mini|Flickflack als Abgang in der Kür
Beim Voltigieren wird zwischen Pflicht- und Kürübungen sowie dem Technikprogramm unterschieden. In der Pflicht existieren strikte Vorgaben bezüglich der zu turnenden Elemente, ihrer Reihenfolge und ihrer optimalen Ausführung. Dies ermöglicht eine direkte Vergleichbarkeit der einzelnen Voltigierer und Gruppen. In der Kür ist hingegen freigestellt, welche Übungen der Voltigierer zeigt. Hier können also auch eigene Kreationen vorgestellt werden. Das Technikprogramm stellt eine Mischform aus Pflicht und Kür dar. Hier werden vorgegebene Elemente mit weiteren Übungen frei kombiniert.
Strukturgruppen der Voltigierübungen Basis für die Terminologie von Voltigierübungen ist eine strukturelle Systematik. Elemente, die strukturelle Ähnlichkeit aufweisen, werden daher in Strukturgruppen zusammengefasst. Die Bezeichnung und Zuordnung eines Elements beruht maßgeblich auf seiner Bewegungsstruktur, unabhängig davon wie viele Voltigierer beteiligt sind.
Die Strukturgruppen werden in statische und dynamische Elemente untergliedert.
Statische Elemente Bei der Ausführung von statischen Übungen muss eine Balance zwischen inneren und äußeren Kräften hergestellt werden. In der Pflicht wird verlangt, dass die Körperposition bei statischen Übungen vier Galoppsprünge gehalten wird, in der Kür sind es drei Galoppsprünge. Sitze (z. B. Freier Grundsitz) Knien (z. B. Kniestand) Stände (z. B. Stehen, Handstand, Schulterstand, Nackenstand) Stütze (z. B. Liegestütz) Hänge (z. B. Schulterhang) Waagen (z. B. Fahne, Standwaage, Stützwaage) Lieger/Flieger (z. B. Schulterflieger, Fliegender Engel, Bauchlieger)
Dynamische Elemente Zu den dynamischen Elementen zählen solche Übungsformen, bei denen sich der Körperschwerpunkt des Voltigierers in Relation zum Pferd in Bewegung befindet. Die hierzu benötigte Energie wird entweder als Bewegungsenergie genutzt oder aus Muskelkraft gewonnen. Schrauben (Drehungen um die Längsachse) Räder (Drehungen um die Sagittalachse) Rollen/Kippen (Drehungen um die Querachse mit Kontakt zur Unterlage) Überschläge (Drehungen um die Querachse mit Kontakt zur Unterlage nach 180°, z. B. Flickflack, Handstandüberschlag, Bogengang) Salti (freie Drehungen um die Querachse mit frühestem Kontakt zur Unterlage nach 360°) Felgbewegungen (rückwärts gerichtete Rotationen um die Breitenachse) Schwünge (z. B. Schere, Flanke) Sprünge (z. B. Grätschwinkel-Sprung)
Pflicht Die Pflicht besteht aus einer vorgegebenen Folge von verschiedenen Figuren. Im Gruppenvoltigieren wird die Pflicht nacheinander von jedem einzelnen Mitglied der Voltigiergruppe ausgeführt. Die Anforderungen variieren mit den Leistungsklassen. Im Einzelvoltigieren entsprechen die Übungen der Pflicht der S-Gruppen,Jochen Schilffahrth, Ulla Ramge, Maria Schierhölter-Otte: S. 6, Abruf: 15. Dezember 2010 sie werden allerdings jeweils in nur einem Block geturnt. Beim Doppelvoltigieren existiert keine Pflicht.
Übersicht der Pflichtübungen nach Leistungsklassen Leistungsklasse Pflicht A Aufsprung Grundsitz Bank-Fahne Liegestütz Quersitze (nach innen und nach außen) Knien Stützschwung Abgang nach innenL Aufsprung Freier Grundsitz Fahne Stehen Stützschwung vl Halbe Mühle Stützschwung rl Abgang nach außen M Aufsprung Grundsitz Fahne Mühle Schere Stehen Flanke 1. Teil + Wende nach innenJunior Aufsprung Freier Grundsitz Fahne Mühle Schere Stehen Wende nach außenS Aufsprung Fahne Mühle Schere Stehen Flanke
Figuren beim Voltigieren (Pflicht) Abgang aus dem Vorwärts-/Rückwärtssitz nach innen/außen In der Leistungsklasse A wird der Abgang aus dem Vorwärtssitz nach innen, in der Leistungsklasse L aus dem Rückwärtssitz nach außen gezeigt. Für den Abgang wird das linke/rechte Bein gestreckt im gleichmäßigen Halbkreisbogen nach innen/außen geführt und die Beine sodann geschlossen. Die Hüfte wird bei gleichzeitiger 1/4-Drehung des Rumpfes gestreckt und der Voltigierer drückt sich unmittelbar darauf nach oben von den Griffen ab. Die beidbeinige Landung vollzieht sich in hüftbreiter, paralleler Fußstellung und wird in den Fuß-, Knie- und Hüftgelenken abgefedert. Das Auslaufen erfolgt in Bewegungsrichtung des Pferdes.
Aufsprung Der Voltigierer läuft im Galopprhythmus des Pferdes von der Zirkelmitte aus parallel zur Longe ans Pferd. Er fasst mit beiden Händen an die Griffe. Er springt beidbeinig und mit kurzer Stemmphase ab. Nun schwingt er das rechte Bein nach oben, während das linke Bein an der Innenseite des Pferdes bleibt. Anhand des Absprungs, der Schwungübertragung und des Armzugs gewinnt der Voltigierer an Höhe. Am höchsten Punkt senkt er das rechte Bein an der Außenseite des Pferdes ab und stützt sich mit den Armen bei gleichzeitigem Aufrichten des Oberkörpers in die korrekte Sitzposition direkt hinter dem Gurt.
Fahne mini|Fahne
Bei der Fahne handelt es sich um eine Balanceübung.Deutsche Reiterliche Vereinigung e. V., Abteilung Jugend; Der Voltigierzirkel e. V.: Beim Voltigieren geht es rund. Informationsbroschüre. 2004, S. 8. In den verschiedenen Leistungsklassen werden unterschiedliche Ausführungen der Fahne verlangt. Allen gemein ist, dass der Voltigierer zunächst mit beiden Unterschenkeln diagonal zur Wirbelsäule in die Bank-Position aufkniet. Oberschenkel und Oberkörper des Athleten befinden sich in einem Winkel von 90°, die Arme leicht gebeugt, die Schultern sind über den Griffen, die Blickrichtung zeigt nach vorne.
Leistungsklasse A (Bank – Fahne): Aus der Bank-Position wird das rechte Bein nach hinten oben ausgestreckt, während Schulter- und Beckenachse waagerecht und in etwa auf einer Höhe bleiben. Besonders wichtig ist, dass das Gewicht gleichmäßig auf beiden Armen und dem linken Unterschenkel verteilt wird. Die Längsachse des Voltigierers ist identisch mit der des Pferdes. Schultern, Rücken, rechtes Bein und rechter Fuß des Sportlers werden durch eine gleichmäßig gebogene Linie über der Horizontalen verbunden.
Leistungsklasse L: Aus der Bank-Position wird das rechte Bein nach hinten oben ausgestreckt während Schulter- und Beckenachse waagerecht und in etwa auf einer Höhe bleiben. Nun wird der linke Arm gestreckt nach vorne angehoben. Das Gewicht muss nun gleichmäßig auf dem rechten Arm und dem linken Unterschenkel verteilt sein. Die Längsachse des Voltigierers ist identisch mit der des Pferdes. Linke Hand, linker Arm, Schultern, Rücken, rechtes Bein und rechter Fuß des Sportlers werden durch eine gleichmäßig gebogene Linie über der Horizontalen verbunden.
Leistungsklassen M, S und Junior: Aus der Bank-Position werden gleichzeitig der linke Arm nach vorne oben und das rechte Bein nach hinten oben gestreckt angehoben während Schulter- und Beckenachse waagerecht und in etwa auf einer Höhe bleiben. Im Weiteren entsprechen die Anforderungen denen der Leistungsklasse L.
Flanke Teil zum Innensitz: Der Voltigierer holt mit den Beinen Schwung, indem er diese zuerst gestreckt nach vorne anhebt und dann schnellkräftig nach hinten-oben schwingt. Der Oberkörper wird nach vorne abgetaucht. Nun stützt sich der Voltigierer mit den Armen nach oben heraus, im Idealfall bis in den Handstand. Im höchsten Punkt wird die Hüfte abgeknickt, die Beine sind dabei geschlossen. Der Voltigierer landet weich mit geschlossenen Beinen im Innensitz. Teil nach außen ab: Der Voltigierer nimmt mit beiden Beinen nach vorne Schwung und "taucht" nach außen, bis zur Schulter, vor den Gurt. Die Beine werden geschlossen nach oben, wenn möglich bis in den Handstand, geschwungen – abdrücken. Die Landung neben dem Pferd wird in den Knien möglichst weich nach oben heraus abgefedert.
Freier Grundsitz mini|Grundsitz
Der Voltigierer sitzt mit aufgerichtetem Oberkörper (Blickrichtung geradeaus) bei gleichmäßiger Belastung der Gesäßknochen hinter dem Gurt. Beide Beine liegen am Pferd an. Beide Arme werden gleichzeitig gestreckt in seitliche Haltung geführt, wobei Finger und Ohren auf gleicher Höhe sind. Die Finger sind geschlossen, die Handflächen sind parallel zum Boden und zeigen nach unten.
Knien Der Voltigierer kniet mit beiden Beinen hüftbreit auf, der Blick ist vorwärts gerichtet. Die Unterschenkel sind parallel zur Wirbelsäule des Pferdes, die Fußspitzen gestreckt. Nun wird der Oberkörper bis leicht hinter die Senkrechte aufgerichtet (gestreckte Hüfte) und das Gewicht dabei gleichmäßig auf die Unterschenkel verlagert. Beide Arme werden gleichzeitig und gestreckt in die Seithalte geführt, wobei Schultern und Fingerspitzen eine gerade Linie bilden. Die Finger sind geschlossen, die Handflächen sind parallel zum Boden und zeigen nach unten.
Liegestütz Aus der Bank-Fahne legt der Voltigierer zuerst das Spielbein und anschließend das linke Bein mit dem Fußrist auf die Kruppe des Pferdes. Der Körper bildet vom Fußrist bis zum Kopf eine gerade Linie, die Beine sind geschlossen. Der Voltigierer zieht nun die Füße Richtung Gurt, indem er das Gewicht vermehrt auf die Arme verlagert und die Hüfte beugt. Die Beine werden leicht geöffnet und gleiten am Pferd entlang zum aufgerichteten Sitz direkt hinter dem Gurt.
Mühle Bei der Mühle handelt es sich um eine 360°-Drehung im aufrechten Sitz, die in vier Phasen durchgeführt wird. Die Phasen erfolgen im Vierer-Takt, wobei ein Galoppsprung des Pferdes einem Takt entspricht. Ausgangs- und Endposition der Mühle ist der Vorwärtssitz. Erste Phase: Führen des rechten Beines zum Quersitz innen (die Beine sind nun geschlossen), zweite Phase: Führen des linken Beines zum Sitz rückwärts, dritte Phase: Führen des rechten Beines zum Quersitz außen (geschlossene Beine), vierte Phase: Führen des linken Beines zum Sitz vorwärts. In jeder Phase erfolgt ein Griffwechsel mit den Händen. Die gestreckten Beine werden stets in gleichmäßigem Halbkreisbogen geführt während die korrekte, aufgerichtete Sitzposition zu keinem Zeitpunkt aufgegeben wird. Die Blickrichtung sollte im rechten Winkel zur Schulterachse geradeaus gerichtet bleiben.
In der Leistungsklasse L wird lediglich eine Halbe Mühle gefordert, d. h. die ersten beiden Phasen bzw. eine Drehung um 180°.
Quersitz Bei dem Quersitz handelt es sich um eine Vorübung zur Mühle, die in der Leistungsklasse A gefordert wird. Ausgangs- und Endposition ist der Vorwärtssitz. Zunächst wird unter Einhaltung der korrekten Sitzposition das rechte Bein zum Quersitz innen geführt. Der Voltigierer sitzt mit aufgerichtetem Oberkörper und bei gleichmäßiger Belastung beider Gesäßknochen während die Beine geschlossen am Pferd anliegen. Becken- und Schulterachse stehen parallel zur Längsachse des Pferdes und befinden sich senkrecht übereinander. Der Blick ist im rechten Winkel geradeaus gerichtet. Der Voltigierer hebt nun seinen linken, gestreckten Arm in die seitliche Haltung, die vier Galoppsprünge gehalten werden muss. Hierbei bilden Schultern und Fingerspitzen eine gerade Linie, die Finger sind geschlossen und die Handfläche ist nach unten gerichtet. Nun wird das rechte Bein zum Sitz nach vorne und anschließend das linke Bein zum Quersitz nach außen geführt. Die Sitzposition und Armhaltung entsprechen dem Quersitz innen, wobei hier der rechte Arm ausgestreckt wird. Nach vier Galoppsprüngen wird das linke Bein zum Sitz vorwärts zurückgeführt. Die gestreckten Beine werden stets in gleichmäßigem Halbkreisbogen geführt.
Schere Teil zum Rückwärtssitz: Der Voltigierer holt aus dem Sitzen mit den Beinen Schwung, indem er diese nach vorne streckt. Direkt anschließend schwingt er die Beine gestreckt nach hinten. Der Oberkörper geht gleichzeitig nach vorne und der Kopf nach unten, der Voltigierer stützt sich auf die Arme, ideal wäre es hier, sich in den Handstand heraus zu stützen. Im höchsten Punkt werden die Beine so aneinander vorbei genommen (geschert) und der Oberkörper nach innen gedreht, dass der Voltigierer bei der Landung auf dem Pferd rückwärts weich einsitzt.