Die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 1938 () war die dritte Ausspielung des bedeutendsten Turniers für Fußballnationalmannschaften und fand vom 4. bis zum 19. Juni 1938 in Frankreich statt.

Bei der vorigen WM in Italien hatten die Nationalmannschaften von Deutschland und Österreich den dritten und vierten Platz belegt. Mitte März 1938, weniger als drei Monate vor Turnierbeginn, erfolgte der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich, das dann auch als „Großdeutschland“ bezeichnet wurde. Infolgedessen nahmen Österreicher nicht mit der qualifizierten eigenen Mannschaft an der WM teil, sondern auf Anordnung der NSDAP-Parteiführung – und gegen den Willen des Reichstrainers Sepp HerbergerHerbergers Vorgänger Otto Nerz, noch bis Mai 1938 als „Chef der Nationalmannschaft“ ihm vorgesetzt, war unmittelbar vor dem Turnier zurückgetreten, vgl. Fußball-Woche vom 31. Mai 1938, S. 12 f. – nur als Teil einer paritätisch neu gebildeten großdeutschen Mannschaft. Diese Elf ging als einer der Favoriten in das Turnier, aber die Spieler aus den zuvor getrennten Ländern waren noch nicht aufeinander abgestimmt. Nach einer frühen 1:0-Führung gegen die Schweiz trennte man sich in Paris 1:1 nach Verlängerung. Fünf Tage später im Wiederholungsspiel führte Großdeutschland bereits 2:0, verlor dennoch 2:4.

Die Schweiz schied in der nächsten Runde aus, wie die anderen Mannschaften, die ein Wiederholungsspiel absolvieren mussten. Seither wurden bei Fußball-Weltmeisterschaften keine Wiederholungsspiele mehr durchgeführt.Noch bis 1958 gab es aber nach der Gruppenphase Entscheidungsspiele bei Punktgleichheit. Der ebenfalls als Favorit gehandelte Gastgeber Frankreich schied im Viertelfinale aus, mit dem Trost, nur dem alten und neuen Weltmeister unterlegen gewesen zu sein, denn Italien verteidigte seinen WM-Titel erfolgreich.

Vergabe Die Wahl des Austragungsortes traf die FIFA am 13. August 1936 auf ihrem Kongress in Berlin. Frankreich setzte sich mit 19:4 Stimmen gegen Mitbewerber Argentinien durch. Der dritte Bewerber Deutschland, der zudem für 1942 kandidierte, blieb bei dieser Abstimmung ohne Stimme.

Spielorte

Die Spiele der Weltmeisterschaft wurden in zehn Stadien in zehn verschiedenen französischen Städten ausgetragen. Der Spielort Lyon war für das ausgefallene Spiel Schweden gegen Österreich vorgesehen.

Für Le Havre nennt die FIFA das Stade de la Cavée Verte als Spielort. Jedoch belegen Fotografien der einzigen in Le Havre ausgetragenen Partie, dass es sich beim Spielort einwandfrei um das Stade Municipal handelte.

Stadt Stadionname Kapazität* Spiele Antibes Stade du Fort Carré 22.850 1 Bordeaux Stade du Parc Lescure(auch: Stade Municipal) 26.650 3 Colombes Stade Olympique Yves-du-Manoir 59.900 3 Le Havre Stade Municipal 28.650 1 Lille Stade Victor Boucquey 23.000 1 Lyon Stade Gerland   0 Marseille Stade Vélodrome 35.900 2 Paris Parc des Princes 35.700 3 Reims Stade Vélodrome Municipal 20.000 1 Straßburg Stade de la Meinau 31.600 1 Toulouse Stadium Municipal 20.000 2 * Stand zum Zeitpunkt der Weltmeisterschaft im Juni 1938

Qualifikation

Teilnehmer Von den 36 gemeldeten Mannschaften konnten sich 16 für die Endrunde der WM 1938 qualifizieren. 13 aus Europa 1 aus Südamerika 1 aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik 1 aus Asien

mini|links|600px|Weltkarte der Teilnehmer mit deren Platzierungen

Modus Wie ihr Vorgänger wurde die WM 1938 im K.-o.-System ausgetragen. Im Falle eines Unentschiedens wurde das Spiel um 30 Minuten verlängert, stand auch nach 120 Minuten kein Sieger fest, so wurde ein Wiederholungsspiel angesetzt.

Erneut wurden bei der Auslosung am 5. Mai 1938 die Mannschaften wie auch 1934 für das Achtelfinale in gesetzte und nicht gesetzte Mannschaften eingeteilt. Den gesetzten wurden dabei die nicht gesetzten Mannschaften als Gegner zugelost. Gesetzte Teams Nicht gesetzte Teams Für Informationen zu den einzelnen Qualifikationswegen und Kadern der Mannschaften auf den jeweiligen Link klicken.

Finalrunde Spielplan 1 Sieg nach Verlängerung2 Sieg nach Wiederholungsspiel

Achtelfinale

Wiederholungsspiele:

Viertelfinale

Wiederholungsspiel:

Halbfinale

Spiel um Platz 3

Endspiel

Weltmeistermannschaft (in Klammern sind die Spiele und Tore angegeben) Italien Tor: Aldo Olivieri (4/-), Carlo Ceresoli (0/-), Guido Masetti (0/-) Abwehr: Alfredo Foni (3/-), Eraldo Monzeglio (1/-), Pietro Rava (4/-) Mittelfeld: Miguel Andreolo (4/-), Aldo Donati (0/-), Mario Genta (0/-), Ugo Locatelli (4/-), Renato Olmi (0/-), Mario Perazzolo (0/-), Pietro Serantoni (4/-) Sturm: Sergio Bertoni (0/-), Amedeo Biavati (3/-), Bruno Chizzo (0/-), Gino Colaussi (3/4), Giovanni Ferrari (4/-), Pietro Ferraris (1/1), Giuseppe Meazza (4/1), Piero Pasinati (1/-), Silvio Piola (4/5) Trainer: Vittorio Pozzo

Torschützenliste Rang Spieler Tore 1 7 2 6 3 5 5 5 4 4 7 3 3 3 3 3 3 3 13 2 2 2 2 18 1 1 1 1 Rang Spieler Tore 18 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 ETmini|Leônidas da Silva

Torschützenkönig des gesamten Wettbewerbs (d. h. inkl. Qualifikation) wurde der Ungar Gyula Zsengellér mit 10 Toren.

Eingesetzte Schiedsrichter In den 18 Spielen wurden insgesamt 25 Unparteiische aus nur 9 ausnahmslos europäischen Verbänden eingesetzt, 13 Schiedsrichter und 12 zusätzliche Linienrichter. Dabei stellte der gastgebende französische Verband allein 3 Schiedsrichter und 10 Linienrichter. Der Belgier Baert, die weiteren Schiedsrichter Barlassina, Beranek, Birlem, Eklind, Langenus sowie der diesmal als Linienrichter eingesetzte van Moorsel waren auch bei der vorhergehenden WM in Italien schon tätig. Mit drei Platzverweisen im ersten Spiel zwischen Brasilien und der Tschechoslowakei war der Ungar von Hertzka lange Zeit alleiniger Rekordhalter.

Name Verband Anzahl der Spiele als Platz-verweise SR LR 1 1 0 1 0 0 1 2 0 1 1 0 2 1 0 1 0 0 2 1 0 1 0 3 1 2 0 2 0 1 2 0 0 1 2 0 2 2 0 Linienrichter 0 2 0 0 2 0 0 4 0 0 1 0 0 3 0 0 2 0 0 1 0 0 2 0 0 2 0 0 1 0 0 2 0 0 2 0 Gesamt 18 36 4

Öffentliche Wahrnehmung und finanzielle Bilanz Angesichts der zunehmenden politischen Spannungen, die ein Jahr später in den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs mündeten – vom Bürgerkrieg im benachbarten Spanien über „Anschluss“ und Sudetenkrise bis zum Pazifikkrieg in Ostasien –,Victor Sinet, Coupe du monde 1938, 2002, S. 13 (französisch). war in Frankreich im Vorfeld des Turniers nicht unbedingt mit einem großen Zuschauerzuspruch gerechnet worden, zumal der Fußball dort seinerzeit bei weitem nicht die populärste Sportart war. Hinzu kam, dass Spiele dort grundsätzlich nur sonntags stattfanden, während sieben der 18 WM-Begegnungen an anderen Wochentagen angesetzt wurden.Victor Sinet, Coupe du monde 1938, 2002, S. 73/74 (französisch). Zudem führte die Absicht der Organisatoren, bei den Spielorten möglichst viele Regionen zu berücksichtigen, um das ganze Frankreich zu präsentieren, dazu, dass mit Toulouse und Bordeaux zwei eher rugby- als „fußballaffine“ Städte ausgewählt wurden.Victor Sinet, Coupe du monde 1938, 2002, S. 63 f. (französisch).

Und schließlich gab es einige Duelle, die auf dem Papier alles andere als attraktiv klangen. Tatsächlich bezahlten bei den drei Auftritten der Kubaner gegen Rumänien und Schweden jeweils weniger als 7.600 Besucher Eintritt; auch Ungarn gegen Niederländisch-Indien und Tschechoslowakei gegen die Niederlande erlebten nur jeweils rund 10.000 Zuschauer im Stadion mit. Hingegen sahen knapp 58.500 Besucher Frankreichs Niederlage gegen Italien, und über 45.000 wohnten dem Finale bei.Victor Sinet, Coupe du monde 1938 (französisch), 2002, S. 83–138, gibt bei den einzelnen Spielberichten nicht nur die offizielle Zuschauerzahl, sondern auch die jeweilige Einnahme aus dem Kartenverkauf an.

Dennoch blieb am Ende der WM ein stattlicher Betrag bei den Veranstaltern übrig, denn vier Millionen Francs auf der Ausgabenseite standen in der abschließenden Bilanz fast sechs Millionen Francs an Einnahmen gegenüber. Somit ergab sich ein Gewinn von fast zwei Millionen Francs, ein Wert, der rechnerisch etwa fünf Millionen neuen Francs (2001) beziehungsweise 800.000 Euro (2002) entspricht.Victor Sinet, Coupe du monde 1938, 2002, S. 12 (französisch). Dabei sind allerdings die Ausgaben der französischen Gebietskörperschaften (Gesamtstaat, Regionen, Départements und Gemeinden) insbesondere für Infrastrukturmaßnahmen und den Stadionneu- (Marseille und Bordeaux) beziehungsweise -ausbau (vor allem Colombes) nicht auf der Kostenseite berücksichtigt worden.

Im Vergleich zu den Weltmeisterschaftsendrunden ab dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts waren Werbung und Vermarktung 1938 außerordentlich bescheiden. Der französische Fußballverband bot neben dem offiziellen ProgrammheftFédération Française de Football Association: Revue de la Coupe du Monde de Football 1938. Paris 1938 (französisch). ein künstlerisch gestaltetes, eigenes WM-Logo und gemeinsam mit der FIFA eine von dem Zeichner Joe Bridge entworfene Postkarte als Souvenir zum Verkauf an. Die französische Post gab zudem eine 1,75-Francs-Briefmarke heraus und das staatliche Eisenbahnunternehmen SNCF hängte Plakate mit den Spielterminen in seinen Bahnhöfen aus.Victor Sinet, Coupe du monde 1938, 2002, S. 69–72 (französisch).

Siehe auch Fußball-Weltmeisterschaft/Rekorde

Literatur Hardy Grüne: Fußball-WM-Enzyklopädie 1930–2006. AGON-Sportverlag, Kassel 2004, ISBN 3-89784-261-0 Victor Sinet: Coupe du monde 1938. La coupe du monde oubliée. Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 2002, ISBN 978-2-84253-729-6 (französisch)

Weblinks

Die Weltmeisterschaft 1938 auf Fussballdaten.de

Einzelnachweise

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