Die Tennessee Titans sind eine American-Football-Mannschaft der National Football League (NFL) aus Nashville im US-Bundesstaat Tennessee. Sie spielen in der zur American Football Conference (AFC) gehörenden Southern Division, gemeinsam mit den Houston Texans, den Indianapolis Colts und den Jacksonville Jaguars. Von der Gründung 1959 beziehungsweise dem ersten Ligabetrieb 1960 bis zum Auszug aus dem Reliant Astrodome 1996 hießen sie Houston Oilers, bis zum Umzug in das aktuelle Stadion, das Nissan Stadium, 1998 Tennessee Oilers.
Die Houston Oilers waren 1959 Gründungsmitglied der American Football League (AFL) und kamen mit der Fusion 1970 zur NFL. In den ersten beiden Jahren der AFL konnte die Mannschaft das Endspiel gewinnen, was bis dato ihre einzigen Erfolge im Sinne von gewonnenen Endspielen sind. Ihren ersten Super Bowl spielten sie 2000, verloren diesen jedoch gegen die St. Louis Rams.
Teamgeschichte 1959 bis 1970 – Gründung und die Zeit in der AFL Am 3. August 1959 bekam Bud Adams die sechste von acht Lizenzen für ein Team der American Football League zugesprochen. Offizielle Teamgeschichte 1959–1970 (englisch) Zugriff am 9. März 2019. Er nannte das Team am 31. Oktober desselben Jahres aus „sentimentalen und sozialen Gründen“ Oilers. Am 11. Dezember 1960 konnten die Oilers den ersten ihrer bislang zwei Endspielerfolge erringen: Sie gewannen zunächst die AFL Eastern Division mit 31:23 gegen die Buffalo Bills und anschließend ihren ersten AFL-Titel mit 24:16 über die Los Angeles Chargers. Die zweite und zudem letzte AFL-Meisterschaft konnte das Team bereits ein Jahr später mit einem 10:3-Sieg über die neu beheimateten San Diego Chargers feiern.
Die 1970er Jahre – Sportlicher Misserfolg und die Geburt eines Stars Ab dem Jahr 1970 spielten die Oilers in der neu vereinten National Football League (NFL), genauer in der American Football Conference (AFC) in der Central Division. Sportlich konnte sich das Team kaum in Szene setzen. In den Jahren 1972 und 1973 erreichten die Oilers je nur einen Saisonsieg. Head Coach Bill Peterson wurde mit der Bilanz von 1-18 im Oktober 1973 entlassen und ist damit der erfolgloseste Trainer der Vereinsgeschichte. Offizielle Teamgeschichte 1970er (englisch) Zugriff am 9. März 2019.
mini|links|Earl Campbell schreibt Autogramme 1978 draften die Oilers an erster Stelle den Runningback Earl Campbell, welcher in seiner ersten Saison zum NFL Offensive Rookie of the Year und zum Most Valuable Player (MVP) gewählt wurde. Earl Campbell (englisch) Zugriff am 9. März 2019 Die Oilers gewannen am 24. Dezember 1978 zum ersten Mal seit 17 Jahren wieder ein Play-off-Spiel und wurden erst im AFC Championship Game vom späteren Super-Bowl-Sieger Pittsburgh Steelers gestoppt.
Ein Jahr später verpassten die Oilers, ebenfalls nach einer Niederlage gegen die Pittsburgh Steelers, erneut nur knapp den Einzug in den Super Bowl.
Die 1980er Jahre Zwischen 1982 und 1983 spielte Archie Manning bei den Houston Oilers, welcher zuvor elf Jahre bei den New Orleans Saints agierte. Manning kam insgesamt aber nur zu zwei Spielen für die Oilers, ehe er den Verein wieder verließ. Ebenfalls 1982 kam der Offensive Lineman Mike Munchak zu den Oilers. Seine zwölf Spielzeiten in der NFL verbrachte der spätere Hall-of-Fame-Spieler ausschließlich bei den Oilers. Er blieb der Organisation auch später treu und arbeitete von 1994 bis 2010 als Offensive Line Coach und wurde 2011 zum neuen Head Coach ernannt. Mike Munchak (englisch) Zugriff am 9. März 2019
Earl Campbell spielte noch bis 1984 für die Oilers, wurde dabei fünfmal in den Pro Bowl gewählt und stellte im Jahr 1980 mit 1.934 gelaufenen Yards eine Bestmarke in der NFL auf, nur knapp hinter O. J. Simpsons gelaufenem 2.003-Yards-Rekord aus dem Jahr 1973. Offizielle Teamgeschichte 1980er (englisch) Zugriff am 9. März 2019.
mini|links|hochkant|Warren Moon bei der Madden07 Release Party Im Jahr 1984 wechselte Campbell im Tausch gegen einen Erstrunden-Pick in der NFL Draft zu den New Orleans Saints. Im gleichen Jahr verpflichteten die Oilers den Quarterback Warren Moon, welcher aufgrund seiner schwarzen Hautfarbe nicht zu den zählte und zunächst in Kanada sein Geld verdiente. Die folgenden zehn Jahre führte Moon die Oilers als Spielmacher aufs Feld. In den Jahren 1987–1989 erreichten die Oilers dreimal die Play-offs scheiterten aber jeweils in den Divisional-Play-offs, 1989 sogar schon in der Wild-Card-Runde.
Die 1990er Jahre – Eine Ära beginnt, aber ein Yard fehlt! 1990 konnte Warren Moon seine Klasse erneut unter Beweis stellen: Moon warf 4.689 Yards und 33 Touchdowns in nur 15 Saisonspielen. Dafür erhielt er die Auszeichnung NFL Offensive Player of the Year und seine dritte von insgesamt neun Pro Bowl Nominierungen. Gegen die Kansas City Chiefs warf Moon 527 Yards, eine Leistung, die bis heute (Dezember 2017) in der NFL Geschichte nur von Norm Van Brocklin (554 Yards im Jahr 1951) übertroffen wurde.
1993 trennten sich die Wege und Moon setzte seine Karriere bei den Minnesota Vikings fort. Er spielte noch bis in das Jahr 2000 in der NFL und schaffte in seiner Karriere die drittmeisten Yards durch Passspiel in der NFL. Nach seinem Karriereende wurde er von Brett Favre, Peyton Manning, Tom Brady und Drew Brees überholt, belegt Ende 2015 aber immer noch Platz 7 dieser Statistik. Zudem wurde Moon im Jahr 2006 als erster schwarzer Quarterback in die Pro Football Hall of Fame aufgenommen. Warren Moon (englisch) Zugriff am 9. März 2019 Sportlich konnten sich die Oilers auch in den Jahren 1990–1993 für die Play-offs qualifizieren. Somit konnte das Team siebenmal in Folge in die Play-offs einziehen, (die bis dahin längste Serie) ohne jedoch größere Erfolge zu feiern.
Im November 1994 trennten sich die Oilers nach einem 1-9-Start von Jack Pardee und ernannten den bisherigen Defensive Coordinator Jeff Fisher zum neuen Head Coach, welcher das Team 16 Jahre lang leiten sollte. Offizielle Teamgeschichte 1990er (englisch) Zugriff am 9. März 2019. Mit einem 24:10-Erfolg über die New York Jets feierte Fisher seinen ersten NFL Sieg mit den Oilers.
mini|hochkant|Eddie George Am 22. April 1995 drafteten die Houston Oilers an dritter Stelle den Quarterback Steve McNair. Im folgenden Jahr kam Heisman-Trophy-Gewinner Eddie George im NFL Draft zum Team. Während sich die Mannschaft sportlich verstärkte und weiterentwickelte, rumorte es kräftig hinter den Kulissen. Besitzer Bud Adams wollte für sein Team ein neues Stadion. Bislang teilten sich die Oilers den Astrodome mit dem Baseball-Team der Houston Astros. Der Astrodome war demnach kein reines American-Football-Stadion und mit einer Kapazität von 50.000 Plätzen im Vergleich zu anderen Stadien auch recht klein. Bereits 1987 drohte Adams der Stadt Houston einen Umzug der Oilers nach Jacksonville an, sollte der Astrodome nicht umgebaut werden. Die Stadt fügte sich, ließ sich zu weiteren 10.000 Plätzen und 65 überreden und sicherte somit den Verbleib der Oilers für weitere zehn Jahre. Nach Ablauf dieser Frist und keiner weiteren Einigung wurde Bud Adams auf ein Angebot aus Nashville aufmerksam. Dort war der Bau einer neuen Arena geplant (das Adelphia Coliseum, heutige Nissan Stadium). Zunächst versuchte die Stadt erfolglos die New Jersey Devils aus der National Hockey League (NHL) nach Nashville zu locken, bevor Bud Adams seine Oilers anbot.
Die Nachricht des Umzugs der Oilers wurde in Houston mit Entsetzen aufgenommen. Die letzte Saison im Astrodome im Jahr 1996 wurde für die Oilers zu einem Desaster. Die Zuschauer verweigerten dem Team die Unterstützung und Radiostationen stellten die Übertragungen und Berichte ein. Am 15. Dezember 1996 machten die Oilers ihr letztes Spiel in Houston und verloren 13:21 gegen die Cincinnati Bengals.
Ab 1997 spielten die Tennessee Oilers übergangsweise im Liberty Bowl Memorial Stadium in Memphis, da das geplante Stadion noch zwei Jahre bis zur Fertigstellung brauchte. Diese Entscheidung war erneut äußerst kontrovers, da Memphis selbst gerne ein NFL-Team gehabt hätte und nun die Oilers nur zeitweise beherbergen sollte. Die Menschen in Memphis zeigten somit wenig Interesse an den Oilers. Für die Fans aus Nashville hingegen war die weite Anreise ein Problem. So kam es, dass die Oilers eine Saison vor der kleinsten Zuschauerzahl seit 1950 spielen mussten. Aufgrund des geringen Zuschauerzuspruchs entschied sich Bud Adams die Heimstätte für die Saison 1998 doch nach Nashville zu verlegen, wo die Oilers das kleinere Vanderbilt Stadium mit heimischen Anhängern füllen konnten. In beiden Übergangsspielzeiten verpassten die „Tennessee Oilers“ die Play-offs.
Um den Neuanfang in Nashville zu symbolisieren, entschied Bud Adams eine Änderung des Teamnamens, sowie der Trikotfarben. Am 14. November 1998 wurde der neue Name Tennessee Titans, sowie das neue Logo vorgestellt.
mini|Blick ins LP Field Die erste Saison in der neuen Heimat sollte zur erfolgreichsten und dramatischsten der bisherigen Vereinsgeschichte werden: Die Titans beendeten die Saison mit einer herausragenden Bilanz von 13-3, qualifizierten sich dennoch hinter den Jacksonville Jaguars (14-2) nur über die Wild Card für die Play-offs.
Im AFC-Wild-Card-Spiel zuhause im Adelphia Coliseum gegen die Buffalo Bills kam es im letzten Spielzug zum sogenannten Music City Miracle. Mit nur 16 Sekunden Restspielzeit und einem 15:16-Punkte-Rückstand übergab Lorenzo Neal den gefangenen Kickoff an Titans Tight End Frank Wycheck, welcher den Ball nahezu parallel über das Spielfeld zu Kevin Dyson warf. Dyson gelang es anschließend, 75 Yards zurückzulegen und den spielentscheidenden Touchdown zu erzielen. Offizielle Teamgeschichte 2000-heute (englisch) Zugriff am 9. März 2019. Dieser Spielzug zählt zu den spektakulärsten und umstrittensten der NFL-Geschichte. Noch heute streiten Experten über die Tatsache, ob Wychecks Pass wirklich nach hinten geworfen wurde oder doch eine gerade Linie nahm. Bei einem Kickoff-Return sind ausschließlich Pässe nach hinten erlaubt.
Die zweite Play-off-Runde (AFC Divisional) gewannen die Titans gegen die Indianapolis Colts mit ihrem Quarterback Peyton Manning 19:16. Eddie George lief dabei einen Teamrekord mit 162 Yards.
Das AFC Championship Game sollte die Titans nach Florida führen, zu den Jacksonville Jaguars, welche die Saison mit einer Bilanz von 14-2 abschlossen. Doch beide Niederlagen gab es in den Spielen gegen die Titans. Und auch in diesem Aufeinandertreffen hatten die Mannen aus Music City USA die Nase klar mit 33:14 vorne und zogen zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte in den Super Bowl ein.
Super Bowl XXXIV mini|Der finale Spielzug des Super Bowl XXXIV, Dyson auf dem Boden liegend und den Ball in Richtung Endzone streckend Im Super Bowl XXXIV am 30. Januar 2000 trafen die Titans im Georgia Dome in Atlanta auf die St. Louis Rams. Bis zur Halbzeit war das Spiel relativ ausgeglichen, lediglich Rams Kicker Jeff Wilkins brachte sein Team mit drei Field Goals mit 9:0 in Führung. In der zweiten Hälfte gingen die Rams mit dem ersten Touchdown des Spiels durch Torry Holt mit 16:0 in Front, ehe die Titans eine große Aufholjagd starteten. Zwei Touchdowns durch Eddie George und ein Field Goal von Al Del Greco brachten den zwischenzeitlichen Ausgleich von 16:16. Doch ein anschließender 73-Yard-Touchdown-Pass von Rams-Quarterback Kurt Warner brachte das 23:16 und den erneuten Rückstand.
Es folgte der letzte Angriff der Titans bei einer Restspielzeit von 1:48 min. Titans-Quarterback Steve McNair brachte erfolgreiche Pässe an Derrick Mason, Frank Wycheck und Kevin Dyson an. Zwei weitere Strafen für die Rams brachten die Titans schließlich bei sechs Sekunden Restspielzeit an die 10-Yard-Linie vor der gegnerischen Endzone. Nach Nutzung der letzten Auszeit blieb den Titans demnach nur noch ein letzter Spielzug, welcher höchst dramatisch in die Geschichte der NFL eingehen sollte. Titans on Pro Football Reference (englisch) Zugriff am 10. Februar 2011.