mini|Johann Peter Hebel, Pastell von Philipp Jakob Becker (1807) Johann Peter Hebel (* 10. Mai 1760 in Basel;Lokale Überlieferungen geben als Hebels Geburtsort auch Hauingen an, wo seine Eltern 1759 geheiratet hatten. Literarisch wurden diese Überlieferungen von Richard Nutzinger in der Erzählung Das Hanspeterli verarbeitet (Heidelberg: Ev. Verlag Comtesse 1938). Hebel selbst hat allerdings Basel als seinen Geburtsort bezeichnet und war dort auch am 13. Mai 1760 getauft worden (Gerhard Moehring, Michael Fautz, Werner Heuer: Hauingen. Ein Dorfbuch zur 900-Jahrfeier, 2002, S. 276–283; Hebel in einem Brief an Friedrich Wilhelm Hitzig, altbasel.ch). Vgl. auch Hans G. Nutzinger: Hebels Geburtsort ist Basel – nicht Hauingen, in: Baselbieter Heimatblätter 2010, S. 67–69. † 22. September 1826 in Schwetzingen) war ein deutscher Schriftsteller, evangelischer Geistlicher und Lehrer.

Hebel wuchs in Hausen im Wiesental und Basel auf und verlor früh beide Eltern. Förderer ermöglichten ihm den Besuch des Karlsruher Gymnasiums, das er 1778 abschloss. Danach studierte er Theologie, wurde ordiniert, verschiedene Gesuche um eine Pfarrstelle blieben jedoch ohne Erfolg. In der Folge unterrichtete er im Badischen Oberland. 1791 wurde er als Lehrer an das Karlsruher Gymnasium berufen, dessen Leitung er 1808 übernahm. Seit 1792 wirkte er außerdem als Hofdiakon am Hof Markgraf Karl Friedrichs. 1819 wurde er Prälat der badischen lutherischen Kirche und damit Abgeordneter in der ersten Kammer der Badischen Ständeversammlung. Hebel setzte sich für die Vereinigung der lutherischen mit der reformierten Kirche ein und wurde 1821 der erste Prälat der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Inspiriert von der Sehnsucht nach seiner Wiesentäler Heimat verfasste Hebel Gedichte in alemannischer Mundart, die 1803 als Gedichtband Allemannische Gedichte erschienen und Hebel zum Pionier der alemannischen Mundartliteratur machten. Sein zweites bekanntes Werk sind zahlreiche, auf Hochdeutsch verfasste Kalendergeschichten, die er für die Volkskalender „Badischer Landkalender“ und „Der Rheinländische Hausfreund“ schrieb. Eine Auswahl dieser Geschichten wurde 1811 als Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes veröffentlicht. Dieses nahm Marcel Reich-Ranicki in seinen Kanon deutscher Literatur auf.

An Hebel erinnern unter anderem das jährliche Hebelfest in seiner Heimatgemeinde Hausen im Wiesental und der Johann-Peter-Hebel-Preis des Landes Baden-Württemberg.

Leben Kindheit und Schulzeit mini|hochkant|alt=Geburtshaus von Johann Peter Hebel (1760–1826), Totentanz 2 in Basel|Geburtshaus von J. P. Hebel(Totentanz 2 in Basel) mini|hochkant|Scherenschnitt von Hebel während seiner Gymnasialzeit

Johann Peter Hebel wurde am 10. Mai 1760 in Basel geboren, wo seine Eltern im Sommer im Patrizier-Haus Iselin arbeiteten. Seine Eltern wurden am 30. Juli 1759 in der Hauinger Dorfkirche getraut. Hebels Vater Johann Jakob (1720–1761),Wilhelm Zentner: Hebel, Johann Peter in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 165–168. Abgerufen am 3. Juli 2026 der aus Simmern im Hunsrück nach Südbaden gekommen war,Hans Ludwig Becker: Johann Peter Hebel und seine Hunsrücker Vorfahren. Zum 180. Todestag des Dichters (2008) (hunsruecker-geschichtsverein.de; abgerufen am 13. August 2025). starb bereits 1761 an Typhus. Ebenfalls dem Typhus erlag Hebels jüngere Schwester Susanne, nur wenige Wochen alt.Trachsler: Ich bin von armen, aber frommen Eltern geboren …, S. 11 f.

Seine Kindheit verlebte er zur Hälfte in der Stadt, zur anderen Hälfte in Hausen im Wiesental, dem Heimatdorf seiner Mutter Ursula Hebel, geborene Oertlin (1726 oder 1727–1773),Wilhelm Zentner: Hebel, Johann Peter in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 165–168. Abgerufen am 3. Juli 2026 wo sein Vater im Winter als Weber gearbeitet hatte. „Da habe ich frühe gelernt arm sein und reich sein […] nichts haben und alles haben, mit den Fröhlichen froh sein und mit den Weinenden traurig“, erinnerte sich Hebel später in einem Entwurf für eine Predigt.Antrittspredigt vor einer Landgemeinde. In: pcom.de, abgerufen am 20. Mai 2025. Wie sich später in seinem Werk zeigte, war Hebel sowohl von Erinnerungen an das städtische Basel als auch an das ländliche Wiesental geprägt.

Ab 1766 besuchte Hebel die Volksschule in Hausen und ab 1769 die Lateinschule in Schopfheim (heutiges Theodor-Heuss-Gymnasium), wo er ein Schüler von August Gottlieb Preuschen war. In den Sommermonaten wurde er in der Gemeindeschule in Basel unterrichtet und ab dem Jahre 1772 im dortigen Gymnasium am Münsterplatz. Als Hebel dreizehn war, erkrankte seine Mutter schwer. Mit einem Ochsenkarren eilten Hebel und der Hausener Vogt Johann Jakob Maurer nach Basel, um die Kranke nach Hausen zu bringen. Sie starb jedoch unterwegs im Beisein von Hebel zwischen Brombach und Steinen.Viel: Johann Peter Hebel, S. 21–24.

1774 trat Hebel ins Karlsruher Gymnasium illustre ein, wo er von Förderern finanziell unterstützt wurde und als „Kostgänger“ unter anderem bei seinem ehemaligen Lehrer, dem späteren Hofdiakon Preuschen, und dessen Bruder, bei Gymnasialprofessor Christof Mauritii, dem Staatsrechtler Philipp Rudolf Stösser (1751–1825) und dem jungen Beamten Johann Nicolaus Friedrich Brauer speiste. Hebel erbrachte am Gymnasium sehr gute Leistungen, wurde 1776 in die Lateinische Gesellschaft der Markgrafschaft Baden in Karlsruhe aufgenommen und schloss das Gymnasium 1778 ab.Viel: Johann Peter Hebel, S. 77 f. und S. 83.

Als Lehrer in Hertingen und Lörrach Während seines Studiums wurde er in Erlangen Mitglied im Amicistenorden.Karl Hoede: Burschen heraus. Zur Erinnerung an den Ursprung der alten Burschenherrlichkeit. Frankfurt am Main 1962, S. 54. Nach einem zweijährigen Theologiestudium (1778–1780) in Erlangen bestand er im September 1780 in Karlsruhe die Examensprüfung und wurde im November Kandidat für ein Pfarramt. Ein solches erhielt er jedoch nicht, sondern trat stattdessen eine Stelle als Hauslehrer in Hertingen beim dortigen Pfarrer Schlotterbeck an. Auf Wunsch Schlotterbecks wurde er nach zwei Jahren ordiniert und betätigte sich auch in der Seelsorge in Hertingen und Tannenkirch.Trachsler: Ich bin von armen, aber frommen Eltern geboren …, S. 13. Hebel nutzte seine Zeit in Hertingen außerdem für ausgedehnte Wanderungen im badischen Oberland und bis in den Hunsrück, die Heimat seines Vaters.

1783 wurde er zum Präzeptoratsvikar (Hilfslehrer) am Pädagogium in Lörrach ernannt. Verbunden mit dieser Aufgabe war auch das Predigen in Grenzach; allerdings war die Besoldung so karg, dass Hebel sie mit Nachhilfestunden aufbessern musste.Viel: Johann Peter Hebel, S. 105–111. Mit dem Lörracher Schulleiter Tobias Günttert schloss Hebel Freundschaft. Über ihn lernte er auch Gustave Fecht kennen, Güntterts Schwägerin, mit der er eine lang andauernde platonische Beziehung führte und der er zahlreiche Briefe schrieb. Hebel blieb sein Leben lang unverheiratet, obgleich er in späteren Jahren die Schauspielerin Henriette Hendel-Schütz sehr verehrte.

Wechsel nach Karlsruhe mini|Karl Agricola: Doppelbildnis Johann Peter Hebel mit Elisabeth Baustlicher, 1814 in Karlsruhe (Historisches Museum Basel) 1791 wurde er als Subdiakon an das gymnasium illustre in Karlsruhe berufen, was für ihn den Abschied von Südbaden bedeutete. Neben der Lehrtätigkeit am Gymnasium predigte er in Karlsruhe auch gelegentlich bei Hofe, wobei er sich großer Beliebtheit erfreute.Trachsler: Ich bin von armen, aber frommen Eltern geboren …, S. 17. Bereits 1792 wurde Hebel Hofdiakon, 1798 außerordentlicher Professor.Viel: Johann Peter Hebel, S. 286 f. Am Gymnasium unterrichtete er weiter mehrere Unterrichtsfächer, darunter auch Botanik und Naturgeschichte.

Hebel unterhielt eine Pflanzensammlung, die er in einem umfangreichen Herbarium zusammengefasst hatte. Er war ferner mit dem Botaniker Karl Christian Gmelin befreundet, dessen Flora badensis alsatica er bezüglich der botanischen (lateinischen und griechischen) Bezeichnungen und Diagnosen überarbeitete. Gmelin seinerseits nahm in diesem Werk die Gewöhnliche Simsenlilie unter dem Namen Hebelia allemannicaCarl Christian Gmelin: Flora Badensis, Alsatica et confinium regionum cis-et transrhenana… Band 2. Hüller, Karlsruhe 1806 (). (heute Tofieldia calyculata) auf. 1799 wurde Hebel Ehrenmitglied der Jenaer mineralogischen GesellschaftSiehe Längin und Historische Nachricht von der Societät für die gesammte Mineralogie zu Jena, Jena 1801, S. 27 (Digitalisat). und 1802 korrespondierendes Mitglied der „Vaterländischen Gesellschaft der Ärzte und Naturforscher in Schwaben.“Oellers: Johann Peter Hebel, S. 61.

In jungen Jahren hatte Hebel Klopstock und Jung-Stilling gelesen, später schätzte er vor allem Jean Paul und Johann Heinrich Voß.Oellers: Johann Peter Hebel, S. 59, 70 f.

Sein Wunsch, sich als Pfarrer um eine Pfarrei im Wiesental kümmern zu dürfen, wurde nicht erfüllt. Wie groß dieser Wunsch war, zeigt sich darin, dass Hebel im Jahr 1820 eine Antrittspredigt für eine Landgemeinde verfasste und darin unter anderem schrieb: „An einem friedlichen Landorte, unter redlichen Menschen als Pfarrer zu leben und zu sterben, war alles, was ich wünschte, was ich bis auf diese Stunde in den heitersten und in den trübsten Augenblicken meines Lebens immer gewünscht habe.“ Stattdessen wurde Hebel, in seinen eigenen Worten, „an einer unsichtbaren Hand immer höher hinan, immer weiter von dem Ziel meiner bescheidenen Wünsche hinweggeführt“. Zwar erhielt er 1805 die Möglichkeit, die lutherische Pfarrei in Freiburg im Breisgau zu übernehmen, lehnte dies allerdings auf Wunsch des Großherzogs Karl Friedrich ab.Oellers: Johann Peter Hebel, S. 63.

1808 wurde er Direktor des Karlsruher Gymnasiums. Hebel blieb bis zu seinem Lebensende in Karlsruhe, von gelegentlichen Reisen in andere Landesteile abgesehen. Das heimatliche badische Oberland und seine ehemaligen Wirkungsstätten Hausen, Schopfheim, Lörrach und Weil besuchte er 1812 ein letztes Mal.Viel: Johann Peter Hebel, S. 225 und 289. Ab 1815 klagte Hebel vermehrt über gesundheitliche Probleme, die sich in den folgenden Jahren verschlimmerten.Oellers: Johann Peter Hebel, S. 67.

Wirken als Prälat und Abgeordneter 1819 wurde Hebel der erste Prälat der lutherischen Landeskirche und dadurch Mitglied der ersten Kammer der Badischen Ständeversammlung. Als Abgeordneter widmete er sich, seinem Hintergrund entsprechend, vor allem der Bildungs-, Kirchen- und Sozialpolitik. So unterstützte er unter anderem Anträge zur Gründung eines Taubstummeninstituts und Blindenheims und für die bessere Ausbildung der katholischen Geistlichen. Ein Wanderverbot für Handwerksburschen dagegen lehnte er ab.Viel: Johann Peter Hebel, S. 236 f.; Oellers: Johann Peter Hebel, S. 67. Bei der Einweihung des Landtagsgebäudes in Karlsruhe hielt Hebel die Festrede.Wolfgang Hug: Geschichte Badens, S. 213. 1820 erhielt Hebel zunächst das Ritterkreuz, später auch das Kommandeurkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen.Viel: Johann Peter Hebel, S. 290.

Bei der Vereinigung der lutherischen und reformierten Landeskirche Badens zur heutigen Evangelischen Landeskirche in Baden 1821 spielte Hebel ebenfalls eine wichtige Rolle: Er setzte sich für eine gemeinsame Liturgie der beiden Kirchen ein und war der erste Unterzeichner der die Vereinigung beschließenden Unionsurkunde. Für sein Wirken bei der Vereinigung verlieh ihm die Universität Heidelberg im gleichen Jahr den Ehrendoktortitel in Theologie.Viel: Johann Peter Hebel, S. 237 und 290. Auch der neuen Evangelischen Landeskirche stand Hebel als Prälat vor.

Tod mini|hochkant|Hebelgrabmal in Schwetzingen