mini|Rollbandanzeige für den Linienverlauf („Perlband“) im Zug

Der DT 8 (interne Bezeichnung: S-DT 8H.-J. Knupfer: Stuttgarts Zwölfte - Stadtbahnwagen Typ S-DT 8.12. Stuttgarter Straßenbahnen AG, Stuttgart 2013 ()SSB: Themen der Zeit – Das Projekt Generalüberholung. Stuttgarter Straßenbahnen AG, Stuttgart 2011 (Sonderdruck der Mitarbeiterzeitschrift "Über Berg und Tal", Ausgabe 4/2011)) ist eine Familie von Stadtbahnfahrzeugen der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB), die seit 1985 regulär im Netz der Stadtbahn Stuttgart eingesetzt wird. Die Bezeichnung „S-DT 8“ steht für Doppeltriebwagen Typ Stuttgart mit acht Achsen, ein Stadtbahnzug besteht also aus zwei kurzgekuppelten Triebwagen mit insgesamt acht Achsen. Die Spurweite des DT 8 ist 1435 mm, also Normalspur. Er hat die meterspurigen Straßenbahnen des Typs GT4 im Planbetrieb abgelöst. Inzwischen gibt es drei verschiedene DT-8-Generationen plus Prototypen. Die vierte ist bereits im Bau.

Der DT 8 wurde speziell für Stuttgart und seine topographischen Gegebenheiten („Stuttgarter Talkessel“) entwickelt. Die technische Konzeption erfolgte durch die SSB und MAN, das Design maßgeblich durch Lindinger & Partner. Weil die meisten Linien im Stadtgebiet von Stuttgart circa 200 Höhenmeter überwinden müssen, sind alle Achsen der Fahrzeuge angetrieben. Ursprünglich waren sie für eine Steigung von bis zu 70 Promille (für Olgaeck–Bopser) ausgelegt, später (Inbetriebnahme Olgaeck–Eugensplatz) wurde der Betrieb bis zu einer Steigung von 85 Promille genehmigt. Die DT 8.12–15 sind für 90 Promille Steigfähigkeit ausgelegt.Stadler Pankow GmbH: Stadtbahn DT8.12 für die Stuttgarter Straßenbahnen AG (Technisches Datenblatt) (; PDF; 1,8 MB) Die Fahrzeugfamilie zeichnet sich insgesamt durch ein „generationenverbindendes Design“ aus.

Vorgeschichte Nach verschiedenen Überlegungen zu einem Nahverkehrssystem, das zeitweise die Errichtung einer U-Bahn vorsah (siehe U-Bahn Stuttgart), beschloss der Gemeinderat Stuttgart am 10. Juni 1976 ein Stadtbahnkonzept, das eine weitestgehend unabhängige Führung an der Oberfläche und – wo sinnvoll – in Tunnelstrecken vorsah. Wesentliche Merkmale waren der Einsatz von 2,65 Metern breiten Fahrzeugen in Normalspur und ein Lichtraumprofil, das eine spätere Umstellung auf einen Betrieb mit U-Bahn-Fahrzeugen zuließ.SSB/Landeshauptstadt Stuttgart: Stadtbahn Stuttgart – Talquerlinien U 5 und U 6. Stuttgarter Straßenbahnen AG und Landeshauptstadt Stuttgart, Stuttgart 1990 Vor dem Hintergrund der Fertigstellung der ersten Strecken, die Linie 3 wurde 1985 nach Vorlaufbetrieb als erste Linie umgestellt,Gottfried Bauer, Ulrich Theurer: Stuttgarter Straßenbahnen Band IV – Von der Straßenbahn zur Stadtbahn 1975–2000. Stuttgarter Straßenbahnen, Stuttgart 2000, ISBN 3-00-006615-2. galt es geeignete Fahrzeuge zu beschaffen. Wesentliche Kriterien waren: Sitzplatzfahrzeug mit hohem Fahrgastkomfort Abstimmung an die Stuttgarter Randbedingungen (Länge von 38 Meter (Entspricht der Länge von zwei GT 4), Allachsantrieb und hohe Antriebsleistung für lange Steigungsstrecken bis 70 Promille, einzelne Strecke mit 85 Promille) Anwendung moderner Technologien zur Minimierung von Wartungs- und Energieaufwand Verwendung von Hochbahnsteigen (in der Übergangsphase im Mischbetrieb mit Tiefbahnsteigen) Die Entscheidung für Hochbahnsteige fiel vor allem mit dem Ziel, die Aufenthaltszeit an den Haltestellen zu verringern und den Fahrgästen einen möglichst hohen Komfort zu bieten. Auch war zum Zeitpunkt der Entscheidung die Niederflurtechnik noch nicht etabliert.

Serien mini|Innenraum eines DT 8 Übersicht mini|Fahrgastinformationsbildschirm in einem DT 8 Die bislang existierenden Serien lassen sich in vier Gruppen unterteilen: den Prototypen: Serien DT 8.1–3, drei verschiedene Testwagen; der ersten Generation: Serien DT 8.4–9, hergestellt von DUEWAG, AEG, Siemens und SGP; der zweiten Generation: Serien DT 8.10–11, technisch, konstruktiv und gestalterisch wesentlich weiterentwickelt; der dritten Generation: Serien DT 8.12–15, erneut weiterentwickelt, basierend auf der „Tango“-Serie von Stadler.

Zwei DT 8 sind zu einer Doppeltraktion („80-Meter-Züge“, im regulären Betrieb genutzt) oder einer Dreifachtraktion („120-Meter-Züge“, nicht für den regulären Betrieb zugelassen) kuppelbar, wobei nur Züge der gleichen Generation (DT 8.4–9 / DT 8.10–11 / DT 8.12–15 / DT 8.S) im regulären Einsatz gekuppelt werden können. Serie TypWagennummern Baujahr(e) Anzahl Hersteller Klapptritt VerbleibPrototypen 3 8.1 501.13001/3002 1981 1 MAN, AEG, Siemens ja Wagen 1 (3001) im Straßenbahnmuseum Stuttgart erhalten, Wagen 2 (3002) verschrottet8.2 501.23003/3004 1982 1 MAN, AEG, Siemens ja verschrottet8.3 501.33005/3006 1982 1 MAN, BBCja Wagen 1 (3005) verschrottet, Wagen 2 (3006) im Straßenbahnmuseum Stuttgart erhaltenErste Generation 114 8.4 502.13007–3086 1985–1986 40 Duewag, BBC, AEG, Siemens, SGPja im Einsatz, 3047–3082 teilsaniert (Bezeichnung DT 8.4.1), 3083–3086 umnummeriert zu 4083–4086 nach Generalüberholung zu DT 8.S8.5 502.23087–3104 1988–1989 9 Duewag, BBC, AEG, Siemens, SGP ja im Einsatz, umnummeriert zu 4087–4104 nach Generalüberholung zu DT 8.S8.6 502.33105–3168 1989–1990 32 Duewag, BBC, AEG, Siemens, SGP nein im Einsatz, umnummeriert zu 4105–4168 nach Generalüberholung zu DT 8.S8.7 502.43169–3180 1992–1993 6 Duewag, BBC, AEG, Siemens, SGP ja im Einsatz, umnummeriert zu 4169–4180 nach Generalüberholung zu DT 8.S8.8 502.53181–3202 1993 11 Duewag, BBC, AEG, Siemens, SGP nein im Einsatz, umnummeriert zu 4181–4202 nach Generalüberholung zu DT 8.S8.9 502.63203–3234 1996 16 Duewag, BBC, AEG, Siemens, SGP nein im Einsatz, umnummeriert zu 4203–4234 nach Generalüberholung zu DT 8.SZweite Generation 50 8.10 503.13301–3346 1999–2000 23 Siemens nein im Einsatz8.11 503.23347–3400 2003–2005 27 Bombardier nein im EinsatzDritte Generation 60 8.12 3501–3540 2012–2014 20 Stadlernein im Einsatz8.14 3541–3580 2017–201820 Stadler nein im Einsatz8.15 3581–3620 2021–202320 Stadler nein im EinsatzVierte Generation 70 8.16 3701 ff.ab 202640 Stadler nein bestellt8.17ab 203030Stadlerneinbestellt

Jeder Doppeltriebwagen besteht aus zwei Wagen: Dem Wagen 1 (ungerade Wagennummer, Stromabnehmer) und dem Wagen 2 (gerade Wagennummer = die des Wagens 1 + 1).

Alle Fahrzeuge, die bereits eine Generalüberholung durchlaufen haben, werden mit der Ziffer 4 statt 3 an der ersten Stelle der Wagennummer geführt (beispielsweise wurde 3097/3098 zu 4097/4098).

Das Durchschnittsalter der Stadtbahnfahrzeuge betrug 2015 20 Jahre.

Prototypen: DT 8.1, DT 8.2 und DT 8.3

Entwicklung und Beschaffung mini|Die verbliebenen Wagen 3001 und 3006 im ehemaligen Straßenbahnmuseum Zuffenhausen Da ein den Anforderungen entsprechendes Fahrzeug auf dem Markt nicht verfügbar war, beauftragte die SSB die Herstellung von drei Prototypen. Diese wurden als DT 8.1 bis 8.3 (Wagennummern 3001–3006) bezeichnet und in den Jahren 1981 und 1982 gefertigt. Die Prototypen basierten alle auf dem gleichen Grundkonzept, unterschieden sich jedoch in der elektrischen Ausrüstung, verschiedenen mechanischen Komponenten, der Lackierung und der Innenausstattung. So verfügten die Wagen 3001/02 und 3003/04 über ein zur Hälfte gelb lackiertes Unterteil und 3005/06 über ein gänzlich schwarz lackiertes Unterteil. Im Innenraum war Wagen 3001/02 mit fliederfarbenen und Wagen 3005/06 mit grünen Sitzen ausgestattet. Wagen 3001/02 trug zuletzt Werbung für die Landesbausparkasse, Wagen 3005/06 für die Sparkassen-Versicherung.

Der Planentwurf für die Fahrzeuge entstand weitestgehend durch die SSB, die äußere Gestaltung übernahm das Design-Büro Lindinger & Partner. Die Herstellung des mechanischen Teils der Fahrzeuge erfolgte durch MAN in Nürnberg, die elektrische Ausrüstung lieferten AEG, Siemens und BBC.Gottfried Bauer, Ulrich Theurer, Claude Jeanmaire: Straßenbahnen um Stuttgart (Band III). Verlag Eisenbahn, Villingen (CH), ISBN 3-85649-047-7.

Einsatz und Verbleib Da die SSB seinerzeit noch nicht über Normalspurstrecken verfügten, wurden die Prototypen von 1982 bis Anfang 1983 auf der Albtalbahn getestet. Ab 14. Februar 1983 kamen sie in Stuttgart auf dem Abschnitt Möhringen – Plieningen der Linie 3 zum Einsatz.

Die Züge wurden 1990 ausgemustert und verschrottet. Erhalten blieb je ein Einzelwagen des DT 8.1 (3001) und des DT 8.3 (3006). Diese werden vom Verein Stuttgarter Historische Straßenbahnen betreut und wurden bis 2007 im Straßenbahnmuseum Zuffenhausen ausgestellt. Anschließend waren sie für die Öffentlichkeit unzugänglich im Betriebshof Heslach hinterstellt. Am 18. Juli 2018 wurden sie von dort zum Straßenbahnmuseum Stuttgart überführt, wo sie seitdem untergebracht sind.

Nachträglich werden die Typenbezeichnungen der drei Prototypen-Züge als Serie bezeichnet. Das ist jedoch missverständlich, da es sich lediglich um Einzelzüge und nicht um eine größere Serie handelt.

Erste Generation: DT 8.4–9, DT 8.4.1 und DT 8.S mini|Serie DT 8.9Wagennummer 3221

Übersicht und Unterschiede Nachdem mit den Prototypen hinreichend Erfahrungen gesammelt werden konnten, wurden beim Hersteller Duewag zwischen 1985 und 1996 insgesamt 114 Züge der ersten Generation produziert. Sie wurden in sechs Serien ausgeliefert, wobei diese sich in einigen Details voneinander unterschieden: Die erste reguläre Serie 8.4 mit 40 Exemplaren (Baujahr 1985 und 1986; Wagennummern 3007–3086) war mit Klapptrittstufen ausgerüstet, die den Ausstieg auch an Tiefbahnsteigen ermöglichten. Der nachfolgende DT 8.5 hatte nur geringfügige Änderungen zu verzeichnen (neun Züge von 1988 bis 1989; Wagennummern 3087–3104). 1989 und 1990 erfolgte die Fertigung der Serie 8.6, die im Gegensatz zu den vorhergehenden Triebfahrzeugen ohne Klapptrittstufen ausgeliefert wurde (32 Doppeltriebwagen; Wagennummern 3105–3168). 1992 entstanden die sechs Einheiten des DT 8.7 (Wagennummern 3169–3180), die wieder mit Klapptrittstufen ausgerüstet waren. 1993 folgte die Lieferung von elf weiteren Doppeltriebwagen ohne Klapptrittstufen (DT 8.8; Fahrzeugnummern 3181–3202). 1996 kamen nochmals 16 DT 8.9 (Wagennummern 3203–3234) zu den SSB, ebenfalls nur für Hochbahnsteige gerüstet. Wagen 3013/14 traf als erster Serien-DT-8 in Stuttgart ein. Er wurde am 10. Mai 1985 am damaligen Übergabegleis in Vaihingen abgeladen und per Schienen-Unimog zum SSB-Zentrum überführt. Der numerisch „erste“ Wagen 3007/08 traf am 23. Mai ein.

Fahrleitungsmesswagen Das Wagenpaar 3067/3068 kann zur Wartung und Kontrolle der Fahrleitungen auf dem Dach eine Kamera und eine Skala am Stromabnehmer aufnehmen. Zum Kontrollbetrieb werden die Messeinrichtungen im Fahrzeug angebracht. Der Zug ist nach deren Entfernung wieder als gewöhnliche Stadtbahn unterwegs.

Es bestehen kleine Unterschiede zwischen den beiden Wagen. Der ursprüngliche Wagen 3067 wurde 1990 bei einem Unfall irreparabel beschädigt. Die unbeschädigte Hälfte 3068 wurde zunächst abgestellt. 1992 wurde zusammen mit den DT 8.7 ein einzelner Stadtbahnwagen bestellt, der seither als neuer Wagen 3067 im Einsatz ist.

Generalsanierung Um die Lebensdauer der Züge um weitere 20 Jahre zu verlängern, wurden zwischen 2007 und 2017 die zwei letzten Wagen der Serie DT 8.4, die 58 Wagen der Serien DT 8.5–8 und die 16 Wagen der Serie DT 8.9 (insgesamt 76 Züge, Wagennummern 3083–3234) generalsaniert und runderneuert. mini|Serie DT 8.SWagennummer 4156Erstes modernisiertes FahrzeugPräsentation am 19. Juli 2008Die Runderneuerung umfasste u. a. folgende Änderungen: Die gesamte Verkabelung sowie eine Vielzahl elektrischer Komponenten wurde erneuert. Die bisherige Antriebstechnik wurde teilweise durch modernere Komponenten ersetzt. Das Fahrgastinformationssystem im Innenraum wurde von den wartungsintensiven Rollbändern auf Bildschirme umgestellt. Im Innenraum wurden an den Wagenenden LCD-Textfelder eingebaut, welche die nächste Haltestelle anzeigen. Die Fahrerkabinen wurden nach dem Vorbild der DT 8.10–11 neu gestaltet.