Der Lancia Beta (Eigenschreibweise: Lancia β) ist ein Personenkraftwagen, der von Herbst 1972 bis Ende 1984 vom italienischen Automobilhersteller Lancia gebaut wurde. Er wurde als Fortsetzung der zu Beginn der Firmengeschichte benutzten Nomenklatur nach dem zweiten Buchstaben des griechischen Alphabets benannt. Standardmodell war eine viertürige Limousine (Berlina) mit Schrägheck, die im Laufe der Jahre äußerlich von Pininfarina überarbeitet wurde. Später kamen weitere Karosserievarianten mit eigenständig gestalteten Aufbauten hinzu: Das Beta Coupé war ein Zweitürer mit Stufenheck, der Beta HPE ein dreitüriges Kombicoupé, der Beta Spider ein offener Zweitürer mit Targadach und fest stehendem Überrollbügel und der Beta Trevi eine viertürige Stufenhecklimousine. Unter der Bezeichnung Beta Montecarlo wurde schließlich noch ein zweisitziges Mittelmotor-Coupé verkauft, das technisch mit der Beta-Familie wenig Gemeinsamkeiten hatte.

Limousine (Berlina) mini|Seitenansicht einer frühen Beta Berlina mini|Heckansicht Als erstes Modell der Baureihe erschien im November 1972 die Schräghecklimousine, auch Berlina genannt. Die Plattform der Limousine diente als Basis für die folgenden Ausführungen Coupé, Spider, HPE und Trevi.

Die von Gian Paolo Boano modern gestaltete Schrägheck-Karosserie der Limousine stieß bei manchen Markenfreunden auf wenig Gegenliebe. Sie hatte keine große Heckklappe, sondern einen kleinen Deckel über dem Kofferraum. Die Passagiere waren zwar von Wettereinflüssen beim Öffnen des Kofferraums nicht betroffen, der Zugang zum Kofferraum war aber durch die relativ kleine Klappe nicht besonders einfach. Die Technik war modern. Die Beta Limousine bot Frontantrieb mit quer eingebauten Motoren, Fünfganggetriebe, Einzelradaufhängung mit Federbeinen rundum und einer speziellen Zweikreisbremsanlage mit Dreiräder-Aufteilung, die beim Ausfallen eines der Bremskreise immer Bremsleistung an beiden Vorderrädern gewährleistet („Lancia Superduplex“),lancia-beta.de mit Scheiben an allen Rädern. Die Einzelradaufhängungen der Räder bestand vorn aus Querlenkern mit Stabilisator und MacPherson-Federbeinen und hinten aus der Camuffo-Hinterachse, also Federbeinen, je zwei Querlenkern und einem auch als Längslenkern dienenden Stabilisator. Allerdings vermissten manche die Lancia-typische Originalität, und dem Beta haftete der Ruf an, ein maskierter Fiat zu sein; tatsächlich waren die Motoren des Lancia Beta überarbeitete Fiat Twin-Cam-Motoren mit zwei obenliegenden Nockenwellen. Das Getriebe stammte von Citroën.Patient lebt, Der Spiegel 47/1972 vom 12. November 1972. Zeitgenössische deutsche Testberichten bezeichneten den Lancia Beta als solide verarbeitet, sparsam, üppig ausgestattet und noch immer eine Spur aristokratisch.

Der Lancia Beta hatte schon von Beginn an für damalige Begriffe üppige Sicherheitsmerkmale wie etwa vollgeschäumte Innenverkleidungen, Lancia Superduplex-Bremssystem, dreigeteilte Sicherheitslenksäule, integrierte Überrollbügel, Verbundglasfrontscheibe (beim Coupé auch die Heckscheibe), Seitenaufprallschutz, Brandschutzsystem und ab 1979 Fanghaken für die Motorhaube.

Alle Zierleisten, Einfassungen und Stoßstangen bestanden (bis auf die des Montecarlo) aus rostfreiem Stahl.

Zu den Vorzügen des Beta zählten Platzangebot, Komfort, durchzugsstarke Motoren, sichere Straßenlage und starke Bremsen. Anfangs standen drei Reihenvierzylinder im Programm, ein 90 PS (66 kW) starker 1,4-Liter-Motor, ein 100 PS (74 kW) leistender 1,6-Liter-Motor und ein 1,75-Liter-Motor mit 110 PS (81 kW). Die offiziellen Bezeichnungen der Fahrzeuge mit diesen Motorvarianten waren 1400, 1600 und 1800. Dank des sportlich abgestuften 5-Gang-Getriebes bot der Lancia Beta trotz der mäßigen Elastizität des Motors eine Beschleunigung in hohen Gängen, die nur von wenigen Konkurrenten in dieser Leistungsklasse erreicht wurde.

Zwei Ausstattungsvarianten waren lieferbar: ein Basismodell und der Beta LX, wobei dieser nicht in Verbindung mit dem 1,4-Liter-Motor angeboten wurde.

Coupé

mini|Lancia Beta Coupé 1977 (links) und 1981 Im Juni 1973 debütierte das Beta Coupé auf der verkürzten Bodenplatte der Limousine. Die ersten Serienfahrzeuge wurden im Frühjahr 1974 ausgeliefert. Die Produktion endete 1984.

Das Design des Coupés stammt von Piero Castagnero, der bereits das Lancia Fulvia Coupé entworfen hatte. Angetrieben wurde das Coupé als Version 1600 bzw. 1800 anfangs von 1,6- und 1,75-Liter-Doppelnockenwellenmotoren mit 109 bzw. 120 PS. Nachdem die Produktion des Fulvia Coupé im Januar 1976 eingestellt worden war, wurde das Beta Coupé auch mit dem 1,3-l-Motor angeboten, um in der vor allem in Italien wichtigen 1300er-Klasse weiterhin ein Coupé anbieten zu können.

Von 1974 bis 1984 entstanden zwei Serien des (Beta) Coupé, wobei sich die zweite Generation in drei Unterserien gliedert. Die Karosserie blieb über den gesamten Zeitraum abgesehen von Detailmodifikationen bei Anbauteilen unverändert; wesentliche Unterschiede bestehen dagegen im Bereich von Motorisierung und Ausstattung.

Spider

mini|Lancia Beta Spider Im Herbst 1974 erschien der Beta Spider, der auf der kürzeren Plattform des Coupé aufbaute und sich bis zur Windschutzscheibe die Karosserie mit dem Coupé teilte. Der Dachaufbau und das Fahrzeugheck wurden von Pininfarina neu gestaltet.

Der Beta Spider hat einen festen Überrollbügel, der die B-Säulen miteinander verbindet. Zwischen dem Überrollbügel und der Windschutzscheibe ist ein herausnehmbares Targadach aus Kunststoff eingebaut. Bei den Fahrzeugen der ersten beiden Baujahre gibt es zwischen der Windschutzscheibe und dem Überrollbügel keine feste Verbindung; die Seitenscheiben der Türen liegen unmittelbar am Targadach an. Die ab 1977 gebauten Autos haben über den Türen feste Verbindungsstücke zwischen Windschutzscheibe und Überrollbügel; dadurch wurde die Verwindungsfestigkeit des Autos erhöht. Im Beta Spider wurden die stärkeren Motorversionen aus dem Coupé verbaut, zunächst als Versionen 1600 und 1800. Nach der im Herbst 1975 erfolgten Überarbeitung und modellweiten Umstellung der Motorenpalette wurden der Spider mit der neuen Version des 1600er-Motors (828 AS.B.000) und dem Zweiliter-Motor (828.AS.B100) ausgestattet;Lancia – Fortschritt aus Tradition, Editoriale Domus, S. 170. der bisherige 1800er entfiel.

Die Produktion des Beta Spider übernahm das Mailänder Karosseriebauunternehmen Zagato, das dafür die bei Pininfarina herstellten Rohkarossen des Beta Coupé verwendete.

Für den nordamerikanischen Markt produzierte Lancia äußerlich und technisch abgewandelte Versionen des Beta Spider, die mit angepassten Motoren und breiten Stoßfängern ausgestattet waren und als Lancia Zagato verkauft wurden. Alle Versionen zusammengenommen, entstanden bis 1982 insgesamt 9330 Lancia Beta Spider und Lancia Zagato.

HPE Im Frühjahr 1975 erschien als vierte Karosserievariante ein dreitüriges Kombicoupé mit der Bezeichnung HPE (für High Performance Estate). Mit der unveränderten Bodengruppe der Limousine ist der HPE bis zur B-Säule baugleich mit dem Beta Coupé.

Der Beta HPE ging auf einen Pininfarina-Entwurf zurück. Lancia übernahm damit ein Karosseriekonzept, das bereits 1967 von Tom Karen und Ogle Design für den britischen Reliant Scimitar entwickelt worden war.

Das Fahrzeug wurde mit 1,6-, 1,8- und mit dem 2,0-Liter-Motor gebaut, wobei letzterer sowohl als Vergaser, Einspritzer und in der Kompressor-Variante Volumex angeboten wurde. Der Fahrgastraum war geräumig, komfortabel (auch im Fond) und für Langstrecken geeignet, da der HPE über eine gute Straßenlage und überdurchschnittliche Fahrleistungen verfügte.

Das Armaturenbrett enthält neun analoge Instrumente (große Tachometer und Drehzahlmesser, kleinere Tankuhr, Kühlwasserthermometer, Voltmeter, Ölmanometer, -thermometer und -standsanzeige sowie eine Uhr in der Mittelkonsole). Sogar der Ölstand wird über eine Unterdruckleitung am Armaturenbrett angezeigt. Eine weitere Besonderheit war die automatische Scheinwerferhöhenverstellung mit Druckkolben, die von pneumatischen Gebern an der Hinterachse über einen Druckschlauch gesteuert werden.

Trevi

mini|Lancia Beta Trevi (1980–1982) Im März 1980 debütierte die Stufenheckvariante Beta Trevi, die sich an die konservative Kundschaft wandte, die Lancias Schräghecklimousinen vielfach distanziert gegenüberstand. Die Karosserie des Beta Trevi war von hauseigenen Designern entworfen worden; Detailarbeiten steuerte Pininfarina bei. Bis zu den hinteren Türen war der Beta Trevi mit der Berlina identisch, im hinteren Bereich gab es eine steil stehende C-Säule und einen rucksackartigen Kofferraum. Das Design des Heckbereichs wurde vielfach als unharmonisch oder fade wahrgenommen. Im Gegensatz dazu stand das futuristische, von dem Mailänder Architekten und Industriedesigner Mario Bellini entworfene Armaturenbrett. Es war eine zum Fahrer hin gewölbte Einheit, die aus farbigem Kunststoff geformt war. Darin eingelassen waren etwa 30 runde Vertiefungen, in denen sich Schalter und einzelne Anzeigen befanden. Bellinis Entwurf wurde vielfach als „Schweizer Käse“ verspottet. Die Motorenpalette des Trevi entsprach weitgehend der der Beta Berlina. Als Einstiegsmodell bot Lancia im Trevi auf vielen Märkten (allerdings nicht in Deutschland) eine 1,6-Liter-Version mit an; über ihm war eine Variante mit 2,0 Litern Hubraum und angesiedelt. Beide Motoren waren mit Doppelvergasern von Weber ausgerüstet. Den größeren Motor gab es aber ab 1981 alternativ – bzw. auf dem deutschen Markt als Saugmotor ausschließlich – auch mit einer elektronischen Saugrohreinspritzung Bosch (L-Jetronic), er leistete . Zum Modelljahr 1982 erschien als neues Spitzenmodell der Trevi 2000 Volumex, der mit einem Roots-Kompressor ausgestattet war. Der Trevi Volumex war das erste in Serie gefertigte Auto mit mechanischer Aufladung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Volumex-Motor war nicht mit einer Saugrohreinspritzung, sondern nur mit den herkömmlichen Vergasern lieferbar. Im Frühjahr 1983 wurde die Limousine leicht modifiziert. Die Modellbezeichnung Beta entfiel; das Auto hieß nun „Lancia Trevi“. Von 1980 bis 1984 produzierte Lancia, alle Motorisierungen zusammengenommen, 40628 Exemplare des Trevi, 3844 davon als Volumex.

Montecarlo

mini|Lancia Beta Montecarlo Im September 1975 kam das zweisitzige Mittelmotor-Coupé Beta Montecarlo mit einer von Pininfarina entworfenen Karosserie auf den Markt, das auch als Targa mit Rolldach produziert wurde. Der Sportwagen hat praktisch keine technischen Bezüge zu den übrigen Mitgliedern der Beta-Familie. Er geht in seinen Ursprüngen vielmehr auf die Fiat-Projekte X1/8 und X1/20 zurück und wurde letztlich aus Prestigegründen nicht als Fiat, sondern als Lancia auf den Markt gebracht: Es ging dem Turiner Konzern vor allem darum, Lancias Beta-Reihe durch das innovative Sportcoupé einen Prestigeschub zu verschaffen.Frank Oleski, Hartmut Lehbrink: Seriensportwagen. Könemann, Köln 1993, ISBN 3-89508-000-4, S. 441. Der Beta Montecarlo war ausschließlich mit dem 88 kW (120 PS) starken Doppelnockenwellen-Zweiliter-Lampredi-Motor erhältlich, der in Mittelmotorlage um 20 Grad nach hinten geneigt eingebaut ist. Das Auto wurde bei Pininfarina gebaut. Bis zur Produktionseinstellung im Frühjahr 1978 entstanden 5638 Fahrzeuge.Produzione Complessiva Pininfarina (abgerufen am 21. November 2024). Darin enthalten sind etwa 1800 Autos, die als Lancia Scorpion für den US-amerikanischen Markt gebaut wurden. Wegen der dortigen strengen Emissionswerte war der Scorpion mit einer älteren, 1756 cm³ großen Variante des Lampredi-Motors ausgestattet (Tipo 134AS.031.6), die 84 PS leistete.Wim Oude Weernink: Lancia. Motorbuch Verlag, 1992, ISBN 978-3-613-01503-6, S. 423. Außerdem hatte der Scorpion Klappscheinwerfer.