Die deutsche Deklination beschreibt innerhalb der deutschen Grammatik eine Abteilung der Bildung von Wortformen (Flexion). Deklination ist allgemein der Gegenbegriff zu Konjugation (der Formenbildung von Verben). Sie bezeichnet also die Formenbildung bei den nominalen Wortarten (im weiten Sinne von Nomen); diese sind: Substantiv (Hauptwort), Adjektiv (Eigenschaftswort, Beiwort), Pronomen (Fürwort), Numerale (Zahlwort) und Artikel (Geschlechtswort, Begleiter).

Die grammatischen Merkmale, die für die deutsche Deklination die Hauptrolle spielen, sind: Kasus (Fall): Nominativ (Wer-Fall), Genitiv (Wes[sen]-Fall), Dativ (Wem-Fall), Akkusativ (Wen-Fall) Numerus (Zahl): Singular (Einzahl) und Plural (Mehrzahl) Genus (Geschlecht): Maskulinum (männliches Geschlecht), Femininum (weibliches Geschlecht), Neutrum (sächliches Geschlecht). Dazu kommt bei Adjektiven die sogenannte Stärkeflexion.

Die Deklination im Deutschen geschieht meist mithilfe von Endungen (Suffixen) (Haus, Haus-es, Haus-e, Häus-er, Häus-ern); bei einigen dieser Endungen muss der betonte Vokal bei gewissen deutschen Nomina umgelautet werden (Haus – Häuser, Vater – Väter). Je nach Beschaffenheit des Wortstamms können Endungen auch vollständig weggefallen sein (ein Fenster – viele Fenster), eventueller Umlaut ist dabei erhalten geblieben (der Boden – die Böden).

Durch Verschmelzungen mit dem Wortstamm in früheren Sprachepochen zerfiel die Flexion der Substantive in mehrere Klassen mit unterschiedlichen Endungen. Adjektive und Pronomina haben dagegen ihre eigenen Endungen.

Substantive und Personalpronomen Substantive Starke, schwache und gemischte Deklinationen von Substantiven In der Grammatiktradition nach Jacob Grimm wird zwischen starker, schwacher und gemischter Deklination von Substantiven unterschieden. Die Zuordnung der Substantive zu diesen Klassen erfolgt anhand der Endung im Genitiv Singular und im Nominativ Plural. Allerdings unterscheiden sich die Definitionen und Ordnungskriterien in den verschiedenen Grammatiken (siehe Anmerkungen).

Genitiv Singular Nominativ Plural Klasse Beispiele Maskulina und Neutra (männliche und sächliche Hauptwörter) -(e)s(= -es oder -s) [a]: kein -(e)n[b]: -e, -er, -s oder -Ø[c]: -e, -er oder -Ø stark Tag, Rat, Kind, Rad, Lehrernach [a] und [b], nicht nach [c]: Akku -(e)n –(e)n schwach Mensch, Prinz, Hase(Anmerkung: Hier gibt es keine Neutra.) -(e)s –(e)n gemischt Staat; Auge -(e)ns –(e)n nicht klassifiziert Buchstabe Feminina (weibliche Hauptwörter) – –(e)n [A]: schwachoder [B]: gemischt Frau – [a]: kein -(e)noder [b]: -e, -er, -s oder -Øoder [c]: -e, -er oder -Ø stark Gans, Hand; Mutter *nach [a] und [b], nicht nach [c]: Kamera; Mutti, Oma * Anmerkungen: Die Klassifizierung erfolgt ungeachtet der Endung -s, die im Genitiv Singular auftreten kann, wie in Mutters Geburtstag (sächsischer Genitiv).duden.de: Mutter und Omas Klamottenkiste.duden.de: Klamottenkiste Maskulina und Neutra mit Genitiv Singular -s und Nominativ Plural -s (Beispiel: Akku) sowie Feminina mit Genitiv -Ø und Plural -s (Beispiel: Kamera) gehören nach [a] (so bei Hentschel & Weydt, Roeckel) und [b] (so bei Pons: Die große Grammatik Deutsch) zu den starken Substantiven, nach [c] (so bei Pons: Zweifelsfrei Deutsch Grammatik und Pons: Perfektes Deutsch) sind sie nicht klassifiziert. Feminina mit Genitiv Singular -Ø und Nominativ Plural -(e)n gehören nach [A] (so bei Pons: Zweifelsfrei Deutsch Grammatik, Pons: Perfektes Deutsch und Pons: Die große Grammatik Deutsch) zu den schwachen Substantiven, nach [B] (so bei Hennings) zu den gemischten. Diese Unterscheidung von starken, schwachen und gemischten Deklinationen von Substantiven ist jedoch nicht unumstritten, besonders bezüglich der Feminina.Elke Hentschel & Harald Weydt: Handbuch der deutschen Grammatik. 4. Auflage. Walter de Gruyter, 2013, S. 138f.Thorsten Roelcke: Sprachtypologie des Deutschen. Walter de Gruyter, 1997, S. 137.Pons-Grammatiken: Ines Balcik: Pons. Band 2: Zweifelsfrei Deutsch. Grammatik. Sichere Antworten auf knifflige Fragen. Klett, Stuttgart u. a. 2007, S. 10f. Ines Balcik, Jürgen Folz, Klaus Röhe: Pons. Band 3: Perfektes Deutsch. Der Ratgeber in sprachlichen Zweifelsfällen. PONS, Stuttgart u. a. 2009, S. 162–164. Ines Balcik, Klaus Röhe, Verena Wróbel: Pons. Band 2: Die große Grammatik Deutsch. Das umfassende Nachschlagewerk. PONS, Stuttgart u. a. 2009, S. 111ff.Thordis Hennings: Einführung in das Mittelhochdeutsche. Dritte, durchgesehene und verbesserte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 2012, S. 149.

Starke Deklinationen werden in diesem Artikel mit S für englisch ‚stark‘ und schwache und gemischte mit W für ‚schwach‘ bezeichnet.

Grundsätze Im Allgemeinen gelten folgende Grundsätze für die Deklination aller Substantive: Feminina sind im Singular in der Regel unveränderlich. Ausgenommen sind Eigennamen, sowie die Wörter Mama, Mami, Mutti, Oma, Omi. Bei den letztgenannten Wörtern gibt es Genitive wie die Tasche der Mama als auch Mamas Tasche.Beispiele: Im Eintrag Oma bei duden.de heißt es zum Genitiv Singular „der Oma, Omas“ Duden Grundschulwörterbuch. Sag es besser! Die richtige Wortwahl. 2013, S. 68. Zitat: „An Mamas Ring funkelt ein smaragdgrüner Stein.“ Im Plural sind Nominativ, Genitiv und Akkusativ stets identisch: die Tage, der Tage, die Tage. Bei Feminina und Neutra sind, in Singular und Plural, jeweils Nominativ und Akkusativ stets identisch. Die Dativ-Singular-Endung -e in einigen Klassen wird heute kaum noch verwendet. Es gibt folgende Endungen: -(e), -(e)n, -(e)r, -(e)s. Bei starken Substantiven ist der Dativ Plural und, bei Maskulina und Neutra, der Genitiv Singular am deutlichsten erkennbar.

Für Substantive, deren Wortstamm auf unbetontes -e, -el, -en, -er endet, gilt Folgendes: Diese Substantive werden nie nach S2 dekliniert, haben also nie die Endung -er. Alle angehängten Endungen verlieren ihr „e“, die Endungen sind also: -, -n, -s.

Durch die geringe Zahl an Endungen ist der Kasus eines Substantives häufig nur durch zusätzliche Artikel oder andere Attribute bestimmbar (zum Beispiel: der Sockel, dem Sockel, den Sockel, die Sockel).

Einige Wörter haben mehrere verschiedene Pluralformen, und bei einigen dieser Wörter sind die unterschiedlichen Pluralformen mit unterschiedlichen Bedeutungen verbunden. Wort: Wörter sind Vokabeln aus einem Wörterbuch, Worte ist eine sorgfältige Aneinanderreihung von Einzelwörtern („er machte nicht viele Worte“, „die Worte des Dichters“). Bank: Bänke sind Sitzgelegenheiten, Banken sind Geldinstitute.

Zugehörigkeit und Übersicht Ein Substantiv an sich gibt keine Auskunft über die Zugehörigkeit zu einer Beugungsklasse. Im Allgemeinen lässt sich jedoch feststellen, dass Substantive auf unbetontes -e sowie die meisten Feminina meist nach W1/W2 dekliniert werden; Substantive auf unbetontes -en meist nach S5/S6 dekliniert werden; Substantive auf unbetontes -el, -er meist nach S5/S6 dekliniert werden, wenn sie maskulin/neutral sind, bzw. nach W2, wenn sie feminin sind; Feminina nur nach S3 oder W2 flektiert werden können (Ausnahmen: Mutter und Tochter nach S5).

Die Deklinationsklassen lassen sich zusammenfassen als e-Klasse, der Plural endet auf -e, Umlaut bei S1/S3/S5, kein Umlaut bei S4/S6 er-Klasse, der Plural endet auf -er, immer mit Umlaut, Klasse S2 en-Klasse, der Plural endet auf -(e)n, ohne Umlaut, Klassen W1/W2 Mischklasse, W3 und W4

Kasus e-Klasse e-Klasseohne „e“ er-Klasse en-Klasse en-Klasseohne „e“ Tag (mask.) Sockel (mask.) Haus (neutr.) Mensch (mask.) Traube (fem.) Nominativ Singular der Tag der Sockel das Haus der Mensch die Traube Genitiv Singular des Tages des Sockels des Hauses des Menschen der Traube Dativ Singular dem Tag(e) dem Sockel dem Hause dem Menschen der Traube Akkusativ Singular den Tag den Sockel das Haus den Menschen die Traube Nominativ Plural die Tage die Sockel die Häuser die Menschen die Trauben Genitiv Plural der Tage der Sockel der Häuser der Menschen der Trauben Dativ Plural den Tagen den Sockeln den Häusern den Menschen den Trauben Akkusativ Plural die Tage die Sockel die Häuser die Menschen die Trauben

Starke Deklination Nominativ und Akkusativ sind stets identisch. Der Genitiv Singular Maskulinum/Neutrum endet auf -(e)s. Der Dativ Singular Maskulinum/Neutrum kann auf -e enden. Im Plural tritt bei vielen Substantiven aller drei Geschlechter ein Umlaut auf (a > ä, aa > ä, au > äu, o > ö, u > ü). Umgelautete Doppelvokale werden gekürzt geschrieben (z. B. Saal – Säle). Substantive, die kein a, o, u als Stammvokal haben, können nicht umgelautet werden (z. B. Brett – Bretter; die Pluralendung -er steht immer mit Umlaut).

Starke Deklinationsklassen beruhen, historisch betrachtet, auf den urgermanischen Klassen mit stammbildendem Themavokal. Es wurde unterschieden zwischen a-, i-, o- und u-Stämmen. Zu den o-Stämmen gehörten nur Feminina, zu den a-Stämmen nur Maskulina und Neutra. Seit mittelhochdeutscher Zeit werden alle ehemaligen u-Stämme wie Substantive aus irgendeiner anderen Klasse behandelt.

Da alle auslautenden Vokale im Mittelhochdeutschen zu schwachem e abgeschwächt wurden, gibt es zwischen diesen beiden Klassen heute keinen Unterschied mehr – bis auf den Umlaut im Plural. Beispiel: im Singular Tag – Tages – Tage – Tag und Gast – Gastes – Gaste – Gast (die Endungen sind identisch), im Plural aber Tage – Tagen gegenüber „Gäste – Gästen“ (identische Endungen, aber Umlaut bei Gast). Tag war also ein alter a-Stamm (gotisch Dativ Plural dagam, deutsch: Tagen), während Gast ein alter i-Stamm war (gotisch Dativ Plural gastim, deutsch: Gästen). Man muss also bei jedem Substantiv die Pluralform mitlernen, da es aus dem Wortstamm selber nicht mehr ersichtlich ist, ob es ehemals ein a- oder i-Stamm gewesen ist.

Die Bildung nach den o-Stämmen ist in frühneuhochdeutscher Zeit verloren gegangen, die meisten betroffenen Substantive werden heute schwach dekliniert. Die Endung -er (mit Umlaut) tritt erstmals im Althochdeutschen bei ein paar vereinzelten Neutra zur Pluralbildung auf. Später wurde es auf einen Großteil aller Neutra und einige Maskulina ausgedehnt.

Die Klassen S1, S2 und S4 sind den Maskulina und Neutra vorbehalten, die Klasse S3 den Feminina.

S1: Umlaut + e (m./n.) Zu dieser Klasse gehören viele Maskulina und einige Neutra.

+ Schema S1: -(e)s, -¨e Kasus Singular Plural Nominativ der Baum die Bäume Genitiv des Baum(e)s der Bäume Dativ dem Baum(e) den Bäumen Akkusativ den Baum die Bäume

Beispiele für Maskulina: Bach, Napf, Zahn, Hof … Beispiel für Neutra: Floß …

S2: Umlaut + er In dieser Klasse sind alle Maskulina und Neutra vertreten, die im Plural einen Umlaut sowie das Endungsmorphem -er aufweisen.

+ Schema S2: -(e)s, -¨er Kasus Singular Plural Nominativ der Wald die Wälder Genitiv des Wald(e)s der Wälder Dativ dem Wald(e) den Wäldern Akkusativ den Wald die Wälder

Beispiele für Maskulina: Mund, Rand, Strauch, Wurm … Beispiele für Neutra: Amt, Blatt, Loch, Holz …

S3: Umlaut + e (f.) Zu dieser Klasse gehören etwa 40 feminine Substantive in nicht-zusammengesetzter Form.

+ Schema S3: -, -¨e Kasus Singular Plural Nominativ die Frucht die Früchte Genitiv der Frucht der Früchte Dativ der Frucht den Früchten Akkusativ die Frucht die Früchte

Beispiele: Angst, Ankunft, Ausflucht, Axt, Bank (zum Sitzen), Braut, Brunft, Brunst, Brust, Faust, Frucht, Gans, Geschwulst (f. (auch n.); auch mit der Pluralform Geschwulste), Gruft, Hand, Haut, Kluft, Kraft, Kuh, Kunst, Laus, Luft, Lust, Macht, Magd, Maus, Nacht, Naht, Not, Nuss, Sau (auch mit der Pluralform Sauen), Schlucht (auch mit der Pluralform Schluchten), Schnur, Schoß (Frauenrock; auch mit der Pluralform Schoßen), Stadt, -statt (z. B. Schlafstatt; auch mit der Pluralform -stätten),Beispiele: Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. Leipzig 1793–1801: „Die Bèttstatt, plur. die -stätte, oder Bettstätte, plur. die -n […]“ „Die Hofstatt, plur. die -stätte […]“