mini|Nebelparder Der Nebelparder (Neofelis nebulosa) ist eine mittelgroße Großkatzenart des südöstlichen Asiens. Er sieht entfernt einem Leoparden ähnlich, ist aber kleiner und hat größere, nebelhafte Flecken, denen er seinen Namen verdankt. Zusammen mit dem 2006 als eigenständige Art abgegrenzten Sunda-Nebelparder (Neofelis diardi) auf Borneo und Sumatra bildet er die Gattung Neofelis. Die schlanken Katzen sind gute Kletterer und sind gekennzeichnet durch große, dunkle und unregelmäßig geformte Flecken auf gelblich-braunem bis gräulichem Grund. Als Besonderheit weisen sie zudem stark verlängerte Eckzähne auf, die im Verhältnis zu ihrer Körpergröße die längsten aller heute lebenden Katzenarten sind.
Über die Lebensweise der Tiere in der Wildnis liegen nur wenige Informationen vor. Viele Angaben zum Verhalten stammen von Tieren in Gefangenschaft, hinzu kommen Daten von einzelnen Tieren, die mit Sendern ausgestattet wurden. Nebelparder jagen verschiedene Beutetiere in ihren Lebensräumen, darunter vor allem Affen, kleine Hirsche, Bartschweine und Stachelschweine. Aufgrund des Pelzhandels und der Bejagung der Tiere im Kontext der Traditionellen Chinesischen Medizin gingen die Bestände der Tiere in weiten Teilen ihres ursprünglichen Verbreitungsraumes stark zurück, in großen Teilen sind sie heute nicht mehr anzutreffen. Die Hauptbedrohung für die Tiere stellt heute allerdings der Lebensraumverlust durch die Umwandlung von Waldgebieten in landwirtschaftliche Flächen und den kommerziellen Holzeinschlag dar.
Merkmale Körperbau mini|Zwei Nebelparder Nebelparder erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 68 bis 108 Zentimetern mit einer Schwanzlänge von etwa 60 bis 85 Zentimetern und eine Schulterhöhe von etwa 41 Zentimetern. Das Gewicht bewegt sich normalerweise zwischen 11 und 23 Kilogramm, wobei die ausgewachsenen Männchen in der Regel etwas größer und schwerer als die Weibchen sind. Damit erreicht ein großer ausgewachsener Nebelparder etwa die Größe eines kleinen Leoparden (Panthera pardus).
Der Körperbau des Nebelparders ist mit seinen relativ kurzen Beinen, einem langen Körper und dem langen Schwanz bestens ans Klettern angepasst. Die Füße sind breit, die ungewöhnlich langen Krallen wirken wie Steigeisen und helfen ihm beim Erklimmen von Bäumen. Nebelparder können nahezu senkrecht Bäume besteigen. Der Schädel ist im Vergleich zu dem anderer Katzen lang, flach und schmal, die Tatzen sind groß und breit. Wie fast alle Katzen kann der Nebelparder seine Krallen einziehen, um sie zu schonen, wenn sie gerade nicht benutzt werden.Mainland clouded Leopard. Webseite der Cat Specialist Group der IUCN, abgerufen am 28. Januar 2024.
Fellzeichnung Die Fellzeichnung ähnelt verblüffend der wesentlich kleineren Marmorkatze, die ebenfalls in Südostasien beheimatet ist. Auf gelblich-braunem bis gräulichem Grund trägt der Nebelparder an den Flanken große, dunkle und unregelmäßig geformte Flecken. Jeder dieser Flecken wird nach innen hin blasser und ist am Hinterrand schwarz umfasst. Die größten Flecken befinden sich an den Flanken direkt hinter den Schultern, nach hinten werden sie kleiner. An den Beinen, am Kopf und am Schwanz sind die Flecken kleiner und einfarbig schwarz. Am Nacken und an den Wangen befinden sich dunkle Längsstreifen und der hintere Schwanzbereich ist dunkel geringelt. Die Unterseite des Körpers ist weißlich. Es sind auch schwarze oder fast weiße Exemplare des Nebelparders bekannt.
Der Sunda-Nebelparder (Neofelis diardi) hat dunklere Wolken-Zeichnungen des Fells. Er ist auch insgesamt dunkler und besitzt einen charakteristischen durchgehenden doppelten Aalstrich.Neue Art von Großkatzen in Indonesien bestimmt. In: Die Welt. 16. März 2007.
Merkmale des Schädels mini|Schädel (Sammlung Museum Wiesbaden) Der Schädel der Tiere ist länglich und entspricht dem des Leoparden. Die ca. 4,5 cm langen oberen Eckzähne der Nebelparder sind im Verhältnis zur Körpergröße länger als bei jeder anderen lebenden Katzenart, teilweise wurden sie mit denen der Säbelzahnkatzen verglichen. Auch die Schädelmorphologie des Nebelparders unterscheidet sich von der anderer lebender Katzenarten und nähert sich in mancher Hinsicht der Morphologie ursprünglicherer Säbelzahnkatzen an, auf eine Konvergenz mehrerer Merkmale bei diesen und dem Nebelparder hindeutend. Im Vergleich zu diesen sind ihre oberen Eckzähne weniger abgeflacht und auch die unteren Eckzähne sind verlängert, was bei den Säbelzahnkatzen typischerweise nicht bzw. nur bei einigen, wie dem Paramachairodus, vorkam. Da primitivere fossile Katzen, wie etwa Pseudaelurus, auch etwas abgeflachte obere Eckzähne hatten, könnte dies ein ursprüngliches, plesiomorphes Merkmal für die gesamten Katzen sein. Der Sunda-Nebelparder, der bis 2006 als Unterart des Nebelparders betrachtet wurde, weist allerdings noch stärkere Analogien zu den Säbelzahnkatzen auf als der Nebelparder.
Eine weitere Besonderheit im Zahnbau ist die Lücke zwischen den Eckzähnen und den Backenzähnen, die dadurch zustande kommt, dass der erste Vordermahlzahn reduziert ist oder völlig fehlt. Im Unterschied zu den Eigentlichen Großkatzen der Gattung Panthera ist das Zungenbein bei den Nebelpardern verknöchert.
Verbreitung und Lebensraum
Verbreitet ist der Nebelparder im Südosten Asiens, von der südlichen Volksrepublik China bis Malakka und vom östlichen Himalaya bis Vietnam. Die Nordgrenze des Verbreitungsgebietes liegt in der chinesischen Provinz Shaanxi. Auf dem Indischen Subkontinent ist der Nebelparder nur im äußersten Nordosten zu finden. Früher kam die Art auch auf den Inseln Taiwan und Hainan vor. Wann die Nebelparder die Insel Taiwan besiedelten, ist unklar. Aus historischen Aufzeichnungen geht jedoch hervor, dass sie im 13. Jahrhundert bereits auf Taiwan vorkamen. Im Februar 2019 sollen noch zwei Sichtungen eines Nebelparders im Osten Taiwans erfolgt sein.
Nach Angaben der IUCN gibt es Vorkommen des Nebelparders in Bhutan, Nepal, Indien, Bangladesch, der Volksrepublik China, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Thailand und Vietnam.
Der Nebelparder lebt in verschiedenen Waldtypen und steigt im Gebirge bis etwa 2000 m hoch. So findet man ihn in tropischen und subtropischen Primär- und Sekundärwäldern, unter anderem auch in Buschwäldern, hohem Grasland und Mangrovensümpfen. Der typische Lebensraum des Nebelparders in Thailand ist vermutlich der immergrüne tropische Regenwald, wobei er teilweise sehr dicht bewachsene Habitate nutzt. In Nepal konnten mit Sendern ausgestattete Tiere unter anderem in trockene Wälder, Bergwälder und in Habitate mit hohem Grasbestand verfolgt werden.
Lebensweise Bisher ist relativ wenig über die Lebensgewohnheiten dieser kaum erforschten und scheuen Katze bekannt, nur wenige Tiere, vor allem in Thailand und Nepal, konnten mit Sendern ausgestattet und so in der Wildnis erforscht werden. Nebelparder leben weitgehend einzelgängerisch und halten sich angeblich vorwiegend im Geäst auf. Sie scheinen den Tag meist in einer Astgabel oder einer Baumhöhle zu verbringen und gehen erst nachts, teilweise wohl auch tagsüber, auf Jagd. Aufgrund von Aufnahmen aus Kamerafallen konnte nachgewiesen werden, dass sie sowohl nachts wie auch tagsüber aktiv sind. Zwei mit Sendern ausgestattete Tiere in Thailand waren zu 45 % tagsüber, zu 85 % in der Abenddämmerung und zu etwa 60 % nachts aktiv. Die geringste Aktivität zeigten die Tiere zur Mittagszeit und in den frühen Morgenstunden vor Sonnenaufgang. Das Weibchen aus dieser Besenderung nutzte ein Revier mit einer Größe von etwa 33,3 Quadratkilometer, das Männchen eines von 36,7 Quadratkilometern Größe. Dabei wird angenommen, dass die tatsächlichen Reviergrößen deutlich größer sind, vor allem die der Männchen.
Nebelparder jagen in der Regel am Boden und aus dem Geäst heraus und bei den Aktivitätsbeobachtungen der besenderten Tiere fanden die meisten Bewegungen am Boden statt, während die Bäume vor allem zum Rückzug und als Ruheplätze genutzt wurden. Beobachtungen in Zoos zeigen, dass der Nebelparder einer der besten Kletterer unter den Katzen ist. Er läuft Baumstämme mit dem Kopf voran herab, hangelt an waagrechten Ästen, mit dem Rücken nach unten hängend entlang oder hängt nur mit den Hinterpfoten festgekrallt von einem Ast herab. Kein anderes Raubtier dieser Größe ist zu ähnlich akrobatischen Kletterleistungen fähig. Beim Klettern ist ihm der lange Schwanz beim Halten der Balance eine Hilfe.
Beutetiere Zu den Beutetieren gehören Hirsche wie Muntjaks (Muntiacus), Kantschile (Tragulus) und junge Sambars (Cervus unicolor), Schweine wie das Bartschwein (Sus barbatus), Stachelschweine, Affen, Musangs (Paradoxurus hermaphroditus) und Vögel, aber auch Schlangen und andere Kleintiere. Aufgrund seiner langen Eckzähne und seines verhältnismäßig kräftigen Körperbaus hatte man früher angenommen, er würde größere Huftiere als Beute bevorzugen, doch neuere Beobachtungen weisen darauf hin, dass seine Hauptnahrung wohl eher Primaten wie die Javaneraffen (Macaca fascicularis), die Südlichen Schweinsaffen (Macaca nemestrina) oder verschiedene Languren und Gibbons sind. Hinzu kommen selten auch Haustiere wie Ziegen, Schweine und Geflügel.
Er lauert seinen Beutetieren oft von einem Ast aus auf und springt sie von oben herab an. Häufig jagt er allerdings auch am Boden. Vor der Mahlzeit raspelt er das Fell oder die Federn der Beute mit seiner hornigen Zunge ab.
Fortpflanzung mini|Jungtier im Cincinnati Zoo Berichten zufolge soll der Nebelparder seine Jungen in Baumhöhlen zur Welt bringen. Gesicherte Befunde über das Fortpflanzungsverhalten liegen aber nur von Tieren in Gefangenschaft vor. Bei der Paarung in der Gefangenschaft kommt es allerdings häufig zu Aggressionen, bei denen gelegentlich die Weibchen von den Männchen durch einen Nackenbiss getötet werden. Die größten Erfolge bei der Zucht wurden mit Männchen und Weibchen erzielt, die bereits wenige Wochen nach der Geburt zusammengebracht wurden und sich entsprechend von Jugend an kennen.
Die Jungen kommen in Gefangenschaft in allen Monaten außer Dezember zur Welt, mit einem Geburtenmaximum im März. Der Östrus dauert sechs Tage und tritt etwa alle 30 Tage ein. Die Tragzeit dauert 85 bis 109, meistens 88 bis 95, Tage. In einem Wurf befinden sich ein bis fünf, meist aber zwei bis drei Jungtiere. Sie sind anfangs blind und wiegen rund 140 bis 170 Gramm. Nach etwa zehn bis elf Tagen öffnen sie die Augen. Obwohl sie nach sieben bis zehn Wochen erste feste Nahrung zu sich nehmen, werden sie etwa fünf Monate lang gesäugt. Die Flecken sind bei der Geburt völlig schwarz und hellen sich dann in den Zentren immer mehr auf, bis sie nach einem halben Jahr dem Muster der erwachsenen Tiere entsprechen. Man nimmt an, dass Nebelparder mit etwa neun Monaten selbstständig sind. Sowohl Männchen als auch Weibchen sind mit 20 bis 30 Monaten fortpflanzungsfähig.
Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei etwa 11 Jahren, in Gefangenschaft haben einzelne Exemplare ein Alter von bis zu 17 Jahren erreicht.
Systematik mini|Präparat eines Taiwan-Nebelparders (Neofelis nebulosa brachyura) Der Nebelparder wird als eigenständige Art der Gattung Neofelis innerhalb der Katzen eingeordnet. Wissenschaftlich erstbeschrieben wurde er von Edward Griffith im Jahr 1821 als Felis nebulosa und damit den Katzen zugeordnet. Die von ihm beschriebenen Tiere stammten dabei aus Guangzhou im Süden der Volksrepublik China, das damals als Canton bzw. Kanton bekannt war.
Gelegentlich wird Neofelis als Subgattung der Eigentlichen Großkatzen (Panthera) angesehen, durch ihr verknöchertes Zungenbein und andere Merkmale unterscheidet sich die Gattung Neofelis jedoch von den anderen Großkatzen. Die beiden Gattungen stellen jedoch Schwestergruppen dar, die sich vor etwa sechs bis acht Millionen Jahren getrennt haben.