Als Eizellspende wird die Spende einer fremden weiblichen Keimzelle verstanden, die mit dem Samen des Partners der das Kind austragenden Frau befruchtet und dieser dann implantiert wird.Anabel Hieb: Die gespaltene Mutterschaft im Spiegel des deutschen Verfassungsrechts. Die verfassungsrechtliche Zulässigkeit reproduktionsmedizinischer Verfahren zur Überwindung weiblicher Unfruchtbarkeit. Ein Beitrag zum Recht auf Fortpflanzung. Logos-Verlag, Berlin 2005, S. 6–10. ISBN 978-3-8325-0884-5.Patricia Jofer: Regulierung der Reproduktionsmedizin. Fremdsamenspende, Ersatzmutterschaft und Umgang mit überzähligen Embryonen. Baden-Baden 2014, S. 292–295. ISBN 978-3-8487-1881-8. Die genetische Mutter, von der die Eizelle stammt, und die austragende Frau sind also nicht identisch.

Die Eizellspende, auch als allogene Eizelltransplantation bezeichnet, ist eine Methode der Reproduktionsmedizin zur Erfüllung des Kinderwunsches bei ungewollter Kinderlosigkeit. Sie wird angewandt, wenn in den Eierstöcken einer Frau wegen fortgeschrittenen Alters oder als Folge einer Erkrankung keine Follikel heranreifen. Die Eizellspende wird auch im Rahmen einer Leihmutterschaft durchgeführt, bei der eine andere Frau das Kind austrägt als diejenige, die nach der Geburt für das Kind sorgen soll.

Zur Eizellspende werden die Eierstöcke einer Spenderin medikamentös stimuliert, um mehrere Eizellen gleichzeitig reifen zu lassen, die anschließend, meist unter Narkose, durch Punktion entnommen werden. Diese Eizellen werden durch In-vitro-Fertilisation (IVF) oder intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) mit Sperma befruchtet und der Empfängerin transferiert (Embryotransfer) oder für einen späteren Transfer kryokonserviert.

Kosten Die Kosten einer Eizellspende variieren je nach Land und Klinik. In europäischen Ländern liegen sie in der Regel zwischen 5.000 und 10.000 Euro pro Behandlungszyklus.Deutsches Ärzteblatt: Kinderwunschbehandlung im Ausland: Keine gute Alternative?, abgerufen am 23. August 2025. Hinzu kommen in vielen Fällen zusätzliche Ausgaben für Medikamente, genetische Untersuchungen sowie Reise- und Übernachtungskosten.Deutsches IVF-Register (DIR): Jahresbericht 2023, abgerufen am 23. August 2025.

Gesetzliche Regelungen Die Eizellspende ist in Europa gesetzlich unterschiedlich geregelt. Es gibt Länder, in denen sie verboten ist, dazu gehören Deutschland, Schweiz und Türkei.C. Calhaz-Jorge, Ch. De Geyter, M. S. Kupka, C. Wyns, E. Mocanu, T. Motrenko, G. Scaravelli, J. Smeenk, S. Vidakovic, V. Goossens: Survey on ART and IUI: legislation, regulation, funding and registries in European countries: The European IVF-monitoring Consortium (EIM) for the European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE). Human Reproduction Open, Volume 2020, Issue 1, 2020 (freier Volltext, englisch). In den meisten anderen europäischen Ländern gibt es dazu keine gesetzlichen Regelungen, vielmals wird sie geduldet. In den Ländern, in denen die Eizellspende gesetzlich erlaubt ist und praktiziert wird (dazu gehören Frankreich, Vereinigtes Königreich, Spanien, Niederlande, Belgien, Tschechische Republik, Slowakei, Polen, Ukraine, Österreich), unterliegt sie zum größten Teil Regelungen, die eine Ausbeutung der Spenderin verhindern sollen.Die Last der späten Mutterschaft. In: Süddeutsche Zeitung.

Deutschland Embryonenschutzgesetz Geltendes Recht In Deutschland sind alle reproduktionsmedizinischen Verfahren durch das Embryonenschutzgesetz geregelt.

Gem. Abs. 1 bis 3 ESchG ist Folgendes verboten: (1) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer auf eine Frau eine fremde unbefruchtete Eizelle überträgt, es unternimmt, eine Eizelle zu einem anderen Zweck künstlich zu befruchten, als eine Schwangerschaft der Frau herbeizuführen, von der die Eizelle stammt, …  6. einer Frau einen Embryo vor Abschluss seiner Einnistung in der Gebärmutter entnimmt, um diesen auf eine andere Frau zu übertragen oder ihn für einen nicht seiner Erhaltung dienenden Zweck zu verwenden, oder  7. es unternimmt, bei einer Frau, welche bereit ist, ihr Kind nach der Geburt Dritten auf Dauer zu überlassen (Ersatzmutter), eine künstliche Befruchtung durchzuführen oder auf sie einen menschlichen Embryo zu übertragen. Die Eizellempfängerin hat keine strafrechtlichen Konsequenzen zu befürchten … (3) Nicht bestraft werden in den Fällen des Absatzes 1 Nr. 1, 2 und 6 die Frau, von der die Eizelle oder der Embryo stammt, sowie die Frau, auf die die Eizelle übertragen wird oder der Embryo übertragen werden soll.

Es ist den Frauenärzten/Reproduktionszentren in Deutschland ebenfalls verboten, vorbereitende Maßnahmen für eine Eizellspende durchzuführen. Im Rahmen einer künstlichen Befruchtung ist nur die heterologe Insemination (Samenspende eines Dritten) zulässig, nicht dagegen die Eizellspende einer fremden Frau.

Rechtspolitik Es gibt Juristen, welche die Vereinbarkeit des Embryonenschutzgesetzes mit dem Grundgesetz zumindest infrage stellen. Auch die Reproduktionsmediziner sind bestrebt, eine Lockerung der gesetzlichen Möglichkeiten zu erreichen.Debatte um spätes Mutterglück entbrannt. In: Rheinische Post, 4. Dezember 2007Künstliche Befruchtung – Debatte über die Grenzen der Wissenschaft. In: Hamburger Abendblatt.

Durch die vorhandene gesetzliche Regelung in Deutschland sind die Kinderwunschpaare gezwungen, die Behandlung im europäischen Ausland oder in einem anderen Land der Welt durchführen zu lassen, man nennt dieses Phänomen auch „Befruchtungstourismus“. In den an Deutschland angrenzenden europäischen Ländern gibt es sehr viele reproduktionsmedizinische Zentren, die zum Teil auch mit deutschen Ärzten zusammenarbeiten oder aber von diesen federführend unterstützt werden.

Die FDP fordert schon länger die Zulassung der Eizellspende in Deutschland.FDP für Eizellspenden und nicht kommerzielle Leihmutterschaft. In: Ärzteblatt. 22. September 2017Daniel Deckers: Die Kalamitäten der FDP. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 11. Oktober 2017. In der SPD gibt es Parlamentarier wie Brigitte Zypries und Sonja Steffen, die eine Zulassung der Eizellspende in Deutschland befürworten.Melanie Amann, Christiane Hoffmann, Caroline Katschak, Ann-Katrin Müller, Ralf Neukirch und Britta Stuff : Familie für alle. In: Der Spiegel. 32/2015 S. 14–17Heike Haarhoff: Wird die Eizellspende bald legalisiert? In: taz. 25. November 2013. Feministische Kreise beziehen keine einheitliche Position. Während sich z. B. einige Landesverbände von Pro Familia für eine Legalisierung aussprechen, lehnt das Feministische FrauenGesundheitsZentrum FFGZ den körperlichen Eingriff ab.

Wissenschaftler der Deutschen Akademie der Wissenschaft Leopoldina und der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften haben sich im Juni 2019 befürwortend zur Zulassung der Eizellspende positioniert.Ärzteblatt.de: Leopoldina plädiert für Erlaubnis der Eizellspende, Juni 2019. Auch die Bundesärztekammer befürwortet die Eizellspende und mahnt im September 2020 eine Reform des Embryonenschutzgesetzes an.Ärzteblatt.de: Bundesärztekammer mahnt Reform des Embryonenschutzgesetzes an, 2. September 2020.

Die aufgrund des Koalitionsvertrags der sog. Ampelregierung eingesetzte „Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin“ hat den Auftrag, die Regulierungen für den Schwangerschaftsabbruch außerhalb des Strafgesetzbuches sowie Möglichkeiten zur Legalisierung der Eizellspende und der altruistischen Leihmutterschaft zu überprüfen.Linda Schildbach: Eizellspende und Leihmutterschaft auf dem Prüfstand. Mitteldeutscher Rundfunk, 9. August 2023. Dem steht beispielsweise der Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft kritisch gegenüber.Eizellspende und Leihmutterschaft: Feministische und kontroverse Debatte. Deutsches Ärzteblatt, 3. November 2023.

Im April 2024 befürwortete die Kommission der Ampelkoalition die Zulassung der Eizellspende.Sueddeutsche.de: Kommission empfiehlt legale Abtreibung bis zur zwölften Woche, 9. April 2024

Helmut Frister, der Vorsitzende des Ethikrates, verlangte im Juli 2026 eine neue Diskussion, weil Spahns Leihmutterschaft die Doppelmoral der Gesellschaft offengelegt habe. Dabei denke er auch an die Eizellspende. Diese solle legalisiert werden, sofern dafür nicht bezahlt werde. Ähnlich argumentierte auch der Bonner Medizinethiker Hartmut Kreß. Es sei besser, den Sachverhalt angemessen in Deutschland zu regeln, damit interessierte Personen nicht ins Ausland gehen, wo unter Umständen ethisch fragwürdige Bedingungen gälten.

Familienrecht Mutter eines Kindes ist die Frau, die es geboren hat ( BGB). Das gilt auch im Falle einer im Ausland durchgeführten Leihmutterschaft, wenn es von vornherein der übereinstimmenden Absicht aller an der Leihmutterschaft Beteiligten entspricht, dass das Kind alsbald nach der Geburt nach Deutschland gelangen und dort dauerhaft bleiben soll. Das Elternpaar, das die Leihmutterschaft durchführen ließ, muss das Kind adoptieren, um dadurch die Rechtswirkungen der Mutterschaft auch für die Frau zu erzielen, welche faktisch als Mutter für das Kind sorgen soll.BGH, Beschluss vom 20. März 2019 - XII ZB 530/17Markus Sehl: BGH zu Leihmutterschaft im Ausland: Kein Mutterschafts-Import aus Ukraine. Legal Tribune Online, 23. April 2019.

Spanien Spanien zählt zu den Ländern mit den liberalsten Regelungen zur Eizellspende in Europa. Sie ist dort seit 1988 gesetzlich erlaubt und unterliegt dem Gesetz über assistierte Reproduktionstechniken (Ley 14/2006).Ministerio de Sanidad: Ley 14/2006 sobre técnicas de reproducción humana asistida, abgerufen am 23. August 2025. Die Spende erfolgt ausschließlich anonym, d. h. die Identität der Spenderin darf nicht offengelegt werden. Empfängerpaare haben daher keinen Anspruch auf Informationen über die Spenderin, während den geborenen Kindern lediglich medizinisch relevante Daten zugänglich sind.European IVF-Monitoring Consortium (EIM) für ESHRE: ART in Europe, 2016: results generated from European registries, Human Reproduction Open 2020, hoaa038. Spanien gehört zu den weltweit führenden Ländern bei der Zahl durchgeführter Eizellspenden-Behandlungen und ist auch für Patientinnen aus dem Ausland ein wichtiges Ziel.Deutsches Ärzteblatt: Kinderwunschbehandlung im Ausland: Keine gute Alternative?, abgerufen am 23. August 2025.

Österreich Österreich erlaubt seit 2015 nach einem Urteil des Österreichischen Verfassungsgerichtshofes die Eizellspende. Auch Frauenpaaren, die in einer Lebensgemeinschaft leben, wird die Eizellspende ermöglicht.DiePresse.com: Künstliche Fortpflanzung, Medizin darf mehr nachhelfen.

Tschechien In Tschechien ist laut dem Eizellspende legal, anonym, freiwillig und kostenlos. Bei der Spende dürfen lediglich die Eigenschaften mitgeteilt werden, die die Spenderin nicht identifizieren, wie zum Beispiel die Haar- und Augenfarbe, die Körpergröße, die Blutgruppe, der Charakter der Spenderin usw. Die Spenderin muss sich einer Hormonstimulation und Eizellentnahme in Vollnarkose unterziehen und muss viele strenge Kriterien erfüllen. Sie darf nicht älter als 35 Jahre sein, ihr Gesundheitszustand muss perfekt sein, sie darf nicht fettsüchtig sein und muss sich der genetischen Untersuchung unterziehen und auf geschlechtlich übertragbare Krankheiten getestet werden. Die gewonnenen Eizellen werden dann durch die Spermien des Partners befruchtet und die entstandenen kultivierten Embryonen in die Gebärmutter der Empfängerin transferiert. Es ist nicht legislativ möglich, sich ohne Partner befruchten zu lassen.

Leihmutterschaft ist in der Tschechischen Republik legislativ nicht verboten ().

In Tschechien gibt es mehrere Zentren für assistierte Reproduktion, wo sich Frauen aus der ganzen Welt den Traum von eigenem Kind erfüllen können. Die meisten befinden sich in Prag.

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