Berlin Alexanderplatz ist ein Roman von Alfred Döblin. Das Buch erschien 1929 im S. Fischer Verlag mit dem Untertitel Die Geschichte vom Franz Biberkopf. Das erfolgreichste Buch Döblins zählt zu den Hauptwerken der deutschen ModerneSabine Schneider: Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Franz Biberkopf. In: Sabine Schneider (Hrsg.): Lektüren für das 21. Jahrhundert. Klassiker und Bestseller der deutschen Literatur von 1900 bis heute. Königshausen & Neumann, Würzburg 2005, ISBN 3-8260-3004-4, S. 49. und zeichnet sich durch einen innovativen Aufbau, eine expressive Sprache und poetische Erzähltechnik aus. Der Großstadtroman ist daneben ein wichtiges Zeitzeugnis des frühen 20. Jahrhunderts, besonders der Weimarer Republik. Als Äquivalente gelten die experimentellen Werke Ulysses und Manhattan Transfer.Helmuth Kiesel: Geschichte der literarischen Moderne. Sprache, Ästhetik, Dichtung im Zwanzigsten Jahrhundert. C.H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51145-7, S. 325.Sabine Schneider: Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Franz Biberkopf. In: Sabine Schneider (Hrsg.): Lektüren für das 21. Jahrhundert. Klassiker und Bestseller der deutschen Literatur von 1900 bis heute. Königshausen & Neumann, Würzburg 2005, ISBN 3-8260-3004-4, S. 41. mini|Verlagseinband einer Folgeauflage (1930/31/33) Döblin erzählt die Geschichte des Lohnarbeiters Franz Biberkopf, der seine Freundin erschlagen hat und nach verbüßter vierjähriger Haftstrafe ein Leben in Anstand führen möchte. Im stilisierten Kampf gegen die Metropole Berlin droht der unbelehrbare Biberkopf unterzugehen. Nach seinem Scheitern, ein geregeltes Leben zu führen, lässt er sich auf die Bande um Reinhold ein, die Einbrüche verübt. Ein Anschlag im Fluchtauto hinterlässt ihn verkrüppelt, doch er schließt sich erneut der Bande an und beginnt eine Beziehung zur Prostituierten Mieze. Ihre Ermordung durch Reinhold fügt ihm den entscheidenden Schlag zu. Er gerät unter Tatverdacht, wird verhaftet und gelangt schließlich als Patient in eine Irrenanstalt. Dort wird er vom Tod geläutert und erkennt seine eigenen Verfehlungen an. Nach der Entlassung beginnt Franz ein neues Leben als Hilfsportier.

Der Roman entwickelte sich nicht zuletzt wegen der Biberkopf-Fabel – das Scheitern eines einfachen Arbeiters, dem übel mitgespielt wurde und dessen Leben nicht gelingen will – rasch zum Verkaufserfolg. Gleichzeitig machen die Poetisierung der Großstadt durch das Verfahren der Montage sowie Stilpluralismus, Romankomposition und unzählige Bezüge zu Literatur und Mythen Berlin Alexanderplatz zu einem der wichtigsten Romane deutschsprachiger Literatur. Er regte zahlreiche Autoren zu Parodien, Nachahmungen und Verarbeitungen an und wurde aufgrund der unabschließbaren Interpretationsvielfalt früh zum Gegenstand literaturwissenschaftlicher Untersuchungen.

Entstehung Döblin begann im Herbst 1927 an seinem Roman zu arbeiten und vollendete ihn zwei Jahre später. Der Untertitel Die Geschichte vom Franz Biberkopf geht auf einen Vorschlag des Verlegers Samuel Fischer zurück, der beim Leser einem verengenden Bezug auf den Bahnhofsnamen Berlin Alexanderplatz vorbeugen wollte.Sabine Schneider: Alfred Döblin. Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Franz Biberkopf. In: Sabine Schneider (Hrsg.): Lektüren für das 21. Jahrhundert. Klassiker und Bestseller der deutschen Literatur von 1900 bis heute. Königshausen & Neumann, Würzburg 2005, ISBN 3-8260-3004-4, S. 37. Der Roman sollte der einzige große finanzielle Erfolg des Avantgardisten Döblin werden.Michael Baum: Kontingenz und Gewalt. Semiotische Strukturen und erzählte Welt in Alfred Döblins Roman Berlin Alexanderplatz. Königshausen & Neumann, Würzburg 2003, ISBN 3-8260-2419-2, S. 11. Zwischen August 1928 und Oktober 1929 erschienen Vorabdrucke in der Neue Rundschau, Frankfurter Zeitung, Vorwärts und Berliner Volkszeitung. Es handelte sich hierbei überwiegend um Vorfassungen.Klaus Müller-Salget: Zur Entstehung von Döblins Berlin Alexanderplatz. In: Matthias Prangel (Hrsg.): Materialien zu Alfred Döblin. Berlin Alexanderplatz. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1975, ISBN 3-518-06768-0, S. 128.

Die Großstadt Berlin wurde früh Schauplatz mehrerer Prosastücke und Erzählungen Döblins. 1910 erschien in der Zeitschrift Der Sturm Das märkische Ninive, eine Skizze, die in ihrer Verbindung der „apokalytischen Motivik und Großstadt-Thematik“Gabriele Sander: Alfred Döblin und der Großstadtrealismus. In: Sabine Kyora, Stefan Neuhaus (Hrsg.): Realistisches Schreiben in der Weimarer Republik. Königshausen, Würzburg 2006, ISBN 3-8260-3390-6, S. 141. Ähnlichkeiten zum späteren Roman aufweist. 1914 entstand Döblins erster Berlinroman Wadzeks Kampf mit der Dampfturbine. Besonders die Irrfahrt des Protagonisten, die Montage von Werbetexten während einer Droschkenfahrt und die literarische Technik, wonach durch die Wahrnehmung der „Sonde“ Wadzek dem Leser ein Bild von der Großstadt vermittelt wird, tauchen nochmals im Berlin Alexanderplatz auf.Gabriele Sander: Alfred Döblin und der Großstadtrealismus. In: Sabine Kyora, Stefan Neuhaus (Hrsg.): Realistisches Schreiben in der Weimarer Republik. Königshausen, Würzburg 2006, ISBN 3-8260-3390-6, S. 142–143. Unter Döblins journalistischen Texten ist die Reportage Östlich um den Alexanderplatz vom 29. September 1923, welche laut Gabriele Sander eine „atmosphärische und stillistische Nähe“Gabriele Sander: Alfred Döblin und der Großstadtrealismus. In: Sabine Kyora, Stefan Neuhaus (Hrsg.): Realistisches Schreiben in der Weimarer Republik. Königshausen, Würzburg 2006, ISBN 3-8260-3390-6, S. 143. zum Roman besitzt, wie der Artikel Eine Unbekannte Strahlenart aus dem Jahre 1925 hervorzuheben. Dieser schließt mit einer Milieuskizze ab, die auf den Roman vorauszuweisen scheint.Gabriele Sander: Döblin’s Berlin. The Story of Franz Biberkopf. In: Roland Dollinger, Wulf Koepke, Heidi Thomann Tewarson (Hrsg.): A Companion to the Works of Alfred Döblin. Camden House, Rochester 2004, ISBN 1-57113-124-8, S. 143. In seinem Journal Reise in Polen (1924) experimentierte Döblin erneut mit der Montage und inszenierte seine Fortbewegung ähnlich wie die der Figur Biberkopf durch Berlin. Die Vielfalt des jüdischen Lebens in Warschau stehe nach Hans-Peter Bayerdörfer Pate für die Darstellung Berlins.Hans-Peter Bayerdörfer: Ghettokunst? Meinetwegen, aber hundertprozentig echt. Alfred Döblins Begegnungen mit dem Ostjudentum. In: Gunter Grimm, Hans-Peter Bayerdörfer (Hrsg.): Im Zeichen Hiobs. Jüdische Schriftsteller und deutsche Literatur im 20. Jahrhundert. Athenäum Verlag, Königsstein im Taunus 1985, S. 164–165.

Inwiefern James Joyce’ Ulysses auf die Konzeption des Romans wirkte, bleibt teilweise umstritten. Hermann Wiegmann sieht im Erzählstil sowie in der Kompositionstechnik Parallelen.Hermann Wiegmann: Und wieder lächelt die Thrakerin. Zur Geschichte des literarischen Humors. Peter Lang, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-54727-7, S. 286. So gehe dem Roman ein Prolog voraus, fünf Sprachebenen seien zu unterscheiden, und der innere Monolog sei für die Erzählweise gleichermaßen prägend. Dagegen betont Helmuth Kiesel die Eigenständigkeit von Berlin Alexanderplatz; auch wenn Döblin durch den Ulysses einige Anregungen gefunden haben möge, so verfügte er bereits selbst über ein „beträchtliche[s] Innovationsvermögen“.Helmuth Kiesel: Geschichte der literarischen Moderne. Sprache, Ästhetik, Dichtung im Zwanzigsten Jahrhundert. C.H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51145-7, S. 325. Bereits 1930 machte Walter Benjamin darauf aufmerksam, dass der innere Monolog in Döblins Roman eine ganz andere Funktion besitzt als bei Joyce und das zentrale Stilprinzip die Montage sei.Walter Biedermann: Die Suche nach dem dritten Weg. Linksbürgerliche Schriftsteller am Ende der Weimarer Republik. Heinrich Mann, Alfred Döblin, Erich Kästner (Dissertation). Frankfurt am Main 1981, S. 108. Maren Jäger sieht lediglich eine katalysatorische Wirkung des Iren auf Döblins Arbeit an Berlin Alexanderplatz.Maren Jäger: Die Joyce-Rezeption in der deutschsprachigen Erzählliteratur nach 1945. Niemeyer, Tübingen 2009, ISBN 978-3-484-18189-2, S. 428. Döblin rezensierte den Ulysses 1928 und lobte ihn als „Experimentwerk“.Alfred Döblin: Ulysses von James Joyce. In: Wilhelm Füger (Hrsg.): Kritisches Erbe. Dokumente zur Rezeption von James Joyce im deutschen Sprachbereich zu Lebzeiten des Autors. Amsterdam, Atlanta 2000, ISBN 90-420-0769-9, S. 212. Als einige Kritiker jedoch einen überwältigenden Einfluss auf Döblin, überdies wenige gar eine Nachahmung erkennen wollten,Kai Luehrs-Kaiser: „Ulysses“ für alle – Vierzig Stunden Schweinereien. In: Die Welt. 1. August 2013, abgerufen am 11. März 2013. Die Hartnäckigkeit solcher Behauptungen zeigt sich in der Unterstellung, Ulysses habe Döblin gar zu seinem Roman inspiriert, obwohl Döblin schon 1927 daran schrieb. wehrte er sich gegen die Diskreditierung. Ein Viertel des Romans wurde schon geschrieben, ehe Döblin überhaupt mit dem Ulysses in Kontakt kam. Letztlich darf von einer Gleichzeitigkeit der Ideen ausgegangen werden;Joris Duytschaever: Joyce – Dos Passos – Döblin: Einfluss oder Analogie? In: Matthias Prangel (Hrsg.): Materialien zu Alfred Döblin. Berlin Alexanderplatz. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1975, ISBN 3-518-06768-0, S. 149. so gehörte Döblin bereits in seinen frühen Jahren zur literarischen Avantgarde und spätestens ab 1913 zu den führenden Expressionisten. Darüber hinaus kam Döblin lange vor Joyce in Kontakt mit der literarischen Moderne und ihren zahlreichen Strömungen wie dem Futurismus und dem Dadaismus, trug zudem auch als Theoretiker dazu bei.Marcel Reich-Ranicki: Sieben Wegbereiter: Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts. DVA, Stuttgart/München 2002, ISBN 3-421-05514-9.

Ebenfalls wurde darüber spekuliert, ob der experimentelle Dokumentarfilm Berlin – Die Sinfonie der Großstadt einen Einfluss auf Döblin hatte,Friedhelm Marx: Kino im Roman der Weimarer Republik. In: Wolf Gerhard Schmidt, Thorsten Valk (Hrsg.): Literatur intermedial. Paradigmenbildung zwischen 1918 und 1968. Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-020801-6, S. 150.Gabriele Sander: Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz – ein multimediales Schreibprojekt. In: Wolfgang Lukas (Hrsg.): Text – Material – Medium. Zur Relevanz editorischer Dokumentationen für die literaturwissenschaftliche Interpretation. Gruyter, Berlin 2014, ISBN 978-3-11-036325-8, S. 123. da die Uraufführung des Films im September 1927 stattfand. Die Wahl der Stoffe ging auf Alfred Döblins Erfahrungen als Arzt zurück.Klaus Müller-Salget: Selbstzeugnisse. In: Matthias Prangel (Hrsg.): Materialien zu Alfred Döblin. Berlin Alexanderplatz. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1975, ISBN 3-518-06768-0, S. 43. Rückblickend auf die Arbeit an seinem Roman schrieb Döblin 1932 dem Zürcher Lesezirkel: „Es wäre eine lange Geschichte zu erzählen, wie ich zum Stoff und zu dem Grundmotiv des Buches kam. Hier will ich nur sagen: mein ärztlicher Beruf hat mich viel mit Kriminellen zusammengebracht. Ich hatte auch vor Jahren eine Beobachtungsstation für Kriminelle. Von da kam manches Interessante und Sagenswerte.“Alfred Döblin: Mein Buch „Berlin Alexanderplatz“. In: Schriften zu Leben und Werk. Hrsg. von Erich Kleinschmidt. Walter, Freiburg im Breisgau 1986, ISBN 3-530-16640-5, S. 215.

Inhalt mini|Der Alexanderplatz, 1903 Der Roman „berichtet von einem ehemaligen Zement- und Transportarbeiter Franz Biberkopf in Berlin. Er ist aus dem Gefängnis, wo er wegen älterer Vorfälle saß, entlassen und steht nun wieder in Berlin und will anständig sein.“Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz. Roman. Werke Band III. S. Fischer, Frankfurt am Main 2008, S. 9.

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