-fuer-ihr-pferd, abgerufen am 13. Jan. 2018.https://www.dr-susanne-weyrauch.de/gesundheit/futtermittel/weizenkleie, abgerufen am 13. Jan. 2018.

Siehe auch Flohsamenschalen

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Getreideprodukt Kategorie:Getreidemühlenwesen Kategorie:Futtermittel